Buchkritik: „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner


Heimatroman? Normalerweise nicht unbedingt mein Genre. Bei „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner war ich deshalb zunächst skeptisch. Zum Glück völlig zu Unrecht. Die Geschichte über drei Frauen und drei Generationen im Schwarzwald hat mich überraschend schnell gepackt – vielleicht auch, weil ich selbst aus einem kleinen Ort komme. Vor allem die Frage „bleiben oder gehen?“ ist mir lange nachgegangen.

Was passiert, wenn zwei Menschen, die eigentlich lieber allein wären, gemeinsam wandern gehen? Marnie und Michael treffen sich auf einem mehrtägigen Trip durch den Norden Englands und erzählen sich nach und nach ihre Lebensgeschichten. David Nicholls verbindet in „Zwei in einem Leben“ Humor, Melancholie und Romantik zu einem wunderbar unterhaltsamen Roman über Einsamkeit, Neuanfänge und die Liebe.

Lale wächst in den 1980er-Jahren in einer Berliner Männer-WG auf, umgeben von Drogen, Alkohol und Vernachlässigung. In „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ erzählt Lilli Tollkien eindringlich von einer traumatischen Kindheit und dem schwierigen Weg zur Selbstermächtigung. Ein sprachlich beeindruckender Roman, der mich emotional an meine Grenzen gebracht hat – und trotzdem nicht losließ, sondern sehr lange nachwirkte.

Lucy ist 15, lebt im konservativen Irland und verliebt sich ausgerechnet in ihre Mitschülerin Susannah. Chloe Michelle Howarth erzählt in „Sunburn“ von einer ersten großen Liebe, die geheim bleiben soll, und den Erwartungen, gegen die Lucy kämpfen muss. Sprachlich war ich zunächst skeptisch, doch die Geschichte zog mich immer tiefer hinein – und blieb noch lange nach der letzten Seite…

Olive glaubt an Wissenschaft, nicht an die Liebe. Dann küsst die Biologie-Doktorandin ausgerechnet den gefürchteten Labortyrannen Adam Carlsen und landet in einer Fake-Beziehung, die zunehmend kompliziert wird. Ali Hazelwoods „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ verbindet Wissenschaft, Romance und jede Menge Humor. Ein unterhaltsamer Liebesroman, der besonders mit seinen sympathischen Figuren und viel Chemie punktet.

Sam und Sadie lernen sich als Kinder kennen und teilen eine große Leidenschaft: Videospiele. Jahre später entwickeln sie gemeinsam erfolgreiche Games und werden zu engen Freunden. Doch Erfolg, Rivalität, Liebe und persönliche Schicksalsschläge stellen ihre Beziehung immer wieder auf die Probe. Gabrielle Zevin erzählt in „Morgen, morgen und wieder morgen“ eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Kreativität und das Leben.

Vom ungarischen Gefängnis bis in die britische High Society: David Szalay schickt seinen Protagonisten István durch ein außergewöhnliches Leben. „Was nicht gesagt werden kann“ ist ein ungewöhnlicher Roman über einen Mann, der seine Gefühle kaum in Worte fassen kann und sich stattdessen durchs Leben treiben lässt. Sprachlich reduziert, kühl und trotzdem unglaublich spannend – zurecht mit dem Booker Prize ausgezeichnet.

Bear, Julian oder Gordon? Für Cora ist die Wahl des Namens für ihren neugeborenen Sohn mehr als eine Formsache. Denn je nachdem, wie sie sich entscheidet, nimmt das Leben ihrer Familie eine völlig andere Wendung. Florence Knapp erzählt dieselbe Geschichte in drei Varianten und verbindet ein cleveres Gedankenexperiment mit wichtigen Themen: häuslicher Gewalt, Familie und Selbstbestimmung.

Wie lebt man weiter, wenn Gewalt Teil einer Beziehung war? Clara Leinemanns fesselnder Debütroman „Gelbe Monster“ begleitet die Protagonistin Charlie nach der Trennung aus einer toxischen Partnerschaft direkt ins Antiaggressionstraining. Sprachlich stark und mit enormem Sog verhandelt das Buch eigene Wut, Schuld und Verantwortung. Auch wenn manche Hintergründe etwas knapp bleiben, ist das Buch trotzdem lesenswert. Hier mehr erfahren.