18. November 2022

Buchkritik: “Dicht” von Stefanie Sargnagel

Buchkritik: "Dicht" von Stefanie Sargnagel

“Dicht” von Stefanie Sargnagel: Unterhaltsam, aber ohne Tiefgang

Dass Stefanie Sargnagel eine bewegende Jugendzeit hatte, daran zweifelte ich auch schon vor ihrem Buch „Dicht – Aufzeichnungen einer Tagediebin“ keineswegs. Von Konformität und bürgerlichen Lebensformen ist die österreichische Schriftstellerin so weit entfernt, es wäre eine riesige Überraschung gewesen, hätte sich das nicht bereits früh in ihrem Leben abgezeichnet.

Seit Jahren verfolge ich Stefanie Sargnagel bereits über die sozialen Medien. Ihre bissigen Postings auf Facebook sind nicht nur unterhaltsam, sondern beschäftigen sich auch häufig mit politischen Themen und weisen auf Missstände in der Gesellschaft hin. Vor allem die Rechten in Österreich fühlen sich von ihr provoziert.

Während ihr Buch „Statusmeldungen“ ein Sammelsurium an kuriosen Facebook-Posts ist und unter anderem von ihren Erfahrungen in einem Call Center und von der Zeit handelt, als viele Geflüchtete nach Österreich und Deutschland kamen, hat die Autorin mit „Dicht“ einen Coming-of-Age-Roman geschrieben, in dessen Mittelpunkt sie selbst und ihre illustren Freund*innen aus Wien stehen.

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2. November 2022

Buchkritik: “Was man von hier aus sehen kann” von Mariana Leky

"Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky

Ein Feuerwerk an grandiosen Ideen: “Was man von hier aus sehen kann”

Dass mir „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky nachhaltig ans Herzen wachsen wird, ist mir bereits nach wenigen Seiten klar. Von meiner Couch aus reise ich durch das Buch in eine Welt, in der die Sprache vor Schönheit trieft, die Charaktere mit liebevollen Kanten überzeugen und in der der Tod zwar für traurige Momente sorgt, aber der Handlung auch unwahrscheinlich viel Tiefe verleiht.

Mariana Leky ist eine großartige Erzählerin. In „Was man von hier aus sehen kann“ zündet sie ein Feuerwerk an kuriosen Ideen und Ereignissen. Dadurch ist nicht nur die Handlung an sich eine Stärke des Romans, sondern auch die vielen skurrilen kleinen Beschreibungen des Alltags der Protagonst*innen, die auf nahezu jeder Seite zu finden sind.

Nun, um was geht es aber in „Was man von hier aus sehen kann“?

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24. Oktober 2022

Serienkritik: “The Crown”

“The Crown” auf Netflix: Ein Herz für Charles und Camilla

Es hat lange gedauert, bis ich mich endlich aufraffen konnte, „The Crown“ auf Netflix zu schauen – obwohl ich bereits einige begeisternde Kritiken gelesen hatte und auch Freundinnen mir eindringlich erzählten, wie großartig die Serie sei. Aber das britische Könighaus interessierte mich überhaupt nicht.

Nun, es ist nicht so, dass ich bislang gar nichts über die Royals wusste. Als Schülerin sah ich im Fernsehen die Bilder von der Beerdigung Lady Dianas. Außerdem bekam ich immer mal wieder Fetzen um die Dreiecksbeziehung von Charles, Camilla und Diana mit. Und dass Harry und Megan inzwischen in den USA leben und sich von ihren royalen Pflichten losgesagt haben, ging auch nicht unbemerkt an mir vorüber. Aber eine Meinung dazu hatte ich nie, schaute vielmehr aus der Ferne unbeteiligt zu.

Das änderte sich aber schlagartig mit dem Tod von Queen Elizabeth. Nur wenige Stunden nach der ersten Eilmeldung begann mein Instagram-Feed zu explodieren – mit theatralischen Beileidsbekundungen auf der einen Seite und mit Kolonialismuskritik auf der anderen. Die Posts und Stories kamen von Leuten, bei denen ich mich wunderte, dass sie sich überhaupt mit dem britischen Königshaus beschäftigen. Warum löst diese Frau solch starke Reaktionen aus?, fragte ich mich neugierig.

