28. März 2021

Schmöker: „Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney

„Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney: Verdirbt erben den Charakter?

Es war solch eine beruhigende Aussicht: Mehrere Hunderttausend Dollar sollten die vier Geschwister Melody, Jack, Beatrice und Leo erben – an Melodys 40. Geburtstag. Es sind nur noch wenige Monate, bis endlich das Geld aus dem „Nest“ fließt. Doch Lebemann Leo macht ihnen allen einen Strich durch die Rechnung.

Auf einer Hochzeit bandelt er betrunken und zugekokst mit der 19-jährigen Bedienung Matilda an, schleppt sie in seinen Flitzer, baut einen Unfall – und muss daraufhin eine immense Summe Schmerzensgeld an Matilda bezahlen.

Da Leo soviel Geld selbst nicht hat, öffnet die Mutter heimlich das „Nest“ und gibt ihrem ältesten Sohn einen großen Teil davon. Der Aufschrei in der restlichen Familie ist groß, als es ans Licht kommt. Geplante Projekte stehen auf der Kippe, Lebensentwürfe geraten durcheinander, die vier Geschwister stehen vor ganz neuen Herausforderungen.

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25. März 2021

Schmöker: „Ministerium der Träume“ von Hengameh Yaghoobifarah

„Ministerium der Träume“: ein Roman, der Bilder erzeugt und Töne erklingen lässt

TRAUM(A)FABRIK. Es braucht nur einen einzigen Buchstaben, um einen Traum platzen zu lassen. Protagonistin Nasrin entdeckt das zusätzliche „a“ im Graffito auf dem Gebäude gegenüber ihres Balkons nur wenige Stunden nachdem ihre Schwester Nushin bei einem Autounfall starb. War es Schicksal, ein Selbstmord oder ein Mord? Es ist zunächst unklar.

Nushin war alleinerziehende Mutter. Ihr letzter Wille im Testament: Ihre Schwester Nasrin soll sich um die pubertierende Parvin kümmern, die Vormundschaft für sie übernehmen. Nasrin sagt ja, packt ihre Koffer und zieht in die Wohnung zu ihrer Nichte. Nach und nach entdeckt sie dort Hinweise, dass mit dem Unfall ihrer Schwester irgendetwas nicht stimmt. Nasrin begibt sich auf Spurensuche. Was ist mit Nushin passiert?

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6. März 2021

Flimmerkasten: “Ginny & Georgia”

„Ginny & Georgia“: kaputter, aber interessanter als die “Gilmore Girls”

„Wir sind wie die Gilmore Girls, nur mit größeren Brüsten“, sagt Georgia (Brianne Howey) in der ersten Folge von „Ginny & Georgia“ zu ihrer Tochter Ginny (Antonia Gentry). Für mich ist das nicht der einzige Unterschied: Sie sind rauer, kaputter und dadurch so viel interessanter als Lorelai und Rory.

Während die „Gilmore Girls“ bei ihrer TV-Strahlung Anfang der 2000er-Jahre komplett an mir vorbeirauschten, gab ich ihnen vor zwei Jahren auf Netflix nochmals eine Chance. Die erste Staffel fand ich zwar ganz nett, in der zweiten flog ich aber raus. Der Spannungsbogen um das Kleinstadtleben in Stars Hollow war mir auf Dauer zu schwach.

Ganz anders erging es mir vor wenigen Tagen mit „Ginny & Georgia“ und ihren Geschichten aus Wellsbury. Schon nach fünf Minuten wusste ich: Diese Serie mag ich, diese Charaktere sind facettenreich und spannend.

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28. Februar 2021

Flimmerkasten: “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”

Amazon-Prime-Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: ein teures Desaster!

Das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ fiel mir nur wenige Monate nach dem Heroin-Tod meiner 19-jährigen Nachbarin in die Hände. In den 1990er-Jahren war das.

