2. März 2023

Buchkritik: “Katzentisch” von Michael Ondaatje

Rezension von “Katzentisch” von Michael Ondaatje: 21 Tage auf dem Ozean

Es ist eine Reise voller Abenteuer: Der elfjährige Michael fährt mit dem Dampfer „Oronsay“ von Sri Lanka nach England – ganz alleine. Nur seine entfernte Cousine Emily ist zufällig mit an Bord. In London soll ihn am Hafen seine Mutter empfangen. Seit vielen Jahren hat der Junge sie nicht mehr gesehen. 21 Tage auf dem Ozean gilt es bis dahin zu überwinden. Drei Wochen voller interessanter Begegnungen und kuriosen Erlebnissen, die Michael für immer im Gedächtnis bleiben. Weiterlesen »

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24. Februar 2023

Buchkritik: “Der Trafikant” von Robert Seethaler

Der Trafikant von Robert Seethaler

Ein Juwel in Buchform: “Der Trafikant” von Robert Seethaler

Fast wäre „Der Trafikant“ in meinem Bücherchaos untergegangen. Bereits vor Jahren hatte ich ihn gekauft, auf meinen Stapel an ungelesenen Werken gelegt – und vergessen. Immer wieder kam ihm ein anderer Roman zuvor, verdrängte ihn. „Der Trafikant“ rutschte tief, tiefer und verschwand nahezu, bis ihn seine Verfilmung im vergangenen Jahr schlagartig in mein Gedächtnis zurückbrachte.

Zum Glück.

Innerhalb weniger Tage habe ich das Buch mit dem minimalistischen Cover nun gelesen, Satz für Satz aufgesaugt. „Der Trafikant“ ist voll mit wunderbaren Beschreibungen, Witz und einer Leichtigkeit der Sprache, die der Grausamkeit der Geschehnisse kurz vor dem Zweiten Weltkrieg diametral gegenübersteht – und dadurch erst recht eine Intensität entwickelt. Der Roman erfasste mich mit voller Wucht. Er ist ein funkelnder Juwel in Buchform.

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22. Februar 2023

Buchkritik: “Tschick” von Wolfgang Herrndorf

"Tschick" von Wolfgang Herrndorf

Rezension von “Tschick”: was für ein berührendes Buch

Zwei 14-jährige Jungs, ein geklautes Auto und eine spannende Reise: Andrej Tschichatschow, alias Tschick, sitzt nach den Osterferien plötzlich in der Klasse von Maik Klingenberg. Die Jungs kommen aus unterschiedlichen Welten. Tschick ist mit seiner Familie aus Russland übergesiedelt und haust in einem der heruntergekommenen Hochhäuser in Hellersdorf.

Maik residiert mit seinen Eltern in einer Villa – Liebe und Aufmerksamkeit sind jedoch Mangelware. Da Tschick sich in den Sommerferien langweilt und Maik ohnehin allein zu Hause ist (Mutter auf Entzug, Vater mit seiner Geliebten auf Geschäftsreise), machen sich die beiden Jungs mit einem geklauten, klapprigen Lada auf den Weg. Ihr Ziel: die Walachei. Der Beginn eines abenteuerlichen Roadtrips. Weiterlesen »

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18. November 2022

Buchkritik: “Dicht” von Stefanie Sargnagel

Buchkritik: "Dicht" von Stefanie Sargnagel

“Dicht” von Stefanie Sargnagel: Unterhaltsam, aber ohne Tiefgang

Dass Stefanie Sargnagel eine bewegende Jugendzeit hatte, daran zweifelte ich auch schon vor ihrem Buch „Dicht – Aufzeichnungen einer Tagediebin“ keineswegs. Von Konformität und bürgerlichen Lebensformen ist die österreichische Schriftstellerin so weit entfernt, es wäre eine riesige Überraschung gewesen, hätte sich das nicht bereits früh in ihrem Leben abgezeichnet.

