13. Juli 2016

Schmöker: “Zeitoun” von Dave Eggers

Zeitoun

Eine brillante literarische Reportage

An manchen Stellen schauderte es mich, an anderen litt ich und am Ende war ich einfach nur erleichtert. „Zeitoun“ ist packend und spannend wie ein Thriller. Aber auch äußerst klug und gibt einen guten Einblick, was nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans los war. Die literarische Reportage rund um einen syrischen Familienvater erzählt von Anarchie gepaart mit Verzweiflung und Mut. Ab der zweiten Hälfte wird es gar so dramatisch, dass ich oft fluchte, dass dies eine wahre Geschichte ist, die Dave Eggers da erzählt. Und keine Fiktion.

Festnahme im überfluteten New Orleans

Ich stieß auf „Zeitoun“ nachdem ich „The Circle“ gelesen hatte. Autor Dave Eggers interessierte mich, also klickte ich mich durchs Netz und stieß dabei auf einen Artikel über Abdulrahman Zeitoun und seine Familie. Der Syrier blieb trotz des Hurricans in New Orleans, um auf das Haus aufzupassen. Nachdem das Wasser die Stadt geflutet hat, fährt er mit einem Kanu durch die Straßen und hilft anderen Menschen. Am 6. September gerät er jedoch völlig grundlos in das Visier von Terrorfahndern – sie nehmen ihn fest und ein Martyrium beginnt.

Aus verschiedenen Perspektiven

Ingesamt drei Jahre hat Dave Eggers mit der Familie zusammengearbeitet, um die Reportage zu veröffentlichen – sie besteht aus fünf Kapiteln und enthält auch Bilder von Abdulrahman, seinen Geschwistern und seinen Kindern. Die Perspektiven wechseln in den einzelnen Kapiteln – beispielsweise bekommt man als Leser auch einen Einblick, wie Ehefrau Kathy das Gesehen erlebt. Sie war vor den Fluten mit den Kindern aus New Orleans zu Familie und Freunden aufgebrochen und muss plötzlich damit klarkommen, dass sich ihr Mann von einem auf den anderen Tag nicht mehr meldet.

Für den guten Zweck

„Zeitoun“ lässt einen Blick zu, in die Willkür der Terrorismusfahnder und in das System. Von Menschenrechten ist in diesem Fall nicht mehr viel übrig. Die Reportage erzählt aber auch, wie die Amerikanerin Kathy zum Islam konvertierte – Dave Eggers lässt Raum dafür, wie die junge Frau die Religion entdeckt, sich von Irrtümern freiliest und freiwillig beginnt, ein Kopftuch zu tragen.

Die Reportage hat mich zutiefst berührt. Sie ist wunderbar geschrieben, klärt auf und tut noch etwas Gutes: Sämtliche Erlöse des Buches gehen an die Zeitoun Foundation. Ihr Zweck ist es, den Wiederaufbau von New Orleans zu unterstützen. Zehn Euro, die sich rundum lohnen.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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