19. Mai 2026

Rezension: „Real Americans“ von Rachel Khong

„Real Americans“ von Rachel Khong

„Real Americans“ von Rachel Khong: unterhaltsamer Roman mit kleinen Schwächen

Rachel Khongs „Real Americans“ beginnt wie eine moderne Version eines Märchens: Lily macht im Jahr 1999 ein unbezahltes Verlagspraktikum in New York und lernt dort Matthew kennen – reich, charmant, attraktiv. Noch in der selben Nacht fliegen sie spontan nach Paris. Sie verlieben sich ineinander, alles scheint möglich. 

Und doch steht von Anfang an etwas zwischen ihnen: Matthew stammt aus einer wohlhabenden amerikanischen Familie, Lily dagegen ist die Tochter chinesischer Einwanderer, die unter Mao in die USA flohen. Während Matthew sich selbstverständlich durch privilegierte Räume bewegt, begleitet Lily ständig das Gefühl, nicht genug zu sein. Vor allem ihre Mutter erwartet Erfolg, Disziplin und Sinnhaftigkeit.

Lily trennt sich nach wenigen Wochen abrupt von Matthew, doch sie finden wieder zusammen. Kurz vor ihrer Hochzeit lernen sich endlich auch ihre Eltern kennen – und plötzlich wird klar, dass zwischen den Familien eine gemeinsame Vergangenheit existiert, die weit tiefer reicht, als Lily ahnt. Ein Geheimnis, das alles verändert.

Weiterlesen »
keine Kommentare
9. Mai 2026

Buchkritik: „Und alle so still“ von Mareike Fallwickl

Und alle so still I Mareike Fallwickl I Rezension

Rezension von „Und alle so still“: Ein Roman, der mitreißt und zum Nachdenken anregt

Was würde geschehen, wenn Frauen plötzlich aufhören würden, sich zu kümmern? Wenn keine Erzieherin mehr in der Kita erscheint, keine Krankenschwester mehr zur Nachtschicht fährt und zu Hause die Wäscheberge einfach liegen bleiben?

Mareike Fallwickl entwirft in ihrem Roman „Und alle so still“ genau dieses Szenario – und es ist erschreckend plausibel. Die Frauen streiken. Sie legen sich auf die Straße und stehen nicht mehr auf. Keine laute Revolution, keine brennenden Barrikaden, sondern stiller Protest. Gerade dadurch entfaltet er eine enorme Wucht.

Nach „Die Wut, die bleibt“ und „Dunkelgrün fast schwarz“ ist „Und alle so still“ nun der dritte Roman von Mareike Fallwickl, den ich sehr gerne gelesen habe – auch wenn er immer wieder Irritationsmomente aufwirft. Aber genau diese Stellen bringen mich zum Nachdenken. Das Buch ist deshalb absolut lesenswert.

Weiterlesen »
keine Kommentare
15. April 2026

Buchkritik: “Allegro Pastell” von Leif Randt

Rezension zu “Allegro Pastell” von Leif Randt: “Germany’s next Lovestory”! I Film kommt nun ins Kino

Sie sind hip, erfolgreich und ihr Leben ist eine große Performance: Tanja Arnheim und Jerome Daimler führen eine Fernbeziehung zwischen Berlin und dem Maintal. Während Tanja als Autorin für ihren Debütroman große Aufmerksamkeit bekam und in der Hauptstadt nun an ihrem zweiten Buch arbeitet, ist Jerome als Webdesigner gefragt. Er erledigt vom Bungalow seiner Eltern aus seine zahlreichen und gut bezahlten Aufträge.

Ihre Beziehung: zunächst scheinbar makellos. Alles ist bis ins letzte Detail durchgeplant. Gefühle, Outfits, Partys: Sie analysieren sich und ihr Verhalten ständig. Was nicht stimmig ist, wird optimiert, bis zur absoluten Perfektion. Doch nach Tanjas 30. Geburtstag kippt die Stimmung. Wird „Germany’s next Lovestory“ trotzdem ein Happy End haben?

Nun kommt am 16. April die Verfilmung des Romans endlich ins Kino. In den Hauptrollen sind Jannis Niewöhner und Sylvaine Faligant zu sehen. Auch Luna Wedler und Martina Gedeck gehören zum Cast. Ich freue mich schon sehr darauf!

Weiterlesen »
keine Kommentare
3. April 2026

Buchkritik: “Liebewesen” von Caroline Schmitt

"Liebewesen" von Caroline Schmitt

Rezension zu „Liebewesen”: Ein sehr moderner Roman, der jedoch Potenzial verschenkt

Das Cover wirkt zunächst abschreckend. Eine Frau im rosa Kleid hält eine große Waffe in der Hand – Maschinengewehr oder Sturmgewehr, so genau lässt sich das nicht erkennen. Die Botschaft ist jedenfalls eindeutig: Hier wird es explosiv.