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3. Oktober 2022

Buchkritik: “Komplett Gänsehaut” von Sophie Passmann

"Komplett Gänsehaut" von Sophie Passmann

„Komplett Gänsehaut“: Irritation und Kopfschütteln

Als ich „Komplett Gänsehaut“ von Sophie Passmann zu lesen beginne, bin ich komplett unvoreingenommen, wirklich. Ich hätte sonst keine zwölf Euro für ein Buch ausgegeben, nur um einen Verriss zu schreiben – dann hätte ich es mir ausgeliehen oder gebraucht gekauft. Aber ich bin zuversichtlich. Die Kritiker*innen-Stimmen auf der Rückseite des Buches sind schließlich voller Lob: „Brillant formuliert“, „Bissig, aber nicht verbissen“, „In einem fort Sätze, bei denen man den Like-Button sucht.“

Ich fange neugierig an zu lesen. Doch bereits nach 16 Seiten mache ich mir einen Knick in die Seite, weil ich irritiert bin. Sophie Passmann schreibt:

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10. September 2022

Serienkritik: “Familiengeheimnisse”

„Familiengeheimnisse“: Netflix-Serie aus Polen mit starken und schwachen Momenten

Kurz vor dem Ja-Wort bekommt Kaska (Eliza Rycembel) Panik. Hochschwanger läuft sie von der vollbesetzten Kirche weg und lässt ihren Bräutigam Jan (Bartosz Gelner) warten. Die Hochzeitsgesellschaft ist verwirrt. Warum kommt Kaska so spät? Wird die Hochzeit trotzdem stattfinden?

Was hinter Kaskas Zweifeln steckt, wird in der polnischen Netflix-Serie „Familiengeheimnisse“ nun in acht Folgen erzählt. Keineswegs geradlinig und chronologisch, sondern in vielen verschiedenen Rückblenden, die nach und nach entwirren, wie es zu der Situation in der Kirche kommen konnte.

Wer ist überhaupt der Vater von Kaskas Kind? Und in welchem Verhältnis stehen Jans Vater (Pawel Delag) und Kaskas Mutter (Izabela Kuna) zueinander? Eine Überraschung folgt auf die nächste.

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4. September 2022

Buchkritik: “Die Diplomatin” von Lucy Fricke

"Die Diplomatin" von Lucy Fricke

„Die Diplomatin“: Wirklich so toll oder Geschmackssache?

Es kommt nicht oft vor, dass mir mehrere Menschen innerhalb kürzester Zeit schreiben, wie toll ein Buch sei und dass ich es unbedingt lesen müsse. Bei „Die Diplomatin“ von Lucy Fricke war genau das der Fall. Bislang hatte ich mich noch nicht näher mit dem Roman beschäftigt. Nun war ich neugierig und wollte wissen, was daran so besonders ist. Ist das Buch wirklich so toll oder vielleicht doch eher Geschmackssache und überbewertet?

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19. August 2022

Buchkritik: “Was wir sind” von Anna Hope

"Was wir sind" von Anna Hope

“Was wir sind”: Leben wir so, wie wir es wirklich wollen?

Hätte mir jemand vor zehn Jahren gesagt, wie sehr sich Freundschaften zwischen Frauen in den 30ern verändern – ich hätte es selbst kaum geglaubt. Heirat, Kinder, Jobs. Laufen Lebenswege nicht synchron, ist es eine immense Herausforderung, im engen Kontakt zu bleiben, sich nicht zu verlieren.

So geht es auch Hannah, Cate und Lissa im Roman „Was wir sind“ von Anna Hope. Die drei Frauen leben in London und Canterbury, sind teilweise bereits seit der Schulzeit befreundet und mit Mitte 30 an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben.

Während Hannah unbedingt ein Kind möchte, es aber nicht klappt, wird Cate relativ schnell von einer Internet-Bekanntschaft schwanger. Lissa dagegen möchte gar keinen Nachwuchs und lieber ihre Karriere am Theater voranbringen – was mal besser und mal schlechter läuft. Alle drei Frauen haben mit ihren ganz eigenen Problemen im Alltag zu kämpfen. Werden sie sich deshalb verlieren oder hat die Freundschaft trotzdem eine Chance?

