29. März 2014

Heimat: “Vivant”

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Das sind Kan, Flo, Valentin und Vincent (von links)

Es ist ein zweiminütiger Trickfilm, der ganz am Ende des Gangs über einen Monitor flimmert. Sechs Meter müssen vom Eingang bis zu diesem Bildschirm zurückgelegt werden – kriechend. Die Installation „Vivant“, die ab heute, 20 Uhr, bis 19. April in Durlach beim Kunstverein Letschebach (Blumentor 12) zu bestaunen ist, ist eine physische Herausforderung für die Besucher. Sie ohne Anstrengung zu konsumieren – nicht möglich. Der Fokus von „Vivant“ liegt auf Perspektivwechsel. „Wir wollen, dass unsere Kunst bewusst wahrgenommen wird, nicht selbstverständlich erscheint“, erläutert Valentin Hennig. Er steht mit Vincent Wikström, Florian Fischer und Tao Kan Xu hinter dem facettenreichen Erlebnis. Kuratiert wird die Ausstellung von Mareen Wrobel und Andrea Bianchin.

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Auf knapp 40 Quadratmetern Fläche haben die vier Künstler ihr interaktives, multimediales Werk aufgebaut. Unterteilt ist die große Holzkonstruktion in verschiedene Bereiche, in denen der Besucher unterschiedliche Dinge erleben kann. In einem ganz kleinen Raum, links von dem Bildschirm, auf dem der Trickfilm flimmert, steht ein Sessel samt Tischchen. Ein roter Buzzer wartet auf Drückfreudige. Wer darauf haut, kann einer Diskussion zwischen Mann und Frau lauschen. Themenschwerpunkt: Schuhe.
„Die erste Idee zu ,Vivant‘ kam uns vor neun Monaten“, sagt Valentin, der an der Kunstakademie Karlsruhe sein Diplom machte. Gemeinsam mit seinen beiden Kommilitonen Flo und Kan sowie Vincent, der an der Hochschule für Musik studiert, feilte er neun Monate lang an einem Konzept – bis feststand: Das Werk soll Elemente der Videokunst, Architektur, Sensorik und Klanggestaltung kombinieren

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Viel Holz musste für die Konstruktion in den vergangenen Wochen nach Durlach gekarrt werden. Die vorbereitenden Arbeiten waren intensiv. „Deshalb haben wir uns für das Atelier vom Kunstverein Letschebach entschieden“, erläutert Valentin. Dort können die vier Künstler auf dem Gelände einer alten Brauerei 24 Stunden ohne Unterbrechung werkeln. „Unsere Schwerpunkte sind dabei klar unterteilt“, erläutern sie. Kan ist der Koordinator, Flo baute hauptsächlich die Installation, Vincent ist für Sensorik und die Tonarbeiten zuständig und Valentin für die filmischen Aspekte. „Wir ergänzen uns perfekt.“

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Das ist Vincent.

Sophie vom Kunstverein Letschebach leistete den vier Jungs beim Aufbau Gesellschaft, unterstützt sie. Seit 2011 besteht der Letschebach-Zusammenschluss, neun Personen gehören ihm derzeit an. Sie bieten in dem charismatischen Hinterhof Künstlern Ausstellungsfläche. Aber auch Lesungen oder kleinere Konzerte veranstalten sie. „Wir wollten Kreativen so eine Plattform bieten, um sich austauschen und Kontakte knüpfen zu können“, sagt Sophie. Anlässlich der Ausstellung findet am 16. April, 19 Uhr, ein öffentliches Künstlergespräch mit Dr. Laurence Rickels statt, Finissage ist am 19. April, 19 Uhr mit einem Konzert.

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Das sind Sophie und Valentin.

Weitere Infos unter www.vivantvivant.de und https://www.facebook.com/events/496755380436406/?fref=ts

Mehr zu Vincent: http://wp.me/p3915e-tw
Mehr zu Valentin: http://wp.me/p3915e-lq

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21. Juli 2013

Heimat: “Herrenclub”

Vogelgezwitscher, immer wieder der Ausruf „Boah“ und kuriose Tanzeinlagen: Ein wenig irritiert war ich, als ich mir das Herrenclub-Video zu „Raus aus der City“ zum ersten Mal anschaute. „Was steckt denn dahinter?“ Ich wollte mehr wissen und traf mich deshalb vor wenigen Tagen mit Nico Sauer und Vincent Wikström, dem „Herrenclub“.

Essen ist wichtig. Deshalb darf der Ort zum Unterhalten gerne auch ein türkischer Imbiss sein. Das Angebot ist eingeschränkt. „Döner und Pizza stehen heute nicht auf der Karte“, sagt der Mann hinter der Theke. „Macht nix“, sagt Nico. Dann zwei Mal das Tagesgericht – was das genau ist, egal. Der „Herrenclub“ ist offen für Neues.

Das sind Nico (links) und Vincent.

