30. Januar 2016

Heimat: Ein Abend mit Linda Könnecke

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Das ist Linda. (Foto: Tom Kohler)

Eine außergewöhnliche Geschichte

Das Jahr war erst wenige Tage alt, als eine besondere Nachricht in meinem Postfach aufploppte. Sie kam von Linda Könnecke. Ich las mir ihre Email durch, überlegte kurz, dann schrieb ich ihr zurück: “Ja, lass uns treffen.” Denn wenn ich mir nur eine einzige Maxime für diesen Blog gesetzt habe, dann diese: Ich möchte über all das schreiben, wonach mir ist – ohne strikte Schubladen, ohne Restriktionen. Deshalb findet nun auch diese Geschichte Platz.

Mut machen

Linda und ich treffen uns an einem Samstagabend im “Wohnzimmer”. Wir sitzen zwischen verliebten Pärchen und Einkaufsfreudigen, die nach einem Stadtbummel noch einen Kaffee trinken. Schon nach wenigen Sätzen wird mir klar, Linda ist nicht hier um zu jammern oder theatralisch ihren Leidensweg zu schildern. Nein, sie will aufklären, Mut machen, positiv durch das Leben gehen. 

Haare fallen aus

Also wo anfangen? Ganz vorne, kurz und knapp: “Als ich fünf Jahre alt war, verlor ich über Nacht alle Haare”, erzählt mir die 35-Jährige. Blonde Locken hat sie als kleines Mädchen, sie liegen plötzlich alle auf dem Kopfkissen. Relativ schnell klärt sich die Ursache: Linda hat die Autoimmunkrankheit Alopecia Areata.

Hinter dem medizinischen Fachausdruck verbirgt sich eine entzündliche Haarausfallerkrankung. Schätzungsweise 1,5 Millionen Deutsche leiden darunter. Es kann jeden treffen: Kinder, Erwachsene, Frauen und Männer. “Die Krankheit kommt meist wellenartig”, erklärt mir Linda. Das bedeutet: Die Haare wachsen mal wieder, fallen erneut aus. Ohne Regelmäßigkeit, ohne Plan. Heilbar ist Alopecia Areata derzeit nicht.

Nein, kein Chemo. Sondern Alpecia Areata.

Manche Betroffene haben stellenweisen, kreisrunden Haarausfall, andere leiden unter einem kompletten Verlust ihrer Körperhaare. Auch die Wimpern fallen dann aus. “Oft werden wir dann mit Krebskranken verwechselt”, sagt Linda. Viele Berührungsängste gäbe es. “Auch deshalb, weil die Krankheit noch relativ unbekannt ist”, meint sie. Um das zu ändern hat Linda mit anderen Frauen am 3. Januar die Kampagne “Die vielen Gesichter von Alopecia Areata” ins Leben gerufen. Sie möchten damit die Öffentlichkeit mit der Autoimmunkrankheit vertraut und Betroffenen Mut machen.

Langsames Herantasten

“Denn nicht jedem, der davon betroffen ist, fällt es leicht, ganz offen damit umzugehen”, sagt Linda. Perücken und Tücher helfen dabei, dass die Krankheit nicht sofort ausfällt, die Blicke von Fremden weniger sind. “Ich habe mich vor zwei Jahren aber dazu entschieden, das alles sein zu lassen”, sagt die 35-Jährige. Sie wollte ein Leben “oben ohne” führen. Ganz leicht war das anfangs nicht. “Ich wagte mich zuerst nur für ein paar Meter aus dem Haus”, gesteht sie. Dann war es irgendwann ein ganzer Block, dann lief sie durch die ganze Stadt – und hielt den Blicken stand. Was sie sich von anderen im Umgang mit sich wünscht? “Mir ist es lieber, wenn mich jemand konkret anspricht und fragt.” Denn nur so könne sie die Krankheit auch erklären.

Selbstliebe!

Ein Mutmach-Video, eine Seite bei Facebook und Instagram sowie Vorträge: “Mit unserer nun gestarteten Kampagne möchten wir anderen Betroffenen sagen: Du bist nicht alleine”, erklärt Linda. Außerdem wollen sie Wege aufzeigen, wie es gelingt, auch ohne Haare selbstsicher durch das Leben zu gehen – und sich selbst zu lieben. “Das ist nämlich das Wichtigste – bei allem”, sagt die Karlsruherin und lächelt.

Linda hat auch einen Blog: http://alltagsseele.com

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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