18. Juli 2013

Flimmerkasten: “Gloria”

Filmstart: 8. August

Es ist die Sehnsucht nach Zuneigung und Nähe, die Gloria umtreibt. Gleich zu Beginn schwirrt sie in einem Tanzlokal umher, flirtet heftig, sucht nach einem passenden Mann. Ein eher kompliziertes Unterfangen. Ende 50 ist sie, ihre Ehe gescheitert, ihre Kinder sind groß. Nur eine sehr hässliche Nacktkatze kommt regelmäßig bei ihr vorbei und sucht ihre Gesellschaft. Das ist alles. Mehr passiert in diesem Film eigentlich nicht. Irgendwie wurde bei „Gloria“ völlig die Story vergessen.

Hochgelobt wurde der Film bei der Berlinale, Paulina Garcia (Gloria) bekam den silbernen Bären. Und in der Tat, sie spielt auch fabelhaft. Nur der Rest, naja. Vielleicht bin ich auch ein völliger Kulturbanause, unsensibel und versteh überhaupt gar nicht, was der Regisseur (in diesem Falle Sebastián Lelio) mir mit diesem Film sagen möchte. Aber ich sehe nur eine gewöhnliche Frau, die sich durch das Leben hangelt – wie es so viele andere auch tun. Da muss ich mich nur in meiner eigenen Lebenswelt umschauen, da gibt es kleinere und größere Katastrophen genug. Und dass der demografische Wandel immer mehr Einzug in die Filmwelt erhält, nun ja, das kann ganz unterhaltsam sein („Und wenn wir alle zusammenziehen“). In diesem Fall ist es aber nur schrecklich eintönig. Einzige Ausnahmen: Glorias wunderbare Brillen, von denen ich liebend gerne welche hätte. Und die Art, wie sie während des Autofahrens lateinamerikanische Schlager trällert. Das ist schräg und schön zugleich.

Ansonsten habe ich mich leider bereits nach 15 Minuten schrecklich gelangweilt. Kurz wachgerüttelt wurde ich, als die doch sehr detailreichen Bettszenen mit einem älteren Herrn gezeigt wurden. Der ein oder andere jüngere Mann im Kinosaal fühlte sich dadurch wohl sehr bedrängt. „Nein, bitte nicht“ oder „Muss das denn sein?!“ war des Öfteren um mich herum zu hören. Schlimm fand ich die Szenen nicht, eher realistisch. Es macht doch wirklich nichts, wenn auch im Kino mal Körper zu sehen sind, die nicht den völlig übertriebenen Schönheitsvorstellungen entsprechen.

Gleichwohl: Ich kann nur sehr davon abraten, in diesen Kinofilm zu gehen (zumindest wenn man unter 50 Jahre alt ist). Lieber warten, bis er mal im Fernsehen kommt. Hoffentlich dann nur nicht zu spät. Einen besseren Einschlaffilm sah ich selten.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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