16. Dezember 2018

Heimat: “Ein Nachmittag im A&S Bücherland”

Eine Oase in Karlsruhe: das A&S Bücherland 

Als die Regale des Supermarkts in der Rintheimer Straße 19 leer geräumt waren, alle Gläser mit eingelegten Gurken, Nudelpackungen und Chipstüten verschwanden, zogen die Bücher ein. Im Frühjahr 2003 war das.

Die beiden Freunde Klaus Ackermann und Thomas Stieber schleppten damals in großen Kisten 24.000 Exemplare in den 380 Quadratmeter großen Raum in der untersten Etage des Hochhauses. Manche hatten Knicke, andere zierten unterkringelte Sätze, einige waren nahezu unversehrt. „Wir sammelten sie monatelang und lagerten sie in mehreren Kellern und Garagen“, erinnert sich Thomas Stieber, als ich an diesem winterlichen Nachmittag bei ihm im A&S Bücherland in der Karlsruher Oststadt stehe.  

Viele Romane und Sachbücher bekamen die Männer zum Start von Freunden und Bekannten, außerdem stöberten sie auf zahlreichen Flohmärkten, suchten nach Raritäten aus bedrucktem Papier, eingerahmt von einem Einband, der mal härter, mal weicher, mal sauberer, mal schmutziger ist.

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9. Dezember 2018

Schmöker: “Das Café am Rande der Welt” von John Strelecky

Schreiben: Mein Existenz-Zweck!

Es war ein riesiges Glück, dass ich meinen Zweck der Existenz bereits mit 22 Jahren fand. Ich saß eines Abends in einer Straßenbahn. Es war bereits dunkel draußen, schemenhaft rauschten Bäume am Fenster vorbei. Mein Blick wanderte durch den hell erleuchtenden Innenraum des Wagons, blieb an dem Mann hängen, der mir gegenüber saß, Zeitung las. In diesem Moment blitzte plötzlich eine Idee in meinem Kopf auf: Schreiben, das ist das, was ich machen möchte. Ich war mir sicher.

Es war eine absurde Situation, die aber mein komplettes Leben veränderte.

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3. Dezember 2018

Heimat: “Ein Morgen mit Verena und Lea vom Lametta-Team”

Credit (alle Fotos): Lametta

Lametta: ein Kunsthandwerkermarkt für Karlsruhe!

Glitzer, Bling-Bling und ganz schön viel Handgemachtes: Der Kunsthandwerkermarkt Lametta verwandelt am kommenden Freitag und Samstag das Tollhaus wieder in ein kleines Adventskaufhaus. Wohnaccessoires, Schmuck und Kleidung. Etwa 50 verschiedene Designer bauen in diesen Tagen ihre Stände auf und werden dort ihre kleinen und großen Kunstwerke verkaufen.

Es ist bereits die neunte Lametta-Auflage. Ich erinnere mich noch genau an die Premiere im Jahr 2010 in der Fleischmarkthalle. Groß war damals meine Neugier: ein Kunsthandwerkermarkt für Karlsruhe. Wie wird er aussehen? Was wird es geben? Ich war gespannt.

Hübsch war es dort, die goldene Deko funkelte, das Angebot war bunt, der Andrang enorm. „Dass bereits im ersten Jahr so viele Menschen kommen, hat uns selbst ein wenig überrascht“, erzählt mir Verena, die zum fünfköpfigen Lametta-Organisationsteam gehört. Mit ihr und der Praktikantin Lea treffe ich mich an diesem kalten Herbstmorgen in einem Café in der Weststadt. Gemeinsam erzählen sie mir, wie es überhaupt zur Lametta kam, warum es nun Eintritt kostet und was 2018 auf dem Programm steht. Weiterlesen »

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26. November 2018

Schmöker: “Die Stunden” von Michael Cunningham

Wunderbar: „Die Stunden“ von Michael Cunningham

Es war ausgerechnet ein Abend mit Netflix, der mich zum Roman „Die Stunden“ von Michael Cunningham brachte. Wahllos hatte ich nach einer unkomplizierten Unterhaltung gesucht und war so auf den Film „The Hours“ gestoßen. 97 Prozent Übereinstimmung mit meinen Interessen, hatte der Streaming-Dienst errechnet. Okay. Der Algorithmus muss es ja wissen. Ich klickte auf Play – ohne eine Ahnung zu haben, was auf mich zukommen wird.

