26. Januar 2020

Heimat: “Ein Nachmittag mit Ida Grosse”

Ida Grosse mixt Schönes mit Magie

Sie sitzt mit roten Haaren auf dem Boden und legt Tarot-Karten. Heilsteine fliegen um sie herum. Sympathisch sieht sie aus, keineswegs gruselig, auch der Hintergrund ist rosa. „Es ist eine moderne Version einer Hexe“, erklärt mir Illustratorin Ida Grosse, die diese Figur erschaffen hat. Der Anlass für ihre Kreation: Die Karlsruherin arbeitet gerade an einem umfangreichen Lexikon über die mystischen Wesen.

Ob die russische Baba Jaga, die japanische Yamauba oder die rumänische Bratara Buzea: „Für mich haben sie alle etwas Magisches“, erklärt die 29-Jährige und zeigt mir ein weißes Blatt, auf dem sie die verschiedenen Hexen-Varianten mit schwarzem Stift gezeichnet hat. Die Skizze der modernen Version hat sie bereits abfotografiert, auf ihren Laptop übertragen und mit Photoshop bearbeitet. Das Ergebnis ist auf ihrer Homepage zu sehen.

Praxis statt Theorie

Kennengelernt habe ich Ida, als ich sie und ihren Mann Philipp vor fünf Jahren in ihrer damaligen Wohnung am Lidellplatz besuchte. Der Anlass: ein Text über ihre Musikplattform „Niller Records“. Ida hatte ihre Ausbildung als Grafikdesignerin bereits abgeschlossen und kümmerte sich um die Gestaltung der Flyer und Plakate. Auch ihre Hündin Leika war damals beim Treffen dabei, sie begrüßt mich nun wieder – dieses Mal in ihrem gemütlichen Wohnzimmer in der Nordstadt.

Kurz nach meinem Besuch bekam Ida die Zusage für ein Produktdesign-Studium an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe. „Die Freude war zunächst riesig“, erinnert sie sich. Doch die Ernüchterung folgte bereits nach wenigen Semestern. „Für mich war das Studium zu frei und zu theoretisch, an Ideen und Inspirationen fehlte es mir ja nie.“ Sie überlegte hin und her, fasste dann vor einem Jahr den endgültigen Entschluss und exmatrikulierte sich.

Aufträge für das KIT oder das Jubez

„Da ich schon während des Studiums einige freie Aufträge hatte, war die Angst vor der Selbstständigkeit klein“, erzählt mir Ida. Unter anderem illustrierte sie bereits ein zweiteiliges veganes Kochbuch für den Zukunftscampus des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Außerdem gibt sie bis heute Medien-Workshops am Jubez und arbeitet in einem Kinderspielzeugladen in der Innenstadt.

Inspirationen von Sofia Coppola oder William Blake

Die 29-Jährige verbindet bei ihren Arbeiten gerne liebevolle Illustrationen mit düsteren Nuancen. „Ich lasse mich dazu von Künstlern wie William Blake, Sofia Copppla oder Stanley Kubrik inspirieren“, erklärt Ida. Aber auch die vielen Kinderbücher, die sie Zuhause hat, bringen sie auf neue Ideen – unter anderem Janosch oder die Reihe „Little people, big dreams“. Bei der praktischen Umsetzung greift die Karlsruherin meist zu Buntstiften, Aquarellfarben oder digitalen Programmen. Die Ergebnisse: facettenreich, lebendig, interessant.

„Auch mein Vater ist ein freischaffender Künstler”, erzählt sie mir dann. Er drehte unter anderem Horrorfilme. Das freie Arbeiten und der Hang zu schwarzen Elementen sind mir also von Klein auf vertraut“, sagt Ida und lacht.

Guide für das “Wassermuseum Maisenbach Sägmühle”

Mit ihrem Vater arbeitet sie außerdem gerade an einem besonderen Projekt. Sie haben vor einiger Zeit einen Verein geründet, mit dem sie gemeinsam ein Wassermuseum in einer alten Mühle eröffnet haben. Ida kümmert sich um die Gestaltung der Homepage, entwirft Flyer oder arbeitet an dem Museums-Guide, der bald in gedruckter Form erscheinen soll. „Es ist toll zu sehen, wie sich alles weiterentwickelt“, sagt sie.

Kalender für “Unser Onkel”

Yoga-Matten, Pflanzen, Kerzen, Klangschalen: Viele kleine Illustrationen hat Ida außerdem für die neue Webseite ihres Mann erschaffen, der nun in Karlsruhe Yoga-Kurse anbietet. „Wir unterstützen uns, wo wir nur können.“ Auch für „MONOKEL“, das Magazin im A3-Format des Ladens „Unser Onkel“, hat sie einen Kalender entworfen. Er ist dort noch kostenlos erhältlich – solange der Vorrat hält.

Fokus auf starken Frauen

Ihr Fokus liegt in den nächsten Monaten außerdem auf dem Hexen-Lexikon – und damit auf starken Frauen mit ihrem umfangreichen Kräuterwissen. „Feminismus ist generell ein Thema, das mir wichtig ist“, sagt Ida. „Wenn ich durch meine Zeichnungen und Projekte Menschen zum Nachdenken bringen oder inspirieren kann, ist das am schönsten für mich.“

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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