30. September 2021

Krimskrams: “Ein Abend mit Irma Chacall”

Irma Chacall
Das ist Irma. Dieses Foto hat Sebastian Heck gemacht. Die anderen Fotos sind alle von Irma.

Irma Chacall: Eine Künstlerin, die Sprache und Fotografie verbindet

Es gibt eine Frau, die Irma Chacall in ihrem Denken, Handeln und bei ihren künstlerischen Arbeiten besonders prägt: Simone de Beauvoir. Von der französischen Philosophin, die mit Jean-Paul Satre und Albert Camus zu den Hauptvertretern des Existentialismus gehört, hat die in Karlsruhe lebende Künstlerin jedes Werk gelesen. Von de Beauvoirs feministischen Ansichten ließ sie sich ebenso inspirieren, wie vom Stil sich zu kleiden.

Irma trägt Schwarz, als wir uns in ihrem Atelier in der Viktoriastraße 12 (V12) treffen. Ihre rotgefärbten Locken tanzen auf dem Kragen ihres Rollkragens, wenn sie beim Sprechen den Kopf bewegt. An den Wänden sind ihre Arbeiten zu sehen: Schwarz-Weiß-Fotografien mit intimen Nahaufnahmen von menschlichen Körpern, reduzierte Zeichnungen von Frauen, Aquarelle und einzelne gerahmte Buchseiten, bei denen sie mit verschiedenen Farben und Formen die meisten Wörter durchgestrichen hat. Übrig geblieben ist ein bedeutungsschwangerer Satz, der losgelöst vom Kontext ist. Text-Cancelling nennt sie dieses Projekt.

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24. Mai 2021

Melodien: “Ein Nachmittag mit Heidi Herzig”

Heidi Herzig I San Franziska

Kunstprojekt „San Franziska“ von Heidi Herzig im Kloster St. Franziskus

Nach dem fulminanten Auftritt auf dem Schiff „MS Karlsruhe“ war es genug. Schlagersängerin Heidi Herzig spürte: „Ich brauche eine Auszeit“. Zu viel Aufmerksamkeit und zu viel Blitzlichtgewitter hatten sie auf ihrer „So wie Du“-Schlagertournee im Jahr 2019 müde gemacht, sie war ausgelaugt.

„Ich brauchte Ruhe und Unbeobachtetheit, musste mein Zentrum finden“, erzählt sie mir. Deshalb beschloss sie, ins Kapuzinerkloster St. Franziskus in Weiherfeld-Dammerstock zu ziehen. Dort hat sie bis vor wenigen Wochen in Form eines “Stadtkloster Artist in Residence Programm” gelebt – auf Youtube sind nun einige Videos zu sehen, in denen sie Ausschnitte aus ihrem ungewöhnlichen Alltag zeigt. „San Franziska“ lautet der Name des Kunstprojekts.

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3. Mai 2021

Krimskrams: “Ein Nachmittag mit Laura Buschbeck”

Laura Buschbeck
Das ist Laura.

Laura Buschbeck: Kunst, die den Rahmen sprengt!

Laura Buschbeck liebt es, Chaos zu bändigen. Wenn sie mit einer neuen Arbeit beginnt, legt sie die Leinwand zunächst auf den Boden, greift zu Tusche und Wasser, schüttet beides darauf. Wo es von dort aus hingehen wird? „Das weiß ich am Anfang meist noch nicht, das ergibt sich erst im Prozess“, erklärt mir die Künstlerin, als ich sie im April an einem sonnigen Sonntagnachmittag in ihrem Atelier in der Viktoriastraße 12 (V12) besuche.

Mithilfe von Pinsel und Farbe bringt die 29-Jährige danach Struktur auf die Leinwand, fängt das Motiv wieder ein, kontrolliert es. Formt Elemente, die an Landschaften erinnern, an Wasserflächen, Vulkane, Berge und Blätter. Es sind abstrakte Werke, die der Fantasie freien Lauf lassen, eine Sogkraft haben, Lebendigkeit und Dynamik ausstrahlen, mich an den Urknall denken lassen.