Hätte ich Caroline Schmitts Debüt-Roman „Liebewesen“ nur im Regal einer Buchhandlung gesehen, hätte ich ihn vermutlich nicht in die Hand genommen. Dass ich ihn trotzdem gelesen habe, verdankt sich einer positiven Online-Kritik, über die ich zufällig stolperte.

Und tatsächlich: Wer düstere Stoffe nur in homöopathischen Dosen verträgt, muss sich nicht fürchten. Zwar behandelt der Roman schwere Themen – verdrängte Traumata, eine toxische Beziehung, eine ungewollte Schwangerschaft. Trotzdem liest sich „Liebewesen“ erstaunlich leicht. Das liegt zum einen am flüssigen, zugänglichen Stil von Caroline Schmitt, aber zum anderen auch daran, dass der Roman an manchen Stellen weniger tief geht als er könnte. Deshalb lege ich das Buch am Ende mit gemischten Gefühlen zur Seite. Dazu später mehr.

Weiterlesen »
keine Kommentare
22. Februar 2026

Buchkritik: „Der Gott des Waldes“ von Liz Moore

Rezension: Warum mich „Der Gott des Waldes“ von Liz Moore positiv überrascht hat

Eine verschwundene 13-Jährige, ein abgeschiedenes Sommercamp, eine reiche Familie mit Vergangenheit. Es sind die klassischen Zutaten eines Krimis – und eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre. Dass ich „Der Gott des Waldes“ dennoch gelesen habe, liegt an einer Podcast-Empfehlung von Politikerin Heidi Reichinnek. Und an der leisen Hoffnung, dass hier mehr erzählt wird als nur die Frage: Wer war’s?

Zum Glück wurde diese Hoffnung nicht enttäuscht. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich das umfangreiche Buch durch – weil es durchgehend spannend ist, ohne je blutig oder reißerisch zu werden. Liz Moore zeichnet stattdessen das vielschichtige Porträt einer wohlhabenden Familie, in der seit Jahren einiges im Argen liegt. Ganz im Stil von „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ von Joël Dicker, ein Buch, das ich vor vielen Jahren mit großer Begeisterung gelesen habe.

Weiterlesen »
keine Kommentare
8. Februar 2026

Buchkritik: „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff

„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff

Rezension: „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ – einfühlsam und lustig I Film läuft nun im Kino

Es ist definitiv Großmutter Inge, die der absolute Star ist in Joachim Meyerhoffs Roman „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Die ältere Dame strotzt nur so voller Theatralik und Eleganz. Mit einem bedeutungsschwangeren „Mooooahhhhh“ kommentiert sie die belanglosesten Dinge – wie den Brie beim Abendessen. Die Aufmerksamkeit hat sie damit allemal. Einer ihrer Ticks ist es auch, bei „Oh Gott“ die beiden „tt“ deutlich auszusprechen.

“Sie sagte nicht ,Gott’, sondern ,Got-t“ (…) „Alles hatte Bedeutung und es gab einem das gute Gefühl, dabei sein zu dürfen, wenn sie redete.”

So ist es keine große Überraschung, als sich von Kapitel zu Kapitel deutlicher herausstellt, wer genau die Großmutter von Joachim Meyerhoff ist. Es ist Inge Birkmann, eine renommierte Schauspielerin, die an den großen Theatern Deutschlands auf der Bühne stand und auch im Fernsehen zu sehen war – unter anderem in „Derrick“ oder „Der Alte“.

Mit ihrem Mann Hermann Krings, einem emeritierten Professor der Philosophie, bewohnt die Diva eine prächtige Villa in der Nähe des Nymphenburger Parks. Dorthin zieht Joachim Meyerhoff nach dem Abitur, weil er zunächst seinen Zivildienst in München absolvieren will, dann aber kurzfristig eine Zusage für die Otto-Falckenberg-Schauspielschule in der bayerischen Stadt erhält.

Es ist ein Spagat zwischen zwei Welten: den freigeistigen Kreativen und den kultivierten, großbürgerlichen Senior*innen. Wie es ihm damals, Ende der 1980er-Jahre erging, daran erinnert sich Joachim Meyer in seinem autobiografisch geprägten Werk sehr amüsant und einfühlsam.

Nun ist auch der Kinofilm dazu erschienen – die Kritiken fallen sehr positiv aus.

Weiterlesen »
keine Kommentare
24. Januar 2026

Buchkritik: „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt

Buchkritik: „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt

Leif Randt: „Let’s Talk About Feelings“ – kluge Unterhaltung zwischen Mode, Berlin und Gefühlen

Es gibt wohl kein Buch, auf das ich 2025 so gespannt gewartet habe wie auf „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt. Sein Vorgänger Allegro Pastell hat mich vor wenigen Jahren komplett begeistert. Kein*e deutsche*r Autor*in trifft den Zeitgeist so präzise wie Randt. Dazu kommt seine außergewöhnliche Sprache: Eingängig, und doch ist jeder Satz wie ein kleines Kunstwerk. Jedes Wort sitzt, keines ist zu viel. Seine Bücher zu lesen, ist für mich eine sinnliche Wohltat.

