3. August 2021

Heimat: “Ein Abend mit Mohamed von „Sidi Bou Saïd“

Mohamed I Sidi Bou Said Karlsruhe
Das ist Mohamed.

„Sidi Bou Saïd“: ein tunesisches Bistro mitten in Karlsruhe!

Das azurblaue Meer glitzert in der Sonne, weiße Häuser stehen neben grünen Palmen, die Gassen sind klein und verwinkelt. Der Künstler Auguste Macke besuchte 1914 das Künstlerdorf Sidi Bou Saïd am Golf von Tunis und ließ sich für seine Malereien von der traumhaften Umgebung inspirieren.

Auch Mohamed musste an Sidi Bou Saïd denken, als er im vergangenen Herbst einen Namen für sein tunesisches Bistro in Karlsruhe suchte. „Es ist ein idyllischer Ort, an dem sich die Menschen wohlfühlen, eine gute Zeit verbringen und gerne wiederkommen“, erzählt er mir. Er hatte damit den perfekten Namen für seinen kleinen Laden gefunden. Auch die Optik hat er an Sidi Bou Saïd angepasst – sowohl die Bistro-Farben als auch das Logo und die Karten sind in weiß-blau gehalten.

"Sidi Bou Saïd" Karlsruhe
Alle Fotos sind von Katrin Lautenbach.

Hummus, Tabouleh und gefüllte Weinblätter statt Eisröllchen

Es ist ein sonniger Sommerabend, als wir uns vor seinem Laden Am Zirkel 11 auf einer kleinen Bank sitzend unterhalten. Mohamed hat mir zur Begrüßung ein Gericht von seiner neuen Karte vorbereitet: „Foul Mdammes“ heißt es. Auf dem Teller hat er dafür Tabouleh, frittiertes Brot mit Hummus, Saubohnen und gefüllte Weinblätter nebeneinander angeordnet. Es ist der perfekte Start für unser Gespräch, es schmeckt unfassbar lecker.

Seit 19. November bietet Mohamed in den ehemaligen Räumen der Eisdiele „Goldzünglein“ seine tunesischen Spezialitäten an. „Die Eröffnung war mitten in der Corona-Hochphase“, erzählt er mir rückblickend. Dass er ausgerechnet in solch einer turbulenten Zeit den Mut hatte, ein Bistro zu eröffnen, passt zu seinem Leben, von dem er mir in den nächsten zwei Stunden erzählt.

Von Tunesien über Heidelberg und München nach Karlsruhe

Mohamed ist in Tunesien aufgewachsen. Schon früh ist ihm klar, dass er Medizin studieren möchte. „Er strengt sich in der Schule an, hat gute Noten und bekommt tatsächlich einen Studienplatz in Heidelberg. „Für mich war es nach drei Jahren aber schwierig, neben dem zeitintensiven Studium noch genügend Geld für meine Miete und Essen zu verdienen“, erzählt er mir. Mohamed dreht und wendet sich, letztlich geht ihm aber die Kraft aus.

Nach Umwegen landet er in München, wo er beginnt, Betriebswirtschaftlehre zu studieren – und seine zukünftige Ehefrau Eva kennenlernt, die zu dieser Zeit noch als Designerin in Paris arbeitet. „Als wir unser erstes Kind bekamen, überlegten wir, wo wir gemeinsam leben möchten“, erinnert er sich. Die Wahl fiel auf die Mitte, auf Karlsruhe. Seit sechs Jahren leben sie nun hier.

Kindheitserinnerungen werden mit Sidi Bou Saïd wieder wach

Während sich Eva mit den zwei Labels „Luftikus“ und „Evachen“ stelbstständig macht, arbeitete Mohamed zunächst noch in der Verwaltung von Kliniken. Die Corona-Pandemie wirbelt dann auch sein Leben um, er hat Zeit zum Nachdenken, die Idee, etwas ganz anderes zu machen, wird konkreter. Im August 2020 ist es fix: „Sidi Bou Saïd“ soll im Herbst eröffnen.

„Mit dem Bistro sind für mich viele Kindheitserinnerungen wieder wach geworden“, erzählt mir der 34-Jährige. Unter anderem mit den Casse-Croûtes. Das sind Sandwiches, die er häufig als Kind auf Djerba gegessen hat. „Ich kaufte sie mir nach der Schule immer von meinem Taschengeld“, erinnert er sich und lacht.

"Sidi Bou Saïd" Karlsruhe

Vegane, vegetarische und fleischhaltige Gerichte

Auch bei „Sidi Bou Saïd“ gibt es Casse-Croûtes in den verschiedensten Varianten. Mit Merguez und Spiegelei, mit Kebab, vegan oder mit Thunfisch. Außerdem hat er sich für Brik entschieden, eine frittierte Teigtasche mit verschiedenen Füllungen. Zum Dessert bietet er Rosenmarzipan an.

Einkaufen, kochen, verkaufen: Mohamed ist bei allen Prozessen beteiligt. Eva unterstützt ihn. Montags steht sie immer im Bistro, außerdem kümmert sie sich um den Instagram-Account. „Inzwischen habe ich zum Glück auch Aushilfen einstellen können, sonst würde es nicht funktionieren“, sagt der 34-Jährige.

"Sidi Bou Saïd" Karlsruhe

„Fast und Fair“

Nachhaltigkeit und Regionalität sind zwei wichtige Prinzipien für „Sidi Bou Saïd“. „Fast und Fair“ steht auch auf der Karte. So kommt das Brot von einem türkischen Bäcker auf dem Werderplatz, die Eier aus Langensteinbach, die Zucchini und Auberginen aus Dettenheim. „Ich kaufe täglich frisch ein“, sagt der 34-Jährige. Viele Lebensmittel holt er an Marktständen auf dem Gutenbergplatz ab. Nur einen Bäcker, der ihm regelmäßig Körnerbrot liefert, hat er noch nicht gefunden.

Phase Null ist gut überstanden

Seit neun Monaten hat das kleine Bistro nun geöffnet. Die Phase Null ist gut überstanden, Mohamed nimmt sich Zeit für seine Gäste, spricht mit vielen länger, fragt nach und hat herausgefunden, was gut läuft, was sie mögen, wie er sein Angebot anpassen kann. Seine Erkenntnis: Die veganen und vegetarischen Gerichte werden mehr auf der neuen Karte, die in den nächsten Tagen kommen wird.

Sehr gespannt ist er, wie alles weiterlaufen wird. Viele neue Freunde hat er durch „Sidi Bou Saïd“ bereits gefunden – und alte wieder getroffen. „Mit dem Bistro bringe ich einen Teil meiner alten Heimat in meine neue, ein schönes Gefühl.“

"Sidi Bou Saïd" Karlsruhe

„Sidi Bou Saïd“: Adresse und Öffnungszeiten

„Sidi Bou Saïd“ findet ihr am Zirkel 11 in Karlsruhe.
Geöffnet hat das Bistro montags bis samstags von 12 bis 20 Uhr.

Über Lieferando und Lieferbär könnt ihr dort auch Essen bestellen – ohne Zusatzkosten. Mohamed und sein Team liefern das Essen nämlich selbst aus.

Mehr Infos gibt es auf der Webseite.

"Sidi Bou Saïd" Karlsruhe

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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