10. August 2019

Heimat: “Tanzen”

Mein Leben ist ein zeitgenössischer Tanz

Wenn es an manchen Tagen um mich herum wütet, tobt und schreit, stelle ich mir immer vor, dass das Leben ein Tanz ist. Also nicht so ein Salsa-, Rock ‘n’ Roll- oder Swing-Rumgehüpfe. Nein, vielmehr denke ich an einen zeitgenössischen Tanz mit Dramatik, mit wilden Gestiken, Emotionen, Körpern, die sich ausdrucksstark über den Boden rollen, sich winden, drehen, wieder aufstehen, weitermachen.

Ein Lebensentwurf nach Plan – nicht für mich!

Die Tür zur Tanzschule öffnete sich vor zehn Jahren für mich. Noch im Studium war ich mir sicher: Alles ist planbar, zu kontrollieren, es ist möglich, eine geregelte Kursabfolge einzuhalten, einen Schritt nach dem anderen zu erlernen. Anfänger – Fortgeschrittene – Meister.

Scheitern? Stand nicht auf meinem Plan. Alles ist möglich, wenn ich mich nur anstrenge, diszipliniert bin. Schließlich hatte ich die besten Voraussetzungen für ein solides Leben: Einen festen Freund, eine gemeinsame Wohnung, ein Auto. Es war ein Spiegelbild dessen, wie die meisten Menschen um mich herum ihren Alltag planen. Haus, Heirat, Kinder. Auch der feste Job direkt nach dem Studium war greifbar.

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14. Juli 2019

Heimat: “Ein Morgen mit Alexander Suvorov-Franz und Nathalie Franz in der Fürstengruft”

“Fürstengruft”: Eine Ausstellung in der Stadtkirche Karlsruhe

Am Ende des Gangs befindet sich die Gruft. Noch liegt sie im Dunkeln. Als der Künstler Alexander Suvorov-Franz aber auf einen Lichtschalter drückt, ist der schummrige Raum plötzlich erleuchtet. Mein Blick fällt sofort auf den Sarg, der darin steht, umrahmt von Blumen, die schon ein wenig verstaubt aussehen. „Die sterblichen Überreste von Friedrich Weinbrenner sind darin“, erzählt mir Alexander, der mich an diesem Samstag in die Krypta der Stadtkirche Karlsruhe eingeladen hat.

Der Anlass: Alexander Suvorov-Franz koordiniert im Gewölbe der Stadtkirche Karlsruhe mit seiner Frau Nathalie Franz den Aufbau der Ausstellung „Fürstengruft“, die am kommenden Mittwoch, 17. Juli, offiziell eröffnet. Insgesamt 23 junge Künstler, von denen viele an der Kunstakademie Karlsruhe studieren oder dort Meisterschüler waren, werden bis Freitag, 26. Juli, auf einer Fläche von etwa 500 Quadratmetern ihre Arbeiten zeigen. „Fürstengruft“ ist ein Kooperationsprojekt der Citypastorale der evangelischen Stadtkirche Karlsruhe und einer Studierenden-Initiative der Kunstakademie Karlsruhe.

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1. Juli 2019

Heimat: Ein Nachmittag mit Lisa Bergmann und Judith Milz”

Kirche St. Franziskus Dammerstock

“Der gefaltete Raum”: eine Ausstellungsreihe im Stadtkloster St. Franziskus

Ein knallgelber Sonnenschirm ragt aus dem Fenster hoch oben am Turm der St. Franziskus Kirche in Dammerstock. Nur wenige Meter von ihm entfernt flattern Kleidungsstücke im Wind – an einer Wäscheleine, die Künstlerin Judith Milz für ihre Ausstellung „esercizi di allentamento“ aufgehängt hat. Um sie zu befestigen, bohrte sie extra Löcher in den Turm. So hängen ihre profanen Kleidungsstücke nun neben der Leine, an der die Putzfrau die heilige Wäsche aufhängt.

