17. Januar 2026

Buchkritik: „Die Assistentin“ von Caroline Wahl

„Die Assistentin“ von Caroline Wahl

Rezension: Warum „Die Assistentin“ von Caroline Wahl besser ist als ihr Ruf – und weshalb der große Shitstorm dem Roman nicht gerecht wird

Es war ein gewaltiger Shitstorm, der im vergangenen Herbst über Caroline Wahl hereinbrach, als „Die Assistentin“ erschien. Interessiert las ich die oft vernichtenden Kritiken zu ihrem dritten Roman auf Social Media und fragte mich, was genau so viel Wut und Missgunst ausgelöst hatte. Da ich sowohl „22 Bahnen“ (fand ich ganz gut) als auch „Windstärke 17“ (fand ich eher so naja) gelesen hatte, konnte ich weder den vorherigen großen Hype noch die aktuelle Häme so recht nachvollziehen. Für mich hatte Caroline Wahl mit ihren Vorgängerromanen keine Meisterwerke geschaffen, sondern solide, eingängige Unterhaltungsliteratur. Wie konnte der Fall nun also so tief sein?

Als Caroline Wahl Anfang Oktober in Karlsruhe auf Promotour zu „Die Assistentin“ war, schleppte mich eine Freundin zu der Veranstaltung. Ohne große Erwartungen ging ich hin – und war am Ende positiv überrascht. Die Autorin war witzig, erzählte offen davon, wie sehr sie die negativen Kritiken getroffen hatten, und las einige sehr unterhaltsame Passagen aus „Die Assistentin“ vor.

Meine Verwunderung war danach nur noch größer. Was genau empörte die breite Masse auf Social Media an diesem Buch so sehr? Ich setzte es auf meine Vormerkliste in der Bibliothek, landete auf Platz 62 und musste deshalb bis diese Woche warten, um mir selbst ein Bild machen zu können. Also: Was ist nun meine Meinung zu „Die Assistentin“?

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26. Dezember 2025

Serienkritik: “Emily in Paris”

„Emily in Paris“: Die fünfte Staffel ist eine große Enttäuschung!

Franzosen und Französinnen, die erst nach 10 Uhr zu arbeiten beginnen, mittags schon Weißwein trinken und konsequent Englisch boykottieren: „Emily in Paris“ bedient Klischees nicht nur, die Netflix-Serie zelebriert sie regelrecht. Auch die Bilder aus der französischen Hauptstadt wirken, als hätte jemand einen quietschbunten Instagram-Filter darübergelegt. Paris leuchtet, blüht und erscheint wie eine märchenhafte Version seiner selbst. Die raue Realität? Fehlanzeige.

Zu viel Kitsch halte ich normalerweise nur schwer aus. Bei „Emily in Paris“ ging es mir – überraschenderweise – anders. Bereits die erste Folge zog mich wie ein Hurrikan in diese bonbonfarbene Bubblegum-Welt hinein.

Doch wie so oft bei Serien, die vor allem von Oberfläche leben, nutzte sich auch hier der Effekt schnell ab. Was anfangs noch leicht, verspielt und charmant wirkte, verlor mit jeder weiteren Staffel an Substanz. In der dritten Staffel und der erste Hälfte der vierten ließ die Spannung bereits spürbar nach – die Geschichten wiederholten sich, die Konflikte wirkten zunehmend konstruiert.

In den letzten fünf Folgen der vierten Staffel keimte mit Marcello kurz Hoffnung auf: Neue Gesichter und neue Schauplätze brachten Bewegung in Emilys Leben. Das endlose Drama um Gabriel und Camille trat endlich etwas in den Hintergrund. Umso größer ist nun die Enttäuschung über die fünfte Staffel. Bereits ab der zweiten Folge kämpfte ich mit dem flachen Spannungsbogen und den schwachen, lieblos erzählten Geschichten. Vieles davon ist schlicht langweilig. Doch dazu später mehr.

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21. Dezember 2025

Rezension: „Auf allen Vieren“ von Miranda July

 „Auf allen Vieren“ von Miranda July

Kritik von „Auf allen Vieren“: über sexuelles Erwachen und die Wechseljahre

Eigentlich soll die Autofahrt von Los Angeles nach New York Ruhe bringen. Sechs Tage will die namenlose Erzählerin in Miranda Julys neuem Roman „Auf allen Vieren“ allein unterwegs sein, um sich selbst zu finden. Doch schon nach einer halben Stunde ist Schluss – die Reise endet abrupt in der Kleinstadt Monrovia. Dort verliebt sie sich Hals über Kopf.

Was in Monrovia beginnt, ist so unvorhersehbar, dass danach kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Statt innerer Ruhe findet sie Chaos, Verlangen und einen Neuanfang, der alles infrage stellt – vor allem ihre langjährige Ehe.

Miranda July erzählt vom Erwachen einer Frau, die glaubt, alles zu kennen – bis sie merkt, dass das Leben in der Mitte noch einmal völlig neu beginnen kann. „Auf allen Vieren“ ist wild, sinnlich, komisch und klug. Typisch Miranda July eben.

