26. November 2016

Flimmerkasten: “Paterson”

Eine Wohltat, dieser Film!

Busfahrer Paterson (Adam Driver) dichtet am liebsten am Wasserfall. Dort setzt er sich auf eine Bank, packt ein kleines Notizbuch aus seiner klobigen Tasche, zückt einen Stift und schreibt seine poetischen Gedanken nieder. Er denkt dabei an Laura (Golshifteh Farahani), seine Ehefrau und Muse. Mit ihr führt er ein beschauliches Leben in einer amerikanischen Kleinstadt, die ebenfalls Paterson heißt. Sieben Tage lang zeigt Regisseur Jim Jarmusch in seinem neuesten Film „Paterson“ das Leben des poetischen Busfahrers. Vom frühen Aufwachen kurz nach sechs Uhr bis hin zum Gute-Nacht-Bier in der Kneipe. Das ist an Handlungsarmut kaum zu überbieten, eine Dramaturgie ist nur rudimentär vorhanden. Das macht aber gar nichts: „Paterson“ ist ein wunderschöner Film, der trotz der fehlenden Dynamik keineswegs langatmig ist. Im Gegenteil: Es ist eine große Wohltat, dieses entschleunigte und so liebevoll gestaltete Werk von Jim Jarmusch zu schauen.

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3. Februar 2014

Flimmerkasten: “Frances Ha”

Im Leben läuft nicht immer alles nach Plan. Das bekommt Frances (Greta Gerwig) deutlich zu spüren. Ihre beste Freundin Sophie zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus, lässt sie im Stich. Damit nicht genug: Ihre Karriere als Tänzerin hakt, das Geld ist knapp. Ein passender Mann: nicht in Sicht. Aber die 27-Jährige lässt sich nicht unterkriegen, läuft durch die Straßen, stürzt, steht wieder auf, läuft weiter.

Als „Frances Ha“ im vergangenen Jahr im Kino lief, wollte ich den Film unbedingt sehen. Die Kritik auf „Spiegel online“ hatte mich neugierig gemacht: „Die schönste Komödie des Sommers“ stand da. Eine Endzwanzigerin, die sich durch das Leben kämpft, frei von biederem Hipster-chic. Im Gegensatz zu Hannah in „Girls“ brauche Frances dabei keinen romantischen Ritter, der für ihr Glück verantwortlich ist. Vielmehr liege ihr Fokus auf Freundschaften – die jedoch an unterschiedlichen Lebensplänen auch wieder zu zerbrechen drohen. Willkommen in der Wirklichkeit.

Ins Kino schaffte ich es leider nicht, nun bekam ich endlich die DVD. Und bin angetan. Die witzige Indie-Komödie von Noah Baumbach ist etwas ganz Besonderes – die Figuren, die tollen Schwarz-Weiß-Bilder aus New York sowie der Soundtrack sind perfekt aufeinander abgestimmt. Außerdem ist Adam Driver zu sehen. Er spielt den Bildhauer Lev. Ein Hut ziert meist seinen Kopf. Ein toller Typ.

Strukturiert ist der Film nach Frances Unterkünften. Die Szenen wechseln schnell, dadurch wird alles Schwere genommen. Nachdem Sophie sie hängen ließ und  mit einer anderen Freundin zusammenzog, landet Frances bei Benji und Lev. Zwei jungen Künstlern, die es sich leisten können, in einer hippen Wohnung für 4000 Dollar im Monat zu leben. Lev schleppt ständig Mädels ab, Benji schreibt Skripte für Saturday Night Live. Wenn es mit dem Geld knapp wird, ruft er seinen Stiefvater an. Der ist zwar ein Arsch, aber macht ja nix.

Frances fühlt sich wohl, kann sich diese Wohnung aber auf Dauer nicht leisten. So fährt sie erstmal über Weihnachten zu ihren Eltern nach Kalifornien, kehrt dann wieder nach New York zurück.

