7. November 2020

Fernweh: New York – Manhattan & mehr

Coney Island

New York: Eine unvergessliche Reise!

Es ist ein traumhaft schöner Spätsommertag in Coney Island. Die Möwen fliegen kreischend über das Meer, das Wasser glitzert in der Sonne und als ein Straßenmusiker seinen mitgebrachten Retro-Ghettoblaster aufdreht, eine CD von Michael Jackson einlegt, sein Saxofon in die Hand nimmt und zu spielen beginnt, weiß ich: Das ist ein Moment, der in meinem Gedächtnis haften bleibt. „I remember the time“ hallt es um mich herum und in meinem Kopf.

10 Tage New York. Als ich im September 2019 dort mit meiner Freundin ankomme, pulsiert das Leben noch in der Metropole am Hudson-River. Die Corona-Virus-Pandemie ist weit weg. In den Straßen, Restaurants und Museen kreuzen sich friedlich die Wege von Einheimischen und Touristen – um sich dann schnell wieder in der Anonymität der Großstadt zu verlieren.

New York

New York ist so unfassbar bunt und vielseitig, dass mich all die Eindrücke bis heute nicht loslassen – und in diesen turbulenten Präsidentschaftswahl-Tagen immer wieder aufblitzen. Donald Trump oder Joe Biden? Dieser spannende Krimi ist damals noch nicht absehbar. Es gibt noch keine Demos von Demokraten oder Republikanern auf den Straßen.

Trump Tower
Trump Tower

“Unorthodox” weckte meine Lust auf Williamsburg

Mit der Reise ging ein großer Wunsch in Erfüllung. Seit ich 2016 das Buch „Unorthodox“ von Deborah Feldman gelesen hatte, stand New York ganz oben auf meiner Liste. Die Beschreibungen von Williamsburg (Brooklyn) hatten mich neugierig und sehnsüchtig gemacht. Riesige Industriehallen, in denen Künstler arbeiten, jüdische Cafés mit Bagels, Secondhand-Shops. Ich wollte unbedingt selbst durch die Straße laufen, das alles sehen, erleben und erfahren. Nicht nur darüber lesen.

Manhattan

Deshalb war für mich auch immer klar, dass ich für unsere Zeit in New York eine Unterkunft in Williamsburg haben möchte. Es läuft alles nach Plan. Über Airbnb finden meine Freundin und ich eine hübsche Unterkunft mitten in Williamsburg. Mit inbegriffen: Katze Paloma, die den ganzen Tag im Appartement spazieren geht und auf Streicheleinheiten wartet.

New York
New York

Als wir am ersten Tag unsere Koffer durch die Straßen ziehen, überall Graffitis an den Wänden leuchten, kleine Coffee-Shops an jeder Ecke auftauchen und Restaurants der verschiedensten Nationalitäten zu entdecken sind, spüre ich sofort: Das war die richtige Wahl. In Williamsburg geht es mir ähnlich wie in Tel Aviv. Ich fühle mich sofort wohl.

New York Williamsburg
New York Williamsbur

Einen genauen Plan, was wir in New York machen wollen, haben meine Freundin und ich nicht. Wir haben einige Ideen und Wünsche im Kopf, die wir in den nächsten Tag spontan zusammen mixen. Darunter: Berühmte Sehenswürdigkeiten, Museen, Secondhand-Shops, Restaurants, Cafés und Diners.

Tag 1: Eine Tour durch Manhattan: Start im „Big Daddy’s Diner“

Für unser erstes Frühstück in New York haben wir uns das klassische „Big Daddy’s“-Diner in Manhattan ausgesucht. Es ist nur wenige Minuten zu Fuß von der Haltestelle „Union Square“ entfernt. Quietschbunt ist es dort. Hinter der Theke bereitet eine Angestellte gerade ein Milchshake der besonderen Sorte zu: Es besteht nicht nur aus Milch und Schokolade, sondern am Ende kommt auch noch eine riesige Sahnehaube mit bunter und glitzernder Deko dazu. Wow.

Big Daddys Diner NYC
Big Daddys Diner NYC
Big Daddys Diner NYC

Bei „Big Daddy’s Diner gibt es alles, was ich mir unter einem amerikanischen Frühstück vorstelle: Rühreier mit fettigem Bacon, Pancakes, Waffeln und Sandwiches mit gebratenem Hühnchen. Ein netter Herr schenkt uns ständig aufmerksam den Filterkaffee nach. Die Portionen in diesem Diner sind so groß, dass ich völlig überfordert bin. Es ist der perfekte Start in unsere Reise.

