3. Oktober 2016

Schmöker: “Unterwerfung” von Michel Houellebecq

unterwerfung

Spannend, radikal, bereichernd.

Eine autoritäre muslimische Partei regiert im Jahr 2022 Frankreich. Der Trubel war groß, als „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq im Januar 2015 erschien. Besonders da die Veröffentlichung mit dem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zusammenfiel. Auch ich stand dem Werk lange sehr skeptisch gegenüber – zahlreiche Medien und Personen des öffentlichen Lebens warfen dem derzeit bedeutendsten französischen Autor islamfeindliche Tendenzen vor. Mich nervte es zunächst auch sehr, dass er in der eh schon aufgehitzten Lage ein für mich völlig utopisches Szenarium konzipiert: Eine muslimische Partei krempelt ein westliches Land um. Houellebecq schürt Ängste, das waren meine ersten Gedanken, als ich die Rezensionen über „Unterwerfung“ las.

Nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ich gestehen: Ich habe mich geirrt. Michel Houellebecqs Gedankenspiel ist keineswegs absurd, sondern sehr klug konstruiert. Seine Herleitungen klingen so logisch, dass es sehr spannend ist, ihnen zu folgen. Mit unglaublicher Genauigkeit beschreibt er die französische Gesellschaft, zieht immer wieder sehr interessante geschichtliche Vergleiche und zeigt auf, wie sich die Nation durch ihren Hedonismus, Kapitalimus und den ständigen Drang zur Individualisierung selbst zerstört. Weiterlesen »

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15. November 2014

Heimat: “Twittersalon – Durch die Nacht mit Degas”

Ausschnitt: Edgar Degas "Selbstporträt mit erhobenem Hut", um 1863 - © Calouste Gulbenkian Foundation, Lisbon M.C.G., Foto: Catarina Gomes Ferreira

© Calouste Gulbenkian Foundation, Lisbon M.C.G., Foto: Catarina Gomes Ferreira

Der erste “Tweetup” in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe

Elegant sieht er aus. Den Zylinder hält er in der Hand, ein schwarzer Gehrock und eine Weste kleiden ihn. Mit kühlem Blick mustert Edgar Degas den Betrachter. Im “Selbstporträt mit erhobenem Hut” zeigt sich der Künstler als eleganter Bourgeois. 30 Jahre ist er alt und ein Liebhaber der Ballettszene sowie der modernen Pariser Lebenswelt. “Die Komposition dieses Selbstporträts erinnert an die italienische Renaissance-Malerei aus dem 16. Jahrhundert. Durch die klar umrissene Körpersilhouette sowie die feine Modellierung von Gesicht, Händen und Gesicht werden aber auch Einflüsse der klassizistischen Porträtkunst deutlich”, erläutert Kurator Alexander Eiling anlässlich des ersten „Tweetups“ in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. „Twittersalon – Mit Degas durch die Nacht” so der Titel der Veranstaltung, die von den „Kulturkonsorten“ aus München mitorganisiert wurde. #degasskk Weiterlesen »

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15. April 2013

Flimmerkasten: “Der Vorname”

Interessant und vielschichtig

Eigentlich soll es ein netter Abend werden. Elisabeth, genannt Babou, hat marokkanisch gekocht. Gemeinsam mit ihrem Mann Pierre wartet sie nun auf die Gäste: Auf ihren Bruder Vincon, dessen schwangere Freundin Anna und auf ihren langjährigen Freund Claude. Als Vincon erzählt, wie sein Sohn heißen soll, gerät alles außer Kontrolle. Tief verborgene Geheimnisse kommen ans Licht, aufgestaute Dinge werden ausgesprochen. Irgendwann liegt Claude auf dem marokkanischen Büfett –  mit blutender Nase. Weiterlesen »

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3. April 2013

Schmöker: “Léon und Louise” von Alex Capus

Verliebt vor Beginn des Krieges

Es ist eine Begegnung, die zwei Leben prägt: Louise trägt eine rot-weiß gepunktete Bluse und fährt auf einem alten, rostigen Herrenfahrrad umher, als Léon sie zum ersten Mal sieht.  Der junge Soldat  verliebt sich sofort in sie. Es ist jedoch gerade der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Keine gute Ausgangsbedingung für die Liebe. Ein Bombenhagel trennt sie auf tragische Weise. Aber Léons und Louises Zuneigung ist tief und überdauert viele Jahrzehnte – trotz zahlreicher Widrigkeiten.

“Léon und Louise” bekam ich zu Weihnachten geschenkt. Zuerst hatte ich den Roman  auf meinen riesigen Stapel an ungelesener Bücher abgelegt, dann griff ich aber doch bereits nach wenigen Wochen danach – und las es letztlich rasend schnell. Weiterlesen »

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2. April 2013

Flimmerkasten: “Mademoiselle Populaire”

Kinostart: 11. April

Wenn es einen Film gäbe, der nur für mich gemacht wurde, dann ist das wohl  “Mademoiselle Populaire”.

Frankreich 1958: Die etwas tolpatschige Rose möchte raus aus dem Dorf, hinein in die Stadt. Ihre Talente sind begrenzt, aber eins kann sie ungeheim gut: auf der Schreibmaschine tippen. Das macht sie zwar etwas unkonventionell, das Zehn-Finger-System beherrscht sie nicht, das macht aber nix. Denn sie ist wahnsinnig schnell.  Der smarte Versicherungsagent Louis stellt sie deshalb als Sekretärin ein. Eine Woche auf Probe.
Rose kann mit ihren beruflichen Kompetenzen letztlich nicht überzeugen. Zu schusselig ist sie. Louis erkennt aber ihr Potenzial im Maschinen-Schnellschreiben und meldet sie bei einem Wettbewerb an. Sein sportlicher Ehrgeiz ist geweckt und er animiert sie zum üben, üben und üben….Liebesverwicklungen inklusive.

“Mademoiselle Populaire” ist angelehnt an die typische Hollywood-Komödie der 1950er-Jahre. Da ist der große, charmante Herr (Roman Duris) und das junge, blonde Mädchen (Déborah Francois). Wie es ausgeht, ist schnell voraussehbar. Das ist aber völlig egal. Der Retro-Film überzeugt mit seiner wunderbaren Nostalgie-Ausstattung. Allein die vielen schönen Outfits der Damen und die tollen Schreibmaschinen ließen mein Herz schneller schlagen.

Regissieur Régis Roinsard schafft es in seinem Debüt eine gelungene Mischung aus viel Humor, Ironie, aber auch Gefühlen herzustellen. Ein wenig Kitsch gehört wohl dazu. Aber das macht den Film letztlich auch aus. Wunderbares französisches Popcorn-Kino, das ein rundum Wohlfühlgefühl erzeugt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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