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13. August 2022

Buchkritik: “Heimkehren” von Yaa Gyasi

Heimkehren - Yaa Gyasi

“Heimkehren”: ein wunderbares Buch mit bewegenden Geschichten

Erst Sophie Passmann, dann Sarah Kuttner: In den vergangenen Wochen erlebten gleich zwei weiße Frauen einen tobenden Shitstorm in den sozialen Medien. Der Grund: Sie äußerten sich unangebracht (Passmann) und sehr borniert (Kuttner) über Schwarze Menschen.

Es wunderte mich sehr, dass beide Frauen in der Öffentlichkeit überhaupt etwas Kritisches zum Thema Rassismus sagten. Es gibt eine Sache, die ich in den vergangenen Jahren gelernt habe: Als weiße Frau halte ich mich verbal zurück, wenn Betroffene von ihren Erfahrungen und Bitten zum Thema Rassismus erzählen – vor allem in den sozialen Medien.

Stattdessen versuche ich, viel darüber zu lesen – um die Geschichte besser zu verstehen und sensibel für Ungerechtigkeiten zu sein. Neben Sachbüchern greife ich gerne zu Literatur von Schwarzen Autor*innen, beispielsweise von Chimamanda Ngozi Adichi, Bernadine Evaristo und Colson Whitehead. Nun habe ich zufällig beim Dumont-Verlag „Heimkehren“ von Yaa Gyasi entdeckt – und bin unfassbar begeistert von diesem ganz besonderen Roman.

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30. Juli 2022

Buchkritik: “Wenn du mich heute wieder fragen würdest” von Mary Beth Kane

"Wenn du mich heute wieder fragen würdest" von Mary Beth Kane

“Wenn du mich heute wieder fragen würdest”: Hoffnung für schwere Tage

Wahrscheinlich wäre „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ an mir vorbei gerauscht, wenn nicht ausgerechnet von Meg Wolitzer ein Statement direkt auf der Vorderseite des pistaziengrünen Covers abgedruckt wäre: „Mitreißend und bewegend“ findet die amerikanische Autorin das Werk von ihrer Kollegin Mary Beth Kane.

Von Meg Wolitzer bin ich riesiger Fan, seit ich „Die Interessanten“ gelesen habe. Der Roman um sechs Freund*innen, die gemeinsam älter und auf die verschiedenste Weise vom Leben herausgefordert werden, hat mich zutiefst bewegt und gehört definitiv zu meinen All-time-Favorites.

Meg Wolitzers positves Urteil machte mich deshalb neugierig. Ist „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ tatsächlich so gut? Gespannt begann ich zu lesen.

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23. Juli 2022

Serienkritik: “Damaged Goods”

Amazon-Prime-Serie “Damaged Goods”: Da ginge definitiv noch mehr!

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass bei mir der Sophie-Passmann-Effekt perfekt gezündet hat. Als ich vor wenigen Wochen im Radio hörte, dass es eine neue Serie aus Deutschland gibt, bei der die Autorin und Influencerin eine Hauptrolle spielt, wurde ich neugierig. Kann sie tatsächlich schauspielern? Allein deshalb merkte ich mir den Namen der Amazon-Prime-Serie: „Damaged Goods“.

Tatsächlich kann ich mich bei Sophie Passmann nicht entscheiden, ob ich sie toll finde oder nervig. In manchen Podcasts (“Hotel Matze”) war sie kratzbürstig und megaunsympathisch, in anderen („Alles gesagt“) sagte sie wohlgelaunt sehr kluge Sachen. Bei Instagram entfolgte ich ihr, weil es mich stört, dass sie fast zu jedem Skandal in der Medienlandschaft ihre Meinung kundtun muss und coole Frauen wie Celeste Barber kritisiert, bei „Inas Nacht“ fand ich sie rührend, weil sie wohl in der Schulzeit eine Außenseiterin mit Depressionen war. Mein Verhältnis zu ihr ist also ambivalent.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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