16. Juni 2019

Heimat: Autofrei

Abschied vom Auto

Es war zwei Tage vor meinem Geburtstag, als ich im vergangenen Jahr beschloss, Abschied von meinem Auto zu nehmen. Das letzte Mal sah ich den kleinen, grauen Flitzer auf dem Parkplatz eines Supermarkts. Es war ein Samstag, ein Samstagmittag.

Mit einer Einkaufsliste in der Hand, war ich kurz davor zielstrebig durch die Gänge des Konsumtempels marschiert, hatte alle Utensilien, die für eine Geburtstagsparty wichtig sind, galant in meinen Einkaufswagen geworfen. Sekt, Chips und Gummibärchen. Eilig war ich damit Richtung Kasse gekurvt.

Ich stand ein wenig unter Zeitdruck. Nur eine Stunde später musste ich am Hauptbahnhof sein – bereits vor Wochen hatte ich einer ehemaligen Kollegin versprochen, sie in Mannheim zu besuchen, die Spar-Tickets über die App waren bereits gebucht. Man könnte sagen, mein Zeitmanagement war an diesem Tag ein wenig risikofreudig. Abweichungen: nicht vorgesehen.

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5. Juni 2019

Heimat: “Ein Nachmittag mit Daniel Bollinger”

Das ist Daniel. Von ihm kommen auch alle Bilder.

Karlsruhe: Ein Wohnzimmerkonzert bei Daniel Bollinger

Versteckt in einem Hinterhof in der Karlsruher Südstadt, abseits des Trubels am Werderplatz, hat es sich Daniel Bollinger schön gemacht. In seiner mehrstöckigen Wohnung versammeln sich Dinge, die sein Leben ausmachen, ihn prägen, ihn widerspiegeln. Bücher, Bilder, Blumen. Eine Leiter aus dunklem Holz lehnt im großen Wohnraum im Erdgeschoss an einer Ecke, ein großer Stern hängt an der Decke, auf einem kleinen Schränkchen steht ein Plattenspieler. In diese Kulisse lädt er am Donnerstag, 13. Juni, zu einem Wohnzimmerkonzert ein. Zu Gast: Das Duo Loulou, das besteht aus der Sopranistin Lisa Ströckens und dem Jazz-Kontrabassisten Stephan Goldbach.

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1. Juni 2019

Heimat: Ein Nachmittag mit Lena Angenleuf von “LA frisør & co”

Das ist Lena.
Das ist Lena.

Lenas Laden: LA frisør & co. in Karlsruhe

Hübsche Holzmöbel, eine dunkelgrüne Kommode, ausgefallene Lampen und ein Waschbecken, vor dem ein kleiner orientalischer Teppich liegt: Als Lena Angenleuf vor knapp zwei Jahren begann, ihren eigenen Laden in der Werderstraße 23 einzurichten, ging ein Traum für sie in Erfüllung. Welche Farben harmonieren, welche Stoffe passen zusammen? Die Karlsruherin tobte sich bei der Inneneinrichtung aus, ließ sich von unzähligen Pins auf Pinterest inspirieren und verband zwei ihrer Leidenschaften miteinander: die Liebe zu schönen Dingen und zu Frisuren. Das Ergebnis: „LA frisør & co.“, eine kleine Oase am trubeligen Werderplatz.

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14. Mai 2019

Schmöker: “Der größere Teil der Welt” von Jennifer Egan

Eine wilde Reise durch Zeit & Raum

Als ich „Der größere Teil der Welt“ zu lesen begann, ahnte ich nicht, auf welch wilde Reise mich Autorin Jennifer Egan mitnehmen wird. Innerhalb weniger Tage schwirrte ich von den 1970er-Jahren in die Zukunft, von San Francisco nach Neapel und dann ging es auch noch in die Wüste. Meine Reiseführer: Bernie Salazar, ein Musikproduzent sowie Ex-Punk und Sasha, seine adrette Assistentin mit kleptomanischen Zwängen.

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6. Mai 2019

Heimat: “Ein Nachmittag bei Kevin und seinen Pflanzen”

Kevins grüne Haustiere

Das ist Kevin, alle Bilder sind auch von ihm.

