10. März 2019

Heimat: “Ein Nachmittag in der Manhattan Bar”

Ein neuer Projektraum für Karlsruhe: die Manhattan Bar

Fast alles flog raus, der Name und die alte Motiv-Tapete hinter der Theke sind geblieben: Die Skyline von Manhattan ziert noch immer die Wand, zahlreiche Lichter brennen in den Wolkenkratzern, erhellen das Grau des Himmels. Ansonsten weht frischer Wind in der ehemaligen Bar in der Amalienstraße 53. Statt müder, gelangweilter Stammgäste sind dort nun vor allem Studierende der Hochschule für Gestaltung (HfG) anzutreffen. Gemeinsam organisieren sie Veranstaltungen – Konzerte, Lesungen und freie Formate.

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11. Februar 2019

Kurioses: “Pendeln”

Abenteuer Alltag

Bei mir bleibt gerade viel Zeit auf der Strecke. Ich pendle. Mein neuer Job macht es erforderlich. 140 Kilometer fahre ich nun täglich mit dem ICE, von montags bis freitags. Schon nach sechs Wochen weiß ich: Langweilig wird das nicht. Der Zug ist voll mit kuriosen Gestalten und Geschichten. Mein Alltag ist zu einem kleinen Abenteuer geworden.

Danke, Deutsche Bahn!

Bereits mein erster Arbeitstag am 2. Januar begann äußerst holprig. Ja, es knirschte und kratzte gewaltig. Wer schon mal einen neuen Job angetreten ist, weiß: Am ersten Tag möchte man unbedingt pünktlich sein, einen guten Eindruck machen. Fit sein, nicht etwa noch zerstört von Silvester mit Restalkohol und Fahne im Büro aufkreuzen, mit roten Äderchen in den Augen und abstehenden Haaren, weil man zu spät dran war und alles drunter und drüber ging.

Nein.

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6. Februar 2019

Heimat: “Ein Morgen mit Craig Judkins im Electric Eel”

Das ist Craig. (Foto: Sebastian Heck)

Ein fester Anker am Werderplatz: das Electric Eel

Sonntagmorgen. Die Kaffeemaschine läuft gerade auf Hochtouren, als ich im Electric Eel ankomme. Es klackt und brummt leise. Auf dem Plattenspieler dreht eine Vinylscheibe ihre Runden, entspannte Musik summt aus den Lautsprechern. Besitzer Craig Judkins steht gutgelaunt hinter der Theke, eine schwarze Wollmütze bändigt seine graumelierten Haare. „Alles gut bei dir?“, fragt er mich auf Englisch. Ich nicke und setze mich.

Vor etwa 2,5 Jahren eröffnete der gebürtige Amerikaner die Bar am Werderplatz. Wo einst bemalte Fliesen und Vintagemöbel dem Vorgänger Bento eine gemütliche, aber auch raue Atmosphäre gaben, zogen stilvolle Möbel ein – in warmen Braun- und Goldtönen. Die handgeschriebene Getränkeliste an der Wand verschwand, eine mehrseitige Karte mit außergewöhnlichen Drinks liegt nun auf dem Tisch. Darauf zu finden: hausgemachte Limonaden mit Rosmarin oder Blaubeeren, Espresso Tonic, Craft Beer und Cocktails mit Namen wie Roses are free. Die Veränderung war enorm, die Skepsis vor allem bei Bento-Stammgästen zunächst groß. Sie hat sich aber inzwischen gelegt. Das Electric Eel ist fest am Werderplatz etabliert.

(Fotos 2: Sebastian Heck)
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7. Januar 2019

Heimat: “Ein Abend mit Patrick und Adrian in der Rudolfstraße 5”

Das sind Patrick (links) und Adrian

Mehr Raum für Kreativität in Karlsruhe!

Es riecht nach Terpentin, als ich im Innenhof der Rudolfstraße 5 stehe. Es ist stockdunkel, drei Gebäudeteile in U-Form umgeben mich, aus einem Zimmer im Erdgeschoss des linken Trakts schimmert Licht, auch der beißende Geruch des Lösungsmittels kommt von dort. Neugierig trete ich näher, öffne vorsichtig die nur angelehnte Tür – und treffe auf einen Herrn, der dort gerade in seinem Atelier werkelt. „Ich bin John, kann ich dir helfen?“, fragt er mich. Ich nicke.