Times Square NYC
St. Patrick's Cathedrale

Times Square, St. Patrick’s Cathedrale & Central Park

Wolkenkratzer, bunte Leuchtreklame und der Broadway. An unserem ersten Tag laufen wir kreuz und quer durch Manhattan. Wir landen am trubeligen Times Square, schauen uns die St. Patrick‘s Cathedrale von außen an, kommen am temporär geschlossenen MoMa vorbei und entdecken im riesigen Nike-Shop die wildesten Sneakers-Varianten. Der Lärmpegel ist enorm. Überall arbeiten Männer auf Baustellen, die Gehwege sind voll mit Menschen und auf den Straßen rollen zig Autos an uns vorbei – natürlich sind auch die gelben Taxen darunter.  

Times Square NYC
Rockefellar Center

Es sind so viele Eindrücke auf einen Schlag, dass wir uns am Nachmittag für eine kurze Pause im Central Park entscheiden. Dort setzen wir uns auf einem kleinen Hügel in die Sonne und genießen die tolle Aussicht: Das Grün der Pflanzen und Bäume, die schimmernnden Seen und darum die eleganten Hochhäuser. Ein Stück Natur mitten in der Metropole. Es ist wunderbar.

Central Park
Central Park

Ein japanisches Abendessen im Hanon

Als die Sonne langsam untergeht, fahren wir zurück nach Williamsburg. Dort möchten wir zu Abend essen. Die Auswahl an internationaler Küche ist riesig – und im Vergleich zu Manhattan ist in Williamsburg alles entspannt. Keine Menschenmassen auf den Straßen, kein Gedränge in den Läden. Wir entscheiden uns für das „Hanon“, ein japanisches Restaurant, in dem es zu fairen Preisen Udon-Nudeln in den verschiedensten Kreationen gibt – vegan, vegetarisch und mit Fleisch. Es schmeckt alles köstlich. Der Tag geht gut zu Ende.

Manhattan

Tag 2: Sightseeing in New York: Die Freiheitsstatue und Little Italy  

Am nächsten Morgen scheint die Sonne und wir entscheiden uns dazu, mit der Fähre zunächst zur Liberty Island und danach zur Ellis Island zu fahren. Da wir im Vorfeld nichts geplant und deshalb auch keine Tickets reserviert haben, rechnen wir mit längeren Wartezeiten – aber wir haben Glück. Ende September scheint es keinen großen Touristenandrang in New York zu geben, wir können die Absperrungen am Battery Park einfach passieren und sitzen innerhalb weniger Minuten auf der Fähre.

Liberty Island
Lady of Liberty
Lady of Liberty

Liberty Island & Ellis Island

Es ist ein besonderes Gefühl, der Freiheitsstatue immer näher zu kommen. So oft habe ich sie schon im Fernsehen oder Magazinen gesehen – nun also auf der Fähre mit eigenen Augen und im Original. Obwohl ich auf dem Boot zwischen zig anderen Menschen stehe, die wild auf ihr Smartphone oder ihre Kamera drücken und Fotos schießen, genieße ich ganz ruhig diese Aussicht.

An der Liberty Island angekommen, steigen wir aus, laufen einmal um sie herum und bestaunen das Symbol der Freiheit von ganz nah. Danach fahren wir zur Ellis Island, die nur 1,6 Kilometer entfernt ist. Dort gibt es das „Ellis Island Museum of Immigration“, das die Geschichte der Einwanderung in die Vereinigten Staaten zeigt.

Ellis Island
Ellis Island Museum of Immigration
Ellis Island Museum of Immigration

Die Insel war bis in die 1950er-Jahre die zentrale Sammelstelle für Immigranten. Etwa zwölf Millionen Einwanderer kamen zwischen 1892 bis 1954 dort an. Das Museum ist toll. In einem Teil ist die Geschichte dokumentiert – mit den verschiedensten Medien. Bilder, Videos, Tonaufnahmen. Wir erfahren viel über die Gründe, warum Menschen in die USA kamen. Außerdem können wir die Halle besichtigen, in der die Menschen damals registriert wurden. Für mich ist „Ellis Island Museum of Immigration“ ein absolutes Muss bei einem New-York-Besuch.

Chinatown & Little Italy

Zurück in Manhattan entscheiden wir uns für einen Besuch in Chinatown und Little Italy. Es ist faszinierend durch die Straßen zu laufen und zu sehen, wie die Häuser und Straßen zunächst mit asiatischer Dekoration versehen sind und plötzlich ins Italienische wechseln. Unser Ziel: die Pizzeria Lombardi’s. Ein Tipp unseres Reiseführers. Sie soll die erste Pizzeria der USA sein. Sie ist süß eingerichtet, rot-weiß-karierte Deckchen liegen auf den Tischen, dunkle Holzmöbel sorgen für eine gemütliche Stimmung.