Der Sonnenschirm und die neue Wäscheleine: Es sind nur zwei von mehreren Irritationspunkten, die von der Straße beziehungsweise vom gegenüberliegenden Spielplatz in Dammerstock schnell ins Auge fallen. Im Klostergarten stehen außerdem an den verschiedensten Orten Stühle, nebeneinander, aufeinander. Rund um die Kirche hängen weitere farbige Stoffteile aus den Fenstern, ziehen Blicke auf sich, strahlen bis hin zur vielbefahrenen Autobahnbrücke. „Immer wieder kommen Menschen vorbei und fragen mich, was es damit auf sich hat“, erzählt mir Judith. Das Interesse freue sie sehr.

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24. Juni 2019

Heimat: Ein Nachmittag mit Ondine Dietz und Hannes Jung in der Fledermaus”

Ein Kunstfestival in Karlsruhe: “10 Tage – 10 Räume”

Vorbei an der Dorfschänke und dem SPD-Parteibüro, ganz nahe an der Brunnenstraße liegt „Die neue Fledermaus“. Nicht nur die Fassade der alternativen Kleinkunstbühne ist bunt. Auch als ich ihr Innerstes betrete, gelange ich in eine farbenfrohe Welt. Ein Vintage-Sofa steht dort auf Teppichen, die aus einem anderen Jahrhundert stammen, ein Kronleuchter baumelt an der Decke und eine antike Schirmlampe lehnt ein wenig schief an einem Regal.

„Schön, dass du da bist“, empfängt mich Ondine Dietz herzlich. Sie hat mich eingeladen, um mir mehr über das Kunstfestival „10 Tage – 10 Räume“ zu erzählen. Die Veranstaltung findet ab Donnerstag, 27. Juni, in Karlsruhe statt. Nicht zentral an einem Ort, sondern verteilt über das gesamte Stadtgebiet.

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16. Juni 2019

Heimat: Autofrei

Abschied vom Auto

Es war zwei Tage vor meinem Geburtstag, als ich im vergangenen Jahr beschloss, Abschied von meinem Auto zu nehmen. Das letzte Mal sah ich den kleinen, grauen Flitzer auf dem Parkplatz eines Supermarkts. Es war ein Samstag, ein Samstagmittag.

Mit einer Einkaufsliste in der Hand, war ich kurz davor zielstrebig durch die Gänge des Konsumtempels marschiert, hatte alle Utensilien, die für eine Geburtstagsparty wichtig sind, galant in meinen Einkaufswagen geworfen. Sekt, Chips und Gummibärchen. Eilig war ich damit Richtung Kasse gekurvt.

Ich stand ein wenig unter Zeitdruck. Nur eine Stunde später musste ich am Hauptbahnhof sein – bereits vor Wochen hatte ich einer ehemaligen Kollegin versprochen, sie in Mannheim zu besuchen, die Spar-Tickets über die App waren bereits gebucht. Man könnte sagen, mein Zeitmanagement war an diesem Tag ein wenig risikofreudig. Abweichungen: nicht vorgesehen.

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1. Juni 2019

Heimat: Ein Nachmittag mit Lena Angenleuf von “LA frisør & co”

Das ist Lena.
Das ist Lena.

Lenas Laden: LA frisør & co. in Karlsruhe

Hübsche Holzmöbel, eine dunkelgrüne Kommode, ausgefallene Lampen und ein Waschbecken, vor dem ein kleiner orientalischer Teppich liegt: Als Lena Angenleuf vor knapp zwei Jahren begann, ihren eigenen Laden in der Werderstraße 23 einzurichten, ging ein Traum für sie in Erfüllung. Welche Farben harmonieren, welche Stoffe passen zusammen? Die Karlsruherin tobte sich bei der Inneneinrichtung aus, ließ sich von unzähligen Pins auf Pinterest inspirieren und verband zwei ihrer Leidenschaften miteinander: die Liebe zu schönen Dingen und zu Frisuren. Das Ergebnis: „LA frisør & co.“, eine kleine Oase am trubeligen Werderplatz.

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14. Mai 2019

Schmöker: “Der größere Teil der Welt” von Jennifer Egan

Eine wilde Reise durch Zeit & Raum

Als ich „Der größere Teil der Welt“ zu lesen begann, ahnte ich nicht, auf welch wilde Reise mich Autorin Jennifer Egan mitnehmen wird. Innerhalb weniger Tage schwirrte ich von den 1970er-Jahren in die Zukunft, von San Francisco nach Neapel und dann ging es auch noch in die Wüste. Meine Reiseführer: Bernie Salazar, ein Musikproduzent sowie Ex-Punk und Sasha, seine adrette Assistentin mit kleptomanischen Zwängen.

