Buchkritik: „Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth-Maria Thomas


Ich hatte mich sehr auf den neuen Roman von Ruth-Maria Thomas gefreut. Auch wenn ich mehr als 100 Seiten brauchte, um richtig in die Geschichte zu finden, hat mich „Die zweitgrößte Liebe“ schließlich überzeugt. Besonders spannend fand ich, wie die Autorin Liebe, Geld und Herkunft miteinander verknüpft. Die Ost-West-Thematik und die besonderen Figuren haben mich nachhaltig beeindruckt.

Beim Lesen von „Lügen über meine Mutter“ dachte ich immer wieder: Zum Glück hat sich für Frauen in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert. Daniela Dröscher erzählt mit Humor und erschreckender Klarheit von ihrer Mutter, die wegen ihres Körpers klein gehalten wird. Mich hat dieser kluge, kurzweilige Roman gepackt – seit Kurzem ist er auch als Verfilmung im Kino zu sehen.

Eine Gesundheitsdiktatur, in der Fitnessdaten Pflicht sind und alles Ungesunde verboten ist? Was bei Juli Zeh zunächst nach ferner Science-Fiction klingt, fühlt sich heute erstaunlich nah an. In „Corpus Delicti“ kämpft Mia Holl gegen ein System, das Sicherheit über Freiheit stellt. Der Roman regt zum Nachdenken an und wirft wichtige Fragen auf – inzwischen ist er als Kinofilm zu sehen.

Heimatroman? Normalerweise nicht unbedingt mein Genre. Bei „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner war ich deshalb zunächst skeptisch. Zum Glück völlig zu Unrecht. Die Geschichte über drei Frauen und drei Generationen im Schwarzwald hat mich überraschend schnell gepackt – vielleicht auch, weil ich selbst aus einem kleinen Ort komme. Vor allem die Frage „bleiben oder gehen?“ ist mir lange nachgegangen.

Was passiert, wenn zwei Menschen, die eigentlich lieber allein wären, gemeinsam wandern gehen? Marnie und Michael treffen sich auf einem mehrtägigen Trip durch den Norden Englands und erzählen sich nach und nach ihre Lebensgeschichten. David Nicholls verbindet in „Zwei in einem Leben“ Humor, Melancholie und Romantik zu einem wunderbar unterhaltsamen Roman über Einsamkeit, Neuanfänge und die Liebe.

Lale wächst in den 1980er-Jahren in einer Berliner Männer-WG auf, umgeben von Drogen, Alkohol und Vernachlässigung. In „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ erzählt Lilli Tollkien eindringlich von einer traumatischen Kindheit und dem schwierigen Weg zur Selbstermächtigung. Ein sprachlich beeindruckender Roman, der mich emotional an meine Grenzen gebracht hat – und trotzdem nicht losließ, sondern sehr lange nachwirkte.

Lucy ist 15, lebt im konservativen Irland und verliebt sich ausgerechnet in ihre Mitschülerin Susannah. Chloe Michelle Howarth erzählt in „Sunburn“ von einer ersten großen Liebe, die geheim bleiben soll, und den Erwartungen, gegen die Lucy kämpfen muss. Sprachlich war ich zunächst skeptisch, doch die Geschichte zog mich immer tiefer hinein – und blieb noch lange nach der letzten Seite…

Olive glaubt an Wissenschaft, nicht an die Liebe. Dann küsst die Biologie-Doktorandin ausgerechnet den gefürchteten Labortyrannen Adam Carlsen und landet in einer Fake-Beziehung, die zunehmend kompliziert wird. Ali Hazelwoods „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ verbindet Wissenschaft, Romance und jede Menge Humor. Ein unterhaltsamer Liebesroman, der besonders mit seinen sympathischen Figuren und viel Chemie punktet.

Sam und Sadie lernen sich als Kinder kennen und teilen eine große Leidenschaft: Videospiele. Jahre später entwickeln sie gemeinsam erfolgreiche Games und werden zu engen Freunden. Doch Erfolg, Rivalität, Liebe und persönliche Schicksalsschläge stellen ihre Beziehung immer wieder auf die Probe. Gabrielle Zevin erzählt in „Morgen, morgen und wieder morgen“ eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Kreativität und das Leben.