17. Januar 2026

Buchkritik: „Die Assistentin“ von Caroline Wahl

„Die Assistentin“ von Caroline Wahl

Rezension: Warum „Die Assistentin“ von Caroline Wahl besser ist als ihr Ruf – und weshalb der große Shitstorm dem Roman nicht gerecht wird

Es war ein gewaltiger Shitstorm, der im vergangenen Herbst über Caroline Wahl hereinbrach, als „Die Assistentin“ erschien. Interessiert las ich die oft vernichtenden Kritiken zu ihrem dritten Roman auf Social Media und fragte mich, was genau so viel Wut und Missgunst ausgelöst hatte. Da ich sowohl „22 Bahnen“ (fand ich ganz gut) als auch „Windstärke 17“ (fand ich eher so naja) gelesen hatte, konnte ich weder den vorherigen großen Hype noch die aktuelle Häme so recht nachvollziehen. Für mich hatte Caroline Wahl mit ihren Vorgängerromanen keine Meisterwerke geschaffen, sondern solide, eingängige Unterhaltungsliteratur. Wie konnte der Fall nun also so tief sein?

Als Caroline Wahl Anfang Oktober in Karlsruhe auf Promotour zu „Die Assistentin“ war, schleppte mich eine Freundin zu der Veranstaltung. Ohne große Erwartungen ging ich hin – und war am Ende positiv überrascht. Die Autorin war witzig, erzählte offen davon, wie sehr sie die negativen Kritiken getroffen hatten, und las einige sehr unterhaltsame Passagen aus „Die Assistentin“ vor.

Meine Verwunderung war danach nur noch größer. Was genau empörte die breite Masse auf Social Media an diesem Buch so sehr? Ich setzte es auf meine Vormerkliste in der Bibliothek, landete auf Platz 62 und musste deshalb bis diese Woche warten, um mir selbst ein Bild machen zu können. Also: Was ist nun meine Meinung zu „Die Assistentin“?

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28. Dezember 2025

Buchkritik: „Kein Sommer ohne dich“ von Emily Henry

Buchkritik: „Kein Sommer ohne dich“ von Emily Henry

Rezension „Kein Sommer ohne dich“ von Emily Henry – vorhersehbar, aber genau richtig

Es war die Netflix-Vorschau zum Film People We Meet on Vacation, die mich vor wenigen Wochen dazu brachte, doch noch einmal ein Buch von Emily Henry in die Hand zu nehmen. Book Lovers fand ich zwar ganz nett, aber an manchen Stellen zu kitschig, sehr vorhersehbar, und die vielen Sexszenen hatten mich eher abgeschreckt als angezogen.

Der Trailer zu „People We Meet on Vacation“ sah jedoch nach einer typischen Romcom aus, die ich manchmal sehr gerne zum Abschalten schaue. Wenn es aber eine Buchvorlage dazu gibt, möchte ich diese immer zuerst lesen. Da es Kein Sommer ohne dich, wie der Roman auf Deutsch heißt, problemlos in der Stadtbibliothek gab, dachte ich: perfekt, kein Risiko. Wenn ich das Buch gar nicht mag, gebe ich es einfach zurück.

Eines vorweg: „Kein Sommer ohne dich“ hat keine großen Überraschungen parat. Der Roman ist so eingängig, wie ich es erwartet hatte. Der Spannungsbogen ist eher flach, aber manchmal tut genau so etwas auch gut. Außerdem reisen die beiden Hauptfiguren sehr viel – das fand ich tatsächlich interessant. Der Film „People We Meet on Vacation“ erscheint am 9. Januar auf Netflix. Emily Bader spielt Poppy, Tom Blyth verkörpert Alex. Ich bin gespannt.

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26. Dezember 2025

Serienkritik: “Emily in Paris”

„Emily in Paris“: Die fünfte Staffel ist eine große Enttäuschung!

