30. Dezember 2025

Filmkritik: “Nomadland”

“Nomadland”: was für ein toller Film über Freiheit – eine Rezension

Fern (Frances McDormand) fühlt sich nur frei, wenn sie mit ihrem weißen Van quer durch die USA fährt. Durch die karge Wüste und naturgewaltigen Nationalparks, entlang der felsigen Küste mit den tosenden Wellen.

„Vanguard“ hat Fern ihren treuen Gefährten mit den Rostflecken genannt. Mit ihm kommt sie nicht nur von einem Gelegenheitsjob zum nächsten. „Vanguard“ ist auch ihr Zuhause. In ihm schläft sie bei Eiseskälte, erledigt in einem Eimer ihre größeren und kleineren Bedürfnisse und hat in den Schränken ihre wichtigsten Andenken verstaut.

Fern ist eine moderne Nomadin und steht im Mittelpunkt von „Nomadland“, einem wunderschönen und eindrucksvollen Film.

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26. Dezember 2025

Serienkritik: “Emily in Paris”

„Emily in Paris“: Die fünfte Staffel ist eine große Enttäuschung!

Franzosen und Französinnen, die erst nach 10 Uhr zu arbeiten beginnen, mittags schon Weißwein trinken und konsequent Englisch boykottieren: „Emily in Paris“ bedient Klischees nicht nur, die Netflix-Serie zelebriert sie regelrecht. Auch die Bilder aus der französischen Hauptstadt wirken, als hätte jemand einen quietschbunten Instagram-Filter darübergelegt. Paris leuchtet, blüht und erscheint wie eine märchenhafte Version seiner selbst. Die raue Realität? Fehlanzeige.

Zu viel Kitsch halte ich normalerweise nur schwer aus. Bei „Emily in Paris“ ging es mir – überraschenderweise – anders. Bereits die erste Folge zog mich wie ein Hurrikan in diese bonbonfarbene Bubblegum-Welt hinein.

Doch wie so oft bei Serien, die vor allem von Oberfläche leben, nutzte sich auch hier der Effekt schnell ab. Was anfangs noch leicht, verspielt und charmant wirkte, verlor mit jeder weiteren Staffel an Substanz. In der dritten Staffel und der erste Hälfte der vierten ließ die Spannung bereits spürbar nach – die Geschichten wiederholten sich, die Konflikte wirkten zunehmend konstruiert.

In den letzten fünf Folgen der vierten Staffel keimte mit Marcello kurz Hoffnung auf: Neue Gesichter und neue Schauplätze brachten Bewegung in Emilys Leben. Das endlose Drama um Gabriel und Camille trat endlich etwas in den Hintergrund. Umso größer ist nun die Enttäuschung über die fünfte Staffel. Bereits ab der zweiten Folge kämpfte ich mit dem flachen Spannungsbogen und den schwachen, lieblos erzählten Geschichten. Vieles davon ist schlicht langweilig. Doch dazu später mehr.

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18. Dezember 2025

Serienkritik: “Weihnachten zu Hause”

Es ist kaum zu glauben: Die dritte Staffel von „Weihnachten zu Hause“ ist perfekt geworden

Meine Angst war in den vergangenen Wochen so groß, dass die dritte Staffel von “Weihnachten zu Hause” auf Netflix eine riesige Enttäuschung sein könnte. Nach dem perfekten Ende der zweiten Staffel mit Johanne und Jonas konnte ich mir nicht vorstellen, dass der Zauber der norwegischen Serie erhalten bleiben kann. Vor allem, da der Trailer bereits verrät, dass sie sich getrennt haben. Ich befürchtete, dass es eine schwache Neuauflage der ersten acht Folgen wird – Johanne datet wieder, alles auf Anfang, alles schon mal gesehen.

Aber nein! Die neuesten acht Folgen von „Weihnachten zu Hause“ sind großartig geworden. Das Wiedersehen mit Johanne ist einfach nur eine Wohltat. Den Macher*innen der Serie ist es gelungen, die Geschichte spannend und mit Tiefgang weiterzuerzählen. Es hakt an keiner Stelle. Dazu später noch mehr.

Was für ein Glück. Schließlich schaue ich die Serie in der Adventszeit bereits seit fünf Jahren immer wieder. Sie ist zu meinem Weihnachtsritual geworden, weil sie auf so wunderbare Weise eine zeitgemäße Liebesgeschichte erzählt – mit viel Herz, Humor, aber ohne Kitsch.

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1. November 2025

Kritik: “Nobody wants this”

Kritik der Netflix-Serie “Nobody wants this”: Die zweite Staffel ist enttäuschend

Es ist am Ende der sechsten Folge der ersten Staffel, als ich denke: Wow, „Nobody wants this“ hat etwas Außergewöhnliches geschafft. Endlich gibt es mal einen Mann, der empathisch ist, der sein Gegenüber wirklich wahrnimmt und deshalb in einer schwierigen Situation nicht toxisch, sondern genau richtig handelt. 

