13. August 2022

Buchkritik: “Heimkehren” von Yaa Gyasi

Heimkehren - Yaa Gyasi

“Heimkehren”: ein wunderbares Buch mit bewegenden Geschichten

Erst Sophie Passmann, dann Sarah Kuttner: In den vergangenen Wochen erlebten gleich zwei weiße Frauen einen tobenden Shitstorm in den sozialen Medien. Der Grund: Sie äußerten sich unangebracht (Passmann) und sehr borniert (Kuttner) über Schwarze Menschen.

Es wunderte mich sehr, dass beide Frauen in der Öffentlichkeit überhaupt etwas Kritisches zum Thema Rassismus sagten. Es gibt eine Sache, die ich in den vergangenen Jahren gelernt habe: Als weiße Frau halte ich mich verbal zurück, wenn Betroffene von ihren Erfahrungen und Bitten zum Thema Rassismus erzählen – vor allem in den sozialen Medien.

Stattdessen versuche ich, viel darüber zu lesen – um die Geschichte besser zu verstehen und sensibel für Ungerechtigkeiten zu sein. Neben Sachbüchern greife ich gerne zu Literatur von Schwarzen Autor*innen, beispielsweise von Chimamanda Ngozi Adichi, Bernadine Evaristo und Colson Whitehead. Nun habe ich zufällig beim Dumont-Verlag „Heimkehren“ von Yaa Gyasi entdeckt – und bin unfassbar begeistert von diesem ganz besonderen Roman.

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7. August 2022

Flimmerkasten-Kritik: ZDFneo-Serie “Fett und Fett”

Großartige deutsche Serie: „Fett und Fett“ in der ZDF-Mediathek

Es gibt nur wenige deutsche Serien über das Lebensgefühl von Millennials, die nicht aufgesetzt wirken, kein Fremdscham-Gefühl in mir auslösen, sondern mich ehrlich bewegen und bei denen ich vor dem Fernseher sitze und denke: Ja, genau so ist es. Jajaja. Danke für diese tolle Unterhaltung.

Die zweite Staffel der ZDFneo-Serie „Fett und Fett“ ist solch eine Rarität. Es passt alles perfekt zusammen. Die Geschichten, die Schauspieler*innen, die Musik. Vor allem die dritte Folge der zweiten Staffel ist grandios. Da stimmt jedes Detail. Gänsehaut deluxe.

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30. Juli 2022

Buchkritik: “Wenn du mich heute wieder fragen würdest” von Mary Beth Kane

"Wenn du mich heute wieder fragen würdest" von Mary Beth Kane

“Wenn du mich heute wieder fragen würdest”: Hoffnung für schwere Tage

Wahrscheinlich wäre „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ an mir vorbei gerauscht, wenn nicht ausgerechnet von Meg Wolitzer ein Statement direkt auf der Vorderseite des pistaziengrünen Covers abgedruckt wäre: „Mitreißend und bewegend“ findet die amerikanische Autorin das Werk von ihrer Kollegin Mary Beth Kane.

Von Meg Wolitzer bin ich riesiger Fan, seit ich „Die Interessanten“ gelesen habe. Der Roman um sechs Freund*innen, die gemeinsam älter und auf die verschiedenste Weise vom Leben herausgefordert werden, hat mich zutiefst bewegt und gehört definitiv zu meinen All-time-Favorites.

Meg Wolitzers positves Urteil machte mich deshalb neugierig. Ist „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ tatsächlich so gut? Gespannt begann ich zu lesen.

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23. Juli 2022

Serienkritik: “Damaged Goods”

Amazon-Prime-Serie “Damaged Goods”: Da ginge definitiv noch mehr!

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass bei mir der Sophie-Passmann-Effekt perfekt gezündet hat. Als ich vor wenigen Wochen im Radio hörte, dass es eine neue Serie aus Deutschland gibt, bei der die Autorin und Influencerin eine Hauptrolle spielt, wurde ich neugierig. Kann sie tatsächlich schauspielern? Allein deshalb merkte ich mir den Namen der Amazon-Prime-Serie: „Damaged Goods“.

