26. Januar 2020

Heimat: “Ein Nachmittag mit Ida Grosse”

Ida Grosse mixt Schönes mit Magie

Sie sitzt mit roten Haaren auf dem Boden und legt Tarot-Karten. Heilsteine fliegen um sie herum. Sympathisch sieht sie aus, keineswegs gruselig, auch der Hintergrund ist rosa. „Es ist eine moderne Version einer Hexe“, erklärt mir Illustratorin Ida Grosse, die diese Figur erschaffen hat. Der Anlass für ihre Kreation: Die Karlsruherin arbeitet gerade an einem umfangreichen Lexikon über die mystischen Wesen.

Ob die russische Baba Jaga, die japanische Yamauba oder die rumänische Bratara Buzea: „Für mich haben sie alle etwas Magisches“, erklärt die 29-Jährige und zeigt mir ein weißes Blatt, auf dem sie die verschiedenen Hexen-Varianten mit schwarzem Stift gezeichnet hat. Die Skizze der modernen Version hat sie bereits abfotografiert, auf ihren Laptop übertragen und mit Photoshop bearbeitet. Das Ergebnis ist auf ihrer Homepage zu sehen.

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8. Januar 2020

Heimat: “Ein Mittag mit Maurice Moel”

Das ist Maurice Moel.

Maurice Moel umreiste die Welt mit der Schreibmaschine

Maurice Moel lag gemütlich in einer Hängematte auf dem Schiffsdeck, als er den Amazonas überquerte. Tagelang tuckerte er mit dem Dampfer über das Wasser – umrahmt von einer dicht bewachsenen Dschungellandschaft. Moskitos schwirrten nachts um den Reisenden, fanden jedoch keinen Weg durch das Netz, das ihn sicher schützte.

Der Poet war zu diesem Zeitpunkt völlig frei. Kein Smartphone, mit dem er Kontakt zu seiner Familie nach Deutschland halten konnte, kein Bankkonto, auf dem sein Geld lag. Alles, was er besaß, hatte er bei sich, gut verstaut in einem großen Rucksack, auf den er immer gut aufpasste.

Fünf Jahre ist die Amazonasüberquerung nun her – es ist nur ein Ausschnitt aus Maurice Moels siebenjähriger Weltumrundung. „Es war eine faszinierende Erfahrung“, erzählt mir der heute 35-Jährige, als wir uns vor wenigen Tagen in einem Café in der Karlsruher Südweststadt treffen. Mit seinem schwarzen Hut sticht er sofort aus der Masse heraus, ein geflochtenes, buntes Band ziert seinen schmalen Arm, über sein blaues T-Shirt hat er eine locker sitzende Weste mit Kapuze gezogen. Maurice Moel ist ein Weltenbummler, der ein wenig zart sowie zerbrechlich aussieht – als hätte er viel erlebt.

Seit drei Monaten ist er nun zurück in der Fächerstadt, unter anderem um sein Buch zu promoten, das im Brot & Kunst Verlag erschienen ist. „typewrite the world: episode eins“ heißt es und ist eine Dokumentation seines Trips. Am 13. Januar liest Maurice Moel im Kulturraum Kohi in der Südstadt daraus vor. Einlass ist um 19.30 Uhr.

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29. Dezember 2019

Heimat: “Der Antrag”

Warum der Mann nicht alles tun muss!

Es war ein wunderbarer Tag im Spätsommer. Die ersten roten und braunen Blätter lösten sich von den Bäumen, schwebten durch die Luft und landeten sanft auf dem Asphalt, als ich mit meiner Freundin spazieren war. Es war eine friedliche Stimmung, ihre drei Monate alte kleine Tochter schlummerte im Kinderwagen, wir plauderten über das Leben, über all das Gute und Anstrengende, als meine Freundin plötzlich sagte: „Weißt du was: Ich möchte so gerne heiraten, aber er fragt mich einfach nicht.“

Irritiert schaute ich sie an. „Dann frag’ du ihn doch“, meinte ich, ernsthaft, ohne Ironie. Ihr Blick: erschrocken. „Nein, nein, nein“, entgegnete sie mir. In diesem Punkt sei sie altmodisch. Das müsse der Mann tun.

