12. Februar 2017

Heimat: Ein Mittag mit Stephan Becker von ‘The Hunter'”

Das ist Stephan.

Ein neuer Besitzer für “The Hunter”

Umgeben von immergrünen Wäldern, mächtigen Bergen und tiefblauem Wasser stöberte sich Stephan Becker vor drei Jahren tagelang durch die Vintage-Läden Seattles. „Es war mein absolutes Paradies“, erzählt er mir. Mit seiner Freundin tourte Stephan damals insgesamt zwölf Monate lang durch die USA.

Die Stadt im Pazifischen Nordwesten begeisterte ihn besonders – wegen ihrer Musikgeschichte und ihrem Lifestyle. Schallplatten, Kleidung, Möbel. Alles versehen mit einem Flair vergangener Tage, voll mit Nostalgie, Melancholie. „Ich habe mich sehr wohl dort gefühlt“, erinnert er sich. Zum ersten Mal verspürte er den Wunsch, in seiner Heimatstadt Karlsruhe selbst einen Vintage-Laden zu eröffnen.

Im Janaur diesen Jahres erfüllt er sich seinen Wunsch. Er übernahm „The Hunter – Select Vintage Goods“, den Astrid Zu Castell und Sarah Bürklin seit 2014 in der Karlsruher Südstadt geführt hatten. Stephan verkauft dort nun weiterhin Möbel aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Außerdem hat er das Sortiment erweitert: Bei „The Hunter“ gibt es nun auch Schallplatten sowie Kleidung hauptsächlich aus den 1980er- und 1990er-Jahren.  Weiterlesen »

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17. Oktober 2020

Schmöker: “Auerhaus” von Bov Bjerg

Unglaublich bewegend: “Auerhaus”!

In meiner Wohnung gibt es einen riesigen Stapel an ungelesenen Büchern. Darunter sind Klassiker, aktuelle Bestseller, aber auch Romane, die ich blind in der Buchhandlung kaufe – weil mir der Verkäufer sie empfiehlt oder weil sie hübsch aussehen. „Auerhaus“ von Bov Bjerg landete über letzteren Weg bei mir.

Erst vor wenigen Wochen hatte ich das Buch in den Regalen meines Lieblingsladens entdeckt. Es war vor allem das Cover, an dem mein Blick hängenblieb. Eine Wolke mit Regentropfen und eine Sonne sind darauf zu sehen – auf matt-rotem Untergrund. „Eines der schönsten Bücher unserer Tage“, steht darauf. Es ist ein Zitat von Alex Rühle von der Süddeutschen Zeitung.

Neugierig drehte ich das Buch um, las den Klappentext, der keine Zusammenfassung, sondern eine einzelne Textpassage des Romans ist. Sie verrät nicht viel, aber ist so schön, dass ich sofort beschloss, das Werk von Bov Bjerg zu kaufen.

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11. Oktober 2020

Heimat: Ein Nachmittag mit Antje Becker von „Schere Stift Papier“

Antje Becker
Das ist Antje.

Eine Kreativwerkstatt im Perfekt Futur

Vor etwa fünf Jahren saß Antje Becker nach einem stressigen Tag in ihrem Wohnzimmer und dachte: „So geht es nicht weiter, es muss sich etwas verändern.“ Ihr erster Sohn war damals wenige Monate alt und ihr Alltag hatte sich seit seiner Geburt komplett gedreht. „Ich war natürlich glücklich, dass er da ist, aber ich hatte keine Zeit mehr, kreativ zu sein”, erzählt mir Antje.

Bevor die Karlsruherin Mutter wurde, hatte sie in jeder freien Minute mit den verschiedensten Materialen gewerkelt. Unter anderem zauberte sie mit Stiften geschwungene Buchstaben auf Papier oder stickte mit farbigem Garn Motive in runde Rahmen. Blumen, ein Gesicht oder ein Wort beispielsweise. Nun hatte sie dafür aber keine Energie mehr übrig. Es fehlte ihr schmerzlich.

Schere Schrift Papier
Credit: “Schere Stift Papier”
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3. Oktober 2020

Heimat: “Ausstellung von Romy Rüegger im Badischen Kunstverein”

Wer hat ein Recht auf Wohnraum?

Ein Einzelbett, ein kleiner Tisch und ein Sofa verteilt auf 20 Quadratmetern: Was zunächst nach einer sehr spartanischen Einrichtung klingt, war in den 1920er-Jahren in der Schweiz noch keine Selbstverständlichkeit für alleinstehende und arbeitende Frauen. Bis 1927 konnten sie nur unter sehr erschwerten Bedingungen Wohnraum mieten – meist gerieten sie dadurch in den Verdacht, Sexarbeiterinnen zu sein.