Tatsächlich kann ich mich bei Sophie Passmann nicht entscheiden, ob ich sie toll finde oder nervig. In manchen Podcasts (“Hotel Matze”) war sie kratzbürstig und megaunsympathisch, in anderen („Alles gesagt“) sagte sie wohlgelaunt sehr kluge Sachen. Bei Instagram entfolgte ich ihr, weil es mich stört, dass sie fast zu jedem Skandal in der Medienlandschaft ihre Meinung kundtun muss und coole Frauen wie Celeste Barber kritisiert, bei „Inas Nacht“ fand ich sie rührend, weil sie wohl in der Schulzeit eine Außenseiterin mit Depressionen war. Mein Verhältnis zu ihr ist also ambivalent.

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21. Juli 2022

Kritik der Serie “Valeria”

“Valeria”: Warum die zweite Staffel schwächer ist!

Eheprobleme, kein Geld, eine Schreibblockade: Bei Valeria (Diana Gómez) läuft es alles andere als rund. Nach sechs Jahren ist in ihrer Beziehung mit Adrián (Ibrahim Al Shami) der romantische Funke erloschen, es knirscht ständig zwischen ihnen. Beide kämpfen sie mit ihren kreativen Jobs, er als Fotograf und Kameramann, sie als Schriftstellerin. Als Valeria an einem Abend ausgeht und ihre Freundinnen sie versetzen, trifft sie auf Victor (Maxi Iglesias), der sie auf ganz neue Gedanken bringt – und ihr Leben gehörig durcheinanderwirbelt.

Auf die spanische Serie „Valeria“ stieß ich zufällig bei Netflix. Basis dafür sind Romane der Autorin Elisabet Benavent. Noch nie hatte ich von „Valeria“ gelesen, noch niemand hatte mir von ihr erzählt. Doch schon nach fünf Minuten war mir klar: Diese Serie, die im pulsierenden Madrid spielt, mag ich, sie ist genau meins.

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17. Juli 2022

Buchkritik: “Normale Menschen” von Sally Rooney

Sally Rooney: Normale Menschen

„Normale Menschen“ von Sally Rooney: eine On/Off-Beziehung mit vielen Wirrungen

Der Beziehungsstatus lautet: Es ist kompliziert. Connell ist schön, der Star der Fußballmannschaft und klug. Er wächst bei seiner alleinerziehenden Mutter auf, die die hübsche Villa von der Familie seiner Klassenkameradin Marianne putzt, um über die Runden zu kommen. Auch wenn das Geld knapp ist, leben Connell und seine Mutter harmonisch miteinander.

Marianne dagegen kennt keine materiellen Sorgen. Dafür herrscht in ihrer Familie eine emotionale Eiszeit. Ihr Vater ist verstorben, ihre Mutter interessiert sich nicht für sie, ihr Bruder ist gewalttätig. Marianne tut sich schwer mit ihren Klassenkamerad*innen und ist eine Außenseiterin in der Schule.

Als Connell seine Mutter öfter von der Arbeit in der Villa abholt, lernt er Marianne besser kennen. Es knistert und funkt. Sie schlafen immer wieder miteinander. Doch Connell kann sich nicht durchringen, öffentlich zu Marianne zu stehen. Es kommt zum Bruch.

Nach ihrem Abschluss ziehen sie beide für ihr Studium aus der Kleinstadt im Westen Irlands nach Dublin und begegnen sich zufällig auf einer Party wieder. Nun hat sich das Blatt gewendet. Marianne ist beliebt, genießt ihr Studierendenleben. Connell dagegen tut sich schwer mit dem neuen Umfeld. Viele junge Menschen aus reichen Familien sind um ihn herum. Connell ist verunsichert und findet nur schwer Anschluss. Zu Marianne fühlt er sich sofort wieder hingezogen. Finden sie dieses Mal zusammen?