Innerhalb nur weniger Minuten wusste ich bereits: Perfekt, das ist genau meins. Drei Geschichten von drei Frauen, die in unterschiedlichen Jahrzehnten und an unterschiedlichen Orten leben, aber alle über eine Gemeinsamkeit miteinander verbunden sind – über “Mrs Dalloway” von Virgina Woolf. Weiterlesen »

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22. November 2018

Heimat: “Ein Nachmittag im Leihladen Karlsruhe”

„leih.lokal“ + „Frei_Räume“ Karlsruhe: sharing is caring

Es nieselt und ist ungemütlich, als ich an diesem Herbsttag mein Fahrrad an der Hauswand der Gerwigstraße 41 abstelle. Durch das Schaufenster sehe ich in einem hellen Raum einen Mann an einem Laptop sitzen. Ein knallrotes Bobbycar hängt an einem silbernen Fleischerhaken an der Wand – in einer Reihe mit einem schnittigen Snowboard und einem weißen Ventilator. Seit Anfang Oktober befindet sich in der ehemaligen Metzgerei Bässler ein Leihladen, den die Bürgerstiftung Karlsruhe ins Leben gerufen hat. Außerhalb der Öffnungszeiten können die Räume außerdem von Vereinen und Ehrenamtlichen kostenlos gemietet werden. Für Konzerte, Lesungen oder zu gemeinsamen Kochevents in der großen Küche. Ich möchte mehr über das Konzept dieses Share-Economy-Projekts wissen und trete ein.

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14. November 2018

Heimat: “Ein Nachmittag mit Jehad”

Das ist Jehad.

Und dann war Krieg!

Als Jehad nach tagelangem Verhör in einem Gefängnis in Damaskus frei kam, hatten ihm die Geheimdienstmitarbeiter fast alles genommen. Er besaß kein Handy mehr, keine Schuhe, kein T-Shirt, seine Hose schlackerte. Fast nackt stand er auf der staubigen Straße. „Ich hatte 20 Kilogramm innerhalb kürzester Zeit abgenommen und kaum Kraft mehr übrig“, erzählt er mir an diesem Herbstnachmittag in einem Café in der Karlsruher Weststadt.

Qualvolle Tage lagen hinter dem damaligen Studenten der Telekommunikationswissenschaften. Mit 200 Menschen war er in einem Raum unter der Erde eingesperrt. „Es gab dort kaum Luft zum Atmen“, erzählt er. Nicht alle von ihnen hatten Platz zu sitzen, obwohl sie Wunden am Körper hatten. Fünf der Gefangenen starben in der Zeit, in der sich auch Jehad in dem Raum befand.

Es sind Erlebnisse, die sich tief in sein Gedächtnis gebrannt haben – sie gesellen sich zu den traumatischen Bildern zwei weiterer Gefängnisaufenthalte, die er kurz davor und danach in Syrien über sich ergehen lassen musste. Seine Assoziationen mit dieser Zeit: schmerzhafte Stromschläge, eiskaltes Salzwasser und der Verlust von Nägeln, die ihm Geheimdienstmitarbeiter mit einer Zange ausrissen.

2013 gelang Jehad die Flucht aus Syrien. Über Ägypten kam er nach Libyen, mit dem Boot erreichte er Italien und schaffte es mit dem Zug über Österreich nach München. Ende 2014 landete er in Karlsruhe – und ist geblieben. Weiterlesen »

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10. November 2018

Heimat: “Streiten”

Foto: David Heitz

Was wäre die Welt nur ohne Bücher?

Grüne Wiesen, gackernde Hühner und aufgescheuchte Gänse: Ich bin in einem minikleinen Dorf groß geworden. Dort gab es viel Landwirtschaft und noch mehr Ruhe. Wer aber zum Supermarkt oder zum Schlecker wollte, musste ins Nachbardorf fahren. Wir hatten nur einen Tante-Emma-Laden, einen Metzger und ein griechisches Restaurant, das bis heute direkt neben der Tischtennishalle liegt – ideal für die Absacker nach dem harten Ping-Pong-Training. Brezeln buk der Dorfbäcker nur dienstags, Schokobrötchen freitags. Ich lernte früh, mich über die kleinen Dinge zu freuen. Kaiserbrötchen mit Schaumküssen gab es zum Glück immer. Saure Daumen und Colafläschchen auch.