Credit für alle kommenden Fotos: Oxana Guskova

Zwei Architekten, ein Projekt

An diesem Abend bin ich auf der Suche nach Patrick Häussermann und Adrian Stadler, zwei Architekten, die am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) studiert, sich inzwischen selbstständig gemacht haben und in der Rudolfstraße 5 ein großes Projekt planen – mit Co-Working-Spaces, Ateliers, Urban-Farming, einem Cafe und temporären Übernachtungsmöglichkeiten. Nun wollen sie mehr darüber erzählen. Ich bin gespannt.

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30. Dezember 2018

Heimat: “Ein Morgen mit Robert Loos”

Willkommen im Wahrnehmungstornado!

Ein kurzer Druck auf den Sprühknopf der Dose genügt, schon schießt blitzschnell Farbe aus dem Ventil. Mit Kraft, aber fein wie Nebel, treffen die Pigmente auf die Leinwand, erzählen auf der weißen Fläche ihre ganz eigene Geschichte – für sich alleine und im Zusammenspiel mit weiteren Komponenten.

Die Sprühdose. Sie begleitet Robert Loos, seit er die Malerei für sich entdeckt hat. „Sie ist mein roter Faden, alles andere sind Begleiter“, erzählt er mir an diesem Sonntagmorgen, als ich ihm in seinem Wohnzimmer gegenübersitze. Trubelig ist es dort. Ein Filmteam der Hochschule Karlsruhe ist ebenfalls da. „Können sie unser Interview aufnehmen?“, hatte Robert mich gefragt. Klar, warum nicht. So sitzen wir nun da, er eine Kippe in der Hand, seine Kaffeetasse hat er mit einem Wasserglas auf ein braunes Holztablett gestellt, neben meinem Kopf surrt die Kamera, los geht es.

Credit für alle kommenden Fotos: Robert Loos
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16. Dezember 2018

Heimat: “Ein Nachmittag im A&S Bücherland”

Eine Oase in Karlsruhe: das A&S Bücherland 

Als die Regale des Supermarkts in der Rintheimer Straße 19 leer geräumt waren, alle Gläser mit eingelegten Gurken, Nudelpackungen und Chipstüten verschwanden, zogen die Bücher ein. Im Frühjahr 2003 war das.

Die beiden Freunde Klaus Ackermann und Thomas Stieber schleppten damals in großen Kisten 24.000 Exemplare in den 380 Quadratmeter großen Raum in der untersten Etage des Hochhauses. Manche hatten Knicke, andere zierten unterkringelte Sätze, einige waren nahezu unversehrt. „Wir sammelten sie monatelang und lagerten sie in mehreren Kellern und Garagen“, erinnert sich Thomas Stieber, als ich an diesem winterlichen Nachmittag bei ihm im A&S Bücherland in der Karlsruher Oststadt stehe.  

Viele Romane und Sachbücher bekamen die Männer zum Start von Freunden und Bekannten, außerdem stöberten sie auf zahlreichen Flohmärkten, suchten nach Raritäten aus bedrucktem Papier, eingerahmt von einem Einband, der mal härter, mal weicher, mal sauberer, mal schmutziger ist.

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3. Dezember 2018

Heimat: “Ein Morgen mit Verena und Lea vom Lametta-Team”

Credit (alle Fotos): Lametta

Lametta: ein Kunsthandwerkermarkt für Karlsruhe!

Glitzer, Bling-Bling und ganz schön viel Handgemachtes: Der Kunsthandwerkermarkt Lametta verwandelt am kommenden Freitag und Samstag das Tollhaus wieder in ein kleines Adventskaufhaus. Wohnaccessoires, Schmuck und Kleidung. Etwa 50 verschiedene Designer bauen in diesen Tagen ihre Stände auf und werden dort ihre kleinen und großen Kunstwerke verkaufen.

Es ist bereits die neunte Lametta-Auflage. Ich erinnere mich noch genau an die Premiere im Jahr 2010 in der Fleischmarkthalle. Groß war damals meine Neugier: ein Kunsthandwerkermarkt für Karlsruhe. Wie wird er aussehen? Was wird es geben? Ich war gespannt.