Verschiedene Frauen gründeten deshalb die Baugenossenschaft berufstätiger Frauen, kauften Bauland und schufen den Wohnkomplex „Lettenhof“in Zürich. Die erste Frau mit eigenem Architekturbüro in der Schweiz, Lux Guyer, entwarf ihn.

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23. September 2020

Schmöker: “Gespräche mit Freunden” von Sally Rooney

“Gespräche mit Freunden”: Ein Liebesroman der etwas anderen Art

Alles beginnt nach einer Poetry-Nacht in Dublin. Dort lernen die beiden jungen Frauen Frances und Bobbi die Fotojournalistin Melissa kennen. Die 37-Jährige nimmt die beiden Studentinnen mit zu sich nach Hause, wo auch ihr Mann Nick wohnt – ein äußerst adretter Schauspieler. Während sich die aufgeweckte Bobbi zu Melissa hingezogen fühlt, spürt die zurückhaltende Frances, dass Nick sie fasziniert. Es ist der Beginn eines Liebeschaos, das für viel Aufregung sorgt.

„Gespräche mit Freunden“ ist der Debütroman der irischen Autorin Sally Rooney – und eine absolute Wucht. Unterhaltsam, witzig, gefühlvoll und unfassbar klug. Zahlreiche Preise hat Sally Rooney dafür erhalten. Dieses Buch vereint alles, was ich mir von Literatur wünsche.

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12. September 2020

Fernweh: “Sommerliches Sevilla”

Alcazar Sevilla
Patio de las Doncellas

48 Stunden in Sevilla

Überall Blumen und ein klimatisierter Empfangsbereich: Es ist eine kleine Oase, in die ich am späten Nachmittag in Sevilla stolpere. 37 Grad hat es draußen, die Sonne brennt vom Himmel und ich bin froh, mit meinem Koffer in der Pension Lisdos zu stehen. Sevilla ist der zweite Stopp meiner kleinen Spanientour. Nach den angenehmen Temperaturen in Cádiz ist die Hitze nun eine große Umstellung – das Meer und der Wind fehlen mir.

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29. August 2020

Heimat: “Ein Nachmittag mit Thomas M. Scheer von der Setzling-Tauschbörse”

Das ist Thomas M. Scheer

Eine Setzling-Tauschbörse für Karlsruhe

Die Mimose! Als Thomas M. Scheer darüber nachdenkt, welche Pflanze ihm besonders am Herzen liegt, muss er kurz überlegen. Sein Gesichtsausdruck wird zunächst ernst, seine Augenbrauen ziehen sich zusammen. Dann, nach wenigen Sekunden, entspannt sich seine Mimik wieder. Mit Blitzen in den Augen ruft er leise, aber bestimmt, den Namen der Pflanze mit den lilafarbenen Blüten. „Sie ist wie ein Pflegekind, das viel Zuwendung braucht“, erklärt er mir. Zart, sensibel und anfällig für Veränderungen. „Eine richtige Mimose eben“, sagt Thomas und lacht.

Vor zwei Jahren kam der Kreative von Saarbrücken in die Fächerstadt – und suchte einen Ort, von dem er seine Ideenagentur „Qnterbunt“ steuern kann. In dem kreativen Umfeld des Co-Workingspaces “Rudolf 5” in der Karlsruher Oststadt wurde er fündig. Mit Laptop und weiterem Equipment zog er in eines der Ateliers. Mit dabei: einige Pflanzen.

Sie fanden ihren Platz schnell auch außerhalb seines Büros – im Hinterhof beispielsweise. Es war der Beginn eines Projekts, das er nun öffentlich gemacht hat: eine frei zugängliche Setzling-Tauschbörse in Karlsruhe. Durch sie kann jeder, der möchte, eigene kleine Pflanzen bringen und andere mitnehmen – kostenlos.

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22. August 2020

Kurioses: “Macho-Hölle”

Universum
Credit: Jeremy Thomas

Eine ganz schlechte Version von “Mad Men”

Vor geraumer Zeit hatte ich das Gefühl, ich sei in einem Paralleluniversum gefangen. In einem, in dem es fast genauso aussieht wie in meinem alltäglichen Leben – aber alles absurder, grotesker, skurriler ist. Die Menschen verhalten sich dort wie in einer düsteren Version von „Mad Men“ – adaptiert in die heutige Zeit. Für alle, die diese Fernseh-Serie nicht kennen: Sie spielt in den 1950er-Jahren. Dort machen die smarten Männer Karriere, trinken, rauchen und betrügen ihre Frauen, die ahnungslos daheim sitzen und die Kinder erziehen. Wer keinen Mann hat, muss oft als Sekretärin arbeiten – und ist Freiwild.

