24. April 2018

Heimat: “Radikale Akte” im Badischen Staatstheater Karlsruhe

Porzellanpuppen-Parade

Im Gleichschritt tippeln sie auf der Bühne hin und her, ihre gelben Ringellocken hüpfen gleichförmig dazu auf und ab, die rosafarbenen Röcke schwingen im Takt. Ihre Gesichter: kalkweiß, ihre Münder spucken im Chor dieselben Wörter aus. Der Gleichschritt, die Mädchen-Uniform: Die Porzellanpuppen wirken wie aufgezogene Spielzeuge, reduziert auf ihren weiblichen Körper. Assoziationen zu Paraden in Nordkorea tauchen in meinem Kopf auf. Widerspruch: nicht erwünscht, vielmehr gefährlich. Einzig die Anpassung, die Unterordnung ist erlaubt.

Von der Konformität zur Einzigartigkeit

Dann jedoch setzen treibende Weltmusik-Beats ein, die Puppen befreien sich von ihrer Verkleidung, werfen ihre Perücken mit Wucht zur Seite. Sie verwandeln sich zu Individuen, die eine ganz eigene Stimme haben, zu 18 Frauen aus Karlsruhe, die etwas zu sagen haben. Ihre Erzählungen und Erfahrungen stehen im Zentrum von „Radikale Akte“, der neuesten Produktion des Volkstheaters, der jüngsten Sparte des Badischen Staatstheaters Karlsruhe.

Anlässlich der offiziellen Eröffnung der Europäischen Kulturtage Karlsruhe hat das Stück von Regisseurin Mizgin Bilmen Premiere gefeiert. Es ist eine Aufführung, die knallt, die voller Kraft ist und die mich nochmals mit viel Dynamik wachrüttelt – denn sie fasst zusammen, wie viel Ungleichheit es in der Gesellschaft immer noch gibt und wie sehr Frauen für ihre Rechte kämpfen müssen. Weiterlesen »

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13. März 2017

Heimat: “Ein Besuch bei ,Inschrift Heimat'”


Wie klingt Heimat?

Es piepst, summt und klingelt auf die verschiedensten Arten. Hoch, tief, mehrmals hintereinander. Dann ist die Stimme eines jungen Manns zu hören. Er beginnt zu erzählen, von whatsapp und Instagram, den Apps, mit denen er sein Leben organisiert. Für die er viel Zeit aufwendet, die zu seinem Leben dazu gehören, die Verknüpfungspunkt zu seinen Freunden sind. „Nur Facebook ist bei uns inzwischen out“, sagt er. „Da sind auch meine Eltern angemeldet.“

Foto: Kai Rußwurm

Die Stimme des jungen Herrn tönt aus einer kleinen schwarzen Box, die in einer Unterführung auf dem Schlachthofgelände hängt. Insgesamt neun solcher Lautsprecher mit MP3-Player sind dort verteilt. Aus jeder einzelnen Box strömen an diesem Abend Geschichten und Klänge, die sich auf ganz unterschiedliche Art mit dem Thema „Heimat“ beschäftigen.

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15. Januar 2017

Heimat: “Ein Abend bei ‘Wie der Soldat das Grammofon repariert'”

Flucht und Ankommen

Apathisch sitzt Aynur in einem kargen, grauen Kellerraum, lässt Murmeln über den Rand einer weißen Emaille-Schüssel fahren, dann schaut sie auf, ihr Blick wandert zunächst umher, bleibt dann aber bei mir hängen, verharrt dauerhaft, aus Sekunden wird eine Ewigkeit. Grenzen verschwimmen, Aynur ist mir plötzlich ganz nah, ihr trauriger Blick, ihre Standhaftigkeit, es ist kaum auszuhalten.

Aynur ist eine von sechs Karlsruhern unterschiedlichster kultureller Herkunft, die derzeit in „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ am Badischen Staatstheater mitwirken. Basis der inszenierten Rauminstallation ist das Buch des bosnischen Autors Saša Stanišić, der in den 1990er-Jahren aus seiner Heimat nach Deutschland floh und seine Geschichte in einem teils autobiografischen Roman verarbeitete.

Alaa Hudaifa und Aynur Mammadova. Fotocredit: Felix Grünschloß

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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