Chinatown
Chinatown

Aber voll und teuer ist bei Lombardi’s. Wir bezahlen mehr als 20 Dollar für eine große, aber gewöhnliche Pizza – und das ist eine der günstigeren Varianten. Außerdem ist es kein Ort zum Verweilen, die Fluktuation der Gäste ist viel zu hoch. Wir bezahlen deshalb nach dem Essen und laufen noch durch die Straßen von Little Italy, kommen an Galerien und Secondhand-Shops vorbei. Es gibt tatsächlich in jeder Straße in Manhattan etwas zu entdecken.

Lombardi's

Tag 3: Eine Tour durch Manhattan

Schon bevor wir nach New York flogen, sagten mir zahlreiche Menschen: „Ihr müsst unbedingt zum High Line Park.“ Ich bin deshalb sehr gespannt, als wir uns an diesem sonnigen Tag wieder in die U-Bahn Richtung Manhattan setzen, um dorthin zu kommen. Das Besondere an dem Park: Er liegt auf einer stillgelegten Bahntrasse und ist 2,3 Kilometer lang. Beginn des Parks ist im Meatpacking District, Ende ist im Hudson Yards – oder umgekehrt. Danach wollen wir uns noch „The Vessel“ anschauen.

High Line Park
High Line Park

High Line Park & The Vessel & Greenwich Village

Kunst, wunderbare Pflanzen und eine tolle Aussicht auf die Stadt: Ein etwa 45-minütiger Spaziergang durch den High Line Park ist ein wunderbar entspannender Programmpunkt mitten in der belebten Stadt. Künstler präsentieren dort ihre gemalten Werke, außerdem sind Skulpturen entlang der Strecke aufgestellt. Um uns herum blühen die Blumen und von einem kleinen Amphitheater können wir auf die Straße unterhalb der High Line blicken – ein urbanes Spektakel.

High Line Park
High Line Park
High Line Park

Am Ende unseres Spaziergangs befinden wir uns im Hudson Yards, am Westrand von Manhattan. Dort wartet schon unser nächstes Ziel: das ovale Bauwerk „The Vessel“. Es ist 15 Etagen hoch und besteht aus 154 Treppen, die 2500 Stufen besitzen. Eine spezifische Funktion hat das Werk von Designer Thomas Heatherwick nicht. Es ist vielmehr eine begehbare Skulptur am Hudson River, die sehr interessant aussieht.

The Vessel

Da an diesem Tag noch eine kleine Erkundungstour in Greenwich Village ansteht, steigen wir die Stufen in „The Vessel“ aber nicht hoch, sondern machen uns auf den Weg zum Künstler- und Szeneviertel.

Greenwich Village
Greenwich Village
Greenwich Village

Ich mag Greenwich Village sofort gerne. Es gibt dort zahlreiche Secondhand-Shops und Cafés. Wimpelketten hängen in den Straßen und überall tauchen Graffitis an den Häuserwänden auf. Wir laufen eine Weile durch die Straßen – ohne bestimmtes Ziel. Gefällt uns ein Laden, treten wir ein und stöbern. Zum Abendessen machen wir uns aber wieder auf den Nachhauseweg, wir möchten wieder in Williamsburg essen.

Williamsburg

Orientalisches Essen im “Dar 525“

Pompöse Kronleuchter, Spiegel mit Goldrahmen an der Wand und Steinwände: Im Dar 525 tauchen wir in die Welt des Mittleren Ostens ein. Syrien, Libanon, Israel und Palästina. Die Einflüsse dieser Länder spiegeln sich auf der Speisekarte wider. Falafel, Lamm-Kebap, Pistazien-Pizza. Die Auswahl fällt unglaublich schwer.

Das Tolle am „Dar 525“: Es ist an diesem Abend nur wenig los. Es ist dadurch alles entspannt, unser Essen kommt schnell und ist lecker. Als wir danach wieder in unserer Unterkunft ankommen, beschließen wir, am nächsten Tag Williamsburg genauer anzuschauen. Ich freue mich schon sehr darauf, als ich todmüde ins Bett falle.

Der zweite Teil mit vielen Geschichten aus Brooklyn, den Besuchen im Whitney- und im 911-Museum, unserem Ausflug nach Coney Island und vielem mehr, kommt bald!


Little Italy
Liberty Island
NYC
MoMa
Nike Store NYC
NYC
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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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