9. Dezember 2018

Schmöker: “Das Café am Rande der Welt” von John Strelecky

Schreiben: Mein Existenz-Zweck!

Es war ein riesiges Glück, dass ich meinen Zweck der Existenz bereits mit 22 Jahren fand. Ich saß eines Abends in einer Straßenbahn. Es war bereits dunkel draußen, schemenhaft rauschten Bäume am Fenster vorbei. Mein Blick wanderte durch den hell erleuchtenden Innenraum des Wagons, blieb an dem Mann hängen, der mir gegenüber saß, Zeitung las. In diesem Moment blitzte plötzlich eine Idee in meinem Kopf auf: Schreiben, das ist das, was ich machen möchte. Ich war mir sicher.

Es war eine absurde Situation, die aber mein komplettes Leben veränderte.

Weiterlesen »
keine Kommentare
26. November 2018

Schmöker: “Die Stunden” von Michael Cunningham

Wunderbar: „Die Stunden“ von Michael Cunningham

Es war ausgerechnet ein Abend mit Netflix, der mich zum Roman „Die Stunden“ von Michael Cunningham brachte. Wahllos hatte ich nach einer unkomplizierten Unterhaltung gesucht und war so auf den Film „The Hours“ gestoßen. 97 Prozent Übereinstimmung mit meinen Interessen, hatte der Streaming-Dienst errechnet. Okay. Der Algorithmus muss es ja wissen. Ich klickte auf Play – ohne eine Ahnung zu haben, was auf mich zukommen wird.

Innerhalb nur weniger Minuten wusste ich bereits: Perfekt, das ist genau meins. Drei Geschichten von drei Frauen, die in unterschiedlichen Jahrzehnten und an unterschiedlichen Orten leben, aber alle über eine Gemeinsamkeit miteinander verbunden sind – über “Mrs Dalloway” von Virgina Woolf. Weiterlesen »

keine Kommentare
6. Oktober 2018

Schmöker: “Unterwegs” von Jack Kerouac

Unterwegs mit Sex, Drugs ’n’ Jazz – ein literarischer Roadtrip

Jack Kerouac hat mich fertig gemacht. In einem berauschenden Tempo sauste ich in “Unterwegs” mit seinem Protagonisten Sal Paradise durch die USA – von Denver nach San Francisco, nach New Orleans oder nach Mexico. Meist per Anhalter, manchmal auch auf Güterzügen oder mit geklauten Autos. Kritzelte immer wieder mit Bleistift die Namen der Personen und Routen ins Buch, um den Überblick zu behalten, machte Knicke in die Seiten mit besonders schönen Sätzen.

Nun halte ich ein Buch in der Hand, das durch diesen Prozess selbst seine Form verändert hat. „Unterwegs“ oder „On the road“ wie es im Original heißt, ist so unendlich voll gepackt mit Poesie und wunderbaren Worten. Es gibt deshalb kaum noch eine Seite in meinem Buch, die in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten blieb.

Weiterlesen »

keine Kommentare
12. August 2018

Schmöker: “Wer die Nachtigall stört” von Harper Lee

Ein wunderbares Buch!

Bereits nach wenigen Sätzen wusste ich: „Wer die Nachtigall stört“ ist ein Buch, das ich über alles lieben werde, das mich bewegen, berühren und mein Denken beeinflussen wird.

Dieses erste Gefühl täuschte mich nicht. Als ich den Klassiker von Harper Lee am Ende zuschlug, saß ich auf meiner Couch und war einfach nur erfüllt von dieser Schönheit, die in Worten, gedruckt auf Papier, zu mir gefunden hatte. Weiterlesen »

keine Kommentare
6. Mai 2018

Karl Ove Knausgård: “Lieben”

Der Zauber des Gewöhnlichen

40 Seiten über einen Kindergeburtstag – ohne dass irgendetwas Außergewöhnliches passiert. Kinder spielen miteinander, Erwachsene unterhalten sich am Tisch: über Immobilienpreise, Rentensysteme, die Arbeit. Es gibt Kichererbsen zu essen, Cola Light zu trinken und am Ende eine Süßigkeitentüte für die kleinen Gäste.

Karl Ove Knausgård treibt gleich zu Beginn von „Lieben“ seine Detailversessenheit ins Unendliche. Eine Dramaturgie? Gibt es nicht, vielmehr erzählt Knausgård vom gewöhnlichen Alltag, von seinen Beobachtungen, die er dabei macht und von seinen Gefühlen. Das macht er aber so gut, dass ich wieder komplett in seine Welt eintauchte – dieses Mal in eine leichtere als bei „Sterben“, dem ersten Band seiner sechsteiligen „Min Kamp“-Serie. Weiterlesen »

keine Kommentare
27. November 2017

Schmöker: “Ein wenig Leben” von Hanya Yanagihara

Eine emotionale Wucht!

Ich hoffte, litt und bangte – und am Ende war ich emotional komplett am Ende. „Ein wenig Leben“ hat mich in einen gewaltigen Gefühlsstrudel gerissen. So sehr, dass ich Autorin Hanya Yanagihara auf einigen Seiten dafür verfluchte, wie sie mir nur solch eine traurige Geschichte zumuten kann.

