8. Februar 2026

Buchkritik: „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff

„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff

Rezension: „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ – einfühlsam und lustig I Film läuft nun im Kino

Es ist definitiv Großmutter Inge, die der absolute Star ist in Joachim Meyerhoffs Roman „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Die ältere Dame strotzt nur so voller Theatralik und Eleganz. Mit einem bedeutungsschwangeren „Mooooahhhhh“ kommentiert sie die belanglosesten Dinge – wie den Brie beim Abendessen. Die Aufmerksamkeit hat sie damit allemal. Einer ihrer Ticks ist es auch, bei „Oh Gott“ die beiden „tt“ deutlich auszusprechen.

“Sie sagte nicht ,Gott’, sondern ,Got-t“ (…) „Alles hatte Bedeutung und es gab einem das gute Gefühl, dabei sein zu dürfen, wenn sie redete.”

So ist es keine große Überraschung, als sich von Kapitel zu Kapitel deutlicher herausstellt, wer genau die Großmutter von Joachim Meyerhoff ist. Es ist Inge Birkmann, eine renommierte Schauspielerin, die an den großen Theatern Deutschlands auf der Bühne stand und auch im Fernsehen zu sehen war – unter anderem in „Derrick“ oder „Der Alte“.

Mit ihrem Mann Hermann Krings, einem emeritierten Professor der Philosophie, bewohnt die Diva eine prächtige Villa in der Nähe des Nymphenburger Parks. Dorthin zieht Joachim Meyerhoff nach dem Abitur, weil er zunächst seinen Zivildienst in München absolvieren will, dann aber kurzfristig eine Zusage für die Otto-Falckenberg-Schauspielschule in der bayerischen Stadt erhält.

Es ist ein Spagat zwischen zwei Welten: den freigeistigen Kreativen und den kultivierten, großbürgerlichen Senior*innen. Wie es ihm damals, Ende der 1980er-Jahre erging, daran erinnert sich Joachim Meyer in seinem autobiografisch geprägten Werk sehr amüsant und einfühlsam.

Nun ist auch der Kinofilm dazu erschienen – die Kritiken fallen sehr positiv aus.

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24. Januar 2026

Buchkritik: „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt

Buchkritik: „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt

Leif Randt: „Let’s Talk About Feelings“ – kluge Unterhaltung zwischen Mode, Berlin und Gefühlen

Es gibt wohl kein Buch, auf das ich 2025 so gespannt gewartet habe wie auf „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt. Sein Vorgänger Allegro Pastell hat mich vor wenigen Jahren komplett begeistert. Kein*e deutsche*r Autor*in trifft den Zeitgeist so präzise wie Randt. Dazu kommt seine außergewöhnliche Sprache: Eingängig, und doch ist jeder Satz wie ein kleines Kunstwerk. Jedes Wort sitzt, keines ist zu viel. Seine Bücher zu lesen, ist für mich eine sinnliche Wohltat.

Vor wenigen Monaten ist „Let’s Talk About Feelings“ nun endlich erschienen. Berlin is calling – again. Erzählt wird aus der Perspektive von Marian, einem Mann Anfang 40, dessen Mutter gerade verstorben ist. Als Leserin begleite ich ihn über etwa ein Jahr hinweg, tauche mit ihm ein in sein Leben als Besitzer einer hippen Modeboutique, begleite ihn auf Reisen, beim Dating und erfahre viel über das Innenleben eines sehr reflektierten Mannes.

Obwohl „Let’s Talk About Feelings“ keinen klassischen Spannungsbogen hat, habe ich den Roman mit viel Vergnügen gelesen.

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19. Januar 2026

Buchkritik: „Judith und Hamnet“ von Maggie O’Farrell

„Judith und Hamnet“ von Maggie O'Farrell

„Judith und Hamnet“: die bewegende Geschichte, wie Shakespeare zu seinem Stück „Hamlet“ fand I Kinostart des Films ist am Donnerstag

Das Buch „Judith und Hamnet“ entdeckte ich nur zufällig. Es war Schauspielerin Tanya Reynolds, die es in einer ihrer Instagram-Stories präsentierte. „Women’s Prize for Fiction“ las ich auf dem Cover. Da die Sex-Education-Darstellerin schon mehrmals Romane empfohlen hatte, die ich toll fand, wollte ich mehr wissen. Ich klickte mich durchs Netz, suchte nach Informationen zu „Judith und Hamnet“ und wusste schnell: Das möchte ich lesen.

Nun wurde die bewegende Geschichte verfilmt – unter anderem von Steven Spielberg und Chloé Zhao (“Nomadland“). „Hamnet“ kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos. Da ich den Roman aber besonders im zweiten Teil emotional sehr bewegend fand, kann ich mir das nicht auf der Leinwand anschauen. Dazu später mehr.