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Was sich schnell zeigt: Die beiden Musiker sind gut vorbereitet. Fragen zu stellen: überflüssig. Nico und Vincent haben welche vorbereitet, die Antworten gleich mit.

Also die Herren, dann mal los, rollen wir das Feld von hinten auf, die letzte Frage, bitte.

Man hat bei euch immer das Gefühl, dass die Aktionen mit einem gewissen Augenzwinkern versehen sind, aber was mich eigentlich interessiert: Wieviele Frauen kann ein Mann in seinem Leben lieben?

“Herrenclub”: 74 und mehr.

Ah ja. Ok. 74.

Artet das nicht in Stress aus?

„Herrenclub“: Nee, nee. Liebe kann variabel lang sein. Sekunden, Minuten, Tage – alles ist möglich.

Ok. Dann vielleicht doch mal noch kurz zum Grundsätzlichen.
Nico, Vincent: die erste Frage, bitte.

Was und wer verbirgt sich hinter dem „Herrenclub“?

„Herrenclub“: Der Herrenclub ging ursprünglich aus dem Wikström-Sauer-Komplex hervor…

Stopp.

Wikström-Sauer-Komplex? Nähere Erläuterungen, bitte.

„Herrenclub“: Nico ist 26, studiert an der Hochschule für Musik in Karlsruhe, sein Schwerpunkt: Komposition. Vincent ebenfalls.

Ok. Weiter.

Was steckt hinter dem Projekt?

“Herrenclub”: … Der Wikström-Sauer-Komplex wurde erweitert zu einem Kollektiv von Künstlern aus den Bereichen Neue Musik, Geile Beats, Dokumentarfilme, Sensorenfernsteuertechnik. Die Aufnahmebedingungen sind allerdings so unmöglich, dass bisher nur die Gründer Mitglieder sind.

Stopp.

Also ein sehr exklusiver Club?

„Herrenclub“: Nee, wir haben neulich die Aktion “Meet&Greet” gegründet, um Menschen, deren Leben weniger aufregend und krativ sind als die unseren, den Kontakt mit uns zu ermöglichen. Jeder kann sich dafür bewerben. Einfach über Facebook eine Nachricht schreiben.
https://www.facebook.com/herrenclub?ref=ts&fref=ts

Sehr sozial.

Wie sieht so ein Treffen dann aus?

„Herrenclub“: Mit Benedikt Woerner sind wir vor kurzem auf unserem Motorboot über den sonnengefluteten Tegernsee gefahren. Mensch, war das schön!

Toll.

Ihr verwendet oft Parolen und Floskeln wie „Boah“ oder „OK“. Wie kommt ihr darauf?

“Herrenclub”: Die Parolen in unserer Musik sind Fremdkörper, die uns aus unserer Umwelt ins Auge springen oder von selbst auf uns eindringen und dann nach Verarbeitung verlangen. Nichtssagende Floskeln werden solange unvariiert wiederholt – bis sie wieder neu gehört und bewusst verwendet werden können.

Ok.

Bisher kennt man von euch nur “Raus aus der City, boah!” Wann wird mehr zu hören sein?

„Herrenclub“: Wir sind gerade dabei, “Wo ist eigentlich Mom und Dad? hhhhh” fertigzustellen. Im Frühjahr sind wir dann zu Dreharbeiten an der Elfenbeinküste und in Burkina Faso, wo wir “Jetzt wirds aber philosophisch, OK…?!” produzieren. Anschließend steht eine 13000 Kilometer lange Busfahrt nach Japan an, die musikalisch nicht folgenlos bleiben wird.

Spannend.

Vor kurzem hattet ihr im Vanguarde in Karlsruhe einen interessanten Auftritt…

„Herrenclub“: Genau. Mönchgesang eröffnete unser Spontanspektakel. Auf einem kleinen Tisch rührte Nico dazu eine Art Magiertrank – während Vincent unter anderem ruckartige Bewegungen zum Beat und Stöhn-Geräusche hervorzauberte. Die Menge wurde mit Süßigkeiten irritiert, die Nico ihnen zuwarf. Zum Schluss war bei „Wo ist eigentlich Mom und Dad? hhhhh!” Vincents Körper ganz zu Musik geworden. Der Beat gehorchte ihm. Wie eine Boje auf rauher See ließ Sauer dazu seinen Körper kreisen. Eine synthetische Stimme vokalisierte dazu aus dem Off. Als Vincent plötzlich zu Boden fiel und seine Beine anhob, wie ein Käfer auf dem Rücken oder eine Schwangere zur Geburt, war vom geilen Beat nur noch ein fernes Knattern und erstickte Explosionen zu hören.

Ahja.
Ok.

Nico, Vincent, danke für das Gespräch. Es war mir ein Vergnügen.

Hier noch ein “Making of” zu “Raus aus der City”. Viel Spaß damit.

1 Kommentar

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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