18. Oktober 2021

Fernweh: “Famoses Fehmarn”

Fehmarn Südstrand

Fehmarn: Urlaub auf der Sonneninsel

Sie fallen sofort ins Auge, als wir mit unseren Fahrrädern am Wasser entlang in Richtung Südstrand fahren: die drei Hoteltürme von Arne Jacobsen. Der dänische Architekt entwarf sie in den 1960er-Jahren. Sie stehen direkt an der Ostsee, sind minimalistisch, ohne Schnickschnack. Ein Paradebeispiel für die funktionale Architektur der Moderne.

Die hohen Türme sind außergewöhnlich für Fehmarn. Ansonsten sehen wir auf der drittgrößten Insel Deutschlands vor allem flache Fachwerkhäuser im nordischen Stil. Um sie herum: sattgrüner Rasen und bunte Blumen. Wir haben für unseren Urlaub ein hübsches hellblaues Ferienhaus gemietet, das mich an Astrid Lindgrens Klassiker „Wir Kinder von Bullerbü“ denken lässt.

Tatsächlich ist Skandinavien auch sehr nah. Von Fehmarn geht eine Fähre nach Dänemark. Vor sieben Jahren war ich deshalb schon einmal hier. Die damaligen Ziele: die Insel Møn und Kopenhagen. Nun ist Fehmarn Endstation.

Fehmarn
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2. Oktober 2021

Schmöker: “Verzweiflungstaten” von Megan Nolan

„Verzweiflungstaten“ von Megan Nolan: Dieser Roman über eine toxische Beziehung ist eine Wucht!

Cieran ist für sie der schönste Mann auf der Welt. Als die namenlose Ich-Erzählerin ihn in einer Galerie in Dublin sieht, ist sie ergriffen von seinen großen grauen Augen, der Adlernase, seinem engelsgleichen Mund und der enormen Ruhe, die er ausstrahlt. Sie kommen ins Gespräch, treffen sich wieder, beginnen miteinander zu schlafen.

Das klingt zunächst alles romantisch. Doch von Anfang an ist Cieran kalt zu ihr, sprunghaft, unberechenbar. Anstatt sich von ihm zu lösen, ist die Erzählerin aber so bedürftig, dass sie alles mit sich geschehen lässt, Gemeinheiten akzeptiert, nur damit er bei ihr bleibt. Sie schlittern in eine toxische Beziehung, in der es mehr um Macht und Leiden als um ehrliche Liebe geht.

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30. September 2021

Krimskrams: “Ein Abend mit Irma Chacall”

Irma Chacall
Das ist Irma. Dieses Foto hat Sebastian Heck gemacht. Die anderen Fotos sind alle von Irma.

Irma Chacall: Eine Künstlerin, die Sprache und Fotografie verbindet

Es gibt eine Frau, die Irma Chacall in ihrem Denken, Handeln und bei ihren künstlerischen Arbeiten besonders prägt: Simone de Beauvoir. Von der französischen Philosophin, die mit Jean-Paul Satre und Albert Camus zu den Hauptvertretern des Existentialismus gehört, hat die in Karlsruhe lebende Künstlerin jedes Werk gelesen. Von de Beauvoirs feministischen Ansichten ließ sie sich ebenso inspirieren, wie vom Stil sich zu kleiden.

Irma trägt Schwarz, als wir uns in ihrem Atelier in der Viktoriastraße 12 (V12) treffen. Ihre rotgefärbten Locken tanzen auf dem Kragen ihres Rollkragens, wenn sie beim Sprechen den Kopf bewegt. An den Wänden sind ihre Arbeiten zu sehen: Schwarz-Weiß-Fotografien mit intimen Nahaufnahmen von menschlichen Körpern, reduzierte Zeichnungen von Frauen, Aquarelle und einzelne gerahmte Buchseiten, bei denen sie mit verschiedenen Farben und Formen die meisten Wörter durchgestrichen hat. Übrig geblieben ist ein bedeutungsschwangerer Satz, der losgelöst vom Kontext ist. Text-Cancelling nennt sie dieses Projekt.

