18. August 2018

Kurioses: “JGA”

Ist denn schon Fasching?

Es war an einem heißen Sommerabend mitten in der Stadt, kurz vor Mitternacht. Ich saß mit einer Freundin vor einer Bar, wir plauderten, nippten an unserem kühlen Getränk, als eine Gruppe mit quirligen Damen an uns vorbeizog. Ich sah zunächst nur kurz hin, dann aber nochmals. Die Irritation war groß. Jede Einzelne hatte einen Fascinator auf dem Kopf, also so ein komisches Schmuck-Ding, was ich normalerweise nur im Fernsehen sehe, wenn Nachrichten aus dem britischen Königshaus auf dem Bildschirm flimmern oder ich auf Hochzeiten rumschwirre, bei denen der Dresscode „très chic“ lautet.

Meine Irritation verstärkte sich, als mein Blick an den Damen von oben nach unten wanderte – und ich sah, dass ihre restlichen Outfits völlig konträr zu den scheinbar edlen Kopfverzierungen waren. Sehr kurze und enge Shorts, gewöhnliche Shirts, Sektflaschen in der Hand und naja, die Frisuren waren auch schon ein wenig aus der Form geraten. Ich stupste meine Freundin an und fragte: „Was ist denn da los? Ist denn schon Fasching?” Sie sah zu der Gruppe, schüttelte den Kopf und sagte nur: „Junggesellinnenabschied.“

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1. August 2018

Heimat: “Heimweh”

Mit voller Wucht!

Das Gefühl kam plötzlich und unvermittelt. Als ich in der Fußgängerzone in Reykjavik stand, Regentropfen wie graue Bindfäden vom Himmel fielen, Touristen hektisch in die Souvenierläden stürmten, da kreuzte dieses kleine Mädchen meinen Blick. Ein neonpinkes Zopfgummi bändigte ihre langen blonden Haare, ein Schriftzug zierte ihr T-Shirt: „Home is where your bed is“. Als ich sie sah, das Wort „home“ las, da packte mich unvorhergesehen und mit aller Wucht das Heimweh – ein Gefühl, das ich in solch einer Intensität noch nie erlebt hatte.

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17. Juli 2018

Heimat: “Ein Morgen mit Thomas Georg Blank und Jonas Müller-Ahlheim im ,ßpatz'”

Das sind Jonas und Thomas (von links). Dominic hatte leider keine Zeit.

Ausstellungen mitten in einer WG in der Südstadt

Es ist stockdunkel in dem WG-Zimmer. Das einzige Fenster ist verdeckt von einer Holzplatte. Putz ist außerdem darüber gespachtelt und lässt selbst dem kleinsten Funken Tageslicht keine Chance mehr.

Es sind die besten Rahmenbedingungen für die Videoskulptur „Aeolian Processes” von Emre Hüner. Als Thomas Georg Blank den Beamer einschaltet, wandert meine komplette Aufmerksamkeit zu den zwei Screens, die scheinbar im Raum schweben und auf denen nun Emre Hüners zehn- und sechsminütige Filme laufen, die sich mit den Umwälzungen der Welt über Jahrhunderte hinweg beschäftigen – manifestiert in Gegenständen aus Stein, Keramik oder Plastik.

Noch bis zum 22. Juli sind die Arbeiten des türkischen Künstlers in dem Zimmer in der Augartenstraße 47 in der Karlsruhe Südstadt zu sehen. „ßpatz“ haben Thomas Georg Blank, Jonas Müller-Ahlheim und Dominic Scharfenberg ihren wandelbaren Projektraum genannt.

Credit: ßpatz/Thomas Georg Blank

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12. Juli 2018

Heimat: “Ein Nachmittag mit den Werken von Sean Scully in der Kunsthalle Karlsruhe”

© Liliane Tomasko

Streifen, vertikal und horizontal, in leuchtenden Farben!

Minen treiben im Wasser, das Schiff kommt vom Kurs ab. Als Sean Scully im Alter von vier Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit seiner Familie von Irland nach England übersiedelt, drohte große Gefahr. Tief haben sich diese stürmischen Erinnerungen in seinem Kopf festgesetzt – in seiner Reihe „Passenger“ hat er sie verarbeitet.

Das Besondere: Jedes einzelne Gemälde der „Passenger“-Reihe hat ein Inset. Das heißt, ein kleines Bild ist in ein größeres integriert, ja, noch mehr: geborgen. Es ist eine Anlehnung, wie ihn seine Mutter damals als „precious“, als kostbare Fracht, auf dem Schiff beschützte.