Seit Jahren verfolge ich Stefanie Sargnagel bereits über die sozialen Medien. Ihre bissigen Postings auf Facebook sind nicht nur unterhaltsam, sondern beschäftigen sich auch häufig mit politischen Themen und weisen auf Missstände in der Gesellschaft hin. Vor allem die Rechten in Österreich fühlen sich von ihr provoziert.

Während ihr Buch „Statusmeldungen“ ein Sammelsurium an kuriosen Facebook-Posts ist und unter anderem von ihren Erfahrungen in einem Call Center und von der Zeit handelt, als viele Geflüchtete nach Österreich und Deutschland kamen, hat die Autorin mit „Dicht“ einen Coming-of-Age-Roman geschrieben, in dessen Mittelpunkt sie selbst und ihre illustren Freund*innen aus Wien stehen.

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4. September 2022

Buchkritik: “Die Diplomatin” von Lucy Fricke

"Die Diplomatin" von Lucy Fricke

„Die Diplomatin“: Wirklich so toll oder Geschmackssache?

Es kommt nicht oft vor, dass mir mehrere Menschen innerhalb kürzester Zeit schreiben, wie toll ein Buch sei und dass ich es unbedingt lesen müsse. Bei „Die Diplomatin“ von Lucy Fricke war genau das der Fall. Bislang hatte ich mich noch nicht näher mit dem Roman beschäftigt. Nun war ich neugierig und wollte wissen, was daran so besonders ist. Ist das Buch wirklich so toll oder vielleicht doch eher Geschmackssache und überbewertet?

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13. August 2022

Buchkritik: “Heimkehren” von Yaa Gyasi

Heimkehren - Yaa Gyasi

“Heimkehren”: ein wunderbares Buch mit bewegenden Geschichten

Erst Sophie Passmann, dann Sarah Kuttner: In den vergangenen Wochen erlebten gleich zwei weiße Frauen einen tobenden Shitstorm in den sozialen Medien. Der Grund: Sie äußerten sich unangebracht (Passmann) und sehr borniert (Kuttner) über Schwarze Menschen.

Es wunderte mich sehr, dass beide Frauen in der Öffentlichkeit überhaupt etwas Kritisches zum Thema Rassismus sagten. Es gibt eine Sache, die ich in den vergangenen Jahren gelernt habe: Als weiße Frau halte ich mich verbal zurück, wenn Betroffene von ihren Erfahrungen und Bitten zum Thema Rassismus erzählen – vor allem in den sozialen Medien.

Stattdessen versuche ich, viel darüber zu lesen – um die Geschichte besser zu verstehen und sensibel für Ungerechtigkeiten zu sein. Neben Sachbüchern greife ich gerne zu Literatur von Schwarzen Autor*innen, beispielsweise von Chimamanda Ngozi Adichi, Bernadine Evaristo und Colson Whitehead. Nun habe ich zufällig beim Dumont-Verlag „Heimkehren“ von Yaa Gyasi entdeckt – und bin unfassbar begeistert von diesem ganz besonderen Roman.

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30. Juli 2022

Buchkritik: “Wenn du mich heute wieder fragen würdest” von Mary Beth Kane

"Wenn du mich heute wieder fragen würdest" von Mary Beth Kane

“Wenn du mich heute wieder fragen würdest”: Hoffnung für schwere Tage

Wahrscheinlich wäre „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ an mir vorbei gerauscht, wenn nicht ausgerechnet von Meg Wolitzer ein Statement direkt auf der Vorderseite des pistaziengrünen Covers abgedruckt wäre: „Mitreißend und bewegend“ findet die amerikanische Autorin das Werk von ihrer Kollegin Mary Beth Kane.

Von Meg Wolitzer bin ich riesiger Fan, seit ich „Die Interessanten“ gelesen habe. Der Roman um sechs Freund*innen, die gemeinsam älter und auf die verschiedenste Weise vom Leben herausgefordert werden, hat mich zutiefst bewegt und gehört definitiv zu meinen All-time-Favorites.