Franzosen und Französinnen, die erst nach 10 Uhr zu arbeiten beginnen, mittags schon Weißwein trinken und konsequent Englisch boykottieren: „Emily in Paris“ bedient Klischees nicht nur, die Netflix-Serie zelebriert sie regelrecht. Auch die Bilder aus der französischen Hauptstadt wirken, als hätte jemand einen quietschbunten Instagram-Filter darübergelegt. Paris leuchtet, blüht und erscheint wie eine märchenhafte Version seiner selbst. Die raue Realität? Fehlanzeige.

Zu viel Kitsch halte ich normalerweise nur schwer aus. Bei „Emily in Paris“ ging es mir – überraschenderweise – anders. Bereits die erste Folge zog mich wie ein Hurrikan in diese bonbonfarbene Bubblegum-Welt hinein.

Doch wie so oft bei Serien, die vor allem von Oberfläche leben, nutzte sich auch hier der Effekt schnell ab. Was anfangs noch leicht, verspielt und charmant wirkte, verlor mit jeder weiteren Staffel an Substanz. In der dritten Staffel und der erste Hälfte der vierten ließ die Spannung bereits spürbar nach – die Geschichten wiederholten sich, die Konflikte wirkten zunehmend konstruiert.

In den letzten fünf Folgen der vierten Staffel keimte mit Marcello kurz Hoffnung auf: Neue Gesichter und neue Schauplätze brachten Bewegung in Emilys Leben. Das endlose Drama um Gabriel und Camille trat endlich etwas in den Hintergrund. Umso größer ist nun die Enttäuschung über die fünfte Staffel. Bereits ab der zweiten Folge kämpfte ich mit dem flachen Spannungsbogen und den schwachen, lieblos erzählten Geschichten. Vieles davon ist schlicht langweilig. Doch dazu später mehr.

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21. Dezember 2025

Rezension: „Auf allen Vieren“ von Miranda July

 „Auf allen Vieren“ von Miranda July

Kritik von „Auf allen Vieren“: über sexuelles Erwachen und die Wechseljahre

Eigentlich soll die Autofahrt von Los Angeles nach New York Ruhe bringen. Sechs Tage will die namenlose Erzählerin in Miranda Julys neuem Roman „Auf allen Vieren“ allein unterwegs sein, um sich selbst zu finden. Doch schon nach einer halben Stunde ist Schluss – die Reise endet abrupt in der Kleinstadt Monrovia. Dort verliebt sie sich Hals über Kopf.

Was in Monrovia beginnt, ist so unvorhersehbar, dass danach kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Statt innerer Ruhe findet sie Chaos, Verlangen und einen Neuanfang, der alles infrage stellt – vor allem ihre langjährige Ehe.

Miranda July erzählt vom Erwachen einer Frau, die glaubt, alles zu kennen – bis sie merkt, dass das Leben in der Mitte noch einmal völlig neu beginnen kann. „Auf allen Vieren“ ist wild, sinnlich, komisch und klug. Typisch Miranda July eben.

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18. Dezember 2025

Serienkritik: “Weihnachten zu Hause”

Es ist kaum zu glauben: Die dritte Staffel von „Weihnachten zu Hause“ ist perfekt geworden

Meine Angst war in den vergangenen Wochen so groß, dass die dritte Staffel von “Weihnachten zu Hause” auf Netflix eine riesige Enttäuschung sein könnte. Nach dem perfekten Ende der zweiten Staffel mit Johanne und Jonas konnte ich mir nicht vorstellen, dass der Zauber der norwegischen Serie erhalten bleiben kann. Vor allem, da der Trailer bereits verrät, dass sie sich getrennt haben. Ich befürchtete, dass es eine schwache Neuauflage der ersten acht Folgen wird – Johanne datet wieder, alles auf Anfang, alles schon mal gesehen.

Aber nein! Die neuesten acht Folgen von „Weihnachten zu Hause“ sind großartig geworden. Das Wiedersehen mit Johanne ist einfach nur eine Wohltat. Den Macher*innen der Serie ist es gelungen, die Geschichte spannend und mit Tiefgang weiterzuerzählen. Es hakt an keiner Stelle. Dazu später noch mehr.