Denn Noah (Adam Brody) läuft nicht weg, als Joanne (Kristen Bell) wieder einmal Beziehungsangst hat. Er erkennt, warum sie verbal um sich schlägt, spricht es konkret an, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dadurch realisiert Joanne selbst ihr destruktives Muster, ein Knoten platzt. Sie trennen sich nicht, sondern sind in ihrer Beziehung einen Schritt weiter. 

Was so selbstverständlich klingt, wurde in vielen großen Produktionen oft anders gelöst: Die hysterische Frau verhält sich irrational, dem Mann wird es zu viel. „Nobody wants this“ bricht damit, zeigt, warum Menschen unsicher und ängstlich sind – und bietet Lösungen. Der Netflix-Produktion gelingt damit ein Kunststück: So funktioniert eine mental gesunde Beziehung.  Um es vielleicht ein wenig zu überspitzen: Hätte es diese Serie 15 Jahre früher gegeben, hätten sich vermutlich einige Menschen in meinem engeren und weiteren Freundeskreis schmerzhafte Dating-Erfahrungen erspart – mich eingeschlossen.

Nun ist endlich die zweite Staffel erschienen. Von ihr bin ich leider ein wenig enttäuscht. Die neuen Folgen sind zwar wieder sehr kurzweilig geworden ­­- aber die Geschichte um Noah und Joanne stagniert. Das Ende der zweiten Staffel ist dem Finale der ersten Staffel sehr ähnlich. Schade. Aber dazu später mehr.

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12. Oktober 2025

Kritik: „Alphamännchen“ auf Netflix

Kritik: „Alphamännchen“ auf Netflix: das Niveau einer Topfpflanze

Es fühlte sich an manchen Stellen wie bei einem Unfall an. Obwohl ich am liebsten weggesehen hätte, blieb ich dran, weil ich wissen wollte, ob die Netflix-Serie „Alphamännchen“ ihrem Publikum vielleicht doch noch klarmachen kann, wie wichtig Gleichberechtigung ist. Doch selbst das Ende der ersten Staffel überzeugte mich nicht, sondern ließ mich eher ratlos zurück.

Warum? Für mich ist die Netflix-Serie eine Aneinanderreihung von schlechten Witzen und unrealistischen Zufällen ohne tiefere Botschaft. Das ist schade, denn die Besetzung ist toll und die Produktion erinnert an hochwertigere deutsche Kinofilme. Leider orientiert sie sich am inhaltlichen Niveau der Werke von Matthias Schweighöfer und Co – auch hier frage ich mich immer wieder, warum so viele Menschen davon begeistert sind. Fäkalwitze, schlechte Sexszenen, plumpe Klischees – ist das wirklich lustig?

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28. September 2025

Serienkritik: „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“

Rezension der Netflix-Serie: „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“: unterhaltsame Serie übers Dating mit kleinen Schwächen

Es ist wirklich verflixt: Amanda (Carla Sehn) ist seit zwölf Jahren Single und hatte seit drei Jahren keinen Sex mehr. Dass sie frustriert ist, ist absolut verständlich. Zwar hat sie viele langjährige Freundinnen und eine enge Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester Adina (Moah Madsen). Doch Letztere ist in einer glücklichen Beziehung mit Filip (Isac Calmroth) – Amanda versetzt es immer wieder einen Stich, wenn sie deren Glück sieht.

Amanda gibt nun Vollgas, um endlich einen Freund zu finden. Dass das nicht geradlinig verlaufen wird, verrät bereits der Titel der schwedischen Netflix-Serie „Halb Malmö hat mit mir Schluss gemacht“. Ich habe die sieben Folgen innerhalb kürzester Zeit geschaut, weil sie unterhaltsam und die Geschichten sehr realistisch sind – auch wenn es kleine Schwächen gibt. Dazu später mehr. Im Englischen heißt die Serie übrigens „Diary of a Ditched Girl“.

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2. September 2025

Rezension: „Daisy Jones & The Six“ von Taylor Jenkins Reid

„Daisy Jones & The Six“ von Taylor Jenkins Reid

Kritik zu „Daisy Jones & The Six“: als Buch und Serie ein großes Vergnügen

Selten bringen mich Bücher dazu, bei Spotify ständig Musik anzuhören. Beim Lesen von „Daisy Jones & The Six“ ist mir genau das jedoch passiert. Die Autorin Taylor Jenkins Reid hat sich für ihren Roman nämlich von der Geschichte der Band „Fleetwood Mac“ inspirieren lassen. Das verrät bereits der Klappentext. Da ich mich damit bisher noch nicht beschäftigt hatte, begann ich Songs der Band anzuhören ­­- einige kannte ich, andere waren mir neu.

