Lohnt sich „Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi? Nein. Eine ehrliche Buchkritik
Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch nach mehr als 200 Seiten zur Seite lege. Normalerweise will ich immer wissen, wie alles endet. Will verstehen, ob sich die Figuren noch entwickeln, ob vielleicht doch noch etwas passiert, das mich berührt oder überrascht. Doch bei „Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi blieb dieser Moment aus. Irgendwann fühlte es sich einfach nur noch wie Zeitverschwendung an, ein weiteres Kapitel zu lesen.
Es ist schade, denn am Schreibstil der Autorin lag es nicht – vielmehr am fehlenden Spannungsbogen und einem Humor, der bei mir absolut nicht zündete.
Es ist kaum zu glauben: Die dritte Staffel von „Weihnachten zu Hause“ erscheint auf Netflix am 12. Dezember
Es war die mit Abstand überraschendste Nachricht in meinem Serienkosmos seit langem: Es wird eine dritte Staffel von “Weihnachten zu Hause” auf Netflix geben. Ein Wiedersehen mit Johanne also. Im Winter 2021 war die zweite Staffel erschienen, das Ende mit Jonas war perfekt. Seitdem schaue ich die Serie in der Adventszeit immer wieder. Sie ist zu meinem Weihnachtsritual geworden, weil sie auf so wunderbare Weise eine zeitgemäße Liebesgeschichte erzählt – mit viel Herz, Humor, aber ohne Kitsch.
Deshalb bin ich nun so sehr gespannt, was die dritte Staffel von „Weihnachten zu Hause” bietet. Der Trailer verrät, dass Johanne Single ist und wieder datet. Das heißt: Es gibt wohl kein romantisches Wiedersehen mit Jonas. Es ist zu hoffen, dass die Produzenten und Produzentinnen dadurch der Serie nicht die Magie nehmen und es eine unnötige Fortsetzung wird.
„In ihrem Haus“:ein stiller, eindringlicher Roman über Isolation, queere Liebe und die Nachwirkungen des Holocausts
Wie reagiert man, wenn das eigene Leben zurückgezogen und überschaubar ist und plötzlich Dinge geschehen, die alles ins Wanken bringen? Was passiert, wenn Begegnungen intensiver sind, als man es erwartet, und die Grenzen zwischen Nähe und Distanz verschwimmen?
Mit diesen Fragen muss sich Isabel auseinandersetzen, die Hauptfigur in Yael van der Woudens hochgelobtem Debütroman „In ihrem Haus“. Es ist ein ganz besonderes Buch, denn es behandelt die Nachwirkungen des Holocausts in den 1960er-Jahren und queere Liebe.
Der Roman verbindet diese Themen auf subtile, eindringliche Weise. Obwohl der Text ruhig wirkt, spürte ich beim Lesen stets die Spannung, die sich zwischen den Zeilen aufbaut. Ich wollte unbedingt wissen, wohin die Geschichte führt - und fand es toll, wie Yael van der Wouden am Ende alles zusammenführt. Selbst nach dem Zuschlagen des Buches hallen die Fragen und Gefühle noch lange nach.
Kritik der Netflix-Serie “Nobody wants this”: Die zweite Staffel ist enttäuschend
Es ist am Ende der sechsten Folge der ersten Staffel, als ich denke: Wow, „Nobody wants this“ hat etwas Außergewöhnliches geschafft. Endlich gibt es mal einen Mann, der empathisch ist, der sein Gegenüber wirklich wahrnimmt und deshalb in einer schwierigen Situation nicht toxisch, sondern genau richtig handelt.
Denn Noah (Adam Brody) läuft nicht weg, als Joanne (Kristen Bell) wieder einmal Beziehungsangst hat. Er erkennt, warum sie verbal um sich schlägt, spricht es konkret an, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dadurch realisiert Joanne selbst ihr destruktives Muster, ein Knoten platzt. Sie trennen sich nicht, sondern sind in ihrer Beziehung einen Schritt weiter.
Was so selbstverständlich klingt, wurde in vielen großen Produktionen oft anders gelöst: Die hysterische Frau verhält sich irrational, dem Mann wird es zu viel. „Nobody wants this“ bricht damit, zeigt, warum Menschen unsicher und ängstlich sind – und bietet Lösungen. Der Netflix-Produktion gelingt damit ein Kunststück: So funktioniert eine mental gesunde Beziehung. Um es vielleicht ein wenig zu überspitzen: Hätte es diese Serie 15 Jahre früher gegeben, hätten sich vermutlich einige Menschen in meinem engeren und weiteren Freundeskreis schmerzhafte Dating-Erfahrungen erspart – mich eingeschlossen.