Aber das Wichtigste für mich: Die kleine Bücherei, die sich ein wenig hinter dem Rathaus versteckte. In dem gemütlichen Fachwerkhaus stapelten sich auf zwei Etagen Bücher. Romane, Krimis, Bildbände. Kaum konnte ich einige Sätze fließend lesen, schleppte mich meine Mutter dorthin. Es war meine Tür zur großen Welt. Dort ging ich stundenlang verloren. Innerhalb weniger Jahre hatte ich mich kreuz und quer durch die Kinderbücher gelesen, griff dann schon im Grundschulalter zu Werken für Jugendliche, die meinen Kopf gewaltig ins Rattern brachten. Weiterlesen »

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1. November 2018

Heimat: Ein Abend im mold-Projektraum”

Das sind Sebastian, Verena, Alexander und Aleschija (von links)

mold: ein Projektraum in der Karlsruher Südstadt

Eine Hundeskulptur steht mitten im mold-Projektraum. Ihr Kopf: ein Stapel aus Hemden, aus hell- und dunkelblauen, aus weißen und schwarzen. Egal wo ich hinschaue, es ist bunt in dem Atelier in der Augartenstraße 6. Farbdosen warten in Regalen auf ihren Einsatz, Kartons sind vollgestopft mit Pappe und Papier, großformatige Fotografien hängen gerahmt an der Wand. Von der letzten Ausstellung sind außerdem noch Halterungen zu entdecken, an denen Stoffbahnen befestigt waren, die die Wahrnehmung des Raums veränderten.

Als ich an diesem Herbstabend den Raum betrete, stehen die mold-Künstler gerade zusammen und tauschen sich aus – mit einer Chipstüte in der Hand, Johannisbeersaftschorle und Bier. „Schön, dass du da bist“, begrüßt mich Aleschija Seibt herzlich und stellt mich den anderen vor: Alexander Blum, Sebastian Wiemer und Verena Wippenbeck. Die fünfte Künstlerin des Kollektivs, Nina Laaf, hat an diesem Abend keine Zeit. Weiterlesen »

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28. Oktober 2018

Heimat: Ein Nachmittag im Waffelwerk Karlsruhe”

Leider eine Enttäuschung: das Waffelwerk Karlsruhe

Waffeln. Jedes Mal, wenn ich in Berlin bin, muss ich in ein Kauf-dich-glücklich-Café, um mich damit in einen tranceähnlichen Zustand zu essen – egal ob herzhaft mit Lachs oder süß mit Kirschen und Vanilleeis. Ich liebe Waffeln. Schmerzlich habe ich deshalb in Karlsruhe bislang ein Café vermisst, wo es ein entsprechendes Angebot gibt. Nun entdeckte ich endlich in der Bürgerstraße einen neuen Laden: das Waffelwerk. Dort wo früher der italienische Imbiss “Il Gusto” war, gegenüber vom Krokokeller, soll es nun lecker duftende Waffeln in den verschiedensten Variationen geben. Mit Soßen, Früchten und Schokokram.

Hervorragend. Perfekt für verregnete Sonntage.

Mit Freundinnen bin ich dort nun gelandet. Die Enttäuschung ist groß.

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21. Oktober 2018

Fernweh: Illustres Island, Teil 2 – von Elfen und Fjorden, der Osten

Werd ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! Du bist so schön!

WOW!

Lavafelder, Gletscher, Fjorde. Die Autofahrt auf der Ringstraße vom Süden in den Osten Islands ist ein Spektakel. Stopp. Stopp. Stopp. Wir müssen sofort anhalten! Sofort. Immer wieder fällt an diesem fünften Tag dieser Satz. Es hat tatsächlich etwas Paradiesisches, als an diesem Sommerabend die Sonne langsam untergeht und die Berge und Seen in den wärmsten, herrlichsten Farben strahlen. Ein ganz besonderer Anblick.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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