Was für ein Glück. Schließlich schaue ich die Serie in der Adventszeit bereits seit fünf Jahren immer wieder. Sie ist zu meinem Weihnachtsritual geworden, weil sie auf so wunderbare Weise eine zeitgemäße Liebesgeschichte erzählt – mit viel Herz, Humor, aber ohne Kitsch.

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24. November 2025

Buchkritik: „Single Mom Supper Club“ von Jacinda Nandi 

„Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi

Lohnt sich „Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi? Nein. Eine ehrliche Buchkritik

Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch nach mehr als 200 Seiten zur Seite lege. Normalerweise will ich immer wissen, wie alles endet. Will verstehen, ob sich die Figuren noch entwickeln, ob vielleicht doch noch etwas passiert, das mich berührt oder überrascht. Doch bei „Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi blieb dieser Moment aus. Irgendwann fühlte es sich einfach nur noch wie Zeitverschwendung an, ein weiteres Kapitel zu lesen.

Es ist schade, denn am Schreibstil der Autorin lag es nicht – vielmehr am fehlenden Spannungsbogen und einem Humor, der bei mir absolut nicht zündete.

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2. November 2025

Rezension: „In ihrem Haus“ von Yael van der Wouden

Yael van der Wouden: „In ihrem Haus“

„In ihrem Haus“: ein stiller, eindringlicher Roman über Isolation, queere Liebe und die Nachwirkungen des Holocausts

Wie reagiert man, wenn das eigene Leben zurückgezogen und überschaubar ist und plötzlich Dinge geschehen, die alles ins Wanken bringen? Was passiert, wenn Begegnungen intensiver sind, als man es erwartet, und die Grenzen zwischen Nähe und Distanz verschwimmen?

Mit diesen Fragen muss sich Isabel auseinandersetzen, die Hauptfigur in Yael van der Woudens hochgelobtem Debütroman „In ihrem Haus“. Es ist ein ganz besonderes Buch, denn es behandelt die Nachwirkungen des Holocausts in den 1960er-Jahren und queere Liebe.

Der Roman verbindet diese Themen auf subtile, eindringliche Weise. Obwohl der Text ruhig wirkt, spürte ich beim Lesen stets die Spannung, die sich zwischen den Zeilen aufbaut. Ich wollte unbedingt wissen, wohin die Geschichte führt ­- und fand es toll, wie Yael van der Wouden am Ende alles zusammenführt. Selbst nach dem Zuschlagen des Buches hallen die Fragen und Gefühle noch lange nach.

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1. November 2025

Kritik: “Nobody wants this”

Kritik der Netflix-Serie “Nobody wants this”: Die zweite Staffel ist enttäuschend

Es ist am Ende der sechsten Folge der ersten Staffel, als ich denke: Wow, „Nobody wants this“ hat etwas Außergewöhnliches geschafft. Endlich gibt es mal einen Mann, der empathisch ist, der sein Gegenüber wirklich wahrnimmt und deshalb in einer schwierigen Situation nicht toxisch, sondern genau richtig handelt. 

Denn Noah (Adam Brody) läuft nicht weg, als Joanne (Kristen Bell) wieder einmal Beziehungsangst hat. Er erkennt, warum sie verbal um sich schlägt, spricht es konkret an, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dadurch realisiert Joanne selbst ihr destruktives Muster, ein Knoten platzt. Sie trennen sich nicht, sondern sind in ihrer Beziehung einen Schritt weiter. 

Was so selbstverständlich klingt, wurde in vielen großen Produktionen oft anders gelöst: Die hysterische Frau verhält sich irrational, dem Mann wird es zu viel. „Nobody wants this“ bricht damit, zeigt, warum Menschen unsicher und ängstlich sind – und bietet Lösungen. Der Netflix-Produktion gelingt damit ein Kunststück: So funktioniert eine mental gesunde Beziehung.  Um es vielleicht ein wenig zu überspitzen: Hätte es diese Serie 15 Jahre früher gegeben, hätten sich vermutlich einige Menschen in meinem engeren und weiteren Freundeskreis schmerzhafte Dating-Erfahrungen erspart – mich eingeschlossen.