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10. Juli 2022

Krimskrams: “Ein Abend im Gottesauer Eck”

Gottesauer Eck Karlsruhe I Andrew Lancaster, Stefan Hechinger, Natalia Kesik
Das sind Andrew, Stefan und Natalia

Karlsruhe: Im “Gottesauer Eck” gibt es nun Drinks und Kunst

Die blinkenden Spielautomaten sind verschwunden. Der große Billardtisch und die Theke mit Samtbezug ebenfalls. Auch vom Zigarettenrauch der ehemaligen Stammgäste bleiben nur Erinnerungen. Die Traditionskneipe „Gottesauer Eck“ in der Karlsruher Oststadt hat in den vergangenen Monaten eine Transformation erlebt.

Wo einst die trashigen weißen Monobloc-Stühle im Außenbereich standen und ein verblichenes Pils-Schild an der Außenfassade des Hochhauses hing, weisen nun auf einem roten Banner weiße Buchstaben auf den gleichbleibenden Namen hin. Er ist die einzige Konstante. Sonst ist alles neu.

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30. Juni 2022

Flimmerkasten: “Sex Education”

Kritik von “Sex Education”: Vorfreude auf Staffel 4

Es ist ausgerechnet der unbeholfene und unerfahrene Otis (Asa Butterfield), der an der Moordale Highschool ein ganz neues Business-Feld entdeckt: Sex-Beratung für seine Mitschüler*innnen. In einer heruntergekommenen Toilette, zwischen Matsch und Staub, hilft er weiter, wenn es um Liebesprobleme, Komplexe und unerfüllte Bedürfnisse geht.

Seine Kund*innen akquiriert die unnahbare und coole Maeve (Emma Mackey). Otis ist hoffnungslos verliebt in sie, doch für Maeve ist ihre Beziehung zunächst nur freundschaftlich. Durch ihre gemeinsame Mission lernen sie sich von Folge zu Folge aber besser kennen und kommen sich näher.

Bunt, zeitgemäß und voller liebevoll gestalteter Dramen: „Sex Education“ ist definitiv eine meiner Lieblingsserien auf Netflix. Drei Staffeln mit jeweils acht Folgen sind dort bereits abrufbar – jede einzelne habe ich geliebt.

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23. Juni 2022

Flimmerkasten: Liebe und Anarchie

“Liebe und Anarchie”: Warum die zweite Staffel fantastisch ist!

Sie ist schön, ehrgeizig und erfolgreich: Sofie (Ida Engvoll) hat mit Mitte 30 alles erreicht, was in einem gutbürgerlichen Leben wichtig ist. Mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt sie in einer Designerwohnung mitten in Stockholm, als Beraterin verdient sie eine Menge Geld, ihre Freizeit verbringt sie auf hippen Partys. Es ist ein Leben wie im Bilderbuch.

Doch als sie wegen eines neuen Auftrags zu einem konservativen Verlag kommt, trifft sie dort auf den jungen IT-Techniker Max (Björn Mosten). Es knistert zwischen ihnen – nach und nach gerät Sofies geregeltes Leben immer mehr aus den Fugen. Ihre Welt steht Kopf.

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20. Juni 2022

Karlsruhe: “Kulturfestival Hereinßpaziert”

Silke Roth, Kathi Bauer und Isabella Münnich
Das sind Kathi, Silke und Isabella (von links)

Drei Vereine organisieren das Festival “Hereinßpaziert” in der Schauenburgstraße 5

Sonnenstrahlen knallen vom Himmel, als ich am Samstagmittag auf dem Gelände des Panomaravereins in der Schauenburgstraße 5 ankomme. Trotz der Hitze läuft der Aufbau für das Kulturfestival „Hereinßpaziert“ auf Hochtouren. Große Autos rollen an, Helfer*innen entladen Equipment und fahren es mit Transportwagen in die Räume des ehemaligen Elektrogroßhandels.

Verabredet bin ich an diesem Mittag mit Silke Roth, Kathi Bauer und Isabella Münnich. Sie sind Teil des interdisziplinären Vereins „die Anstoß“, der gemeinsam mit dem Panoramaverein und dem Verein „Nägel mit Köpfen“ das dreitägige Festival von 24. bis 26. Juni veranstaltet. Es ist die offizielle Eröffnung des neuen soziokulturellen Zentrums des Panoramavereins, für das es derzeit noch keinen Namen gibt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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