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17. Januar 2026

Buchkritik: „Die Assistentin“ von Caroline Wahl

„Die Assistentin“ von Caroline Wahl

Rezension: Warum „Die Assistentin“ von Caroline Wahl besser ist als ihr Ruf – und weshalb der große Shitstorm dem Roman nicht gerecht wird

Es war ein gewaltiger Shitstorm, der im vergangenen Herbst über Caroline Wahl hereinbrach, als „Die Assistentin“ erschien. Interessiert las ich die oft vernichtenden Kritiken zu ihrem dritten Roman auf Social Media und fragte mich, was genau so viel Wut und Missgunst ausgelöst hatte. Da ich sowohl „22 Bahnen“ (fand ich ganz gut) als auch „Windstärke 17“ (fand ich eher so naja) gelesen hatte, konnte ich weder den vorherigen großen Hype noch die aktuelle Häme so recht nachvollziehen. Für mich hatte Caroline Wahl mit ihren Vorgängerromanen keine Meisterwerke geschaffen, sondern solide, eingängige Unterhaltungsliteratur. Wie konnte der Fall nun also so tief sein?

Als Caroline Wahl Anfang Oktober in Karlsruhe auf Promotour zu „Die Assistentin“ war, schleppte mich eine Freundin zu der Veranstaltung. Ohne große Erwartungen ging ich hin – und war am Ende positiv überrascht. Die Autorin war witzig, erzählte offen davon, wie sehr sie die negativen Kritiken getroffen hatten, und las einige sehr unterhaltsame Passagen aus „Die Assistentin“ vor.

Meine Verwunderung war danach nur noch größer. Was genau empörte die breite Masse auf Social Media an diesem Buch so sehr? Ich setzte es auf meine Vormerkliste in der Bibliothek, landete auf Platz 62 und musste deshalb bis diese Woche warten, um mir selbst ein Bild machen zu können. Also: Was ist nun meine Meinung zu „Die Assistentin“?

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30. Dezember 2025

Filmkritik: “Nomadland”

“Nomadland”: was für ein toller Film über Freiheit – eine Rezension

Fern (Frances McDormand) fühlt sich nur frei, wenn sie mit ihrem weißen Van quer durch die USA fährt. Durch die karge Wüste und naturgewaltigen Nationalparks, entlang der felsigen Küste mit den tosenden Wellen.

„Vanguard“ hat Fern ihren treuen Gefährten mit den Rostflecken genannt. Mit ihm kommt sie nicht nur von einem Gelegenheitsjob zum nächsten. „Vanguard“ ist auch ihr Zuhause. In ihm schläft sie bei Eiseskälte, erledigt in einem Eimer ihre größeren und kleineren Bedürfnisse und hat in den Schränken ihre wichtigsten Andenken verstaut.

Fern ist eine moderne Nomadin und steht im Mittelpunkt von „Nomadland“, einem wunderschönen und eindrucksvollen Film.

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28. Dezember 2025

Buchkritik: „Kein Sommer ohne dich“ von Emily Henry

Buchkritik: „Kein Sommer ohne dich“ von Emily Henry

Rezension „Kein Sommer ohne dich“ von Emily Henry – vorhersehbar, aber genau richtig

Es war die Netflix-Vorschau zum Film People We Meet on Vacation, die mich vor wenigen Wochen dazu brachte, doch noch einmal ein Buch von Emily Henry in die Hand zu nehmen. Book Lovers fand ich zwar ganz nett, aber an manchen Stellen zu kitschig, sehr vorhersehbar, und die vielen Sexszenen hatten mich eher abgeschreckt als angezogen.

Der Trailer zu „People We Meet on Vacation“ sah jedoch nach einer typischen Romcom aus, die ich manchmal sehr gerne zum Abschalten schaue. Wenn es aber eine Buchvorlage dazu gibt, möchte ich diese immer zuerst lesen. Da es Kein Sommer ohne dich, wie der Roman auf Deutsch heißt, problemlos in der Stadtbibliothek gab, dachte ich: perfekt, kein Risiko. Wenn ich das Buch gar nicht mag, gebe ich es einfach zurück.

Eines vorweg: „Kein Sommer ohne dich“ hat keine großen Überraschungen parat. Der Roman ist so eingängig, wie ich es erwartet hatte. Der Spannungsbogen ist eher flach, aber manchmal tut genau so etwas auch gut. Außerdem reisen die beiden Hauptfiguren sehr viel – das fand ich tatsächlich interessant. Der Film „People We Meet on Vacation“ erscheint am 9. Januar auf Netflix. Emily Bader spielt Poppy, Tom Blyth verkörpert Alex. Ich bin gespannt.

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26. Dezember 2025

Serienkritik: “Emily in Paris”

„Emily in Paris“: Die fünfte Staffel ist eine große Enttäuschung!

Franzosen und Französinnen, die erst nach 10 Uhr zu arbeiten beginnen, mittags schon Weißwein trinken und konsequent Englisch boykottieren: „Emily in Paris“ bedient Klischees nicht nur, die Netflix-Serie zelebriert sie regelrecht. Auch die Bilder aus der französischen Hauptstadt wirken, als hätte jemand einen quietschbunten Instagram-Filter darübergelegt. Paris leuchtet, blüht und erscheint wie eine märchenhafte Version seiner selbst. Die raue Realität? Fehlanzeige.

