15. Januar 2017

Heimat: “Ein Abend bei ‘Wie der Soldat das Grammofon repariert'”

Flucht und Ankommen

Apathisch sitzt Aynur in einem kargen, grauen Kellerraum, lässt Murmeln über den Rand einer weißen Emaille-Schüssel fahren, dann schaut sie auf, ihr Blick wandert zunächst umher, bleibt dann aber bei mir hängen, verharrt dauerhaft, aus Sekunden wird eine Ewigkeit. Grenzen verschwimmen, Aynur ist mir plötzlich ganz nah, ihr trauriger Blick, ihre Standhaftigkeit, es ist kaum auszuhalten.

Aynur ist eine von sechs Karlsruhern unterschiedlichster kultureller Herkunft, die derzeit in „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ am Badischen Staatstheater mitwirken. Basis der inszenierten Rauminstallation ist das Buch des bosnischen Autors Saša Stanišić, der in den 1990er-Jahren aus seiner Heimat nach Deutschland floh und seine Geschichte in einem teils autobiografischen Roman verarbeitete.

Alaa Hudaifa und Aynur Mammadova. Fotocredit: Felix Grünschloß

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19. Dezember 2015

Heimat: “Ein Abend bei ,Die Anstoß’ im ßpace”

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Das sind Malte, Andreas, Lisa und Norina (von links).

“It’s a room”: der ßpace

Skepsis. Vonseiten potentieller Vermieter und der Stadt Karlsruhe. “Unsere Suche nach einem Raum verlief alles andere als reibungslos”, erzählt mir Norina Quinte, als ich sie, Lisa Kuon, Malte Pawelczyk und Andreas Hölldorfer an diesem vorweihnachtlichen Abend in der Fritz-Erler-Straße 7 treffe. Die vier Studenten sind Mitglieder des interdisziplinären Vereins “Die Anstoß”, der es sich zum Ziel gesetzt hat, lebendige Orte des Austausches in Karlsruhe zu schaffen.
“Im vergangenen Sommer hatten wir in der Südstadt eigentlich schon etwas Passendes gefunden – doch dann sagte uns der Vermieter plötzlich ab”, erzählt Norina weiter. Die Gründe: Angst vor Lärm, Kippen auf der Straße und zu vielen Fahrrädern. Nun, nach etwa 1,5 Jahren, hat es endlich geklappt: Dort, wo bis Oktober das UND-Team sein Planungszentrum hatte, treffen sich von nun an die “Die Anstoß”-Mitglieder zu ihren Sitzungen – und laden auch zu verschiedenen Veranstaltungen. Unter anderem am Sonntag, 20. Dezember, zur Lesung mit Schauspielern des Badischen Staatstheaters. Beginn ist um 18 Uhr.    Weiterlesen »

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9. November 2015

Heimat: “Der Prophet” im Badischen Staatstheater

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PR über die sozialen Netzwerke

Sogar eine eigene Facebook-Seite hat er: Um die Popularität des Propheten beim Volk zu steigern, scheuen die drei Wiedertäufer Zacharias, Jonas und Mathisen keine Mühen. Der Prophet lächelt von Postern, twittert fleißig und verkündet in Videos seine Botschaft. Diese Vermarktungsstrategie geht auf. Die Menschen lieben den scheinbar von Gott Gesandten und feiern ihn. Doch die Tragödie ist nicht aufzuhalten.

Großartige Zeitreise

Trendige Turnschuhe statt wuchtiger Kostüme: Der Oper „Der Prophet“, die derzeit am Badischen Staatstheater zu sehen ist, gelingt auf großartige Weise der Spagat zwischen Klassik und Moderne. Regisseur Tobias Kratzer hat das Werk von Giacomo Meyerbeer aus dem 19. Jahrhundert in die heutige Zeit katapultiert – eine Zeitreise ohne Logikfehler. Brennende Autos, wütende Jugendliche, überforderte Polizisten – Erinnerungen an die Unruhen in den Pariser Banlieus werden wach. Weiterlesen »

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8. März 2015

Heimat: “Schatten (Eurydike sagt)”

Ein Stück von Elfriede Jelinek

Ganz in Schwarz gekleidet steht sie am Mikrofon, einzig der Nietengürtel um ihre Hüften blitzt. Mit tiefer Stimme und voller Inbrunst beginnt sie dann, Aerosmiths „I don’t wanna miss a thing“ ins Mikrofon zu krächzen. Es ist ein fulminanter Auftritt, den Florentine Krafft als Orpheus in „Schatten (Eurydike sagt)“ gibt. Das sehr mitreißende und facettenreiche Stück von Elfriede Jelinek ist derzeit am Badischen Staatstheater zu sehen. Weiterlesen »

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29. Januar 2015

Heimat: “Ein Abend mit Hannah”

Schönes Projekt des Staatstheaters

Dicke Schneeflocken purzeln vom Himmel, als Hannah und ich unsere „Kulturlotsen“-Premiere haben. Die Theateraufführung von „Tschick“ soll es sein. Nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf. „Eigentlich mag ich lieber Ballett“, erzählt die Zwölfjährige. Der Nussknacker, Dornröschen, Giselle, Momo – mit ihrer alten Kulturlotsin besuchte Hannah fast ausschließlich filigrane Tanz-Aufführungen. „In Schwanensee war ich sogar dreimal“, sagt sie und grinst. Mit mir soll es nun mehr Schauspiel sein. Hannah blickt noch skeptisch.

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27. Oktober 2014

Schmöker: “Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee” von Erich Kästner

Ein rollschuhlaufendes Pferd, ein verrückter Apotheker und ein aufgeweckter Junge: „Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ von Erich Kästner ist eine wunderbare Unsinnsgeschichte. Eigentlich für Kinder, doch wer Freude an Quatsch und Unfug hat, wird sie jeden Alters lieben. Weiterlesen »

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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