In diesem Paralleluniversum landete ich völlig überraschend. So als hätte ich meinen Laptop aufgeklappt, um ein bisschen herumzusurfen, dabei versehentlich die falsche Taste getippt – und schwups, schon war ich im Darknet. Konkret: in der Macho-Hölle. Wer denkt, diese Spezies Mensch ist inzwischen nahezu ausgestorben, irrt gewaltig. Sie spinnt noch immer gewaltig ihre Fäden.

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17. August 2020

Schmöker: “Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war” von Joachim Meyerhoff

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" von Joachim Meyerhoff

Ein lebenskluger und bewegender Roman von Joachim Meyerhoff

Das erste Mal sieht Joachim Meyerhoff einen toten Menschen, als er mit sieben Jahren auf dem Weg zur Schule einen kleinen Umweg durch eine Schrebergartensiedlung nimmt. Ein vornehm gekleideter Mann liegt dort im Gras, sein hellbrauner sommerlicher Schuh ist ihm vom Socken gerutscht, sein Hemd steckt noch akkurat in der Hose.

Als Joachim zunächst in der Schule und später seiner Familie aufgebracht von der Entdeckung erzählt, will ihm keiner glauben. Egal wie er sich dreht und wendet. Alle sind skeptisch. Joachim beginnt deshalb, die Geschichte wild auszuschmücken, zu verfeinern, dichtet dabei unbeabsichtigt ein wahres Detail dazu. Als er das feststellt, läuft ihm eine heiße Schauer über den Rücken, er erkennt für sich: Erfinden heißt Erinnern.

Es ist deshalb mehr als fraglich, wieviele von den Anekdoten, die Joachim Meyerhoff in seinem Buch „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ erzählt, tatsächlich so geschehen sind. Das macht aber nix, denn unterhaltsam sind sie auf jeden Fall.

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12. August 2020

Fernweh: “Chilliges Cádiz”

Cadiz

Sonne, Strand & Cafés in Cádiz

Als am 26. August um 23.59 Uhr die Uhr umspringt, der Tag wechselt, sitze ich auf meinem Bett in der Airbnb-Unterkunft in Cádiz, ein Buch von Joachim Meyerhoff in der Hand und ein Glas Rotwein auf dem verschnörkelten Nachttisch neben mir. Ein gemeinsames Anstoßen um Mitternacht mit Freunden fällt in diesem Jahr aus, es ist ganz ruhig um mich herum. Nur die Klimaanlage brummt leise vor sich hin. Happy Birthday, sage ich zu mir selbst. Noch nicht wissend, welche vielen Überraschungen das nächste Jahr mit sich bringen wird.

Cádiz und Sevilla, eine Woche Spanien nur mit mir alleine. Es war eine spontane Entscheidung, die ich drei Wochen vor meinem Geburtstag getroffen hatte. An einem Montagabend überfiel mich die Idee kurz nach Mitternacht im Halbschlaf. Lesen, Spaziergänge am Strand und Texte schreiben in kleinen Cafés in Spanien. Es klang verlockend.

Cadiz
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4. August 2020

Ein Abend mit Marc Süß und Hirad Akbary vom Podcast „Fugengold“

Marc Süß und Hirad Akary
Das sind Marc (links) und Hirad.

Scheitern als Chance: der Podcast “Fugengold”

Sie reden vom Scheitern, der Angst, etwas zu verpassen und davon, wie schwer es sein kann, im Leben die passende Rolle für sich selbst zu finden: Marc Süß und Hirad Akbary setzen in ihrem Podcast „Fugengold“ den Schwerpunkt auf die kleinen Risse im Alltag, auf die Brüche in der Biografie. Dabei verknüpfen sie persönliche Anekdoten mit recherchiertem Wissen aus der Soziologie, der Psychologie und aus dem Designbereich.

An einem sommerlichen Juli-Abend habe ich mich mit Marc im Iuno in der Karlsruher Südstadt getroffen und ihn unter anderem gefragt: Worin liegt die Chance am Scheitern? Und was genau verbirgt sich hinter einem „Spoken-Word-Format“, wie sie ihr Podcast-Projekt ebenfalls nennen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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