Passenger Night

Ein Bild aus der Serie, „Passenger Night“, ist noch bis zum 5. August anlässlich der Ausstellung „Vita Duplex“ in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen – sowie weitere etwa 130 Arbeiten des Künstlers. Darunter Öl- und Acrylgemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, Skizzenbücher und Fotografien.

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29. Juni 2018

Melodien: “Ein Abend mit Luis Ake und Luca Morte”

 

Ein Song zur WM!

Club Mate. Luca weiß genau, was Luis in diesen Tagen dringend braucht. Luis studiert Grafikdesign an der Hochschule für Gestaltung und ist im Vordiplom-Stress, zahlreiche schlaflose Nächte hat er vor und hinter sich. Trotzdem fand er nun Zeit, in die Fettschmelze zu kommen, um dort gemeinsam mit Luca über den Song zu reden, den sie zur Fussball-Weltmeisterschaft aufgenommen haben.

“Komm spiel den Laufpass zu mir”, heißt ihr Meisterwerk. Ein Song über Liebe, Leidenschaft und Brüderlichkeit, über die ganz großen Themen des Lebens also, eingebettet in treibende Beats. Luca stellt Luis das prickelnde Erfrischungsgetränk hin, dieser nickt dankend, ihr Verständnis untereinander braucht keine Worte. Okay. Das Interview mit mir kann nun losgehen.*

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21. Juni 2018

Heimat: “Ein Abend mit Tim und Michi in der ,Bar Luka'”

Das sind Michi und Tim (von links).

Eine Bar für drei Monate

Eine feine Schicht aus weißem Babypuder bedeckt den dunklen Boden, als ich die “Bar Luka” zum ersten Mal betrete – eine hauchdünne Erinnerung an die einzige Veranstaltung, die die frühere Espresso- und Zigarren-Bar „Leonardo“ im Dezember 2016 nochmals kurz belebte.

Schon seit vier Jahren knattern in der Zähringerstraße 96 keine Kaffeemaschinen mehr, der feine Duft nach gerösteten Arabica-Bohnen und Tabak ist verschwunden. Stattdessen nutzte das Gartenbauamt den Keller, um dort seine Akten zu lagern. Außerdem fanden Sonnenschirme und Weihnachtsbäume vorübergehend ein Zuhause.

Nun kehrt endlich wieder Leben ein, für drei Monate eröffnen Tim Strüver und Michael Kröck die temporär existierende „Bar Luka“ – mit einem innovativen Konzept, außergewöhnlichen Drinks und DJs.

„Wir möchten die Karlsruher Ausgehkultur mit unserem Angebot bereichern“, sagt Tim. Ihre Maxime: Nicht nur lamentieren, dass etwas in der Fächerstadt fehlt und Langeweile herrscht, sondern aktiv den Ist-Zustand verändern. Ende Januar 2018 begannen die Gespräche mit der Fächer GmbH, im April stand der Vertrag. Die offizielle Eröffnung der “Bar Luka” ist nun am Freitag, 29. und Samstag, 30. Juni.

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14. Juni 2018

Heimat: “Ein Abend mit Anton, Elias und Georg von Pøbelbräu”

Craftbier-Labor auf dem Hedwigshof

Inmitten beschaulichster Idylle, zwischen Feldern, Wiesen, Eseln, Hühnern und Schweinen, liegt das Labor von Pøbelbräu – versteckt in einer Garage auf dem Hedwigshof in Ettlingen. “Hereinspaziert”, sagt Anton Hoffmann zu mir, als ich an diesem sommerlichen Sonntagabend im Herzen der neuen Craftbier-Marke vorbeischaue.

Anton drückt das weiße Rolltor mit Schwung komplett nach oben und eine vollständige Mini-Brauerei kommt zum Vorschein: Silbern funkelnde Kessel, längere und kürzere Schläuche, eine große Spüle und ein brauner Holzlagerschrank, in dem Säcke voller Hopfen und Tüten mit Malz verstaut sind. Außerdem stapeln sich dort Bierkästen, in denen die grünen Flaschen mit dem Pøbelbräu-Logo stecken.