Wer in Kevins Einzimmerwohnung in der Karlsruher Weststadt steht, sieht Grün, viel Grün. An der Wand, auf Regalen und Kommoden: Mehr als 200 Pflanzen hat der 23-jährige Elektrotechnik-Student auf 31 Quadratmetern verteilt. Eine Geigenfeige mit gewellten Blättern gehört zu seinen grünen Mitbewohnern, ein Baumfreund (Philodendron) mit herzförmigen Blättern ebenfalls und eine panschierte Monstera gesellt sich außerdem dazu.

Auch Kevins Klavier und sein Bett sind umzingelt von seinen grünen Haustieren. Auf seinem kleinen Balkon hat er noch weitere Pflanzen stehen. Regentropfen prasseln an diesem grauen Samstag wie wild auf sie. Der Student des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat sich einen botanischen Garten in Miniaturformat geschaffen. Das Interesse daran ist groß: Mit seinem Instagram-Account „Kevinsgreenpets“ hat er mehr als 23.500 Abonnenten, die Tendenz ist weiter steigend.

Das ist Kevins Wohnung.
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29. April 2019

Heimat: “Die Chance”

Es gibt immer zwei Seiten!

Wer mit 30 Jahren länger als sechs Wochen Single ist, weiß: Es gibt kaum einen anderen Status, mit dem man so einfach bemitleidenswerte Blicke ernten kann. „Ach, du Arme“ oder „Oje, das tut mir leid“, sind nur zwei Sätze, die ich mir in den vergangenen Jahren regelmäßig anhören musste. Meist wird die Stimme des Gegenübers weicher, leiser, ein Tätscheln am Oberarm folgt. “Das wird schon, du findest auch noch jemanden”, hieß es oft. Als sei eine Paar-Beziehung im Leben das einzig Erstrebenswerte und ein Mensch, der sich alleine durch das Leben manövriert, grundsätzlich defizitär.

Keineswegs möchte ich Glitzer auf das Single-Dasein streuen. Es gab oft genug Momente, in denen ich fluchte, mir jemand an meine Seite wünschte, traurig war, wenn Dates erfolglos waren. Doch das ständige Herausschleudern aus meiner Komfortzone hat mein Leben auch unendlich bereichert und bunter gemacht. Weiterlesen »

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22. April 2019

Heimat: “Ein Morgen mit Michele bei Pizza & Gusto”

Die leckerste Pizzeria in Karlsruhe: Pizza & Gusto

Dass Michele ausgerechnet in Karlsruhe seine Pizzeria eröffnete, ist einem Autobahnschild zu verdanken. Mit seiner Frau Cinzia war er von der italienischen Stadt La Spezia Richtung Norden gestartet, um einen Ort zu finden, an dem sie sich selbstständig machen können. „Wir wollten spontan entscheiden, welche Stadt es sein soll“, erinnert er sich. Als sie noch in der Schweiz auf Straßen unterwegs waren, ringsherum Berge um sich hatten, tauchte plötzlich eine Abfahrt auf, die zu den Städten „Basel und Karlsruhe“ führte.

Karlsruhe. „Lass uns dorthin fahren“, sagte seine Frau. Michele nickte, steuerte den Wagen dorthin. Mehr als fünf Jahre sind seither vergangen, die Fächerstadt gefiel ihnen. Sie eröffneten ihr Restaurant „Pizza & Gusto“ zuerst in der Bürgerstraße, zogen vergangenes Jahr in eine neue Location nur wenige Meter weiter: in die Amalienstraße 14a. Ihr Plan ging auf: Ob einzelne Stückchen zum Mitnehmen oder eine individuell zubereitete Pizza mit frischen Zutaten – Micheles Kreationen sind bei vielen Karlsruhern beliebt.

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13. April 2019

Fernweh: “Valencia”

Sechs Tage alleine in Valencia

Valencia. Zutiefest verwirrt komme ich in der spanischen Stadt an, klar sortiert verlasse ich sie wieder. Nur wenige Wochen vor dieser Reise bin ich in einen neuen Job gestartet, voller Freude, Energie und Tatendrang. Die Ernüchterung kommt schnell. Innerhalb kürzester Zeit weiß ich: Dort kann ich nicht bleiben, auf gar keinen Fall. Nur: Was dann?

In meinem Kopf schlagen zu dieser Zeit die Gedanken Purzelbäume. Wo möchte ich mich bewerben? Wie stelle ich mir meine Zukunft überhaupt vor? Soll ich nochmals in eine andere Stadt?

