7. März 2015

Schmöker: “Bienensterben” von Lisa O’Donnell

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Es ist eine schöne Bescherung: Ausgerechnet an Heiligabend müssen die 15-jährige Marnie und ihre kleine Schwester Nelly ihre Eltern im Garten begraben. Der Vater liegt tot im Bett, die Mutter erhängte sich in der Garage. Hilfe holen? Das ist keine Option für die beiden Mädchen. Sie haben keine Angehörigen und möchten nicht ins Heim. Also beschließen sie, die beiden Leichen zu verbuddeln. Gar nicht so einfach bei dem frostigen Boden. Es bleibt nicht das einzige Problem.

Pechschwarzer Humor

Lisa O’Donnell erzählt die unendlich traurige Geschichte von Marnie und Nelly so bitterböse und lakonisch, dass die Gefühle Achterbahn fahren. Lachen oder weinen? Es ist eine turbulente Fahrt, die durch das gesamte Buch kaum an Geschwindigkeit verliert. Nicht nur einmal blieb mir bei „Bienensterben“ das Lachen im Hals stecken. Die Frage nach einer Lösung treibt an.

Eine Geschichte, drei Perspektiven

Aus drei verschiedenen Perspektiven wird das Geschehen beschrieben: Aus der Sicht von Marnie, Nelly und Lennie. Letzterer ist ein homosexueller Rentner, der nach einer Eskapade mit einem jungen Stricher im Park selbst am Rande der Gesellschaft lebt. Er bemerkt, dass die Mädchen Zuwendung brauchen – er hilft ihnen, ohne viele Fragen zu stellen. Durch die drei unterschiedlichen Erzählungen kommt man schnell in die Handlung hinein. Ich hoffte und bangte mit den Charakteren. Mit der hochintelligenten Marnie, der sensiblen Nelly und dem warmherzigen Lennie.

Zwischen Sucht und Liebe

„Bienensterben“ erlaubt einen düsteren Einblick in die Unterschicht von Glasgow. In eine Welt voller Abhängigkeit, Missbrauch, Prostitution und der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Trotz des ganzen Elends schafft es Lisa O’Donnell eine Geschichte zu erzählen, die berührt, aber nicht erschlägt. Ein sehr lesenswertes Buch.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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