10. September 2021

Schmöker: “Brüste und Eier” von Mieko Kawakami

“Brüste und Eier”: ein Roman, in dem Männer nur Nebenrollen spielen

Es war mein japanischer Mitbewohner, der mir von vom Buch „Brüste und Eier“ erzählte. Bei seinem letzten Heimatbesuch hatte er das Buch von Mieko Kawakami gekauft und mitgebracht. In Japan hatte der Roman vor allem bei konservativen Männern für großen Wirbel gesorgt, aber auch den wichtigsten Literaturpreis gewonnen.

Der Grund für die Aufregung: „Brüste und Eier“ stellt patriarchale Gesellschaftsnormen infrage, beschäftigt sich kritisch mit Schönheitsidealen und damit, wie Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Es handelt von der Menstruation, Brust-OPs und der Suche nach einem Samenspender. Männer spielen nur Nebenrollen.

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16. August 2021

Schmöker: “Stay away from Gretchen – eine unmögliche Liebe” von Susanne Abel

Stay away from Gretchen - Susanne Abel

“Stay away from Gretchen – eine unmögliche Liebe”: Wie toll Kitsch sein kann!

Selbst hätte ich mir „Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe“ wohl nie gekauft. Zu kitschig klang mir der Titel. Auch die Beschreibung auf der Rückseite des Buches überzeugte mich nicht. Ein Nachrichtensprecher aus Köln, dessen demente Mutter sich an die Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg erinnert. Hmmm. Klang für mich nicht besonders innovativ.

Mein Skepsis verstärkte sich, als ich sah, dass das Buch bei einem Online-Shop über 1.000 Bewertungen hat – vorrangig sehr gute. Seit ich „Der Wal und das Ende der Welt“ und „Die Geschichte der Bienen“ mehr mit Qualen als mit Freude gelesen habe, bin ich vorsichtig mit solch extrem positiv bewertenden Bestsellern. Meistens driften sie ins Triviale ab.

Dass ich dem Buch von Autorin Susanne Abel dann aber doch eine Chance gab, lag an der whatsapp-Nachricht einer Freundin. Sie schwärmte im Gruppenchat davon, fragte, ob es eine von uns ausleihen möchte – und ich sagte spontan ja. Zum Glück.

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9. August 2021

Schmöker: “Alte weiße Männer” von Sophie Passmann

„Alte weiße Männer“: ein Buch, das neue Perspektiven liefert!

Sie saß mit Peter Tauber in einer quietschbunten Eisdiele, mit Kevin Kühnert in einem schäbigen Studentencafé und mit Marcel Reif am funkelnden Zürichsee: Einen Sommer lang fuhr Sophie Passmann kreuz und quer durch Deutschland und die Schweiz, um dem Phänomen des alten weißen Mannes näher zu kommen. Was genau steckt dahinter? Ist er wirklich an so vielen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten schuld?

Dass es den Habitus des alten weißen Mannes wirklich gibt, bekam ich selbst zu spüren, als ich in meiner ersten beruflichen Festanstellung in einer wahren Hochburg landete. Konservative, dem Wandel abgeneigte Männer, die junge Frauen lieber ansahen und über sie redeten, als mit ihnen auf Augenhöhe diskutierten. Die entscheidenden Positionen teilten die Herren primär unter sich auf.

Seither weiß ich, wie schwer es ist, besonders als junge Frau in solch einem Milieu voranzukommen. Ich war deshalb gespannt, zu welchen Erkenntnissen Sophie Passmann in ihrem Buch „Alte weiße Männer – ein Schlichtungsversuch“ kommt.

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19. Juli 2021

Schmöker: “Zähne zeigen” von Zadie Smith

Ein Klassiker der englischen Gegenwartsliteratur: „Zähne zeigen“ von Zadie Smith

Es ist der 1. Januar 1975, als Archie versucht, sich mit einem Staubsauger das Leben zu nehmen. Seine Frau hat ihn verlassen, alleine lebt er nun mit 47 Jahren in einer Einzimmerwohnung, die über einer Pommesbude liegt.

Um seinem unglücklichen Dasein ein Ende zu bereiten, setzt er sich am Silvesterabend in sein Auto, fährt los, parkt vor einer Halal-Fleischerei im Nordwesten Londons und schließt seinen Staubsauger an den Auspuff.

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12. Juli 2021

Schmöker: “Wir Strebermigranten” von Emilia Smechowski

“Wir Strebermigranten”: ein spannendes Buch über polnische Einwanderer

Nur nicht auffallen. Das ist die Maxime für Emilia Smechowskis Familie, als sie 1988 aus Polen in Deutschland ankommt. Emilia ist damals fünf Jahre alt. Ihr gesamtes Leben steht auf dem Kopf, alles ist anders in Berlin. Die Menschen, die Sprache und auch ihr Name: aus Emilka wird Emilia.

Für ihre Eltern, zwei Mediziner, ist wichtig: Sie möchten sich so schnell wie möglich integrieren, nicht als Ausländer wahrgenommen werden. Das bedeutet für sie: immer diszipliniert sein, hart arbeiten und in der Öffentlichkeit kein Polnisch sprechen. Die Smechowskis werden in Deutschland quasi unsichtbar.

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22. Juni 2021

Schmöker: “Americanah” von Chimamanda Ngozi Adichie

“Americanah”: Ein kluger Roman, der sich mit den wichtigen Themen unserer Zeit befasst!

