24. April 2018

Heimat: “Radikale Akte” im Badischen Staatstheater Karlsruhe

Porzellanpuppen-Parade

Im Gleichschritt tippeln sie auf der Bühne hin und her, ihre gelben Ringellocken hüpfen gleichförmig dazu auf und ab, die rosafarbenen Röcke schwingen im Takt. Ihre Gesichter: kalkweiß, ihre Münder spucken im Chor dieselben Wörter aus. Der Gleichschritt, die Mädchen-Uniform: Die Porzellanpuppen wirken wie aufgezogene Spielzeuge, reduziert auf ihren weiblichen Körper. Assoziationen zu Paraden in Nordkorea tauchen in meinem Kopf auf. Widerspruch: nicht erwünscht, vielmehr gefährlich. Einzig die Anpassung, die Unterordnung ist erlaubt.

Von der Konformität zur Einzigartigkeit

Dann jedoch setzen treibende Weltmusik-Beats ein, die Puppen befreien sich von ihrer Verkleidung, werfen ihre Perücken mit Wucht zur Seite. Sie verwandeln sich zu Individuen, die eine ganz eigene Stimme haben, zu 18 Frauen aus Karlsruhe, die etwas zu sagen haben. Ihre Erzählungen und Erfahrungen stehen im Zentrum von „Radikale Akte“, der neuesten Produktion des Volkstheaters, der jüngsten Sparte des Badischen Staatstheaters Karlsruhe.

Anlässlich der offiziellen Eröffnung der Europäischen Kulturtage Karlsruhe hat das Stück von Regisseurin Mizgin Bilmen Premiere gefeiert. Es ist eine Aufführung, die knallt, die voller Kraft ist und die mich nochmals mit viel Dynamik wachrüttelt – denn sie fasst zusammen, wie viel Ungleichheit es in der Gesellschaft immer noch gibt und wie sehr Frauen für ihre Rechte kämpfen müssen. Weiterlesen »

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12. April 2018

Heimat: “Ein Nachmittag mit Lilo und Marc von ,Mit Herz & Sahne'”

Das sind Lilo und Marc.

Zwei Gegensätze vereint in einem Podcast

Lilo hat eine kurze Nacht hinter sich. Mit Sonnenbrille, Zigaretten und großem Eistee sitzt sie beim Katerfrühstück in der Fettschmelze. Marc kommt mit seinem Rollkoffer direkt von einem ausgiebigen Brunch dazu. Nach dem Termin geht es für ihn gleich wieder zurück nach Hamburg, das Business ruft.

Eine Situation, die typisch ist. Ihre Gegensätze sind die Grundlage für den gemeinsamen Podcast “Mit Herz & Sahne”. “Wir ergänzen uns perfekt”, sagt Marc. Während Lilo gerne über Penisse redete, erkläre er die Welt. “Herz und Sahne eben”, fügt er hinzu und lacht. Weiterlesen »

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17. März 2018

Heimat: Ein Nachmittag mit Tim Kaun vom “An Eye On”-Magazin

Ein Design-Magazin über Island

Ein gelber Leuchtturm, dessen Spitze scheinbar in die weißen Wolken sticht. Ein blaues Haus eingerahmt von blühenden Pflanzen, Wasser und Bergen. Motive, die mich sofort in das Magazin hineinziehen, alles andere vergessen lassen.

Als ich zum ersten Mal das „An Eye On“-Magazin durchblätterte, war ich sofort begeistert. Die unfassbar schönen Fotografien der isländischen Natur kombiniert mit interessanten Interviews, dargestellt mit Typografie, die gradlinig, klar, aber dennoch spannend ist – ich wollte wissen, wer dahinter steckt, so viel Herz und Leidenschaft in dieses Printprodukt gesteckt hat.

Das sind Robert (links) und Tim. Von ihnen stammen auch alle Fotos und Videos.

