15. Februar 2014

Flimmerkasten: “Feuchtgebiete”

Schnurstracks steigt sie die Stufen zur öffentlichen Toilette hinunter, läuft hinein in die braune Brühe, die dort aus dem Klo schwappt; barfuß und mit kurzen Hosen. Helen liebt es schmutzig. Hygiene? Nein, danke. Alle Arten von Körperflüssigkeiten sind der 18-Jährigen herzlich willkommen.

Schon diese ersten Szenen von „Feuchtgebiete“ machten mir keine große Freude. Was soll das alles? Sollen so gesellschaftliche Tabus gebrochen werden? Dieser Gedanke ließ mich bei diesem eher mäßigen Filmvergnügen von Anfang bis zum Ende nicht mehr los.

Geweigert habe ich mich bis heute, Charlotte Roches Werk zu lesen. Mir genügten die Berichte in den Medien und die Erzählungen von Freunden, keine Sekunde und keinen Cent wollte ich für diesen literarischen Müll verschwenden. Selbst wenn ich dadurch bei den Diskussionen nicht mitreden konnte. Manchmal ist es ok, einfach zuzuhören.

Dass die DVD überhaupt bei mir zu Hause landete, ist primär meinem Interesse an Regisseur David Wnendt geschuldet. Er steht auch hinter „Die Kriegerin“, einem sehr sehenswerten und aufrüttelnden Film über rechtsradikale Frauen in Deutschland. Dass er sich nun „Feuchtgebiete“ annahm, irritierte mich, machte mich aber auch neugierig.

Was überhaupt passiert? Weil sie sich beim Rasieren am Po verletzt, landet die 18-Jährige im Krankenhaus. Analfissur. Braucht kein Mensch. Im Krankenbett verfällt Helen immer wieder in Erinnerungen: Wie sie beispielsweise mit ihrer besten Freundin benutzte Tampons tauscht. Oder wie sie eines Abends bei einem deutlich älteren Kollegen landet, der die 18-Jährige im Intimbereich gründlich rasiert. Zu Krankenpfleger Robin fühlt sich Helen hingezogen, erzählt ihm aber auch schräge Geschichten – unter anderem von einem Lieferservice, bei dem Sperma auf der Pizza landete. Wahr oder erfunden? Das bleibt offen.

Dass die 18-Jährige ein wenig neben der Spur läuft, soll mitunter ein Resultat ihrer Kindheit sein. Vertrauensprobleme, ein gestörtes Verhältnis zu Sauberkeit und ihrem Körper. Klar, Helen hat ja auch merkwürdige Eltern und ist ein Scheidungskind. Und mit ihrer besten Freundin läuft es auch nicht so gut. Da kann ja niemand normal werden. Oder?! Nein, diese Schlussfolgerung ist bekloppt und voller Klischees.

Mein Fazit nach 109 Minuten: Der Film hat mich größtenteils gelangweilt. Auch wenn Herr Wnendt sowie die fabelhafte Hauptdarstellerin Carla Juri ihr Bestes tun, ist aufgrund der sehr dürftigen Roman-Vorlage nicht viel zu retten. Helens Figur und die ganze Geschichte sind eine Aneinanderreihung von Quatsch. Da werden für mich keine gesellschaftlichen Tabus gebrochen.

Dem Film ist zugute zu halten, dass David Wnendt das Ästhetische nie verlässt. Viele Sachen sind lediglich angedeutet, werden nicht ausgereizt. „Feuchtgebiete“ ist dadurch ein bunter Unterhaltungsfilm – dem jedoch schlichtweg die Substanz fehlt.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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