Nun ist endlich die zweite Staffel erschienen. Von ihr bin ich leider ein wenig enttäuscht. Die neuen Folgen sind zwar wieder sehr kurzweilig geworden - aber die Geschichte um Noah und Joanne stagniert. Das Ende der zweiten Staffel ist dem Finale der ersten Staffel sehr ähnlich. Schade. Aber dazu später mehr.
Rezension von „Das Geschenk“: eine herrliche politische Satire über den Irrsinn unserer Zeit
Es war eine kuriose Meldung im April 2024: Botswanas Präsident Mokgweetsi Masisi schlug vor, 20.000 Elefanten an Deutschland zu verschenken. Er protestierte damit gegen Pläne der EU, die Einfuhr von bestimmten Trophäen zu beschränken – zum Beispiel von Elfenbein. Masisi sagte, dass die Einnahmen aus der Jagd für Botswana wichtig seien. Ein Verbot würde dem Land schaden, die Armut fördern und den Elefantenbestand gefährden. Für ihn seien die EU-Pläne neokoloniale Bevormundung.
Sein Vorschlag, 20.000 Elefanten zu schicken, war natürlich nur eine Provokation. Die belgische Autorin Gaea Schoeters hat das aber als Vorlage für ihren neuesten Roman „Das Geschenk“ genommen – und die Idee umgesetzt. Über Nacht tauchen in Berlin und Umgebung plötzlich afrikanische Elefanten auf: an der Siegessäule, in der Spree, vor dem Reichstag. Die Stadt steht Kopf. Schafft es Bundeskanzler Hans Christian Winkler, das Problem zu lösen? Es ist schließlich nicht sein einziges: Sein populistischer Widersacher Holger Fuchs macht ihm das Leben vor der Wahl schwer.
Gaea Schoeters ist es nach „Trophäe“ erneut gelungen, einen großartigen Roman zu schreiben. Er ist wie ein wilder Ritt, der sich schnell lesen und tief in das politische Krisenmanagement blicken lässt – und dabei noch richtig witzig ist. Der Roman dreht sich aber auch um ernsthafte Themen wie Postkolonialismus, Klimawandel, Tier- und Umweltfragen, Machtverhältnisse und europäische Verantwortung.
Rezension von „Die Nickel Boys“: Pulitzer-Preisträger, der wachrüttelt
Der Roman „Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead stand schon lange auf meiner Lese-Liste. Ich hatte alle Bücher des amerikanischen Autors darauf gesetzt, nachdem mich sein Werk „Underground Railroad“ so erschüttert hatte. Da ich aber bereits beim Klappentext von „Die Nickel Boys“ ahnte, wie hart auch diese Geschichte sein wird, zog es mich nicht sofort zu ihr. Erst als ich bei der diesjährigen Oscarverleihung sah, dass die Verfilmung des Buches gefeiert wird, besorgte ich mir endlich den Roman.
Das kompakte Buch (mit etwas mehr als 200 Seiten) erfüllte genau meine Erwartungen. Es ist erneut eine Geschichte, die mich aufwühlte, die ich stellenweise kaum ertrug, die aber unglaublich wichtig ist, denn die Nickel Besserungsanstalt für junge Menschen hat es tatsächlich gegeben – 111 Jahre lang in Florida. Ihr Name: Dozier School for Boys in Marianna, Florida.
Colson Whitehead las selbst davon in der Zeitung, erfuhr von unbekannten Gräbern auf dem Gelände und begann danach zu recherchieren. So entstand die erschütternde Geschichte um den Protagonisten Elwood, die im Jahr 2020 auch den Pulitzer-Preis bekommen hat.
Kritik: „Alphamännchen“ auf Netflix: das Niveau einer Topfpflanze
Es fühlte sich an manchen Stellen wie bei einem Unfall an. Obwohl ich am liebsten weggesehen hätte, blieb ich dran, weil ich wissen wollte, ob die Netflix-Serie „Alphamännchen“ ihrem Publikum vielleicht doch noch klarmachen kann, wie wichtig Gleichberechtigung ist. Doch selbst das Ende der ersten Staffel überzeugte mich nicht, sondern ließ mich eher ratlos zurück.