Nur wenige Wochen später sitze ich mit Tim Kaun in einem Café in der Karlsruher Weststadt. Der Grafikdesigner hat seine Wurzeln in der Region, studierte an der Hochschule in Offenburg, wo er Robert Gutmann kennenlernte, mit dem er das „An Eye On“-Magazin auf die Beine stellte. Zwischen Milchkaffee, Apfelschorle und trubeligen Gesprächen an Nebentischen blättern wir gemeinsam durch die Seiten. Weiterlesen »

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2. März 2018

Heimat: “Ein Abend in der Kinemathek Karlsruhe”

Das sind Michael, Jens und Christine (von links)

Ausgewählte Filme im glamourösen Saal

Es ist eine prächtige Kulisse: Edle blaue Samtsessel und ein goldener Vorhang zieren das Studio 3 der Kinemathek Karlsruhe. Vor acht Jahren wurde der Kinosaal aus den 1950er-Jahren grundlegend saniert. Das Raum- und Farbkonzept blieb jedoch erhalten – der Saal funkelt nun an vielen Stellen.

An diesem Abend haben sich Christine Reeh-Peters, Jens Geiger und Michael Endepols zum Ende unseres Gesprächs ein Platz vor der Leinwand ausgesucht. Bevor gleich ein Kurzfilm aus Kenia zu sehen sein wird, soll im noch leeren Saal ein gemeinsames Foto mit den drei Verantwortlichen der Kinemathek Karlsruhe entstehen. Alles läuft reibungslos, innerhalb weniger Minuten habe ich verschiedene Motive auf meiner Speicherkarte. Es ist das erfolgreiche Ende einer netten Begegnung. Weiterlesen »

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25. Februar 2018

Heimat: “Ein Abend mit Arthur Metz im Family Tree Shop”

Design trifft zeitgenössische Kunst

Ein Sommerabend an der Alb, die Sonne geht langsam unter, junge Menschen stehen lose zusammen, haben einen guten Abend. Es ist eine Szene von Claudia Kappenbergers Geburtstagsfeier, die Arthur Metz auf seinem Aquarell festgehalten hat. Die Besitzerin des Family Tree Shops und der Künstler aus Frankreich sind seit zwei Jahren befreundet. Nun haben sie sich beruflich zusammengetan. Bis zum 10. März ist eine Auswahl von Arthur Metzs Aquarellen in dem Einrichungs- und Accessoireladen in der Rüppurrer Straße 25 zu sehen – zwischen exklusiven Hockern, Keramikgeschirr und Leuchten. Zeitgenössische Kunst trifft so auf Produkte von jungen Designern.

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21. Februar 2018

Heimat: Ein Nachmittag mit Constanze Zacharias im Franz-Rohde-Haus”

Ein Kunstabend im leerstehenden Altenheim

Das Licht im Flur flackert unaufhörlich, der Fahrstuhl setzt sich von alleine in Bewegung und fährt unaufgefordert seine Touren nach oben und unten. Als ich am Wochenende zum ersten Mal das Franz-Rohde-Haus in der Dragonerstraße 4-6 betrete, fühle ich mich wie in einer skurrilen Filmkulisse: Ein Piano steht einsam mitten in einem Zimmer. Sonnenschein fällt an diesem Nachmittag durch die Fenster, erhellt die Räume, schmückt die Leere mit Licht. Chorale Klänge erfüllen außerdem das Erdgeschoss.

Am 2. März findet im Franz-Rohde-Haus eine Vernissage mit Jazz und elektronischer Musik statt. “Reanimation” lautet der Titel des Abends, für den die Karlsruher Künstlerin Constanze Zacharias gerade alles vorbereitet und organisiert. Beginn ist um 19.30 Uhr. Weiterlesen »

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21. Januar 2018

Heimat: “Ein Abend bei Amélie Hentschel”

Alle Bilder sind von Sebastian Heck.

Kreatives unter dem Dach

Direkt unter dem Dach hat sich Amélie Hentschel ihr Atelier eingerichtet. Wenn es regnet, hört sie dort das Prasseln der Tropfen, wenn die Sonne scheint, erhellen die Strahlen den kleinen Raum. Drei Stockwerke wandert sie jeden Morgen von ihrer Wohnung dorthin hoch – sobald ihre zwei kleinen Jungs in der Kindertagesstätte sind und sie den Kopf frei hat: für Stoffe, Muster und neue Kreationen an der Nähmaschine.