Die Ereignisse um meine Nachbarin waren dramatisch und tieftraurig. Sie spielten sich dabei keineswegs in einer Grossstadt ab, sondern in meinem beschaulichen Heimatdorf im Süden Deutschlands.

Ihr Zimmerfenster war von unserem Balkon aus und dem Hof sichtbar. Ich sah sie oft aus dem Fenster gelehnt rauchen, laute Musik wummerte dazu. Dass sie Probleme hatte, davon hörte ich die Erwachsenen ständig reden. Zunächst war alles abstrakt, wurde aber konkreter, als meine Cousine und ich Spritzen beim Spielen fanden, wir danach Orte meiden mussten.

Irgendwann war sie nicht mehr da. Wir schnappten Gesprächsfetzen auf, in denen von Entziehungskuren die Rede war, Hilfe bei der Jobsuche, Hoffnung. Vergeblich. Meine Nachbarin starb an einer Überdosis.

Als ich kurze Zeit später „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ las, war ich noch relativ jung, gerade auf dem Gymnasium. Es prägte mich zutiefst. „Nie möchte ich Drogen nehmen“ – ein Vorsatz, der tatsächlich nie ins Wanken kam, egal wie sehr mein Umfeld durchdrehte. Nun wurde das Buch als Serie verfilmt. „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ ist auf Amazon Prime zu sehen. Selten habe ich mich so sehr über eine Serie aufgeregt.

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31. Januar 2021

Schmöker: „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger

"Der Wal und das Ende der Welt"

Eine große Enttäuschung: „Der Wal und das Ende der Welt“

In Großbritannien droht eine Epidemie. Eine besonders aggressive Form der Grippe ist im Anmarsch. Der Analytiker Joe Haak sieht die Gefahr durch ein Computerprogramm früh kommen. Was wird passieren? Werden sich die Menschen kooperativ oder egoistisch verhalten?

Joe Haak beschließt, kein Risiko einzugehen und das kleine Dorf St. Pieran rechtzeitig zu beschützen. Ein Wal hatte ihn dorthin getragen, nachdem er aus London geflohen war und sich in Cornwall ins Wasser stürzte. Die Arbeit für eine raffgierige Bank hatte ihn seelisch kaputt gemacht.

Mit einem Transporter fährt Joe Haak nun unzählige Male in den Supermarkt und macht Hamsterkäufe deluxe. Gelingt es ihm tatsächlich durch eine Abschottung des Dorfs, die Grippe fern zu halten und das Leben der Einwohner*innen zu retten? Das ist das Szenario, um das sich „Der Wal und das Ende der Welt“ dreht. Leider klingt das alles spannender, als es ist.

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9. Januar 2021

Schmöker: “Herkunft” von Saša Stanišić

Ein bewegendes Buch: “Herkunft” von Saša Stanišić

Es regnet, als Saša Stanišić am 24. August 1992 mit seiner Mutter in Heidelberg ankommt. Nur drei braune Koffer haben sie bei sich. Es liegen anstrengende Tage hinter ihnen, in Bosnien ist der Krieg ausgebrochen. Bosnisch-serbische Truppen haben ihr Heimatdorf Višegrad besetzt. Die Stanišićs müssen fliehen.

Für den 14-jährigen Saša beginnt in Deutschland ein komplett neues Leben – zunächst in einem Wohnhaus im Gewerbegebiet zwischen Wiesloch und Walldorf, mit sechs weiteren Flüchtlingsfamilien, die sich zwei Herdplatten teilen müssen.

Später können die beiden Geflüchteten in einen Bungalow im Heidelberger Stadtteil Emmertsgrund ziehen. Sašas Vater und die Großeltern sind inzwischen auch in Deutschland. Ihr gemeinsames Leben ist jedoch zeitlich begrenzt: Während Saša Stanišić wegen seines Studiums in Deutschland bleiben darf, werden seine Eltern 1998 abgeschoben und emigrieren nach Florida.