Nun ist endlich die zweite Staffel erschienen. Von ihr bin ich leider ein wenig enttäuscht. Die neuen Folgen sind zwar wieder sehr kurzweilig geworden ­­- aber die Geschichte um Noah und Joanne stagniert. Das Ende der zweiten Staffel ist dem Finale der ersten Staffel sehr ähnlich. Schade. Aber dazu später mehr.

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26. Oktober 2025

Buchkritik: „Das Geschenk“ von Gaea Schoeters

Buchkritik: „Das Geschenk“ von Gaea Schoeters

Rezension von „Das Geschenk“: eine herrliche politische Satire über den Irrsinn unserer Zeit

Es war eine kuriose Meldung im April 2024: Botswanas Präsident Mokgweetsi Masisi schlug vor, 20.000 Elefanten an Deutschland zu verschenken. Er protestierte damit gegen Pläne der EU, die Einfuhr von bestimmten Trophäen zu beschränken – zum Beispiel von Elfenbein. Masisi sagte, dass die Einnahmen aus der Jagd für Botswana wichtig seien. Ein Verbot würde dem Land schaden, die Armut fördern und den Elefantenbestand gefährden. Für ihn seien die EU-Pläne neokoloniale Bevormundung. 

Sein Vorschlag, 20.000 Elefanten zu schicken, war natürlich nur eine Provokation. Die belgische Autorin Gaea Schoeters hat das aber als Vorlage für ihren neuesten Roman „Das Geschenk“ genommen – und die Idee umgesetzt. Über Nacht tauchen in Berlin und Umgebung plötzlich afrikanische Elefanten auf: an der Siegessäule, in der Spree, vor dem Reichstag. Die Stadt steht Kopf. Schafft es Bundeskanzler Hans Christian Winkler, das Problem zu lösen? Es ist schließlich nicht sein einziges: Sein populistischer Widersacher Holger Fuchs macht ihm das Leben vor der Wahl schwer.

Gaea Schoeters ist es nach „Trophäe“ erneut gelungen, einen großartigen Roman zu schreiben. Er ist wie ein wilder Ritt, der sich schnell lesen und tief in das politische Krisenmanagement blicken lässt – und dabei noch richtig witzig ist. Der Roman dreht sich aber auch um ernsthafte Themen wie Postkolonialismus, Klimawandel, Tier- und Umweltfragen, Machtverhältnisse und europäische Verantwortung.

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17. Oktober 2025

Buchkritik: „Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead

„Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead

Rezension von „Die Nickel Boys“: Pulitzer-Preisträger, der wachrüttelt

Der Roman „Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead stand schon lange auf meiner Lese-Liste. Ich hatte alle Bücher des amerikanischen Autors darauf gesetzt, nachdem mich sein Werk „Underground Railroad“ so erschüttert hatte. Da ich aber bereits beim Klappentext von „Die Nickel Boys“ ahnte, wie hart auch diese Geschichte sein wird, zog es mich nicht sofort zu ihr. Erst als ich bei der diesjährigen Oscarverleihung sah, dass die Verfilmung des Buches gefeiert wird, besorgte ich mir endlich den Roman.

Das kompakte Buch (mit etwas mehr als 200 Seiten) erfüllte genau meine Erwartungen. Es ist erneut eine Geschichte, die mich aufwühlte, die ich stellenweise kaum ertrug, die aber unglaublich wichtig ist, denn die Nickel Besserungsanstalt für junge Menschen hat es tatsächlich gegeben – 111 Jahre lang in Florida. Ihr Name: Dozier School for Boys in Marianna, Florida.

Colson Whitehead las selbst davon in der Zeitung, erfuhr von unbekannten Gräbern auf dem Gelände und begann danach zu recherchieren. So entstand die erschütternde Geschichte um den Protagonisten Elwood, die im Jahr 2020 auch den Pulitzer-Preis bekommen hat.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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