Hübsch war es dort, die goldene Deko funkelte, das Angebot war bunt, der Andrang enorm. „Dass bereits im ersten Jahr so viele Menschen kommen, hat uns selbst ein wenig überrascht“, erzählt mir Verena, die zum fünfköpfigen Lametta-Organisationsteam gehört. Mit ihr und der Praktikantin Lea treffe ich mich an diesem kalten Herbstmorgen in einem Café in der Weststadt. Gemeinsam erzählen sie mir, wie es überhaupt zur Lametta kam, warum es nun Eintritt kostet und was 2018 auf dem Programm steht. Weiterlesen »

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22. November 2018

Heimat: “Ein Nachmittag im Leihladen Karlsruhe”

„leih.lokal“ + „Frei_Räume“ Karlsruhe: sharing is caring

Es nieselt und ist ungemütlich, als ich an diesem Herbsttag mein Fahrrad an der Hauswand der Gerwigstraße 41 abstelle. Durch das Schaufenster sehe ich in einem hellen Raum einen Mann an einem Laptop sitzen. Ein knallrotes Bobbycar hängt an einem silbernen Fleischerhaken an der Wand – in einer Reihe mit einem schnittigen Snowboard und einem weißen Ventilator. Seit Anfang Oktober befindet sich in der ehemaligen Metzgerei Bässler ein Leihladen, den die Bürgerstiftung Karlsruhe ins Leben gerufen hat. Außerhalb der Öffnungszeiten können die Räume außerdem von Vereinen und Ehrenamtlichen kostenlos gemietet werden. Für Konzerte, Lesungen oder zu gemeinsamen Kochevents in der großen Küche. Ich möchte mehr über das Konzept dieses Share-Economy-Projekts wissen und trete ein.

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14. November 2018

Heimat: “Ein Nachmittag mit Jehad”

Das ist Jehad.

Und dann war Krieg!

Als Jehad nach tagelangem Verhör in einem Gefängnis in Damaskus frei kam, hatten ihm die Geheimdienstmitarbeiter fast alles genommen. Er besaß kein Handy mehr, keine Schuhe, kein T-Shirt, seine Hose schlackerte. Fast nackt stand er auf der staubigen Straße. „Ich hatte 20 Kilogramm innerhalb kürzester Zeit abgenommen und kaum Kraft mehr übrig“, erzählt er mir an diesem Herbstnachmittag in einem Café in der Karlsruher Weststadt.

Qualvolle Tage lagen hinter dem damaligen Studenten der Telekommunikationswissenschaften. Mit 200 Menschen war er in einem Raum unter der Erde eingesperrt. „Es gab dort kaum Luft zum Atmen“, erzählt er. Nicht alle von ihnen hatten Platz zu sitzen, obwohl sie Wunden am Körper hatten. Fünf der Gefangenen starben in der Zeit, in der sich auch Jehad in dem Raum befand.

Es sind Erlebnisse, die sich tief in sein Gedächtnis gebrannt haben – sie gesellen sich zu den traumatischen Bildern zwei weiterer Gefängnisaufenthalte, die er kurz davor und danach in Syrien über sich ergehen lassen musste. Seine Assoziationen mit dieser Zeit: schmerzhafte Stromschläge, eiskaltes Salzwasser und der Verlust von Nägeln, die ihm Geheimdienstmitarbeiter mit einer Zange ausrissen.

2013 gelang Jehad die Flucht aus Syrien. Über Ägypten kam er nach Libyen, mit dem Boot erreichte er Italien und schaffte es mit dem Zug über Österreich nach München. Ende 2014 landete er in Karlsruhe – und ist geblieben. Weiterlesen »

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10. November 2018

Heimat: “Streiten”

Foto: David Heitz

Was wäre die Welt nur ohne Bücher?

Grüne Wiesen, gackernde Hühner und aufgescheuchte Gänse: Ich bin in einem minikleinen Dorf groß geworden. Dort gab es viel Landwirtschaft und noch mehr Ruhe. Wer aber zum Supermarkt oder zum Schlecker wollte, musste ins Nachbardorf fahren. Wir hatten nur einen Tante-Emma-Laden, einen Metzger und ein griechisches Restaurant, das bis heute direkt neben der Tischtennishalle liegt – ideal für die Absacker nach dem harten Ping-Pong-Training. Brezeln buk der Dorfbäcker nur dienstags, Schokobrötchen freitags. Ich lernte früh, mich über die kleinen Dinge zu freuen. Kaiserbrötchen mit Schaumküssen gab es zum Glück immer. Saure Daumen und Colafläschchen auch.

Aber das Wichtigste für mich: Die kleine Bücherei, die sich ein wenig hinter dem Rathaus versteckte. In dem gemütlichen Fachwerkhaus stapelten sich auf zwei Etagen Bücher. Romane, Krimis, Bildbände. Kaum konnte ich einige Sätze fließend lesen, schleppte mich meine Mutter dorthin. Es war meine Tür zur großen Welt. Dort ging ich stundenlang verloren. Innerhalb weniger Jahre hatte ich mich kreuz und quer durch die Kinderbücher gelesen, griff dann schon im Grundschulalter zu Werken für Jugendliche, die meinen Kopf gewaltig ins Rattern brachten. Weiterlesen »

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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