Zu viel Kitsch halte ich normalerweise nur schwer aus. Bei „Emily in Paris“ ging es mir – überraschenderweise – anders. Bereits die erste Folge zog mich wie ein Hurrikan in diese bonbonfarbene Bubblegum-Welt hinein.

Doch wie so oft bei Serien, die vor allem von Oberfläche leben, nutzte sich auch hier der Effekt schnell ab. Was anfangs noch leicht, verspielt und charmant wirkte, verlor mit jeder weiteren Staffel an Substanz. In der dritten Staffel und der erste Hälfte der vierten ließ die Spannung bereits spürbar nach – die Geschichten wiederholten sich, die Konflikte wirkten zunehmend konstruiert.

In den letzten fünf Folgen der vierten Staffel keimte mit Marcello kurz Hoffnung auf: Neue Gesichter und neue Schauplätze brachten Bewegung in Emilys Leben. Das endlose Drama um Gabriel und Camille trat endlich etwas in den Hintergrund. Umso größer ist nun die Enttäuschung über die fünfte Staffel. Bereits ab der zweiten Folge kämpfte ich mit dem flachen Spannungsbogen und den schwachen, lieblos erzählten Geschichten. Vieles davon ist schlicht langweilig. Doch dazu später mehr.

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21. Dezember 2025

Rezension: „Auf allen Vieren“ von Miranda July

 „Auf allen Vieren“ von Miranda July

Kritik von „Auf allen Vieren“: über sexuelles Erwachen und die Wechseljahre

Eigentlich soll die Autofahrt von Los Angeles nach New York Ruhe bringen. Sechs Tage will die namenlose Erzählerin in Miranda Julys neuem Roman „Auf allen Vieren“ allein unterwegs sein, um sich selbst zu finden. Doch schon nach einer halben Stunde ist Schluss – die Reise endet abrupt in der Kleinstadt Monrovia. Dort verliebt sie sich Hals über Kopf.

Was in Monrovia beginnt, ist so unvorhersehbar, dass danach kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Statt innerer Ruhe findet sie Chaos, Verlangen und einen Neuanfang, der alles infrage stellt – vor allem ihre langjährige Ehe.

Miranda July erzählt vom Erwachen einer Frau, die glaubt, alles zu kennen – bis sie merkt, dass das Leben in der Mitte noch einmal völlig neu beginnen kann. „Auf allen Vieren“ ist wild, sinnlich, komisch und klug. Typisch Miranda July eben.

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18. Dezember 2025

Serienkritik: “Weihnachten zu Hause”

Es ist kaum zu glauben: Die dritte Staffel von „Weihnachten zu Hause“ ist perfekt geworden

Meine Angst war in den vergangenen Wochen so groß, dass die dritte Staffel von “Weihnachten zu Hause” auf Netflix eine riesige Enttäuschung sein könnte. Nach dem perfekten Ende der zweiten Staffel mit Johanne und Jonas konnte ich mir nicht vorstellen, dass der Zauber der norwegischen Serie erhalten bleiben kann. Vor allem, da der Trailer bereits verrät, dass sie sich getrennt haben. Ich befürchtete, dass es eine schwache Neuauflage der ersten acht Folgen wird – Johanne datet wieder, alles auf Anfang, alles schon mal gesehen.

Aber nein! Die neuesten acht Folgen von „Weihnachten zu Hause“ sind großartig geworden. Das Wiedersehen mit Johanne ist einfach nur eine Wohltat. Den Macher*innen der Serie ist es gelungen, die Geschichte spannend und mit Tiefgang weiterzuerzählen. Es hakt an keiner Stelle. Dazu später noch mehr.

Was für ein Glück. Schließlich schaue ich die Serie in der Adventszeit bereits seit fünf Jahren immer wieder. Sie ist zu meinem Weihnachtsritual geworden, weil sie auf so wunderbare Weise eine zeitgemäße Liebesgeschichte erzählt – mit viel Herz, Humor, aber ohne Kitsch.

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24. November 2025

Buchkritik: „Single Mom Supper Club“ von Jacinda Nandi 

„Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi

Lohnt sich „Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi? Nein. Eine ehrliche Buchkritik

Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch nach mehr als 200 Seiten zur Seite lege. Normalerweise will ich immer wissen, wie alles endet. Will verstehen, ob sich die Figuren noch entwickeln, ob vielleicht doch noch etwas passiert, das mich berührt oder überrascht. Doch bei „Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi blieb dieser Moment aus. Irgendwann fühlte es sich einfach nur noch wie Zeitverschwendung an, ein weiteres Kapitel zu lesen.

Es ist schade, denn am Schreibstil der Autorin lag es nicht – vielmehr am fehlenden Spannungsbogen und einem Humor, der bei mir absolut nicht zündete.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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