9. Oktober 2017

Flimmerkasten: “Körper und Seele”

Die Welt steht still

Es ist der Moment, in dem Mária (Alexandra Borbély) in ihrer Wohnung auf die Taste des CD-Players drückt, die Stimme von Sängerin Laura Marling erklingt und die Kamera langsam durch das Zimmer wandert, an einer ausgefallenen roten Deckenleuchte hängen bleibt, verharrt. In diesem Moment bleibt für mich die Welt kurz still stehen: die Musik, die Bilder, die Stimmung, ich bin verzaubert, der Film “Körper und Seele” zieht mich komplett in seinen Bann. Weiterlesen »

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2. August 2015

Flimmerkasten: “Taxi Teheran”

Goldener Bär für Taxi Teheran

Die zwölfjährige Hana quasselt ohne Unterbrechung. Sie soll für die Schule einen Film drehen. Aber ganz schön viele Regeln gibt es zu beachten: Mann und Frau dürfen sich nicht berühren. Die Guten dürfen keine Krawatten tragen und das Thema sollte weder politischer noch wirtschaftlicher Natur sein. Hana erzählt dies dem iranischen Regisseur Jafar Panahi. Er ist ihr Onkel und holt sie an diesem Tag mit einem alten Taxi von der Schule ab. „Mit so einer Schrottkarre kommst du mich abholen? Ich hab allen in der Schule erzählt, dass mein Onkel Regisseur ist, und dann kommst du mit so was hier an?“, echauffiert sie sich mit ihrer hohen Mädchenstimme. Jafar Panahi bleibt gelassen und fährt los.

Hana ist nur eine von mehreren Fahrgästen, die an diesem Tag in seinem Taxi Platz nehmen. Wie ein Dokumentarfilm kommt „Taxi Teheran“ daher – ist es aber nicht. Jafar Panahi hat ein  wunderbares Werk geschaffen, das einen Einblick in das derzeitige Leben in Irans Hauptstadt gibt – intelligent, nachdenklich und an vielen Stellen außerordentlich komisch. Verdient hat er bereits den Goldenen Bären gewonnen. Da er offiziell aber 20 Jahre Berufsverbot hat und sich kaum in der Öffentlichkeit zeigt, kam Hana in Berlin auf die Bühne und nahm den Preis entgegen.  Weiterlesen »

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25. November 2014

Flimmerkasten: “Einer nach dem anderen”

Blutbad im weißen Schnee
Er packt die Leichen in Hühnerdraht und schmeißt sie den Wasserfall hinunter – eine nach der anderen. Nils schwört Rache, nachdem Ganoven von der Mafia seinen Sohn töteten. Er beginnt die Verantwortlichen zu eliminieren, arbeitet sich dabei vom Handlanger zum Boss hoch. Mal erwürgt er sie, mal erschießt er sie. Rot vs. Weiß: Blut fließt reichlich in der schneebedeckten Landschaft Norwegens. „Einer nach dem anderen“ ist eine bitterböse skandinavische Komödie, die voll subtilem und groteskem Humor ist. Ganz im Stil von „Adams Äpfel“. Weiterlesen »

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18. Juli 2013

Flimmerkasten: “Gloria”

Filmstart: 8. August

Es ist die Sehnsucht nach Zuneigung und Nähe, die Gloria umtreibt. Gleich zu Beginn schwirrt sie in einem Tanzlokal umher, flirtet heftig, sucht nach einem passenden Mann. Ein eher kompliziertes Unterfangen. Ende 50 ist sie, ihre Ehe gescheitert, ihre Kinder sind groß. Nur eine sehr hässliche Nacktkatze kommt regelmäßig bei ihr vorbei und sucht ihre Gesellschaft. Das ist alles. Mehr passiert in diesem Film eigentlich nicht. Irgendwie wurde bei „Gloria“ völlig die Story vergessen.

Hochgelobt wurde der Film bei der Berlinale, Paulina Garcia (Gloria) bekam den silbernen Bären. Und in der Tat, sie spielt auch fabelhaft. Nur der Rest, naja. Vielleicht bin ich auch ein völliger Kulturbanause, unsensibel und versteh überhaupt gar nicht, was der Regisseur (in diesem Falle Sebastián Lelio) mir mit diesem Film sagen möchte. Aber ich sehe nur eine gewöhnliche Frau, die sich durch das Leben hangelt – wie es so viele andere auch tun. Da muss ich mich nur in meiner eigenen Lebenswelt umschauen, da gibt es kleinere und größere Katastrophen genug. Und dass der demografische Wandel immer mehr Einzug in die Filmwelt erhält, nun ja, das kann ganz unterhaltsam sein („Und wenn wir alle zusammenziehen“). In diesem Fall ist es aber nur schrecklich eintönig. Einzige Ausnahmen: Glorias wunderbare Brillen, von denen ich liebend gerne welche hätte. Und die Art, wie sie während des Autofahrens lateinamerikanische Schlager trällert. Das ist schräg und schön zugleich.