Laura Buschbeck erhielt für ihre Arbeit bereits ein Stipendium der Baden-Württemberg Stiftung, den Preis der baden-württembergischen Landesstiftung „Humanismus heute“. Außerdem wurde sie 2019 mit dem Kunstpreis „Künstler in Baden-Baden“ ausgezeichnet. Sie ist die jüngste Künstlerin, die diesen Preis jemals erhielt.

„Es lief gerade alles so gut, dann kam Corona“, erzählt mir Laura bei meinem Besuch. Das bedeutet bis heute für sie: keine Ausstellung mehr, keine Möglichkeit, ihre Werke einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen. Eine frustrierende Situation. Nun ist zumindest eines ihrer Werke anlässlich des Kunstprojekts „Projekt F“ bis 8. Juni im „Kirchenfenster“ in der Erbprinzenstraße 14 zu sehen.

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20. April 2021

Krimskrams: Crowdfunding-Aktion für das „achteintel—LitfassMuseum“

Litfassmuseum Karlsruhe

„achteintel—LitfassMuseum“: Kunst für die Karlsruher Innenstadt

Kunst, Grafik, Illustration, Fotografie: Michael Gibis und Daniel Ehniss möchten in Karlsruhe leerstehende Litfaßsäulen zu einem Open-Air-Museum verwandeln – zum sogenannten „achteintel—LitfassMuseum“. Heute startet die dazugehörige Crowdfunding-Aktion.

Mehr zu ihrem Konzept und wie sich Künstler*innen für die Gestaltung einer Litfaßsäule bewerben können, hat mir Michael Gibis im Interview verraten.

Michael Gibis Litfassmuseum Karlsruhe
Das ist Michael.
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15. April 2021

Karlsruhe: Stehen die Nordbecken Ateliers vor dem Aus?

Nordbecken Karlsruhe

Die Nordbecken Ateliers in Karlsruhe: mehr als Arbeitsräume!

Es war an einem Samstag im Juni 2013, als ich das erste Mal die große Lagerhalle der Ateliergemeinschaft Nordbecken betrat. Mit dem Fahrrad hatte ich mich auf den rund 25 Minuten langen Weg von der Innenstadt zum Rheinhafen gemacht. Hatte die hektische Stadt verlassen und war eingetaucht in das gemächliche Treiben des Industriegebiets am Wochenende. Ich kam vorbei an großen Containern, Schutt und Frachtschiffen. Sah die Windräder auf dem Energieberg monoton ihre Runden drehen.

Als mir Nemanja Sarbajic und Tobias Talbot damals die Tür zu ihrem Atelier öffneten, war ich vom ersten Moment an fasziniert. Leinwände, Pinsel, Farben, Grünpflanzen und sogar eine Schaukel. Wäre Kreativität ein Ort, stünde das Nordbecken exemplarisch dafür.

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24. Januar 2021

Karlsruhe: “Ein Nachmittag mit Betty Rieckmann”

Betty Rieckmann
Das ist Betty. Alle Fotos sind auch von ihr.

Betty Rieckmann: Mit ihrer Licht-Kunst bereichert sie die Welt

Es sind alte Autoscheinwerfer vom Schrottplatz, die Betty Rieckmann zum Licht führen. Während ihres Studiums der Malerei und Grafik an der Kunstakademie Karlsruhe experimentierte sie für eine Arbeit mit unterschiedlichen Materialien. Bunte Farben, Lacke, Schrott. All das kombinierte sie auf der Leinwand. Auch eine Autobatterie und Autoscheinwerfer befestigte sie darauf. „Als ich sie zündete, machte es plötzlich Bääm“, erzählt mir Betty rückblickend und lacht.

Es war solch ein starker, blendender Effekt, dass sie wusste: „Das ist es, ich möchte mit Licht arbeiten“. Auch ihre Professoren erkannten dieses Potenzial und unterstützten sie. „Es war meine Rettung in dem freien Studiengang, endlich wusste ich, welchen Weg ich gehen möchte“, sagt die 34-Jährige.