Aber nicht nur das: Da es seit zwei Jahren eine gleichnamige Serie auf Amazon Prime gibt, entstand zu den Songs aus dem Buch tatsächlich ein kompletter Soundtrack. So konnte ich hören, wie die Lieder klingen, die Daisy und ihr Bandkollege Billy im Buch in harter Arbeit erschaffen haben. Das fand ich richtig toll.

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15. Juli 2025

Serienkritik: „Too Much“ auf Netflix

„Too Much“: Die neue Serie von Lena Dunham ist der Kracher!

Hach, meine Freude war riesig, als ich vor wenigen Monaten las, dass Lena Dunham mit ihrem Ehemann Luis Felber eine neue Serie für Netflix produziert hat. Erst vor einem Jahr habe ich mir ihren großen Erfolg „Girls“ nochmals angeschaut – und tauchte wieder so tief in die Welt von Hannah, Marnie, Jessa und Shoshanna ein. Auch wenn die Serie unter anderem für fehlende Diversität kritisiert wurde: Ich liebe „Girls“ über alles. Es war damals eine der ersten Serien, die nicht fernab meiner eigenen Lebenswelt war und bei der ich so viele Geschichten mitfühlen konnte.

Nun ist seit 10. Juli endlich „Too Much“ auf Netflix verfügbar. Ich habe mir den Erscheinungstag sogar im Kalender markiert. So neugierig und voller Vorfreude war ich. Vor allem, als ich entdeckte, dass die Hauptrollen der wunderbare Will Sharpe und die bezaubernde Megan Stalter haben. Will Sharpe ist mir bereits in der zweiten Staffel von „The White Lotus“ aufgefallen. Über Megan Stalter musste ich schon so oft in „Hacks“ lachen. Was für eine ungewöhnliche und großartige Kombination, dachte ich.

Eins vorweg: „Too Much“ hat all meine Erwartungen erfüllt. Ich bin so begeistert von dieser zeitgemäßen, sensiblen, klugen und witzigen Serie. „Too Much“ ist keineswegs so catchy wie etwa „Nobody wants this“. Sondern sie ist edgy und passt deshalb perfekt nach London, wo die Handlung zum größten Teil spielt. Außerdem ist die Botschaft so wunderbar: Es ist mehr als okay, zu viel zu sein. Es macht einen Menschen nur noch liebenswürdiger. Und Frauen sind keine Konkurrentinnen, sondern können sich gegenseitig verbünden – und dadurch noch stärker werden.  

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10. Juni 2025

Netflix-Serie: “Ginny & Georgia”

Kritik von „Ginny & Georgia“: kaputter als die “Gilmore Girls” – Staffel 3 ist ein wilder Ritt

„Wir sind wie die Gilmore Girls, nur mit größeren Brüsten“, sagt Georgia (Brianne Howey) in der ersten Folge von „Ginny & Georgia“ zu ihrer Tochter Ginny (Antonia Gentry). Für mich ist das nicht der einzige Unterschied: Sie sind rauer, kaputter und dadurch so viel interessanter als Lorelai und Rory.

Obwohl ich mich inzwischen mit den „Gilmore Girls“ angefreundet habe, ist das Leben in der Kleinstadt Stars Hollow ein Wellness-Programm im Vergleich zu dem von Ginny und Georgia in Wellsbury. Mord, Depressionen und dunkle Geheimnisse: Die Charaktere sind facettenreich und unvergleichlich, die Handlung ist spannend. Nachdem die zweite Staffel mit einem Knall endete, hat mich die dritte Staffel nun erneut mitgerissen – auch wenn es wirklich ein wilder Ritt ist, vor allem die Folgen fünf und sechs.

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24. Mai 2025

Kritik der norwegischen Serie „Pörni“ auf Netflix

Serienkritik „Pörni“: Eine alleinerziehende Mutter bricht in Norwegen alle Rekorde

Ein Straßenfeger in Norwegen: Als die erste Staffel von „Pørni“ 2021 auf einem skandinavischen Streaming-Anbieter veröffentlicht wurde, avancierte sie innerhalb kürzester Zeit zur meistgesehenen Serie dort. Außerdem bekam sie zahlreiche Preise. Die Kritiker*innen überschlugen sich mit Lob.

Inzwischen gibt es alle fünf Staffeln der Serie um die Sozialarbeiterin und alleinerziehende Mutter Pernilla, kurz Pørni, auf Netflix. Da ich bekanntlich skandinavische Serien liebe, habe ich sie mir natürlich angeschaut.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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