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31. Dezember 2020

Schmöker: “Die Interessanten” von Meg Wolitzer

„Die Interessanten“: ein kluges und wärmendes Buch für die Seele!

Es ist ein Monat, bevor Robert Nixon von seinem Präsidenten-Amt zurücktritt, als die Außenseiterin Julie Jacobsen von den „Interessanten“ adoptiert wird – und sich in die humorvolle Jules verwandelt. Die fünf anderen Jugendlichen, mit denen sie an diesem lauen Abend beim Sommercamp in einem engen Tipi sitzt, kommen alle aus New York. Jules findet:

„ (…) sie waren wie die Mitglieder eines Königshauses oder französische Filmstars.“

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28. Dezember 2020

Flimmerkasten: “Parlament”

Die Serie gibt es mit deutschen Untertiteln in der ARD-Mediathek

„Parlament“: eine herrliche Politik-Satire

„Es gibt eine TV-Serie über Europa? Wie langweilig“, meint der parlamentarische Assistent Samy (Xavier Lacaille) aus Frankreich in der sechsten Folge der Politik-Satire „Parlament“ zu seiner britischen Kollegin Rose (Liz Kingsman). Von wegen! Was tatsächlich zunächst staubtrocken klingt, ist in diesem Fall großartig gelungen!

„Parlament“ erzählt überspitzt vom Arbeitsalltag im Europäischen Parlament – von all den Mauscheleien, Absurditäten und Herausforderungen. Das ist herrlich komisch anzusehen und schafft es darüber hinaus, einen guten Einblick in die komplizierten Abläufe der EU zu geben.

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27. Dezember 2020

Schmöker: “Corpus Delicti” von Juli Zeh

“Corpus Delicti”: Wie lebt es sich in einer Gesundheitsdiktatur?

Mit Mundschutz durch den Alltag: Was für die meisten Menschen in den westlichen Ländern vor einem Jahr noch völlig abwegig erschien, ist in „Corpus Delicti“ von Juli Zeh Normalität. Der 2009 erschienene Roman spielt in der nahen Zukunft, irgendwann Mitte des 21. Jahrhunderts.

Die parlamentarische Demokratie hat ausgedient, stattdessen hat sich eine Gesundheitsdiktatur etabliert: die METHODE. Die Menschen tragen einen Chip im Arm, um ihre Aktivitäten und Körperwerte zu messen. Alles nur erdenklich Schädliche ist in der Diktatur verboten. Das heißt: keine Süßigkeiten, keine Zigaretten, kein Alkohol. Sport gehört zum Pflichtprogramm. Die Intention dahinter:

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22. Dezember 2020

Flimmerkasten: “Weihnachten zu Hause”

Perfekt für diese grauen Lockdown-Tage: „Weihnachten zu Hause“

Die Geschichte beginnt am 1. Dezember, dem ersten Adventssonntag. Johanne (Ida Elise Broch) 30 Jahre alt, Krankenschwester und Single, sitzt bei ihren Eltern am weihnachtlich geschmückten Esstisch – als einzige Erwachsene zwischen den Kindern. Sie habe keinen Platz bei den Älteren verdient, bis sie einen Freund hat, findet ihre Mutter.

Doch Johanne geht es eigentlich gut, nur dass sie bei den Gesprächen im Familien- und Freundeskreis häufig draußen ist. „Es dreht sich alles um Lover, Kinder, Sex“, erzählt sie den Zuschauern. Auch an diesem Abend muss sie sich am Esstisch wieder ständig rechtfertigen, keinen Mann an ihrer Seite zu haben. Nach einer Weile platzt ihr der Kragen, Johanne behauptet: „Ich habe einen Freund“. Eine Lüge, die sie nun bis zum 24. Dezember in die Wahrheit umdrehen möchte. Ein skurriler Dating-Marathon beginnt – der zumindest in der ersten Staffel von „Weihnachten zu Hause“ völlig offen endet.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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