27. Juni 2017

Heimat: “Ein Abend in der Pop-up-Bar am Wasserturm”

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Pils, Crafter, Radler. Leere Bierflaschen reihen sich auf der Theke aneinander. Daneben stehen zahlreiche Gläser, ineinander gestapelt, noch mit Strohhalmen versehen, kleine Pfützen haben sich ganz unten an ihrem Bodenrand gebildet. „Oh, hier sieht es aus, als ob jemand eine Party gefeiert hätte“, kommentiert Marcel Böttner lachend, als er die massive Tür des Wasserturms öffnet und wir in das Innere eintreten. Es ist das erste Mal, dass der Organisator selbst nach der Eröffnung der Pop-up-Bar am vergangenen Freitagabend wieder auf dem Gelände hinter dem Hauptbahnhof ist.

„Ich bin überglücklich, wie gut alles angelaufen ist“, sagt Marcel dann zu mir und strahlt. Punkt 1 Uhr waren alle alkoholischen Getränke weg. Ausverkauft. „Aber es gibt nun noch ein paar Dinge, die wir unbedingt an der Bar bis zum zweiten Abend verbessern möchten“, fügt er hinzu – und meint damit vor allem die langen Schlangen, die sich bei der Premiere bereits am frühen Abend vor der Theke bildeten.

Das sind Marcel und Saskia.

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6. April 2014

Heimat: “Lesung mit Jügen Teipel”

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Plattenläden waren lange Zeit ein reines Jungs-Ding. Wenn es ums Auflegen ging, hatten es Frauen ganz schön schwer. Das erzählte der Autor und ehemalige DJ Jürgen Teipel am Donnerstagabend bei seiner Lesung im Kulturraum Vanguarde.

Lampenfieber, Drogen, Beziehungen: „Mehr als laut“ lautet der Titel von Teipels Buchs, das im Doku-Stil von den Erlebnissen verschiedener DJs erzählt und an diesem Abend im Mittelpunkt der rund zweistündigen Lesung steht. Eine Collage aus O-Tönen. Zu Wort kommen unter anderem DJ Koze, Inga Humpe und Kristian Beyer (Âme). Die Geschichten spielen in Mannheim, Ibiza, Kolumbien.

„Die Szene war Anfang der 1990er-Jahre von Männern dominiert, quasi ein geschlossener Kreis.“ Frauen mussten sich an alten Rollenmustern abarbeiten, sollten lieber auf Boxen tanzen, als für die Musikauswahl sorgen. „Die richtig interessanten Sachen wurden ihnen in den Plattenläden oft gar nicht gezeigt“, erzählt Teipel. Die Konsequenz: Gerade mal fünf Prozent der DJs waren damals weiblich, die DJane „Acid Maria“ eine kleine Sensation.

„Das Geschlechter-Ungleichgewicht ging in den vergangenen Jahren zwar ein wenig zurück“, fügt der Schriftsteller hinzu. Inzwischen betrage der Anteil der Frauen unter den DJs mehr als 20 Prozent. Gleichwohl: Ein Ungleichgewicht sei nach wie vor da.

Dass Drogen in der Szene keine Seltenheit sind, das thematisiert Teipel ganz offen. Er lässt seine Protangonisten erzählen – unter anderem von Ecstasy in astreiner Kapselqualität. „Das saugt dich aus.“ Oder von MDMA-Erfahrungen: „Zuerst schien alles gut, dann kamen aber die Blackouts.“ Es sei dann kaum mehr möglich gewesen, einem Gespräch mit anderen ernsthaft zu folgen.

Neben dem Freiburger Autor hat an diesem Abend im Vanguarde Christian Nainggolan (LEGO) Platz genommen. Er war Mitbegründer der „Plattentasche“, einem Laden in der Luisenstraße in der Karlsruher Südstadt. „Das war dort streckenweise wie in einer Kneipe“, erinnert er sich. Die Leute kamen, um sich auszutauschen, das Kaufen stand oft gar nicht im Vordergrund. Eine schöne Zeit, die er auf keinen Fall missen wollte.

Die Lesung mit Jürgen Teipel folgt an diesem Abend einem offenen Konzept, Fragen dürfen vom Publikum durchweg gestellt werden. Was in der ersten Hälfte gut funktioniert, wird gegen Ende ein wenig zäh. Die Geschichten rund um die DJ-Erlebniswelt sind dennoch höchst unterhaltsam und interessant.

Aufmerksamkeit erregte Teipel bereits 2001 mit seinem Werk „Verschwende deine Jugend“, einem Doku-Roman über deutschen Punk und New Wave. Er schreibt unter anderem für die Wochenzeitung „Die Zeit“ sowie das Musikmagazin „Spex“.

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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