Ich blieb stehen, es schüttelte mich. Ernsthaft?

Emanzipation: ade!

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15. Dezember 2019

Heimat: “Ein Morgen in der Kulturküche Karlsruhe”

Die Kulturküche Karlsruhe. Die Bilder sind alle von Arthur Leon.

Kulturküche Karlsruhe: Neuer Treffpunkt in der “Alten Seilerei”

Die leeren Flaschen sind alle eingesammelt, der Boden geputzt und weihnachtliche Kränze aus Tannennadeln finden nun ihren Platz auf den Tischen: Als ich am Sonntagmorgen zum ersten Mal die Kulturküche betrete, wuseln dort überall Helfer umher. Ihre Mission: Die letzten Reste einer 18. Geburtstagssause zu beseitigen, bevor es am nächsten Tag endlich offiziell losgehen kann – mit dem vielseitigen Bürgerprojekt in der Alten Seilerei in der Kaiserstraße 47.

Hinter dem Projekt steht das Lokale Bildungsnetzwerk Karlsruhe, kurz lobin. Gemeinsam mit vielen Unterstützern hat es mit der Kulturküche einen neuen Begegnungsort mitten in Karlsruhe geschaffen, direkt gegenüber dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Wir möchten in diesen stürmischen Zeiten den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken“, erklärt mir Doris Traudt, die mich an diesem Morgen empfängt und mich durch das denkmalgeschützte und verwinkelte Haus führt. Sie kümmert sich um das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit bei der Kulturküche.

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26. November 2019

Ein Nachmittag in der “Frischzelle” mit den Werken von André Wischnewski

TAETERAETAEAEAEAEAE (Foto: Frank Kleinbach © André Wischnewski)

Frischzelle_26 im Kunstmuseum Stuttgart

Mit TAETERAETAEAEAEAEAE beginnt die Ausstellung von André Wischnewski im Kunstmuseum Stuttgart. Die 19 Großbuchstaben bog der Bildhauer aus Metall zurecht. Nun schlängelt sich die silbern funkelnde Lautmalerei im Sammlungsbereich des Museums die Treppenstufen hinunter und führt direkt zu weiteren Werken des Absolventen der Kunstakademie Karlsruhe. Darunter: Messerschnitte, Plastiken, Fotoprints und Skulpturen. Ihre Gemeinsamkeit: die Wechselbeziehung von Architektur und Sprache.

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17. November 2019

Kurioses: Pendeln II

Raus aus meiner Filterblase

Wer jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit fährt, sieht definitiv mehr von der Welt. Mehr als 300 Tage pendle ich nun schon. Tschüss Filterblase, hallo Realität. In dieser Zeit habe ich Menschen und Dinge gesehen, die ansonsten eher selten meine Wege kreuzen.

Bereits im Januar schwebte der Herr vom Abfallamt in meine Welt. Er wandert fast jeden Tag in seiner orangefarbenen Uniform zwischen dem Bahnhofsvorplatz und den Fahrradparkplätzen hin und er. Manchmal pikst er mit einer Zange Dosen, Tüten oder Zigarettenstummel auf und lässt sie in einen Eimer fallen, oder er bläst in ohrenbetäubender Lautstärke Laub zusammen.

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15. Oktober 2019

Heimat: “Ein Nachmittag mit Malte & Fred in der Dampfßchreinerei”

Das sind Fred und Malte (von links)

Willkommen in der Dampfßchreinerei

Dunkle Gänge, blockierte Türen und nur schummriges Licht: Ich fühle mich wie in einem Horrorfilm, als mich Malte und Fred von Die Anstoß an diesem verregneten Sonntagmittag durch den Keller des Nebengebäudes in der Roonstraße 23a führen. Wo zuerst im 19. Jahrhundert Schreinerei-Mitarbeiter mit Dampfmaschinen auf Hochtouren arbeiteten, danach eine Pharmafirma Pillen kreierte und eine Versicherung Verträge abschloss, herrscht nun Leerstand.