Das ist Amélie.

„Mein Kämmerchen“, nennt die Designerin liebevoll ihre Oase. „Hier kann ich kreativ sein und neue Stücke für mein Label entwerfen.” AH310 hieß ihr Hautprojekt bislang, der Name setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben ihres Namens und dem Startdatum, dem März 2010. Zukünftig wird die Designerin ihre eigenen Kollektionen aber unter dem Label “Amélie Hentschel” herausbringen, AH310 besteht mit ihrem Mützen-Upcycling-Projekt fort.   Weiterlesen »

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27. Dezember 2017

Heimat” Ein Nachmittag mit Johanna Wohlgemuth”


Aus Gedanken werden Worte

Selbst nachts hat Johanna Wohlgemuth ihr Notizbuch immer griffbereit. Wenn im Halbschlaf ihre Gedanken kreisen, plötzlich eine neue Idee für ihren Roman entsteht, schaltet sie schnell die Nachttischlampe an, greift zum kleinen Buch mit farbigem Einband – und zum Kugelschreiber. Aus Gedanken werden Worte. “Ich muss einfach schreiben, ich habe gar keine andere Wahl”, erzählt mir die 29-Jährige, als wir uns an einem kalten Vorweihnachtstag in einem Café in Karlsruhe treffen. “Mein Kopf würde sonst platzen.”

Johanna und ich sind uns zum ersten Mal begegnet, als ich im vergangenen Jahr für den Blog über “beschriftet” schrieb. Die 29-Jährige ist Gründungsmitglied dieser Literatengruppe, die regelmäßig in Karlsruhe Lesungen hält. 2017 hat Johanna nun auch einige Veranstaltungen alleine bestritten. Der Anlass: Die Veröffentlichung ihres ersten Romans “Frau Schnieder kehrt heim”, der beim Gorilla Verlag erschienen ist.   Weiterlesen »

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4. Dezember 2017

Heimat: “Ein Nachmittag bei ,Open Codes’ im ZKM”

Eine Falle aus Salz

Mitten in einem weißen Salzkreis steht das selbstfahrende Auto. Hinter ihm befinden sich die wuchtigen Berge des Parnass, die Straße liegt vor ihm. Das Problem: Das Auto startet nicht. Denn der Salzkreis blockiert das Computersystem des selbstfahrenden Fahrzeugs.

“Autonomous Trap” heißt diese Fotografie von James Bridle. Sie ist Teil der Ausstellung “Open Codes” im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe. Das Besondere daran: Das ZKM hat nach eigenen Aussagen mit “Open Codes” ein einzigartiges bildungspolitisches Experiment geschaffen.

Konkret heißt das: “Open Codes” soll Bürgern das Thema “Digitalisierung” näher bringen. Schließlich sind Codes in unserem Alltag inzwischen omnipräsent: Sie bestimmen beispielsweise was wir auf unserem Facebook-Feed sehen, mit ihnen lassen sich Haustüren ver- und entsperren, und sie nehmen eben auch bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos eine Schlüsselrolle ein.

Als ich von der Ausstellung las, war meine Neugierde geweckt. Sowohl bei der Arbeit als auch privat begegnet mir das Thema Digitalisierung immer wieder. Ich wollte mehr wissen und verstehen, was es mit analogen Codes (Morsezeichen oder Gebärdensprache) und eben diesen digitalen Codes auf sich hat. Besonders der Zusatz, dass “Open Codes” zur Bürgerbildung beitragen möchte, machte mir Hoffnung, dass nicht alles völlig abstrakt ist, sondern ich auch tatsächlich einen Zugang bekomme und die Digitalisierung danach noch besser verstehen werde – leider ist das nun nicht geschehen.

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1. Dezember 2017

Heimat: “Spätjahresputz”

Tschüss!

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. 2017 war ein besonderes Jahr: Ich habe mal gründlich ausgemistet. Nicht etwa meine Wohnung und meinen Kleiderschrank. Nein, meinen Freundeskreis, es war dringend notwendig.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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