Es ist der Beton auf ihrer Seele, der Ifemelu dazu bringt, nach 13 Jahren wieder nach Nigeria zurückzukehren. Schicht für Schicht hat sich in den USA die Unzufriedenheit in ihr breitgemacht. Wieder nach Afrika zu fliegen, ist aber keine leichte Entscheidung für die junge Frau. In Princeton hat sie ein begehrtes Stipendium erhalten, mit ihrem Freund Blaine führt sie eine solide Beziehung und ihr Blog über Rassismus wird von Tausenden Menschen gelesen.

Doch Ifemelu hat Sehnsucht. Sie möchte zurück nach Lagos, wo ihre Familie und ihre Jugendliebe Obinze (Zed) leben. Zu Zed hat sie einige Jahre zuvor jäh den Kontakt abgebrochen. Nun ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann, mit einer anderen Frau verheiratet und hat eine kleine Tochter. Trotzdem schreibt sie ihm eine Email und kündigt ihre Rückkehr an. Was wird passieren?

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1. Juni 2021

Schmöker: „Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Cho Nam-Joo

„Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Cho Nam-Joo

„Kim Jiyoung, geboren 1982“: Eine Frau, die an der patriarchalen Gesellschaft zerbricht!

Kim Jiyoung ist 33 Jahre alt, als etwas in ihr zerbricht und sie beginnt, in bestimmten Situationen ihre Identität zu wechseln. Mit den Stimmen ihrer Mutter und einer verstorbenen Studienfreundin kritisiert sie plötzlich all die Dinge, die sich wie selbstverständlich im patriarchalen Alltag in Südkorea abspielen.

Dazu gehören Frauen, die sich für Familienessen bis zur völligen Erschöpfung verausgaben und stundenlang in der Küche stehen. Sowie Mütter, die für die Kindererziehung ihre beruflichen Ambitionen aufgeben und für all ihre Mühen im Haushalt keine Anerkennung bekommen.

Schnell ist klar: Es ist eine Psychose, an der Kim Jiyoung leidet. Wie es dazu kam, erzählt Autorin Cho Nam-Joo im Roman „Kim Jiyoung, geboren 1982“ nun ausführlich und chronologisch – sachlich, unaufgeregt, aber trotzdem sehr eindrücklich und bewegend.

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28. März 2021

Schmöker: „Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney

„Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney: Verdirbt erben den Charakter?

Es war solch eine beruhigende Aussicht: Mehrere Hunderttausend Dollar sollten die vier Geschwister Melody, Jack, Beatrice und Leo erben – an Melodys 40. Geburtstag. Es sind nur noch wenige Monate, bis endlich das Geld aus dem „Nest“ fließt. Doch Lebemann Leo macht ihnen allen einen Strich durch die Rechnung.

Auf einer Hochzeit bandelt er betrunken und zugekokst mit der 19-jährigen Bedienung Matilda an, schleppt sie in seinen Flitzer, baut einen Unfall – und muss daraufhin eine immense Summe Schmerzensgeld an Matilda bezahlen.

Da Leo soviel Geld selbst nicht hat, öffnet die Mutter heimlich das „Nest“ und gibt ihrem ältesten Sohn einen großen Teil davon. Der Aufschrei in der restlichen Familie ist groß, als es ans Licht kommt. Geplante Projekte stehen auf der Kippe, Lebensentwürfe geraten durcheinander, die vier Geschwister stehen vor ganz neuen Herausforderungen.

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25. März 2021

Schmöker: „Ministerium der Träume“ von Hengameh Yaghoobifarah

„Ministerium der Träume“: ein Roman, der Bilder erzeugt und Töne erklingen lässt

TRAUM(A)FABRIK. Es braucht nur einen einzigen Buchstaben, um einen Traum platzen zu lassen. Protagonistin Nasrin entdeckt das zusätzliche „a“ im Graffito auf dem Gebäude gegenüber ihres Balkons nur wenige Stunden nachdem ihre Schwester Nushin bei einem Autounfall starb. War es Schicksal, ein Selbstmord oder ein Mord? Es ist zunächst unklar.

Nushin war alleinerziehende Mutter. Ihr letzter Wille im Testament: Ihre Schwester Nasrin soll sich um die pubertierende Parvin kümmern, die Vormundschaft für sie übernehmen. Nasrin sagt ja, packt ihre Koffer und zieht in die Wohnung zu ihrer Nichte. Nach und nach entdeckt sie dort Hinweise, dass mit dem Unfall ihrer Schwester irgendetwas nicht stimmt. Nasrin begibt sich auf Spurensuche. Was ist mit Nushin passiert?

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17. März 2021

Schmöker: “Der Gang vor die Hunde” von Erich Kästner

“Der Gang vor die Hunde”: ein starkes Buch!

Arbeitslose Männer auf der Suche nach Sinn, eine pulsierende Berliner Unterwelt und ein erstarkender Rechtsextremismus: Erich Kästner hatte ein unfassbar gutes Gespür für die gesellschaftlichen Verhältnisse, als er Ende der 1920er-Jahre „Der Gang vor die Hunde“ schrieb.

Er zog dabei alle Register und brachte die „anatomische Verschiedenheit der Geschlechter“ so genau auf den Punkt, dass der Verlag den Roman zunächst nur zensiert veröffentlichte – und auch den Titel änderte: Aus „Der Gang vor die Hunde“ wurde „Fabian“. Erich Kästner kommentierte sein Werk mit diesen Worten: „Dieses Buch ist nicht für Konfirmanden, egal wie alt sie sind.“

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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