1. Juni 2021

Schmöker: „Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Cho Nam-Joo

„Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Cho Nam-Joo

„Kim Jiyoung, geboren 1982“: Eine Frau, die an der patriarchalen Gesellschaft zerbricht!

Kim Jiyoung ist 33 Jahre alt, als etwas in ihr zerbricht und sie beginnt, in bestimmten Situationen ihre Identität zu wechseln. Mit den Stimmen ihrer Mutter und einer verstorbenen Studienfreundin kritisiert sie plötzlich all die Dinge, die sich wie selbstverständlich im patriarchalen Alltag in Südkorea abspielen.

Dazu gehören Frauen, die sich für Familienessen bis zur völligen Erschöpfung verausgaben und stundenlang in der Küche stehen. Sowie Mütter, die für die Kindererziehung ihre beruflichen Ambitionen aufgeben und für all ihre Mühen im Haushalt keine Anerkennung bekommen.

Schnell ist klar: Es ist eine Psychose, an der Kim Jiyoung leidet. Wie es dazu kam, erzählt Autorin Cho Nam-Joo im Roman „Kim Jiyoung, geboren 1982“ nun ausführlich und chronologisch – sachlich, unaufgeregt, aber trotzdem sehr eindrücklich und bewegend.

Weiterlesen »
keine Kommentare
24. Mai 2021

Melodien: “Ein Nachmittag mit Heidi Herzig”

Heidi Herzig I San Franziska

Kunstprojekt „San Franziska“ von Heidi Herzig im Kloster St. Franziskus

Nach dem fulminanten Auftritt auf dem Schiff „MS Karlsruhe“ war es genug. Schlagersängerin Heidi Herzig spürte: „Ich brauche eine Auszeit“. Zu viel Aufmerksamkeit und zu viel Blitzlichtgewitter hatten sie auf ihrer „So wie Du“-Schlagertournee im Jahr 2019 müde gemacht, sie war ausgelaugt.

„Ich brauchte Ruhe und Unbeobachtetheit, musste mein Zentrum finden“, erzählt sie mir. Deshalb beschloss sie, ins Kapuzinerkloster St. Franziskus in Weiherfeld-Dammerstock zu ziehen. Dort hat sie bis vor wenigen Wochen in Form eines “Stadtkloster Artist in Residence Programm” gelebt – auf Youtube sind nun einige Videos zu sehen, in denen sie Ausschnitte aus ihrem ungewöhnlichen Alltag zeigt. „San Franziska“ lautet der Name des Kunstprojekts.

Weiterlesen »
keine Kommentare
9. Mai 2021

Schmöker: „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada

Ein eindringlicher Roman: „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada

Berlin 1940. Es ist ein Brief, der Otto und Anna Quangel die traurige Nachricht bringt: Ihr einziger Sohn ist im Krieg gefallen. Die Quangels sind fassungslos. Ihnen wird klar: Adolf Hitler und sein Regime bringen nur Unheil, es darf nicht so weitergehen.

Otto Quangel greift deshalb zu Tinte und Papier, schreibt eindringliche Warnungen. Heimlich verteilt er diese besonderen Postkarten im Berliner Stadtgebiet in den Häusern. Seine Frau Anna begleitet ihn fast immer, unterstützt ihn. Es ist ein mutiges Unterfangen – ohne Happy End.

Die Kerngeschichte von „Jeder stirbt für sich allein“ beruht auf wahren Ereignissen. Sie bezieht sich auf das Leben von Elise und Otto Hampel, die zwischen 1940 und 1942 Widerstand gegen das NS-Regime leisteten und dafür zum Tode verurteilt wurden. Bilder von ihnen und Original-Postkarten sind im Roman am Ende abgedruckt.

Weiterlesen »
keine Kommentare
3. Mai 2021

Krimskrams: “Ein Nachmittag mit Laura Buschbeck”

Laura Buschbeck
Das ist Laura.

Laura Buschbeck: Kunst, die den Rahmen sprengt!

Laura Buschbeck liebt es, Chaos zu bändigen. Wenn sie mit einer neuen Arbeit beginnt, legt sie die Leinwand zunächst auf den Boden, greift zu Tusche und Wasser, schüttet beides darauf. Wo es von dort aus hingehen wird? „Das weiß ich am Anfang meist noch nicht, das ergibt sich erst im Prozess“, erklärt mir die Künstlerin, als ich sie im April an einem sonnigen Sonntagnachmittag in ihrem Atelier in der Viktoriastraße 12 (V12) besuche.