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17. Januar 2021

Heimat: “Ausstellung von Hanna Heidt bei ,Die Anstoß'”

Hanna Heidt I Die Anstoß

„Ok, tschüss“: Hanna Heidt zeigt ihre Kunst bei „Die Anstoß“

Was macht sie da? Der Kopf der Frau steckt bereits in der Waschmaschine. Auch ihr rechtes Bein ist in dem Gerät verschwunden. Nur: Ihr Körpervolumen lässt Zweifel aufkommen, ob sie es tatsächlich schafft, sich vollständig reinzuquetschen.

Doch unabhängig davon, ob ihr Versuch gelingt oder scheitert: Was hat die Frau überhaupt dazu veranlasst, in die Waschmaschine zu klettern? Was wartet dort auf sie? Ist es eine Flucht aus dem Alltag?

Das ist Hanna.
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2. Januar 2021

Fernweh: “New York II – Brooklyn & mehr”

Bushwick-Collective
Bushwick Collective

Bagels & bunte Bilder in Brooklyn!

Graffiti, hippe Cafés und Secondhand-Shops: Die zweite Hälfte unseres New-York-Trips haben wir hauptsächlich in Brooklyn verbracht. Konkret: in Williamsburg, Bushwick und Coney Island. Außerdem besuchten wir noch drei Museen, die abwechslungsreicher kaum sein könnten.

Willkommen in Williamsburg (Brooklyn)

In Williamsburg blüht das bunte Leben. Es braucht deshalb keine Sehenswürdigkeiten, um dort eine gute Zeit zu haben. Durch die Straßen zu laufen und die Fassaden der Häuser anzuschauen, ist schon ein riesiges Vergnügen.

Je nachdem, in welche Richtung wir abbiegen, gibt es unauffällige lateinamerikanische Kirchen ohne Protz, Basketball-Plätze oder jüdische Menschen mit Kippa. Auch die Serie „Unorthodox“ ist in Williamsburg gedreht. Als ich sie vor wenigen Monaten auf Netflix anschaue, sehe ich genau die Orte wieder, an denen wir in diesem Spätsommer entlang gelaufen sind.

Williamsburg
Williamsburg
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31. Dezember 2020

Schmöker: “Die Interessanten” von Meg Wolitzer

„Die Interessanten“: ein kluges und wärmendes Buch für die Seele!

Es ist ein Monat, bevor Robert Nixon von seinem Präsidenten-Amt zurücktritt, als die Außenseiterin Julie Jacobsen von den „Interessanten“ adoptiert wird – und sich in die humorvolle Jules verwandelt. Die fünf anderen Jugendlichen, mit denen sie an diesem lauen Abend beim Sommercamp in einem engen Tipi sitzt, kommen alle aus New York. Jules findet:

„ (…) sie waren wie die Mitglieder eines Königshauses oder französische Filmstars.“

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15. Dezember 2020

Heimat: “Was steckt hinter ato.black? Ein Interview mit Norina Quinte”

“Atofakt” von Nemanja Sarbajic (Credit: Sebastian Heck)

ato.black: “Strukturen innerhalb der Kunstwelt neu denken”

Die Crew von ato.black (kurz: ato) möchte Künstler*innen auf vielfältige Weise unterstützen. Wie genau, hat mir Norina Quinte verraten. Sie gehört zu den Gründungsmitglieder*innen der Online-Vermittlungs- und Verkaufsplattform für Kunst, die ihre Basis in Karlsruhe hat.

Außerdem hat sie mir geschrieben, was die Arbeit von ato.black ausmacht, wie die Zusammenarbeit mit den Künstler*innen läuft – und welche Potenziale die Fächerstadt für sie hat. Erfahrt mehr dazu im folgenden Interview!

“Atofakt” von Peter Piek (Credit: Sebastian Heck)
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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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