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24. November 2025

Buchkritik: „Single Mom Supper Club“ von Jacinda Nandi 

„Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi

Lohnt sich „Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi? Nein. Eine ehrliche Buchkritik

Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch nach mehr als 200 Seiten zur Seite lege. Normalerweise will ich immer wissen, wie alles endet. Will verstehen, ob sich die Figuren noch entwickeln, ob vielleicht doch noch etwas passiert, das mich berührt oder überrascht. Doch bei „Single Mom Supper Club“ von Jacinta Nandi blieb dieser Moment aus. Irgendwann fühlte es sich einfach nur noch wie Zeitverschwendung an, ein weiteres Kapitel zu lesen.

Es ist schade, denn am Schreibstil der Autorin lag es nicht – vielmehr am fehlenden Spannungsbogen und einem Humor, der bei mir absolut nicht zündete.

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2. November 2025

Rezension: „In ihrem Haus“ von Yael van der Wouden

Yael van der Wouden: „In ihrem Haus“

„In ihrem Haus“: ein stiller, eindringlicher Roman über Isolation, queere Liebe und die Nachwirkungen des Holocausts

Wie reagiert man, wenn das eigene Leben zurückgezogen und überschaubar ist und plötzlich Dinge geschehen, die alles ins Wanken bringen? Was passiert, wenn Begegnungen intensiver sind, als man es erwartet, und die Grenzen zwischen Nähe und Distanz verschwimmen?

Mit diesen Fragen muss sich Isabel auseinandersetzen, die Hauptfigur in Yael van der Woudens hochgelobtem Debütroman „In ihrem Haus“. Es ist ein ganz besonderes Buch, denn es behandelt die Nachwirkungen des Holocausts in den 1960er-Jahren und queere Liebe.

Der Roman verbindet diese Themen auf subtile, eindringliche Weise. Obwohl der Text ruhig wirkt, spürte ich beim Lesen stets die Spannung, die sich zwischen den Zeilen aufbaut. Ich wollte unbedingt wissen, wohin die Geschichte führt ­- und fand es toll, wie Yael van der Wouden am Ende alles zusammenführt. Selbst nach dem Zuschlagen des Buches hallen die Fragen und Gefühle noch lange nach.

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1. November 2025

Kritik: “Nobody wants this”

Kritik der Netflix-Serie “Nobody wants this”: Die zweite Staffel ist enttäuschend

Es ist am Ende der sechsten Folge der ersten Staffel, als ich denke: Wow, „Nobody wants this“ hat etwas Außergewöhnliches geschafft. Endlich gibt es mal einen Mann, der empathisch ist, der sein Gegenüber wirklich wahrnimmt und deshalb in einer schwierigen Situation nicht toxisch, sondern genau richtig handelt. 

Denn Noah (Adam Brody) läuft nicht weg, als Joanne (Kristen Bell) wieder einmal Beziehungsangst hat. Er erkennt, warum sie verbal um sich schlägt, spricht es konkret an, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dadurch realisiert Joanne selbst ihr destruktives Muster, ein Knoten platzt. Sie trennen sich nicht, sondern sind in ihrer Beziehung einen Schritt weiter. 

Was so selbstverständlich klingt, wurde in vielen großen Produktionen oft anders gelöst: Die hysterische Frau verhält sich irrational, dem Mann wird es zu viel. „Nobody wants this“ bricht damit, zeigt, warum Menschen unsicher und ängstlich sind – und bietet Lösungen. Der Netflix-Produktion gelingt damit ein Kunststück: So funktioniert eine mental gesunde Beziehung.  Um es vielleicht ein wenig zu überspitzen: Hätte es diese Serie 15 Jahre früher gegeben, hätten sich vermutlich einige Menschen in meinem engeren und weiteren Freundeskreis schmerzhafte Dating-Erfahrungen erspart – mich eingeschlossen.

Nun ist endlich die zweite Staffel erschienen. Von ihr bin ich leider ein wenig enttäuscht. Die neuen Folgen sind zwar wieder sehr kurzweilig geworden ­­- aber die Geschichte um Noah und Joanne stagniert. Das Ende der zweiten Staffel ist dem Finale der ersten Staffel sehr ähnlich. Schade. Aber dazu später mehr.

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5. Oktober 2025

Rezension: „Halbinsel“ von Kristine Bilkau

„Halbinsel“ von Kristine Bilkau

Kritik „Halbinsel“: Ein leiser, unaufgeregter Roman, der einen aber völlig mitreißt

Auf „Halbinsel“ wurde ich aufmerksam, weil der Roman von Kristine Bilkau 2024 den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt. Daraufhin las und hörte ich viel über die Mutter-Tochter-Geschichte am Wattenmeer, in der zwei Generationen aufeinandertreffen, die der Welt mit ganz anderen Erwartungen begegnen. Die Kritiken waren fast ausnahmslos positiv.

