29. Juni 2020

Schmöker: “Swing Time” von Zadie Smith

“Swing Time”: Toller Roman über eine Mädchen-Freundschaft

Es ist ein Samstag im Jahr 1982, als sich die beiden dunkelhäutigen Mädchen zum ersten Mal auf dem Weg zu einer Ballettstunde in einem Kirchhof begegnen. Sofort sind die Dinge sichtbar, die sie miteinander verbinden:

„Wir hatten beide den identischen Braunton, als hätte man ein Stück hellbraunen Stoff durchgeschnitten, um uns beide daraus zu machen, unsere Sommersprossen sammelten sich an der gleichen Stelle, wir waren gleich groß.”

Das erzählt die namenlose Ich-Erzählerin gleich zu Beginn von „Swing Time“. Sie und Tracey leben in tristen Hochhausanlagen in London. Ihre große Leidenschaft: das Tanzen und Musicals. Die zufällige Begegnung bei den Ballettstunden ist der Beginn einer tiefen Freundschaft, die in den nächsten Jahrzehnten jedoch immer wieder großen Herausforderungen ausgesetzt ist.

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22. Juni 2020

Flimmerkasten: “Parasite”

Eine emotionale Wucht: der Oscar-Gewinner “Parasite”

Wo genau können sie in ihrer Bruchbude auf die W-LAN-Netzwerke der Nachbarn zugreifen? Das ist zu Beginn von „Parasite“ das Hauptproblem der vierköpfigen Familie Kim. Ihre Handyrechnungen haben sie alle nicht bezahlt, der Zugang zur Online-Welt ist für sie dadurch gekappt.

Sie haben aber Glück an diesem Tag. Nach kurzem Suchen wird Tochter Ki-Jung im schäbigen Badezimmer fündig. Neben der verdreckten Toilette klappt es, die Verbindung steht, endlich können sie wieder chatten und mit anderen Kontakt aufnehmen – unter anderem mit dem Pizza-Lieferservice, für den die komplette Familie Kartons faltet.

Eine Gesellschaftskritik, die es in sich hat

Der mehr als 200-mal prämierte südkoreanische Film „Parasite“ beginnt harmlos und mit viel Sarkasmus. Mehr als eine Stunde lang ist der vierfache Oscar-Gewinner ein wahrhaft cooles, unterhaltsames Werk über die armen, aber gerissenen Kims, die sich nach und nach in das Haus einer reichen Familie einschleichen und damit die Chance nutzen, ein wenig vom Luxus abzubekommen.

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14. Juni 2020

Heimat: “Ein Interview mit Benjamin Wurster über Leafy House Plants”

Alle Fotos sind von Benjamin Wurster

Leafy House Plants: eine moderne Enzyklopädie über Zimmerpflanzen

Blätter, Blüten, Stiele: Der Kommunikationsdesigner Benjamin Wurster hat sich in den vergangenen Monaten viel mit Zimmerpflanzen beschäftigt. Der Grund: Er hat eine 120 Jahre alte botanische Enzyklopädie neu gestaltet. Ende des Jahres soll Leafy House Plants auf dem internationalen Buchmarkt erscheinen, komplett zweisprachig auf Englisch und Deutsch. Seit dem 28. Mai kann das Werk auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorbestellt werden. Ich habe den Absolventen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart gefragt, wie er auf die Idee zu diesem Projekt kam – und was die Herausforderungen waren.

Das ist Benjamin
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8. Juni 2020

Heimat: “Ein Abend mit Lisa Bergmann im Künstlerhaus Karlsruhe”

Das ist Lisa.

Warum sind Männer in der Kunstwelt erfolgreicher als Frauen?

Es ist eine pastellfarbene Wolke, die meine komplette Aufmerksamkeit auf sich zieht, als ich Anfang Juni zum ersten Mal im Künstlerhaus des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Karlsruhe stehe. Künstlerin Takaso Azusa hat das flüchtige Gebilde, das sonst am Himmel vorüberzieht, mit Keramik festgehalten, ihm damit Konstanz verlieren. Schlieren befinden sich auf der Wolke. Ein Blitz hat sich außerdem in sie gegraben. Ihr Glanz lässt mich an vergangenen Regen denken, an ein Unwetter, das sie überstanden hat. Von ihrem Profil erinnert sie an ein Wesen – mit Augen, Nase und Mund. Die Wolke scheint skeptisch nach oben zu schauen, als suche sie nach Antworten.

Abstrakte Malereien, Skulpturen, Fotografien und Illustrationen. Die Arbeit von Takaso Azusa ist ist eine von mehr als 50, die derzeit im Künstlerhaus anlässlich der Ausstellung „In neuen Zeiten“ zu sehen sind. Eingeladen hat mich an diesem Abend Lisa Bergmann. Sie ist Vorsitzende des BBK Karlsruhe, freischaffende Künstlerin und Kuratorin. Es sind vor allem zwei Themen, über die wir in den nächsten 2,5 Stunden sprechen: die prekäre Lage vieler Künstler*innen und insbesondere die Situation von Künstlerinnen.

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29. Mai 2020

Heimat: Ein Nachmittag mit Jana Gruszeninks

Das ist Jana. Alle Bilder sind auch von ihr.

Jana Gruszeninks liebt Farben & Formen

Balance. Als ich mich an diesem sonnigen Mai-Nachmittag mit Jana Gruszeninks in einem Café auf dem Gutenbergplatz unterhalte, wird mir schnell klar: Gleichgewicht spielt für die 28-Jährige eine elementare Rolle – bei ihrer künstlerischen Arbeit und im gesamten Leben.