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26. September 2021

Schmöker: “Allegro Pastell” von Leif Randt

“Allegro Pastell” von Leif Randt: “Germany’s next Lovestory”!

Sie sind hip, erfolgreich und ihr Leben ist eine große Performance: Tanja Arnheim und Jerome Daimler führen eine Fernbeziehung zwischen Berlin und dem Maintal. Während Tanja als Autorin für ihren Debütroman große Aufmerksamkeit bekam und in der Hauptstadt nun an ihrem zweiten Buch arbeitet, ist Jerome als Webdesigner gefragt. Er erledigt vom Bungalow seiner Eltern aus seine zahlreichen und gut bezahlten Aufträge.

Ihre Beziehung: zunächst scheinbar makellos. Alles ist bis ins letzte Detail durchgeplant. Gefühle, Outfits, Partys: Sie analysieren sich und ihr Verhalten ständig. Was nicht stimmig ist, wird optimiert, bis zur absoluten Perfektion. Doch nach Tanjas 30. Geburtstag kippt die Stimmung. Wird „Germany’s next Lovestory“ trotzdem ein Happy End haben?

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19. September 2021

Schmöker: “Das weibliche Prinzip” von Meg Wolitzer

Ein sanftes Buch mit weisen Ansichten: “Das weibliche Prinzip”

Der Roman „Das weibliche Prinzip“ von Meg Wolitzer war mir bereits 2018 in den Buchhandlungen aufgefallen – vor allem wegen seines tollen Covers, das Weiblichkeit auf abstrakte und bunte Weise darstellt.

Dass das Buch trotzdem nicht sofort in meiner Einkaufstasche landete, lag vor allem am Titel. Ich erwartete eine trockene, sachbuchartige Geschichte. Erst als ich im vergangenen Winter von Meg Wolitzer „Die Interessanten“ las, unglaublich berührt von diesem Buch war, begann ich mich ernsthaft mit ihren weiteren Werken auseinanderzusetzen. So landete nun „Das weibliche Prinzip“ doch noch bei mir – zum Glück.

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10. September 2021

Schmöker: “Brüste und Eier” von Mieko Kawakami

“Brüste und Eier”: ein Roman, in dem Männer nur Nebenrollen spielen

Es war mein japanischer Mitbewohner, der mir vom Buch „Brüste und Eier“ erzählte. Bei seinem letzten Heimatbesuch hatte er das Buch von Mieko Kawakami gekauft und mitgebracht. In Japan hatte der Roman vor allem bei konservativen Männern für großen Wirbel gesorgt, aber auch den wichtigsten Literaturpreis gewonnen.

Der Grund für die Aufregung: „Brüste und Eier“ stellt patriarchale Gesellschaftsnormen infrage, beschäftigt sich kritisch mit Schönheitsidealen und damit, wie Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Es handelt von der Menstruation, Brust-OPs und der Suche nach einem Samenspender. Männer spielen nur Nebenrollen.

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5. September 2021

Krimskrams: “Ein Nachmittag mit Dorothee im ,Urban Jungle'”

Urban Jungle I Karlsruhe
Das ist Dorothee I Alle Fotos sind von Katja Sievers

Ein “Urban Jungle” in der Karlsruher Oststadt

Das Gefühl, tatsächlich in einem Dschungel zu stehen, überkommt mich sofort, als ich die Tür des „Urban Jungles“ an einem sonnigen Samstag im August öffne. Egal wohin mein Blick wandert, ich sehe überall grüne Pflanzen – an der Wand, an der Decke und auf dem Boden. Darunter sind Klassiker wie die Monstera in den unterschiedlichsten Variationen, Sukkulenten und Kakteen, aber auch Raritäten wie die Stephania Erecta Knolle. Sie sind umgeben von Blumentöpfen und Wohnaccessoires im skandinavischen Design.

Zwischen den wuchtigen Altbauten der Karlsruher Oststadt und der nahen Kaiserallee hat Dorothee Palla dos Santos diese grüne Oase Ende 2018 ins Leben gerufen. „Zuvor hatte ich fünf Jahre lang in Portugal gelebt und von dort aus als Redakteurin gearbeitet“, erzählt sie mir bei meinem Besuch. Wieder zurück in der Fächerstadt spürte sie, dass ihr etwas fehlt. „Ich suchte eine neue kreative Herausforderung und überlegte, was für ein Projekt ich starten möchte“, erinnert sie sich.