Deshalb war ich gespannt. Nicht alles, was Jurys und Feuilletons loben, gefällt auch mir. Zuletzt hatte ich mit dem Buch „Die Möglichkeit von Glück” von Anne Rabe gekämpft, das von einem Gremium auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gesetzt worden war.

Bei „Halbinsel” kann ich mich dem Lobreigen aber nur anschließen. Ich habe den leisen, mitreißenden Roman innerhalb von zwei Tagen gelesen. Okay, das Buch hat zwar auch nur gut 220 Seiten, aber die sind wirklich großartig. Kristine Bilkau ist es gelungen, gesellschaftlich relevante Fragen wie die Klimakrise mit spannenden zwischenmenschlichen Beziehungen zu verknüpfen und daraus wunderbare Literatur zu machen. „Halbinsel“ ist deshalb eines meiner liebsten Bücher, die ich 2025 gelesen habe.

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28. September 2025

Serienkritik: „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“

Rezension der Netflix-Serie: „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“: unterhaltsame Serie übers Dating mit kleinen Schwächen

Es ist wirklich verflixt: Amanda (Carla Sehn) ist seit zwölf Jahren Single und hatte seit drei Jahren keinen Sex mehr. Dass sie frustriert ist, ist absolut verständlich. Zwar hat sie viele langjährige Freundinnen und eine enge Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester Adina (Moah Madsen). Doch Letztere ist in einer glücklichen Beziehung mit Filip (Isac Calmroth) – Amanda versetzt es immer wieder einen Stich, wenn sie deren Glück sieht.

Amanda gibt nun Vollgas, um endlich einen Freund zu finden. Dass das nicht geradlinig verlaufen wird, verrät bereits der Titel der schwedischen Netflix-Serie „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“. Ich habe die sieben Folgen innerhalb kürzester Zeit geschaut, weil sie unterhaltsam und die Geschichten sehr realistisch sind – auch wenn es kleine Schwächen gibt. Dazu später mehr. Im Englischen heißt die Serie übrigens „Diary of a Ditched Girl“.

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21. September 2025

Buchkritik: „Fünf Sommer mit dir“ von Carley Fortune 

„Fünf Sommer mit dir“ von Carley Fortune 

„Fünf Sommer mit dir“: ein kurzweiliger Liebesroman mit wenig Überraschungen

Gleich zu Beginn muss ich einräumen: Ich bin eine Wiederholungstäterin ohne Lerneffekt. Obwohl ich genau weiß, dass mich klischeehafte Chick-Lit meistens nicht überzeugt, weil alles vorhersehbar ist, greife ich doch immer mal wieder zu den kitschigen Liebesromanen – aus den unterschiedlichsten Gründen. „Fünf Sommer mit dir” von Carley Fortune wurde mir beispielsweise auf Instagram gleich von mehreren Accounts als perfektes Sommerbuch empfohlen. Als ich dann wenige Tage vor meinem Urlaub durch die Bibliothek schlenderte, sah ich das Buch plakativ in einem Regal aufgestellt. Spontan griff ich deshalb zu.

Wie schon bei „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe” und „Book Lovers” hoffte ich vor dem Lesen, dass es hier vielleicht einen interessanten Plot-Twist gibt. Aber Fehlanzeige. Bereits nach wenigen Kapiteln war mir klar, wohin die Handlung führt. In der DNA dieser Bücher sind Überraschungen wohl einfach nicht vorgesehen – zumindest was das Liebespaar betrifft. Im Gegenzug bekommt man eine Geschichte, die sich federleicht durchlesen lässt und völlig unkompliziert ist. Aus dem Buch wird übrigens gerade auch eine Serie – ab wann sie zu sehen ist, ist derzeit aber noch unklar.

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2. September 2025

Rezension: „Daisy Jones & The Six“ von Taylor Jenkins Reid

„Daisy Jones & The Six“ von Taylor Jenkins Reid

Kritik zu „Daisy Jones & The Six“: als Buch und Serie ein großes Vergnügen

Selten bringen mich Bücher dazu, bei Spotify ständig Musik anzuhören. Beim Lesen von „Daisy Jones & The Six“ ist mir genau das jedoch passiert. Die Autorin Taylor Jenkins Reid hat sich für ihren Roman nämlich von der Geschichte der Band „Fleetwood Mac“ inspirieren lassen. Das verrät bereits der Klappentext. Da ich mich damit bisher noch nicht beschäftigt hatte, begann ich Songs der Band anzuhören ­­- einige kannte ich, andere waren mir neu.

Aber nicht nur das: Da es seit zwei Jahren eine gleichnamige Serie auf Amazon Prime gibt, entstand zu den Songs aus dem Buch tatsächlich ein kompletter Soundtrack. So konnte ich hören, wie die Lieder klingen, die Daisy und ihr Bandkollege Billy im Buch in harter Arbeit erschaffen haben. Das fand ich richtig toll.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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