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6. Mai 2019

Heimat: “Ein Nachmittag bei Kevin und seinen Pflanzen”

Kevins grüne Haustiere

Das ist Kevin, alle Bilder sind auch von ihm.

Wer in Kevins Einzimmerwohnung in der Karlsruher Weststadt steht, sieht Grün, viel Grün. An der Wand, auf Regalen und Kommoden: Mehr als 200 Pflanzen hat der 23-jährige Elektrotechnik-Student auf 31 Quadratmetern verteilt. Eine Geigenfeige mit gewellten Blättern gehört zu seinen grünen Mitbewohnern, ein Baumfreund (Philodendron) mit herzförmigen Blättern ebenfalls und eine panschierte Monstera gesellt sich außerdem dazu.

Auch Kevins Klavier und sein Bett sind umzingelt von seinen grünen Haustieren. Auf seinem kleinen Balkon hat er noch weitere Pflanzen stehen. Regentropfen prasseln an diesem grauen Samstag wie wild auf sie. Der Student des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat sich einen botanischen Garten in Miniaturformat geschaffen. Das Interesse daran ist groß: Mit seinem Instagram-Account „Kevinsgreenpets“ hat er mehr als 23.500 Abonnenten, die Tendenz ist weiter steigend.

Das ist Kevins Wohnung.
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29. April 2019

Heimat: “Die Chance”

Es gibt immer zwei Seiten!

Wer mit 30 Jahren länger als sechs Wochen Single ist, weiß: Es gibt kaum einen anderen Status, mit dem man so einfach bemitleidenswerte Blicke ernten kann. „Ach, du Arme“ oder „Oje, das tut mir leid“, sind nur zwei Sätze, die ich mir in den vergangenen Jahren regelmäßig anhören musste. Meist wird die Stimme des Gegenübers weicher, leiser, ein Tätscheln am Oberarm folgt. “Das wird schon, du findest auch noch jemanden”, hieß es oft. Als sei eine Paar-Beziehung im Leben das einzig Erstrebenswerte und ein Mensch, der sich alleine durch das Leben manövriert, grundsätzlich defizitär.

Keineswegs möchte ich Glitzer auf das Single-Dasein streuen. Es gab oft genug Momente, in denen ich fluchte, mir jemand an meine Seite wünschte, traurig war, wenn Dates erfolglos waren. Doch das ständige Herausschleudern aus meiner Komfortzone hat mein Leben auch unendlich bereichert und bunter gemacht. Weiterlesen »

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22. April 2019

Heimat: “Ein Morgen mit Michele bei Pizza & Gusto”

Die leckerste Pizzeria in Karlsruhe: Pizza & Gusto

Dass Michele ausgerechnet in Karlsruhe seine Pizzeria eröffnete, ist einem Autobahnschild zu verdanken. Mit seiner Frau Cinzia war er von der italienischen Stadt La Spezia Richtung Norden gestartet, um einen Ort zu finden, an dem sie sich selbstständig machen können. „Wir wollten spontan entscheiden, welche Stadt es sein soll“, erinnert er sich. Als sie noch in der Schweiz auf Straßen unterwegs waren, ringsherum Berge um sich hatten, tauchte plötzlich eine Abfahrt auf, die zu den Städten „Basel und Karlsruhe“ führte.

Karlsruhe. „Lass uns dorthin fahren“, sagte seine Frau. Michele nickte, steuerte den Wagen dorthin. Mehr als fünf Jahre sind seither vergangen, die Fächerstadt gefiel ihnen. Sie eröffneten ihr Restaurant „Pizza & Gusto“ zuerst in der Bürgerstraße, zogen vergangenes Jahr in eine neue Location nur wenige Meter weiter: in die Amalienstraße 14a. Ihr Plan ging auf: Ob einzelne Stückchen zum Mitnehmen oder eine individuell zubereitete Pizza mit frischen Zutaten – Micheles Kreationen sind bei vielen Karlsruhern beliebt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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