Mithilfe von Pinsel und Farbe bringt die 29-Jährige danach Struktur auf die Leinwand, fängt das Motiv wieder ein, kontrolliert es. Formt Elemente, die an Landschaften erinnern, an Wasserflächen, Vulkane, Berge und Blätter. Es sind abstrakte Werke, die der Fantasie freien Lauf lassen, eine Sogkraft haben, Lebendigkeit und Dynamik ausstrahlen, mich an den Urknall denken lassen.

Laura Buschbeck erhielt für ihre Arbeit bereits ein Stipendium der Baden-Württemberg Stiftung, den Preis der baden-württembergischen Landesstiftung „Humanismus heute“. Außerdem wurde sie 2019 mit dem Kunstpreis „Künstler in Baden-Baden“ ausgezeichnet. Sie ist die jüngste Künstlerin, die diesen Preis jemals erhielt.

„Es lief gerade alles so gut, dann kam Corona“, erzählt mir Laura bei meinem Besuch. Das bedeutet bis heute für sie: keine Ausstellung mehr, keine Möglichkeit, ihre Werke einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen. Eine frustrierende Situation. Nun ist zumindest eines ihrer Werke anlässlich des Kunstprojekts „Projekt F“ bis 8. Juni im „Kirchenfenster“ in der Erbprinzenstraße 14 zu sehen.

Weiterlesen »
keine Kommentare
28. April 2021

Krimskrams: Ein Nachmittag im “intro CAFÉ”

intro Café Karlsruhe

Neues am Kronenplatz Karlsruhe: Das “intro CAFÉ” öffnet

Einige Variablen sind noch unbekannt, die Zuversicht ist trotzdem groß: Am kommenden Samstag, 1. Mai, öffnet das “intro CAFÉ” zum ersten Mal offiziell seine Türen – in den Räumen der ehemaligen “Coffeebox” direkt am Kronenplatz. Mitten in der Corona-Pandemie, noch ohne genaue Aussicht, ab wann es für die Gastronomie wieder Lockerungen gibt. Alles nur zum Mitnehmen, lautet deshalb vorerst die Maxime.

Als ich eine Woche zuvor mein Fahrrad auf dem Kronenplatz abschließe und die “intro CAFÉ”-Crew besuche, spüre ich schnell, wie riesig die Vorfreude ist.

Insgesamt sieben junge Karlsruher*innen haben sich für das “intro CAFÉ” zusammengetan und extra die “Schmons-GmbH” dafür gegründet. “Wir haben die Zusage, dass wir das Café betreiben dürfen, bereits seit Sommer 2020, wir wollen nun nicht mehr länger warten”, sagt Simon (Schmon) Englert. Der Tatendrang ist groß.

intro Café Karlsruhe
Das sind Herbert, Kristin und Schmon (von links)
Weiterlesen »
keine Kommentare
20. April 2021

Krimskrams: Crowdfunding-Aktion für das „achteintel—LitfassMuseum“

Litfassmuseum Karlsruhe

„achteintel—LitfassMuseum“: Kunst für die Karlsruher Innenstadt

Kunst, Grafik, Illustration, Fotografie: Michael Gibis und Daniel Ehniss möchten in Karlsruhe leerstehende Litfaßsäulen zu einem Open-Air-Museum verwandeln – zum sogenannten „achteintel—LitfassMuseum“. Heute startet die dazugehörige Crowdfunding-Aktion.

Mehr zu ihrem Konzept und wie sich Künstler*innen für die Gestaltung einer Litfaßsäule bewerben können, hat mir Michael Gibis im Interview verraten.

Michael Gibis Litfassmuseum Karlsruhe
Das ist Michael.
Weiterlesen »
keine Kommentare
15. April 2021

Karlsruhe: Stehen die Nordbecken Ateliers vor dem Aus?

Nordbecken Karlsruhe

Die Nordbecken Ateliers in Karlsruhe: mehr als Arbeitsräume!

Es war an einem Samstag im Juni 2013, als ich das erste Mal die große Lagerhalle der Ateliergemeinschaft Nordbecken betrat. Mit dem Fahrrad hatte ich mich auf den rund 25 Minuten langen Weg von der Innenstadt zum Rheinhafen gemacht. Hatte die hektische Stadt verlassen und war eingetaucht in das gemächliche Treiben des Industriegebiets am Wochenende. Ich kam vorbei an großen Containern, Schutt und Frachtschiffen. Sah die Windräder auf dem Energieberg monoton ihre Runden drehen.

