14. Juni 2020

Heimat: “Ein Interview mit Benjamin Wurster über Leafy House Plants”

Alle Fotos sind von Benjamin Wurster

Leafy House Plants: eine moderne Enzyklopädie über Zimmerpflanzen

Blätter, Blüten, Stiele: Der Kommunikationsdesigner Benjamin Wurster hat sich in den vergangenen Monaten viel mit Zimmerpflanzen beschäftigt. Der Grund: Er hat eine 120 Jahre alte botanische Enzyklopädie neu gestaltet. Ende des Jahres soll Leafy House Plants auf dem internationalen Buchmarkt erscheinen, komplett zweisprachig auf Englisch und Deutsch. Seit dem 28. Mai kann das Werk auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorbestellt werden. Ich habe den Absolventen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart gefragt, wie er auf die Idee zu diesem Projekt kam – und was die Herausforderungen waren.

Das ist Benjamin

Einblick in die Welt der Zimmerpflanzen!

Lieber Benjamin, Du möchtest eine 120 Jahre alte botanische Enzyklopädie neu herausbringen – wie kamst Du auf diese Idee?

Benjamin: Vor ein paar Monaten war ich auf der Suche nach schönen, alten Illustrationen, die ich als Vorlagen für limitierte Linoldrucke verwenden konnte. Bei meiner Recherche stieß ich zufällig auf das Buch Zimmerblattpflanzen von Udo Dammer aus dem Jahr 1899. Ich war sofort begeistert von den 46 detaillierten Pflanzenillustrationen und begann intensiv damit zu arbeiten. Je mehr ich mich mit dem Buch beschäftigte, desto größer wurde in mir der Wunsch, die 120 Jahre alte Publikation neu aufzulegen.

Wie hast Du die alten Inhalte in unsere Zeit gebracht?

Benjamin: Der Hauptunterschied zur Original-Ausgabe ist natürlich die gesamte Gestaltung der Publikation. Zimmerblattpflanzen umfasst lediglich 88 Seiten. Die Neuausgabe Leafy House Plants dagegen ist mit 224 Seiten deutlich umfangreicher, was unter anderem an der zusätzlichen Übersetzung ins Englische liegt.

Aber auch das Layout ist viel luftiger und abwechslungsreicher. Die Illustrationen sind großzügiger platziert und erstrecken sich teilweise über mehrere Seiten.Was man sonst heute eher kurz mal im Internet nachschaut, kann man bei Leafy House Plants dann in Ruhe nachlesen. Das moderne Design des Buches soll dazu anregen, es immer wieder gerne in die Hand zu nehmen und nicht im Regal verstauben zu lassen.

Was waren bei der Umsetzung die besonderen Herausforderungen für Dich?

Benjamin: Die größte Herausforderung dabei war es, ein klares Konzept und ein modernes Layout zu finden, das den Charme der 120 Jahre alten Publikation nicht kaputt macht. Mir war es immer wichtig, dass die Illustrationen im Mittelpunkt des Buches stehen.

Was hat Dich als Grafikdesigner besonders daran gereizt?

Benjamin: Während meines Studiums an der Kunstakademie in Stuttgart beschäftigte ich mich sehr viel mit Editorial Design. Buchgestaltung stand sozusagen bei mir an der Tagesordnung. Als freiberuflich arbeitender Designer, der erst vor drei Jahren sein Diplom gemacht hat, bietet sich mir diese Gelegenheit allerdings bisher nur selten. Vor allem kann ich selten ein Buch mit so einer spannenden Geschichte layouten.

Was fandest Du spannend an den Inhalten?

Benjamin: Ich finde es wirklich erstaunlich, wie aktuell die Inhalte aus diesem 120 Jahre alten Buch heute immer noch sind und wie wenig sich bis heute in der Welt der Zimmerpflanzen tatsächlich geändert hat – also soweit ich das beurteilen kann.

Das Buch ist sehr praktisch geschrieben, sodass meine Frau und ich persönlich einige gute Erkenntnisse für unsere Pflanzen zuhause gewinnen konnten. Beim Lesen stolperte ich außerdem immer wieder über Formulierungen, die aus heutiger Sicht sehr altmodisch klingen, aber die einen auch immer wieder zum Schmunzeln bringen.

Seit Ende Mai kann das Buch nun auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter” vorbestellt werden – was ist das Besondere daran?

Benjamin: Das Besondere an einer Kickstarter-Kampagne ist, dass man schon im Voraus eine Menge Arbeit in ein Projekt steckt, von dem man gar nicht weiß, ob es überhaupt bei den Leuten ankommt und letztlich umgesetzt werden kann.

Das Finanzierungsziel der Kampagne ist so berechnet, dass alle Kosten, die mit der Produktion des Buches zu tun haben, beim Erreichen des Ziels gedeckt wären. Wenn also nicht genug Geld zusammenkommt, wird das Buch nicht realisiert und jeder Unterstützer der Kampagne bekommt sein Geld wieder zurück. Die ganze Arbeit wäre dann umsonst gewesen.

Was genau hat es mit dem Mentoring & Publishing Program auf sich, das Dich bei Deinem Projekt unterstützt?

Benjamin: Vor einigen Wochen las ich im Newsletter des Karlsruher Grafikdesign Magazins Slanted, dass man sich für ein sogenanntes Mentoring & Publishing Program bewerben konnte. Slanted und Kickstarter taten sich zum ersten Mal zusammen und suchten mehrere Gestalter mit außergewöhnlichen Buchideen.

Mein Projekt Leafy House Plants schaffte es unter die neun Gewinner und wird nun im Rahmen dieses Programms unterstützt. Alle neun Bücher haben bei erfolgreicher Finanzierung die Möglichkeit, von Slanted Publishers verlegt zu werden.

Hast Du grundsätzlich einen grünen Daumen?

Benjamin: Bei uns kümmert sich ehrlich gesagt eher meine Frau um unsere Pflanzen. Sie hat das Ganze ziemlich gut im Griff und unsere Wohnung wird von Zeit zu Zeit immer grüner. Ich liefere jetzt nur eine neue Lektüre dazu, von der auch unsere Pflanzen zuhause schon profitiert haben.

Hast Du durch die Enzyklopädie eine Lieblingspflanze gefunden?

Benjamin: In meinem Büro steht eine Monstera Deliciosa, die wir vor zwei Jahren zum Einzug in unsere Wohnung geschenkt bekommen haben. Ich fand diese Pflanze schon immer sehr schön. Seit wir ihr aber kürzlich einen neuen Standort und etwas Dünger gegeben haben, wächst und gedeiht sie wieder. Ich freue mich gerade jeden Tag darüber, dass irgendwo wieder ein neues Blatt hervorkommt.

Auf dieser Kickstarter-Seite könnt ihr Benjamin unterstützen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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