Aber auf den meisten der knapp 1.000 Seiten war ich ihr zutiefst dankbar, dass sie dieses wunderbare Buch geschrieben hat – einen literarischen Orkan, der zwar erstmal alles platt macht, in die schlimmsten menschlichen Abgründe führt, mir schrecklich oft die Tränen in die Augen trieb, aber gleichzeitig soviel Weisheit und Klugheit offenbart. Die Wortwahl, die Anordnung der Sätze, die Handlungsstruktur: „Ein wenig Leben“ ist ein Roman, der mich unglaublich bereicherte und mich sehr zum Nachdenken brachte. Er ist für mich ein Meisterwerk. Weiterlesen »

keine Kommentare
6. August 2017

Schmöker: Ein Abend mit Fatma Aydemir und ,Ellbogen’ im Kohi”

Wut und schlechte Laune

Fatma Aydemir und ihre “Ellbogen”-Protagonistin Hazal könnten unterschiedlicher kaum sein: Während die Autorin studierte, inzwischen Redakteurin bei der Taz ist, für Magazine schreibt und nun erfolgreich ihren Debütroman veröffentlichte, eiert Hazal in Berlin perspektivlos vor sich hin, steckt unmotiviert in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen und läuft schnurstracks auf die Katastrophe zu. Aber trotzdem, eines haben sie dann doch gemeinsam: Sie sind beide wütend und schlecht gelaunt. Weiterlesen »

keine Kommentare
5. April 2017

Schmöker: “Die Herrlichkeit des Lebens” von Michael Kumpfmüller

Über die Liebe

Sie begegnen sich zum ersten Mal an der Ostsee. Sofort sind sie da, die zarten Bande zwischen Dora Diamant und Franz Kafka; zwischen der jungen, unbekümmerten Köchin und dem todkranken, schwermütigen Doktor. Bei langen Spaziergängen kommen sie sich näher, schnell ist klar: Sie möchten sich nicht mehr verlieren, beinander bleiben, auch wenn die Umstände keine guten sind. Der Roman „Die Herrlichkeit des Lebens“ von Michael Kumpfmüller erzählt von Franz Kafkas letzten großen Liebe – vom ersten Aufeinandertreffen bis zu seinem Tod. Es ist ein sehr ruhiger, unaufgeregter und zutiefst trauriger, aber auch sehr schöner Roman. Weiterlesen »

keine Kommentare
7. Februar 2017

Schmöker: “Schilf” von Juli Zeh

Lebt Kennedy noch in einem Paralleluniversum?

„Alles was möglich sei, könne auch gesehen.“ Bis ich den Krimiroman „Schilf“ von Juli Zeh in den Händen hielt, hatte ich mir noch nie Gedanken über die Vielewelten-Theorie gemacht. Ich hatte ehrlicherweise nicht einmal davon gehört. Als ich dann aber durch die beiden “Schilf”-Protagonisten Oskar und Sebastian, zwei Physiker, damit konfrontiert wurde, kam Neugier auf. Was verbirgt sich hinter der Annahme, dass es eine unendliche Anzahl an Universen gibt, in denen unter anderem unsere Doppelgänger leben – und beispielsweise Kennedy nicht erschossen wurde?

Verrückte Fantasie oder reale Theorie aus der Physik? Ich war verwirrt – und begann im Netz zu stöbern. Dabei stieß ich auf einen Artikel aus der „Welt“, der das ganze theoretische Gerüst zu Juli Zehs Werk erklärt. https://www.welt.de/kultur/article152337968/Sind-wir-von-unsichtbaren-Parallelwelten-umgeben.html Weiterlesen »

keine Kommentare
8. Januar 2017

Schmöker: “The Girls” von Emma Cline

Mehr als ein Psychothriller

Suzanne trägt ein schmutziges und äußert kurzes Kittelkleid, als Evi sie zum ersten Mal im Park sieht. Die Faszination ist sofort da. Als sich ihre Blicke treffen, die schwarzhaarige Suzanne lächelt, beginnt Evis Herz zu hüpfen, die Luft schichtet sich um. Es ist der Beginn einer Verbindung, die Evis eintöniges Leben in einen Strudel reißt – voller Sex, Drogen und Gewalt.

„The Girls“ spielt in Kalifornien im Jahr 1969. Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Evi, die durch die wilde Suzanne schließlich in eine Hippie-Kommune gerät, deren Anführer Russell an Charles Manson erinnert. Er setzt minderjährige Mädchen unter Drogen, verleitet sie dazu, Morde zu begehen.

Allein diese Beschreibung hätte mich nicht dazu bewegt, „The Girls“ von Emma Cline zu lesen. Aber der Debütroman der Amerikanerin ist keineswegs ein stupider Psychothriller. Er ist vielmehr ein Psychogramm, das zeigt, was einen scheinbar gewöhnlichen Teenager dazu bringt, freiwillig die Nähe zu solch einer Sekte zu suchen – und dort auch bleibt. Außerdem ist „The Girls“ sprachlich eindrucksvoll. Weiterlesen »

keine Kommentare
1 2 3

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren

Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@miriam_steinbach