Tollpatschig, leicht verquer und oft auch unüberlegt hangelt sich die 27-Jährige durchs Leben. Dabei bleibt sie immer loyal und sympathisch. In den 86 Minuten, die schnell verfliegen, wird aus der auf Gleise pinkelnden Frances gegen Ende dann doch eine bisschen reifere junge Dame. Aber fertig erzählt wird nichts, was gut ist.

Frances Ha ist ein realistischer Ausschnitt, wie es wohl so vielen kreativen Köpfen mit Ende 20 geht. Es läuft nicht alles nach Plan, aber das macht das Leben interessant. Langweilig ist anders.

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3. Dezember 2013

Flimmerkasten: “Inside Llewyn Davis”

Ein Film der Coen-Brothers über einen erfolglosen Folkmusiker – seit Wochen freue ich mich schon auf den Kinostart von „Inside Llewyn Davis“. Ungeduldig zählte ich bereits die Tage bis zum 5. Dezember, schaute gefühlte 30-mal den Trailer. Nun wurde meine Wartezeit verkürzt: Der Film flimmerte gestern Abend in der Sneak Preview über die Leinwand. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Es ist ein wunderbarer Film. Die Schauspieler, die Musik, die Bilder, die Dialoge: Es passt einfach alles.

Die Handlung ist schnell erzählt: Im Mittelpunkt steht der Folksänger Llewyn Davis (Oscar Isaac). Es ist das Jahr 1961 und in seinem Leben geht alles schief, was schief gehen kann. Erst stürzte sich sein ehemaliger Duett-Partner voller Todessehnsucht von einer Brücke, nun läuft seine Solo-Karriere nicht richtig an. Fester Wohnsitz? Nicht finanzierbar. Das Geld ist gar so knapp, dass Llewyn bei eisigen Temperaturen und Schneegestöber ohne Mantel herumlaufen muss.

Der Musiker stolpert von einer Katastrophe zur nächsten: 24 Stunden lang auf eine Katze aufpassen: unmöglich. Mit der Sängerin Jean (Carey Mulligan) hatte er eine Affäre, nun ist sie schwanger. Das Problem: Jean hat einen Freund: Jim (Justin Timberlake). Auch er ist Musiker, tritt mit Jean zusammen auf und vermittelt Llewyn gelegentlich Aufträge.

Jean weiß nun nicht, von wem das Kind ist und will es abtreiben lassen.  Auf Llewyn ist sie ganz schön sauer. Mangelhafte Verhütungsmethoden wirft sie ihm vor, ein doppeltes Kondom sei bei ihm angebracht, schimpft sie vor sich hin. Herrlich ist die Szene im Park, als sie ihn minutenlang als Arschloch bezeichnet. „Alles was du anfasst, wird zu Scheiße.“ Llewyn widerspricht nicht.

Besonders sympathisch wird einem Llewyn (übrigens: ein walisischer Name, wie er erzählt) während des gesamten Films nicht. Vor allem bei einer Chicago-Reise mit einem drogenabhängigen Jazzmusiker und einem wortkargen Fahrer zeigt er sich von keiner vorteilhaften Seite. Am Anfang und am Ende des Films wird er wegen seiner unverschämten Art vor einem Club verschlagen – es trifft nicht den Falschen.

Dass einem der Film trotzdem sehr schnell ans Herz wächst und er sehr leicht daher kommt, liegt an dem pechschwarzen Humor und den herrlich komischen Dialogen. Besonders Oscar Isaacs schauspielerische Leistung ist famos. Zudem bietet das Werk der Coen-Brothers einen Einblick in die Folkszene Anfang der 1960er-Jahre.

Randnotiz:
Grandios ist die Szene im Studio, als Llewyn mit Jim und dem ebenfalls erfolglosen Sänger Al Cody (Adam Driver) „Dear, Mr. Kennedy“ singt. Für mich ist das die beste Kinoszene des Jahres.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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