Vor wenigen Monaten ist „Let’s Talk About Feelings“ nun endlich erschienen. Berlin is calling – again. Erzählt wird aus der Perspektive von Marian, einem Mann Anfang 40, dessen Mutter gerade verstorben ist. Als Leserin begleite ich ihn über etwa ein Jahr hinweg, tauche mit ihm ein in sein Leben als Besitzer einer hippen Modeboutique, bin mit ihm auf Reisen, beim Dating und erfahre viel über das Innenleben eines sehr reflektierten Mannes.

Obwohl „Let’s Talk About Feelings“ keinen klassischen Spannungsbogen hat, habe ich den Roman mit viel Vergnügen gelesen.

Weiterlesen »
keine Kommentare
19. Januar 2026

Buchkritik: „Judith und Hamnet“ von Maggie O’Farrell

„Judith und Hamnet“ von Maggie O'Farrell

„Judith und Hamnet“: die bewegende Geschichte, wie Shakespeare zu seinem Stück „Hamlet“ fand I Kinostart des Films ist am Donnerstag

Das Buch „Judith und Hamnet“ entdeckte ich nur zufällig. Schauspielerin Tanya Reynolds präsentierte den Roman in einer ihrer Instagram-Stories. „Women’s Prize for Fiction“ las ich auf dem Cover. Da die Sex-Education-Darstellerin schon mehrmals Romane empfohlen hatte, die ich toll fand, wollte ich mehr wissen. Ich klickte mich durchs Netz, suchte nach Informationen zu „Judith und Hamnet“ und wusste schnell: Das möchte ich lesen.

Nun wurde die bewegende Geschichte verfilmt – unter anderem von Steven Spielberg und Chloé Zhao (“Nomadland“). „Hamnet“ kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos. Da ich den Roman aber besonders im zweiten Teil emotional sehr ergreifend finde, kann ich mir das nicht auf der Leinwand anschauen. Dazu später mehr.

Weiterlesen »
keine Kommentare
17. Januar 2026

Buchkritik: „Die Assistentin“ von Caroline Wahl

„Die Assistentin“ von Caroline Wahl

Rezension: Warum „Die Assistentin“ von Caroline Wahl besser ist als ihr Ruf – und weshalb der große Shitstorm dem Roman nicht gerecht wird

Es war ein gewaltiger Shitstorm, der im vergangenen Herbst über Caroline Wahl hereinbrach, als „Die Assistentin“ erschien. Interessiert las ich die oft vernichtenden Kritiken zu ihrem dritten Roman auf Social Media und fragte mich, was genau so viel Wut und Missgunst ausgelöst hatte. Da ich sowohl „22 Bahnen“ (fand ich ganz gut) als auch „Windstärke 17“ (fand ich eher so naja) gelesen hatte, konnte ich weder den vorherigen großen Hype noch die aktuelle Häme so recht nachvollziehen. Für mich hatte Caroline Wahl mit ihren Vorgängerromanen keine Meisterwerke geschaffen, sondern solide, eingängige Unterhaltungsliteratur. Wie konnte der Fall nun also so tief sein?

Als Caroline Wahl Anfang Oktober in Karlsruhe auf Promotour zu „Die Assistentin“ war, schleppte mich eine Freundin zu der Veranstaltung. Ohne große Erwartungen ging ich hin – und war am Ende positiv überrascht. Die Autorin war witzig, erzählte offen davon, wie sehr sie die negativen Kritiken getroffen hatten, und las einige sehr unterhaltsame Passagen aus „Die Assistentin“ vor.

Meine Verwunderung war danach nur noch größer. Was genau empörte die breite Masse auf Social Media an diesem Buch so sehr? Ich setzte es auf meine Vormerkliste in der Bibliothek, landete auf Platz 62 und musste deshalb bis diese Woche warten, um mir selbst ein Bild machen zu können. Also: Was ist nun meine Meinung zu „Die Assistentin“?

Weiterlesen »
1 Kommentar
30. Dezember 2025

Filmkritik: “Nomadland”

“Nomadland”: was für ein toller Film über Freiheit – eine Rezension

Fern (Frances McDormand) fühlt sich nur frei, wenn sie mit ihrem weißen Van quer durch die USA fährt. Durch die karge Wüste und naturgewaltigen Nationalparks, entlang der felsigen Küste mit den tosenden Wellen.

„Vanguard“ hat Fern ihren treuen Gefährten mit den Rostflecken genannt. Mit ihm kommt sie nicht nur von einem Gelegenheitsjob zum nächsten. „Vanguard“ ist auch ihr Zuhause. In ihm schläft sie bei Eiseskälte, erledigt in einem Eimer ihre größeren und kleineren Bedürfnisse und hat in den Schränken ihre wichtigsten Andenken verstaut.

Fern ist eine moderne Nomadin und steht im Mittelpunkt von „Nomadland“, einem wunderschönen und eindrucksvollen Film.

Weiterlesen »
keine Kommentare

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren
Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@miriam_steinbach