26. November 2019

Ein Nachmittag in der “Frischzelle” mit den Werken von André Wischnewski

TAETERAETAEAEAEAEAE (Foto: Frank Kleinbach © André Wischnewski)

Frischzelle_26 im Kunstmuseum Stuttgart

Mit TAETERAETAEAEAEAEAE beginnt die Ausstellung von André Wischnewski im Kunstmuseum Stuttgart. Die 19 Großbuchstaben bog der Bildhauer aus Metall zurecht. Nun schlängelt sich die silbern funkelnde Lautmalerei im Sammlungsbereich des Museums die Treppenstufen hinunter und führt direkt zu weiteren Werken des Absolventen der Kunstakademie Karlsruhe. Darunter: Messerschnitte, Plastiken, Fotoprints und Skulpturen. Ihre Gemeinsamkeit: die Wechselbeziehung von Architektur und Sprache.

Absolvent der Kunstakademie Karlsruhe

Ein Jahr lang sind die Arbeiten von André Wischnewski im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen. Eingebettet in die 26. Auflage der „Frischzelle“. „Hinter dieser Ausstellungsreihe steht die Idee, junge und zeitgenössische Kunst ins Museum zu holen“, erklärt mir Kuratorin Elisabeth Kuon, die mich an diesem Tag durch die Ausstellung führt. Bei der Auswahl des Künstlers war es ihr wichtig, dass er aus der Region kommt oder zumindest einen Bezug dazu hat.

André Wischnewski hat nach seiner Bauzeichner-Ausbildung zunächst an der Freien Kunstakademie Mannheim und dann an der Kunstakademie Karlsruhe studiert, wo er Meisterschüler bei Prof. Harald Klingelhöller war. „Ich entdeckte sein Abschlussprojekt in der Städtischen Galerie Karlsruhe und fand es sehr spannend“, erzählt Elisabeth Kuon.

aw_open source (Foto: Frank Kleinbach © André Wischnewski)

Dieses Werk steht auch im Kunstmuseum Stuttgart. „aw_open source“ heißt es und stellt einen großen, geöffneten Aktenordner dar, in dem einzelne Ablagen abgeheftet sind. „André Wischnewski hat sich dazu Ordnungssysteme aus einer Arztpraxis ausgeliehen, das Akteninnenkonstrukt aus Stahl und die Seiten vergrößert aus Pappmaché nachgebildet“, erläutert mir die Kuratorin. Einige der „Blätter“ sind eingeordnet, andere lehnen an der Wand – als seien sie gerade von einem Nutzer in Verwendung. Einzelne Bereiche sind aus ihnen ausgeschnitten, dadurch ist eine architektonische Struktur entstanden, die an Fenster erinnert.

Soundbook 2 (André Wischnewski)
Soundbook 2 (Foto & © André Wischnewski)
Soundpiece 1 (Foto & © André Wischnewski)

Mit zahlreichen Comic-Elementen

Diese Struktur taucht auch in den Messerschnitten des Künstlers wieder auf. Für die Serien „Soundbooks“ und „Soundpieces“ hat André Wischnewski mit dem Cutter alle Bildelemente aus Comics entfernt. Nur die Lautmalerei und das architektonische Gerüst der Einzelbilder blieben dadurch in den Papier-Fragmenten erhalten. Das Augenmerk liegt dadurch komplett auf der Sprache: „Poom“ steht da noch oder „Hallo“.

126315 mm with open (Foto: Frank Kleinbach © André Wischnewski))

„126315 mm with open end“

Auch bei seiner großen Wandzeichnung „126315 mm with open end“ arbeitete André Wischnewski mit Comic-Elementen. Der Titel der Arbeit bezieht sich auf die Menge an Schwarzstahl, die er benötigte, um die Umrisse aus Sprach-, Denk- und Geräuschblasen anzufertigen. Auch sogenannte Panels sind daraus entstanden. Dahinter verbergen sich die einzelnen Rahmen, in denen die Handlung des Comics stattfindet. Auffällig ist: Das Werk hält keine Raumgrenzen sein, sondern zieht sich über die Ecken der Wand weiter und breitet sich auf dem Boden aus. Dadurch kann der Besucher es nicht nur betrachten, sondern steht mitten in ihm.

DOK DOK_DOK DOK (Foto: Frank Kleinbach © André Wischnewski))

Arbeiten stehen in einem Austausch

André Wischnewskis Arbeiten interagieren an vielen Stellen miteinander. So fährt unterhalb der Wandzeichnung ein Zug in Form einer weiteren Lautmalerei. „DOKDOK_DOKDOK“ hat er aus rot lackierten Metallelementen angefertigt. Die Gleise sind unsichtbar. Folgt der Besucher jedoch mit seinen Augen der Lautmalerei, kommt er an einer Stadtlandschaft aus Plexiglas und Kalkstein vorbei.

Für seine Fotoprint-Arbeit „Map1“, die nur wenige Meter davon entfernt liegt, hat er eine Landkarte bearbeitet, darauf Städte getilgt und neue Orte erschaffen. Die Besonderheit: auch ihre Namen klingen. „Kaufrauschen“ oder „Sturzbachmurmeln“ heißen sie beispielsweise.

Visuelle und akustische Reize

Die Ausstellung von André Wischnewski im Kunstmuseum Stuttgart lebt so vor allem von den kreativen Ideen und ihrer Verknüpfung miteinander. Ein unsichtbarer Faden scheint die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Werke in der „Frischzelle“ miteinander zu verbinden. Sowohl visuelle als auch akustische Reize erreichen mich an diesem Nachmittag. Ein Besuch lohnt sich dadurch auf mehreren Ebenen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. September 2020.

Weitere Infos dazu sind auf der Webseite des Kunstmuseums Stuttgart abrufbar.

Mehr zu Andre Wischnewski gibt es auf seiner Homepage.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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