6. Juni 2016

Heimat: „Ein Abend bei Miad“

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Das ist Miad. (Foto: Sebastian Heck)

Versteckte Bar in der Waldstraße

Ein Blaulicht kündigt Miad mein Kommen an. Kaum habe ich auf den Klingelknopf an der Eingangstür der versteckten Bar gedrückt, blinkt es wild im Innenraum. Es dauert wenige Sekunden, dann öffnet der Barchef mir die verspiegelte Tür, grinst mich an und sagt: „Herzlich Willkommen!“.

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Klein, aber fein!

Seit September 2015 führt der 29-Jährige mit seinem Geschäftspartner Benjamin die schlauchförmige Bar in der Waldstraße 30. Wände, Möbel, Theke: Alles ist in Schwarz gehalten. Hip-Hop tönt aus den Lautsprechern, der Zigarettenrauch schwebt fein durch den Raum. Wer von der Miad-Bar nichts weiß, findet sie auch nicht. Kein Hinweis-Schild von außen, keine Werbung, nur Mund-zu-Mund-Propaganda. „Wir orientieren uns am Amerika der 1920er“, erzählt Miad. Zu Zeiten der Prohibition, also des Alkoholverbots, gab es dort solche versteckte Bars zuhauf. „Wir fanden dieses Konzept spannend“, erklärt der Barchef. Statt Masse soll es Klasse sein. So haben in der Bar nur 35 Personen Platz – danach ist Schluss. Erst wenn jemand geht, darf dann ein anderer rein.

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Vorteil: Spiegelfolie

Miad selektiert genau. Er möchte keine Poser und Blender sowie Gruppen, die größer als vier Personen sind. Durch die Spiegelfolie an der Tür kann er jeden Gast kurz mustern, bevor er die Tür öffnet. „Es geht bei der Auswahl aber nicht um Kleidung und Kreditkarten, sondern um Höflichkeit und um Stil“, betont er.

Kurzer Ausflug ins Finanzamt

Die Gastronomie ist Miads Leidenschaft. Er arbeitete bereits zu Schulzeiten in einem Club in Kuppenheim, dann kümmerte er sich während seines Studiums um die Bar im Oxford Cafe. „Ich probierte es außerdem zunächst mit einer soliden Karriere als Beamter im Finanzamt“, erinnert er sich. Es war ein kurzer Ausflug. „Mein Platz ist definitiv hinter der Bar.“

Erlebnis-Gastronomie

Gewöhnliche Drinks gibt es in der Miad Bar nicht, eine Karte sucht man vergebens. „Wir reden mit den Gästen und mixen ihnen dann die Drinks, die ihren Vorlieben entsprechen.“ Konkret: Mag jemand Whiskey, Rum oder Gin? Orangen, Zitronen oder Himbeeren? Darf es Thymian oder Rosmarin sein? Miad und sein Team hören genau hin und machen sich dann an die Arbeit.

Qualität!

Der günstigste Drink kostet elf Euro, nach oben ist alles offen. „Wir setzen auf Qualität“, betont Miad. Die Beeren und Kräuter sind von lokalen Händlern, die Spirituosen sorgfältig ausgewählt. 200 verschiedene Flaschen reihen sich so im mehrstöckigen Regal nebeneinander.

Konzept geht auf

Dass sich ein Besuch in der Miad Bar lohnt, hat sich herumgesprochen, auch ohne aggressive Werbung. Besonders am Wochenende ist es schwierig, überhaupt hineinzukommen. „Wir freuen uns sehr darüber, dass unser Konzept aufgeht“, sagt Miad, lächelt zufrieden und stellt mir einen Drink hin. Einen Boulevardier Sour. Es ist ein schöner Abend.

Miad öffnet seine Bar von Montag bis Samstag um 20 Uhr. 

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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