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22. August 2021

Flimmerkasten: “Sex Education”

“Sex Education”: eine bunte Serie mit Tiefgang und Humor

Es ist ausgerechnet der unbeholfene und unerfahrene Otis (Asa Butterfield), der an der Moordale Highschool ein ganz neues Business-Feld entdeckt: Sex-Beratung für seine Mitschüler*innnen. In einer heruntergekommenen Toilette, zwischen Matsch und Staub, hilft er weiter, wenn es um Liebesprobleme, Komplexe und unerfüllte Bedürfnisse geht.

Seine Kund*innen akquiriert die unnahbare und coole Maeve (Emma Mackey). Otis ist hoffnungslos verliebt in sie, doch für Maeve ist ihre Beziehung zunächst nur freundschaftlich. Durch ihre gemeinsame Mission lernen sie sich von Folge zu Folge aber besser kennen und kommen sich näher.

Bunt, zeitgemäß und voller liebevoll gestalteter Dramen: „Sex Education“ ist definitiv eine meiner Lieblingsserien auf Netflix. Zwei Staffeln mit jeweils acht Folgen sind dort bereits abrufbar – jede einzelne habe ich geliebt. Die dritte Staffel ist ab 17. September zu sehen.

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16. August 2021

Schmöker: “Stay away from Gretchen – eine unmögliche Liebe” von Susanne Abel

Stay away from Gretchen - Susanne Abel

“Stay away from Gretchen – eine unmögliche Liebe”: Wie toll Kitsch sein kann!

Selbst hätte ich mir „Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe“ wohl nie gekauft. Zu kitschig klang mir der Titel. Auch die Beschreibung auf der Rückseite des Buches überzeugte mich nicht. Ein Nachrichtensprecher aus Köln, dessen demente Mutter sich an die Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg erinnert. Hmmm. Klang für mich nicht besonders innovativ.

Mein Skepsis verstärkte sich, als ich sah, dass das Buch bei einem Online-Shop über 1.000 Bewertungen hat – vorrangig sehr gute. Seit ich „Der Wal und das Ende der Welt“ und „Die Geschichte der Bienen“ mehr mit Qualen als mit Freude gelesen habe, bin ich vorsichtig mit solch extrem positiv bewertenden Bestsellern. Meistens driften sie ins Triviale ab.

Dass ich dem Buch von Autorin Susanne Abel dann aber doch eine Chance gab, lag an der whatsapp-Nachricht einer Freundin. Sie schwärmte im Gruppenchat davon, fragte, ob es eine von uns ausleihen möchte – und ich sagte spontan ja. Zum Glück.

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9. August 2021

Schmöker: “Alte weiße Männer” von Sophie Passmann

„Alte weiße Männer“: ein Buch, das neue Perspektiven liefert!

Sie saß mit Peter Tauber in einer quietschbunten Eisdiele, mit Kevin Kühnert in einem schäbigen Studentencafé und mit Marcel Reif am funkelnden Zürichsee: Einen Sommer lang fuhr Sophie Passmann kreuz und quer durch Deutschland und die Schweiz, um dem Phänomen des alten weißen Mannes näher zu kommen. Was genau steckt dahinter? Ist er wirklich an so vielen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten schuld?

Dass es den Habitus des alten weißen Mannes wirklich gibt, bekam ich selbst zu spüren, als ich in meiner ersten beruflichen Festanstellung in einer wahren Hochburg landete. Konservative, dem Wandel abgeneigte Männer, die junge Frauen lieber ansahen und über sie redeten, als mit ihnen auf Augenhöhe diskutierten. Die entscheidenden Positionen teilten die Herren primär unter sich auf.

Seither weiß ich, wie schwer es ist, besonders als junge Frau in solch einem Milieu voranzukommen. Ich war deshalb gespannt, zu welchen Erkenntnissen Sophie Passmann in ihrem Buch „Alte weiße Männer – ein Schlichtungsversuch“ kommt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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