Als mir Nemanja Sarbajic und Tobias Talbot damals die Tür zu ihrem Atelier öffneten, war ich vom ersten Moment an fasziniert. Leinwände, Pinsel, Farben, Grünpflanzen und sogar eine Schaukel. Wäre Kreativität ein Ort, stünde das Nordbecken exemplarisch dafür.

Weiterlesen »
2 Kommentare
5. April 2021

Fernweh: Heiter bis wolkig – vier Tage in Leipzig

Alte Spinnerei Leipzig

Ein grauer Empfang in Leipzig

Leipzig empfängt uns stürmisch. Als wir an einem Samstagnachmittag im Oktober am Hauptbahnhof ankommen, prasseln die Regentropfen mit voller Wucht vom Himmel. Die Pfützen auf dem grauen Betonboden bilden kleine Seen, lassen sich mit den Rollkoffern nur schwer umrunden.

Ein dichter Grauschleier liegt über der Stadt. In der S-Bahn, die uns in den Stadtteil Plagwitz bringt, sind die Scheiben so milchig beschlagen, dass uns erst mal ein Blick nach draußen verwehrt bleibt. Leipzig ziert sich, gibt sich geheimnisvoll.

Vier Tage Leipzig, fünf Tage Füssen. Erst der Osten, dann der Süden Deutschlands – so ist der Plan für unseren Urlaub. Groß war der Wunsch gewesen, von Leipzig nach Lissabon zu fliegen, doch die Inzidenz-Werte in Portugal stiegen in die Höhe, wir blieben am Boden.

Nun also ein Zug-Trip – zuerst zu einer Freundin, die in Leipzig am Theater arbeitet, danach zu den hübschen Seen und Bergen Bayerns, von denen ich seit dem Wanderurlaub rund um den Walchensee so angetan bin.

Weiterlesen »
keine Kommentare
28. März 2021

Schmöker: „Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney

„Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney: Verdirbt erben den Charakter?

Es war solch eine beruhigende Aussicht: Mehrere Hunderttausend Dollar sollten die vier Geschwister Melody, Jack, Beatrice und Leo erben – an Melodys 40. Geburtstag. Es sind nur noch wenige Monate, bis endlich das Geld aus dem „Nest“ fließt. Doch Lebemann Leo macht ihnen allen einen Strich durch die Rechnung.

Auf einer Hochzeit bandelt er betrunken und zugekokst mit der 19-jährigen Bedienung Matilda an, schleppt sie in seinen Flitzer, baut einen Unfall – und muss daraufhin eine immense Summe Schmerzensgeld an Matilda bezahlen.

Da Leo soviel Geld selbst nicht hat, öffnet die Mutter heimlich das „Nest“ und gibt ihrem ältesten Sohn einen großen Teil davon. Der Aufschrei in der restlichen Familie ist groß, als es ans Licht kommt. Geplante Projekte stehen auf der Kippe, Lebensentwürfe geraten durcheinander, die vier Geschwister stehen vor ganz neuen Herausforderungen.

Weiterlesen »
keine Kommentare
25. März 2021

Schmöker: „Ministerium der Träume“ von Hengameh Yaghoobifarah

„Ministerium der Träume“: ein Roman, der Bilder erzeugt und Töne erklingen lässt

TRAUM(A)FABRIK. Es braucht nur einen einzigen Buchstaben, um einen Traum platzen zu lassen. Protagonistin Nasrin entdeckt das zusätzliche „a“ im Graffito auf dem Gebäude gegenüber ihres Balkons nur wenige Stunden nachdem ihre Schwester Nushin bei einem Autounfall starb. War es Schicksal, ein Selbstmord oder ein Mord? Es ist zunächst unklar.

Nushin war alleinerziehende Mutter. Ihr letzter Wille im Testament: Ihre Schwester Nasrin soll sich um die pubertierende Parvin kümmern, die Vormundschaft für sie übernehmen. Nasrin sagt ja, packt ihre Koffer und zieht in die Wohnung zu ihrer Nichte. Nach und nach entdeckt sie dort Hinweise, dass mit dem Unfall ihrer Schwester irgendetwas nicht stimmt. Nasrin begibt sich auf Spurensuche. Was ist mit Nushin passiert?

Weiterlesen »
keine Kommentare

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren
Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@miriam_steinbach