Ansonsten habe ich mich leider bereits nach 15 Minuten schrecklich gelangweilt. Kurz wachgerüttelt wurde ich, als die doch sehr detailreichen Bettszenen mit einem älteren Herrn gezeigt wurden. Der ein oder andere jüngere Mann im Kinosaal fühlte sich dadurch wohl sehr bedrängt. „Nein, bitte nicht“ oder „Muss das denn sein?!“ war des Öfteren um mich herum zu hören. Schlimm fand ich die Szenen nicht, eher realistisch. Es macht doch wirklich nichts, wenn auch im Kino mal Körper zu sehen sind, die nicht den völlig übertriebenen Schönheitsvorstellungen entsprechen.

Gleichwohl: Ich kann nur sehr davon abraten, in diesen Kinofilm zu gehen (zumindest wenn man unter 50 Jahre alt ist). Lieber warten, bis er mal im Fernsehen kommt. Hoffentlich dann nur nicht zu spät. Einen besseren Einschlaffilm sah ich selten.

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24. April 2013

Flimmerkasten/Heimat: “Ein Abend mit The Broken Circle”

Puuh. Selten hat mich ein Abend in der Schauburg so sprachlos gemacht wie der heutige. Der Grund: Die Vorpremiere von “The Broken Circle”. Bewegende Bilder, überzeugende Akteure, wunderbare Musik. Es war ein schrecklich emotionaler und erfüllender Abend. Das Besondere: Die Schauspieler waren vor Ort, beantworteten nach der Vorstellung Fragen, die Blue Grass Band  spielte auf der Bühne die Songs vom Soundtrack.

“The Broken Circle” ist ein unendlich trauriger Film. So wie mich “My Girl” mit acht Jahren im Kino völlig aus der Bahn warf, ging es mir heute mit dem Drama von Regisseur Felix van Groeningen. Von ihm sah ich bereits “Die Beschissenheit der Dinge” und hatte eine Menge Spaß. Heute das Kontrastprogramm.

Der Blue Grass-Musiker Didier (Johan Heldenbergh) und Tattoo-Künstlerin Elise (Veerle Baetens) lernen sich in ihrem Studio kennen, verlieben sich sofort. Sie sind unendlich glücklich, genießen das Leben. Elise wird schwanger, Maybelle kommt auf die Welt.  Alles scheint perfekt. Bis Maybelle mit sieben Jahren an Krebs erkrankt. Es ist eine harte Belastungsprobe, vom größten Glück zum schlimmsten Schmerz.

“The Broken Circle” ist eigentlich ein Theaterstück, das Hauptdarsteller Johan Heldenbergh schrieb und das in Belgien aufgeführt wurde. Mehrere Monate verbrachte Felix van Groeningen damit, ein Drehbuch aus der Vorlage zu basteln.  Die Struktur wurde ausgelöst, die Handlung ist nicht linear. Zeitlich gibt es zahlreiche Sprünge. Verwirrung entsteht dabei keine. Im Gegenteil. Spannung wird aufgebaut. Der Zuschauer erhält Pausen  – zum Durchatmen. Diese sind dringend notwendig, denn nicht nur ein Mal hatte ich das Gefühl, das Geschehen nicht mehr aushalten, nicht mehr ertragen zu können.

Heldenbergh erklärte am heutigen Abend in Karlsruhe, dass er eine traurige Geschichte schreiben wollte. Seine kritische Haltung zur Religion spielt eine große Rolle. Die “weißen Gospels” sind ein gegenläufiger Aspekt. Didier ist Atheist, Elise religiös. Beide gehen sie mit ihrem Schmerz und ihrer Ohnmacht über das, was geschieht, unterschiedlich um. Auch die ethische Diskussion um die embryonale Stammzellenforschung nimmt Raum ein. Es ist ein facettenreicher Film, so nah dran am Leben.

“The Broken Circle” gewann bei der Berlinale den Zuschauerpreis. Es ist kein Film, der das Leben beschönigt. Vielmehr zeigt er auch die grausamen Seiten. Das ist keine leichte Unterhaltung, sondern weit weg vom Popcorn-Kino. Aber Felix van Groeningen schafft es immer wieder, mit tollen Bildern, tragi-komischen Dialogen und einfühlsamer Musik für ein wenig Erholung zu sorgen.  “Es war so schön, aber das Leben ist nicht großzügig”, meint Elise. “The Broken Circle” wird mich wohl noch lange verfolgen. Ein Film, der zu Tränen rührt und ganz nah geht.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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