Schnell wird mir klar: Ich muss für eine Woche raus, alleine sein, in Ruhe nachdenken und die ersten Bewerbungen schreiben. Aber was für eine Stadt passt gut für dieses Bedürfnisse? Wo gibt es Meer, schöne Cafés, Museen und ein buntes Angebot zur Zerstreuung?

Da fällt mir ein: Eine Freundin war kurze Zeit davor in Valencia, hatte mir Fotos geschickt, von Orangenbäumen, vom Meer, von einem strahlend blauen Himmel. Über Airbnb finde ich bei einem Herrn namens Alex ein schönes WG-Zimmer, ein Schnäppchen für 18 Euro die Nacht, von Frankfurt aus geht wenige Tage später ein Flug. Ich buche, packe meinen Koffer – und ziehe los.

Es war die perfekte Entscheidung, die sechs Tage alleine in Valencia haben mein Leben wieder in die richtige Bahn gelenkt – auch dank der Bekanntschaft eines illustren Herrn. Aber alles der Reihe nach.

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1. April 2019

Schmöker: “Unschuld” von Jonathan Franzen

Eine wilde Geschichte: “Unschuld” von Jonathan Franzen

Ein Whistleblower, sozialisiert im DDR-Regime, traumatisiert, neurotisch. Frauen mit Vaterkomplex, die verloren durch die Welt tapsen: “Unschuld” von Jonathan Franzen ist ein Aufeinandertreffen von pathologischen Persönlichkeiten. Eine Figur, deren Psyche einigermaßen in Balance ist, suchte ich in diesem Buch vergeblich.

Gleichwohl: Ich habe „Unschuld“ gerne gelesen. Es ist voller Spannung, zeigt interessante Einblicke in die DDR, in die USA und die Welt der Hacker. Jonathan Franzen ist ein großartiger Erzähler. Mit “Unschuld” ist ihm erneut eine imposante Gesellschaftsstudie gelungen – voll mit differenzierten Persönlichkeitsanalysen. Die Sätze prägnant, weise, sein Stil gerade, ohne platt zu sein. Der Amerikaner schafft Literatur, die mich jedes Mal wieder von Neuem bereichert, unterhält und mich zum Nachdenken anregt. Nur: An die Vorgänger “Die Korrekturen” und “Freiheit” kommt “Unschuld” nicht heran.

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23. März 2019

Kurioses: “Gerd”

Chaosmagnetin & Katastrophensammlerin

In meinem Leben regiert das Chaos. Kleinere und größere Katastrophen schauen gerne mal bei mir vorbei. Ich habe mich damit abgefunden. Meine Erfahrung ist: Abnormalitäten nach außen zu vertuschen, bringt nix. Im Gegenteil: Es macht alles nur noch schlimmer. Offenheit ist deshalb die beste Devise. Meine Freunde betrachten meinen turbulenten Alltag inzwischen mit Humor. “Bei dir ist halt immer was los”, sagen sie.

In meinem Flur steht deshalb nun ein Letterboard mit besonderer Botschaft, also so eine Tafel, auf der sich Buchstaben wild zusammenstecken lassen. Es ist ein Geschenk, das mir meine beste Freundin zu Weihnachten überreichte. „Du kannst damit Worte und Sätze bunt mixen – deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagte sie zu mir.

Toll.

Ich überlegte kurz, zog aus der Buchstabentüte zuerst ein “W” heraus, dann ein “C”, ein “I” folgte. Am Ende stand da: „Welcome To Crazy Island“. Mit diesem Schriftzug landete das Board auf der Kommode neben der Eingangstür, wo es jeder Gast sehr schnell sehen kann. Eine kleine Warnung zur Begrüßung sozusagen.

Irritation!

Als vor geraumer Zeit ein netter Herr zum ersten Mal in meine Wohnung kam, sie genauer inspizierte, blieb sein Blick auf dieser Tafel haften. “Welcome To Crazy Island – was soll das bedeuten?”, fragte er mich. Fragezeichen tanzten in seinen Augen, kleine Runzelfalten bildeten sich auf seiner Stirn. Ich entgegnete mit einem sanften Lächeln: „Warte ab, die Zeit wird es dir zeigen.“ Seine Stirn kräuselte sich noch mehr, die Fragezeichen in den Augen verdoppelten sich. Ansonsten behielt er die Fassung. “Okay”, entgegnete er freundlich. “Dann bin ich gespannt.”

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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