Aber nicht mehr lange. Am Samstag, 19. Oktober, verwandeln die Mitglieder der unabhängigen Initiative „Die Anstoß“ das riesige Gelände in eine temporäre Kultur-Oase. Drei Wochen lang. Bis zum 9. November gibt es inmitten der Südweststadt Lesungen, Workshops, Feten, Ausstellungen, Performances und noch vieles mehr. Am 26. Oktober ziehen beispielsweise ein Flohmarkt und eine Plattenbörse in die Dampfßchreinerei.

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19. September 2019

Heimat: “Ein Nachmittag mit Nogay von der Pinseria Bufala”

Das ist Nogay. Er hat auch fast alle Fotos gemacht.

Neu für Karlsruhe & Ettlingen: Die Pinseria Bufala

In einem Bistro in Rom entdeckte Nogay seine Liebe zur Pinsa. Ein fluffig-knuspriger Teig in Kombination mit fruchtigen Cherry-Tomaten und Büffel-Mozzarella: „Das war eine richtige Geschmacksexplosion – ich war vom ersten Bissen an restlos begeistert“, erinnert sich der 26-Jährige heute noch ganz genau daran.

Nur zufällig war er damals mit einem Freund in dem kleinen Restaurant in Italien gelandet, der große Hunger hatte sie spontan dort einkehren lassen. Die beiden Herren überflogen die Speisekarte – und blieben an dem Angebot „Pinsa“ hängen. „Was ist das?“, fragte Nogay den Kellner. „Die leichte und ovale Doppelgängerin der Pizza – mit weniger Zucker, weniger Gluten und weniger Kalorien“, bekam er als Antwort. Nogays Neugierde war geweckt. Er bestellt eine Pinsa und wartete gespannt.

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14. September 2019

Heimat: “Happy Birthday, Family Tree Shop”

Der Family Tree Shop. Fast alle Fotos kommen von Claudi.

Karlsruhe: Der Family Tree Shop feiert fünften Geburtstag

Ein eigener Laden – Claudia (Claudi) Kappenberger und Marina (Mine) Eggen haben sich vor fünf Jahren getraut und in der Rüppurrer Straße 25 den Family Tree Shop eröffnet. Es wimmelt dort von schönen Dingen: Papeterie, Schmuck- und Wohnaccessoires von internationalen und regionalen Künstlern sowie ihrem eigenen, gleichnamigen Label.

Das sind Mine (oben) und Claudi. Das Bild unten hat Jaron Frick gemacht.

Zum fünften Geburtstag habe ich Claudi gefragt: Wie ist es tatsächlich, in Karlsruhe einen eigenen Laden zu haben. Was sind die Herausforderungen, was die schönen Dinge? Hier sind nun die Antworten. Viel Spaß beim Lesen.

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11. September 2019

Heimat: “Ein Nachmittag mit Malte Pawelczyk zum Galerientag 2019”

Karlsruher Galerientag 2019: Kooperation von Die Anstoß und theartape

Es sind die Augen des Fabelwesens, die sofort meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie sind weit aufgerissen, blicken zu zwei Beinen am Boden. Auch der Mund des kleinen Monsters ist offen. Die auseinanderstehenden und leicht schrägen Zähne sind dadurch deutlich sichtbar. Hat es etwa einen Menschen getötet? Oder sich nur beim Anblick eines Schlafenden oder Verletzten erschreckt? Was genau passiert ist, bleibt offen, es gibt viel Raum für Spekulation.

Das ist Malte. (Credit: Sebastian Heck)

Das faszinierende Bild von Tenki Hiramatsu ist auf dem Flyer zu sehen, den mir Malte Pawelczyk an diesem sonnigen Nachmittag in die Hand drückt. Neben dem Werk des Japaners ist auf dem Handzettel außerdem eine Arbeit von Santiago Ydáñez abgedruckt. Weiße und blaue Farbfelder erinnern an einen Horizont, wecken Sehnsucht und Hoffnung.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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