Warum? Für mich ist die Netflix-Serie eine Aneinanderreihung von schlechten Witzen und unrealistischen Zufällen ohne tiefere Botschaft. Das ist schade, denn die Besetzung ist toll und die Produktion erinnert an hochwertigere deutsche Kinofilme. Leider orientiert sie sich am inhaltlichen Niveau der Werke von Matthias Schweighöfer und Co – auch hier frage ich mich immer wieder, warum so viele Menschen davon begeistert sind. Fäkalwitze, schlechte Sexszenen, plumpe Klischees – ist das wirklich lustig?
Kritik „Halbinsel“: Ein leiser, unaufgeregter Roman, der einen aber völlig mitreißt
Auf „Halbinsel“ wurde ich aufmerksam, weil der Roman von Kristine Bilkau 2024 den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt. Daraufhin las und hörte ich viel über die Mutter-Tochter-Geschichte am Wattenmeer, in der zwei Generationen aufeinandertreffen, die der Welt mit ganz anderen Erwartungen begegnen. Die Kritiken waren fast ausnahmslos positiv.
Deshalb war ich gespannt. Nicht alles, was Jurys und Feuilletons loben, gefällt auch mir. Zuletzt hatte ich mit dem Buch „Die Möglichkeit von Glück” von Anne Rabe gekämpft, das von einem Gremium auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gesetzt worden war.
Bei „Halbinsel” kann ich mich dem Lobreigen aber nur anschließen. Ich habe den leisen, mitreißenden Roman innerhalb von zwei Tagen gelesen. Okay, das Buch hat zwar auch nur gut 220 Seiten, aber die sind wirklich großartig. Kristine Bilkau ist es gelungen, gesellschaftlich relevante Fragen wie die Klimakrise mit spannenden zwischenmenschlichen Beziehungen zu verknüpfen und daraus wunderbare Literatur zu machen. „Halbinsel“ ist deshalb eines meiner liebsten Bücher, die ich 2025 gelesen habe.
Rezension zu „Wedding People” von Alison Espach: ein warmherziges Buch über eine Hochzeitscrasherin
Es ist Liebe nach nur ein paar Seiten: „Wedding People” von Alison Espach schließe ich schnell ins Herz. Ein Instagram-Post hatte mich vor einigen Monaten auf den erfolgreichen Roman aus den USA aufmerksam gemacht. Er war dort ein New-York-Times-Bestseller und hat den „Goodreads Choice Award“ 2024 gewonnen. Damals war „Wedding People“ aber nur im englischsprachigen Original erhältlich. Als ich vor ein paar Wochen entdeckte, dass es das Buch endlich in deutscher Übersetzung gibt, habe ich es mir sofort ausgeliehen und begann gespannt zu lesen.
Schnell war meine Überraschung groß. Ich hatte eigentlich eine leichte Lektüre im Stil von „Book Lovers“ erwartet, doch Alison Espach tritt in keine Klischeefallen und hat einen klugen, warmherzigen Roman kreiert, der sich unheimlich gut lesen lässt. Ich freute mich über jeden Satz und wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Der Bestseller aus den USA hat all meine Erwartungen erfüllt – vielleicht sogar noch mehr als das.
Rezension der Netflix-Serie: „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“: unterhaltsame Serie übers Dating mit kleinen Schwächen
Es ist wirklich verflixt: Amanda (Carla Sehn) ist seit zwölf Jahren Single und hatte seit drei Jahren keinen Sex mehr. Dass sie frustriert ist, ist absolut verständlich. Zwar hat sie viele langjährige Freundinnen und eine enge Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester Adina (Moah Madsen). Doch Letztere ist in einer glücklichen Beziehung mit Filip (Isac Calmroth) – Amanda versetzt es immer wieder einen Stich, wenn sie deren Glück sieht.
Amanda gibt nun Vollgas, um endlich einen Freund zu finden. Dass das nicht geradlinig verlaufen wird, verrät bereits der Titel der schwedischen Netflix-Serie „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“. Ich habe die sieben Folgen innerhalb kürzester Zeit geschaut, weil sie unterhaltsam und die Geschichten sehr realistisch sind – auch wenn es kleine Schwächen gibt. Dazu später mehr. Im Englischen heißt die Serie übrigens „Diary of a Ditched Girl“.
Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.