Meg Wolitzers positves Urteil machte mich deshalb neugierig. Ist „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ tatsächlich so gut? Gespannt begann ich zu lesen.

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29. Mai 2022

Buchkritik: “Blauwal der Erinnerung” von Tanja Maljartschuk

"Blauwal der Erinnerung" von Tanja Maljartschuk

“Blauwal der Erinnerung”: Über einen ukrainischen Volkshelden und eine Frau mit Panikattacken

Als sie unberechenbare Panikattacken überfallen, ihr das Herz bis in die Kehle drängt, Wörter an Bedeutung verlieren und der Gang aus dem Haus zu einer riesigen Überwindung wird, findet die namenlose Ich-Erzählerin zu Wjatscheslaw Lypynskyj.

In einer alten ukrainischen Tageszeitung entdeckt sie eine Todesanzeige des ukrainischen Volkshelden. Im Juni 1931 ist der Politiker und Historiker gestorben. Wer ist dieser Mann, der Anfang des 20. Jahrhunderts für die Geschichte der Ukraine eine wichtige Rolle spielt, aber danach nahezu in Vergessenheit gerät?

Um selbst wieder Halt im Leben zu finden, beginnt die junge Frau seine Geschichte zu recherchieren – und beschäftigt sich dadurch auch mit sich und der Vergangenheit ihrer eigenen Familie.

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29. Januar 2022

Buchkritik: “Die verschwindende Hälfte” von Brit Bennett

"Die verschwindende Hälfte" I Brit Bennett

„Die verschwindende Hälfte“: ein großer Roman über Rassismus und Liebe

Es ist der 14. August 1954, als die Schwarzen Zwillinge Stella und Desiree Vignes nach dem Stadtgründer-Fest spurlos aus Mallard verschwinden. 16 Jahre sind sie damals alt. Keiner im kleinen Südstaaten-Städtchen ahnt, wohin sie gegangen sind. Es herrscht große Aufregung. Vor allem für ihre Mutter, eine mittellose Witwe, ist es ein schwerer Schlag.

Das Besondere an Mallard: Es ist keine gewöhnliche Kleinstadt in Louisiana. Die Bewohner*innen werden von Generation zu Generation immer weißer.

„(…) wie eine Tasse Kaffee, die man immer weiter mit Sahne verdünnt. Immer perfektere Negroes. Eine Generation hellhäutiger als die andere.“

Vor allem Stella macht sich diese Eigenschaft zunutze. Sie gibt sich mit ihrem hellbraunen Teint als Weiße aus, heiratet einen reichen Mann und beginnt ein komplett neues Leben – mit all den Privilegien, die für sie als Schwarze Frau völlig unerreichbar gewesen wären. Ein Seitenwechsel, den Autorin Brit Bennett unglaublich spannend, gefühlvoll und mitreißend in „Die verschwindende Hälfte“ beschreibt.

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10. November 2021

Schmöker: “Brüste und Eier” von Mieko Kawakami

"Brüste und Eier" von Mieko Kawakami

Rezension: “Brüste und Eier”: ein Roman, in dem Männer nur Nebenrollen spielen

Es war mein japanischer Mitbewohner, der mir vom Buch „Brüste und Eier“ erzählte. Bei seinem letzten Heimatbesuch hatte er das Buch von Mieko Kawakami gekauft und mitgebracht. In Japan hatte der Roman vor allem bei konservativen Männern für großen Wirbel gesorgt, aber auch den wichtigsten Literaturpreis gewonnen.

Der Grund für die Aufregung: „Brüste und Eier“ stellt patriarchale Gesellschaftsnormen infrage, beschäftigt sich kritisch mit Schönheitsidealen und damit, wie Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Es handelt von der Menstruation, Brust-OPs und der Suche nach einem Samenspender. Männer spielen nur Nebenrollen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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