Nur wenige Meter von uns entfernt stehen ihre farbenprächtigen Bilder im Schaufenster von „Unser Onkel“. Darauf zu sehen: Linien, Kreise, abstrakte Formen. Pastellige Töne verbindet Jana oft mit Neon-Akzenten. Die Arbeiten sind zart, aber stark zugleich, strahlen Wärme aus, sind voller Ästhetik. Die Kompositionen sind stimmig.

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10. Mai 2020

Kurioses: “Umzug”

„Does it spark joy?“

Gerade packe ich Kisten. Jeden Abend stehe ich deshalb in meiner Wohnung und überlege mir: Was kommt mit, was nicht? Ich gehe dabei vor, wie es Marie Kondo gerne tut. „Does it spark joy?“, frage ich mich immer wieder, wenn ich einen verstaubten Gegenstand in meinen Händen halte. Alte Bücher, Secondhandtaschen, Deko-Bienenwachs-Kerzen, die das Sonnenlicht ein wenig verbogen hat. Hab ich noch Freude dran oder nicht? Ist das Kunst oder kann das weg?

Bei dieser Tabula Rasa durch meinen Haushalt, fallen mir immer wieder Erinnerungsstücke in die Hände. Eine riesige Foto-Collage aus der Schulzeit beispielsweise.

Flashback.

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29. April 2020

Heimat: “Ein Abend im Iuno@Home”

Iuno@Home: Willkommen in der virtuellen Iuno-Bar

Keine Menschenansammlungen auf dem Werderplatz, keine Musik bis fünf Uhr am Morgen, kein ausgelassenes Tanzen vor, hinter und auf dem Tresen: Es ist wird ein leiser Geburtstag für das Iuno am 30. April. Wegen der Corona-Pandemie ist auch die Bar in der Südstadt bis auf Weiteres geschlossen.

Um wieder regelmäßig in Kontakt mit den Gästen zu kommen, haben sich die Mitarbeiter nun etwas Besonderes einfallen lassen: ein virtuelles Barvergnügen, das Iuno@Home. Wie das genau funktioniert, haben mir Michi, Tim, Riccardo, Lex, Tobi, Kevin und Thes geschrieben.

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20. April 2020

Heimat: Ein Interview mit Hannah & Marina vom Hilda Café

Das sind Marina und Hannah. Alle Fotos kommen auch von ihnen.

Kaffee & Kunst im Hilda Café

Wer das Café “Hilda – Kaffee und Faden“ in Mühlburg betritt, spürt sofort, wie viel Leidenschaft darin steckt. Selbstgebackene Kekse stehen auf dem Tisch. Bunte Bilder von Künstlern sind an der Wand befestigt. Außerdem sind an vielen Stellen selbstgenähte Textilien zu entdecken – für Kinder und Erwachsene.

Anfang des Jahres eröffneten Hannah und Marina in der Hardtstraße 58 diese Kombination aus Laden und Café. Wochenlang werkelten die beiden Bauingenieurinnen dafür, schraubten und hämmerten. Auch einige Möbelstücke bauten sie selbst zusammen. Alte Nähmaschinentische dienten beispielsweise als Basis für die Tische. Diese sind nun in zwei Räumen verteilt, die über einen offenen Durchgang miteinander verbunden sind.

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13. April 2020

Schmöker: “Die Vegetarierin” von Han Kang

“Die Vegetarierin”: vom Wunsch, eine Pflanze zu werden!

Es ist ein blutrünstiger Traum, der Yong-Hye zur Vegetarierin werden lässt. Als sie davon mitten in der Nacht aufwacht, steht sie auf, räumt in ihrem Nachthemd und mit abstehenden Haaren die Gefriertruhe aus. Schweinebauch, Rinderfilets, Tintenfisch. Einen Gefrierbeutel nach dem anderen wirft sie in den Mülleimer. Als ihr Ehemann das bemerkt, ist er zutiefst irritiert. „Bist du übergeschnappt?“, fragt er sie aufgebracht. Für ihn steht die Welt Kopf. Seine bislang an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffende Gattin bringt den gewohnten Alltag durcheinander. Statt Steaks gibt es nun Algensuppe zum Abendessen. Ein Zustand, den er nicht akzeptieren kann.

Yong-Hyes Entscheidung, auf tierische Nahrungsmittel zu verzichten, ist der Beginn einer Reihe von Ereignissen, die an Dramatik kaum zu überbieten sind. Am Ende ist nichts mehr von ihrem alten Leben übrig.

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5. April 2020

Coronavirus in Karlsruhe: Ein Gespräch mit Diana Böhm von “Unser Onkel”

"Unser Onkel" Karlsruhe
Credit: Katja Sievers I photography

Wie steht es um “Unser Onkel”?

Das Coronavirus hat das gesellschaftliche Leben komplett lahmgelegt. Sowohl Gastronomie als auch Kultureinrichtungen und Einzelhandel mussten schließen. Diana Böhm hat mit “Unser Onkel” in der Karlsruher Weststadt ein kleines Paradies geschaffen. Papeterie, Wohnutensilien, Accessoires, Kleidung und viele andere schöne Dinge verkauft sie in ihrem Laden. Die Coronavirus-Maßnahmen treffen sie hart. Ich habe sie deshalb gefragt: Wie geht es dir? Und wie können wir dich unterstützen?

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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