Pøbelbräu: Das sind Anton, Georg Schwab und Elias Link. Die drei Ingenieure lernten sich in Karlsruhe bei der Arbeit für ein Solarunternehmen kennen. Im Mai diesen Jahres haben sie nun ihre erste Craftbier-Sorte auf den Markt gebracht: Ein Indian Pale Lager, das es in verschiedenen Karlsruher Kneipen und Restaurants zu trinken gibt. Die Nachfrage ist groß. Bereits in kürzester Zeit wechselten mehrere Hundert Liter die Tresenseite. “Wir sind super glücklich, wie alles angelaufen ist”, sagt Elias.

Das sind Georg, Anton und Elias (von links).

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12. Juni 2018

Heimat: “Fussball-Weltmeisterschaft”

Happiness zum Nulltarif

Als vor vier Jahren die Menschen nach dem Abpfiff des WM-Finales Freudentränen in den Augen hatten, sich Fremde überschwänglich in die Arme fielen und mit ihren Autos wild hupend die ganze Nacht durch die Straßen fuhren, da war Deutschland eine Einheit. Die Fußballnationalmannschaft hatte für kollektives Glück gesorgt – und auch ich saß mit meinen Freunden beim Public Viewing und fand es schön. Happiness zum Nulltarif, quasi.

Nun rückt die WM in Russland immer näher. Bäcker zaubern schwarz-rot-goldene Macarons in ihre Verkaufstheken, es gibt Zahnbürsten in den gleichen Farben und Duschgels in Sondereditions. Doch in diesem Jahr sind meine Gefühle sehr gespalten, meine Vorfreude auf das gemeinsame Schauen in der Öffentlichkeit ist getrübt. Viel ist in den vergangenen Jahren in unserer Gesellschaft passiert – zuviel.

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22. Mai 2018

Heimat: “Ein Abend mit Romy und Lukas in der Fettschmelze”

Das sind Sophia, Simon, Romy und Lukas (von links).

Eine Kantine für die Fettschmelze

Es ist ganz still, als ich an diesem Dienstagabend die Tür zur Fettschmelze öffne, niemand steht hinter der Theke, kein Gast ist zu sehen, keine Musik läuft. Ein ungewohntes Bild. Nur ganz leise höre ich dann ein Gemurmel, folge den leisen Stimmen und entdecke Romy Marquart, Lukas Hechinger, Sophia Schroth und Simon Müller zusammen an einem Tisch im hinteren Bereich. „Wir sind gleich fertig mit unserer Team-Besprechung“, sagt Romy zu mir.

Okay, ich warte.

Kennengelernt habe ich Romy vor einem Jahr, sie kreierte damals gemeinsam mit ihrer Freundin Lisa den außergewöhnlichen Brunch „Slow Sunday“, der zunächst im Pop-up-Store in der Kaiserstraße Premiere feierte und dann in der Fettschmelze den Sommer über eine Fortsetzung fand. Inzwischen ist sie fast jeden Tag in der Fettschmelze anzutreffen. Denn seit einigen Wochen gibt es in der Location auf dem Schlachthof außer Musik und wechselnden Events noch eine feste Konstante: „Die Kantine“ – und Romy ist nun gemeinsam mit Simon für die Geschäftsleitung der Gastronomie und Events verantwortlich. Was steckt genau hinter diesem Essensangebot rund um die Mittagszeit? Das erzählen mir an diesem Abend Romy und Lukas, der Geschäftsführer der Fettschmelze.

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15. Mai 2018

Melodien: “Ein Abend mit den Beginnern”

“Für Dich gibt’s nur noch eins und sonst keins,
und hält jemand nicht Deins für Nummer eins,
siehst du rot wie Heinz und sperrst ihn ein,
quälst ihn mit Simple Minds bis er weint.”

Es war ein Abend im Januar 1999, als mir einer meiner ersten Freunde übers Telefon von den Beginnern und der Mongo-Clikke erzählte. Er rezitierte für mich Songzeilen von seinem neuesten “Lieblingslied”, euphorisch, Satz für Satz. Seine Begeisterung schwappte durch die Leitung, übersprang die zehn Kilometer, die uns trennten und erreichten mich, mit dem großen, olivefarbenen Telefonhörer im Flur der Eltern stehend.

Die Beziehung zerbrach, “Bambule” blieb, schaffte es von der CD auf den iPod und sogar aufs iPhone. Das “Advanced Chemistry”-Konzert der Beginner in der Schwarzwaldhalle Karlsruhe: ein Tribut an die alten Zeiten, Nostalgie gepaart mit Melancholie – und verdammt viel Spaß.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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