29. Dezember 2020

Flimmerkasten: “Only Lovers Left Alive”




“Only Lovers Left Alive”: Der neue Film von Jim Jarmusch

Zu Jim Jarmusch-Filmen habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Während mich „Broken Flowers“, „Coffee and Cigarettes“ oder auch „Night On Earth“ sehr gut unterhielten, war „Dead Man“ eine nicht zu bewältigende Herausforderung. Gleich zwei Mal versuchte ich ihn auf DVD anzuschauen, jedes Mal schlief ich ein.

Nun lief am Donnerstag das neueste Werk von Jim Jarmusch an: „Only Lovers Left Alive“, ein Film über ein Vampir-Ehepaar. Sehr skeptisch war ich, ob mich eine Geschichte mit Blut saugenden Geschöpfen wirklich mitnimmt. Doch jede Sorge war unbegründet – der Film ist äußerst sehenswert, wenn auch der Spannungsbogen gering und es an manchen Stellen ein wenig langatmig ist. Macht am Ende aber nichts. In „Only Lovers Left Alive“ stimmt jedes Detail – sowohl visuell als auch akustisch. Weiterlesen »

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19. Dezember 2020

Flimmerkasten: “Aus dem Nichts”




NSU-Drama “Aus dem Nichts”: Langweile kommt keine auf!

Hmmm. Hin- und hergerissen sitze ich beim Abspann von „Aus dem Nichts“ in meinem Kinosessel. Mit einem großen Wumm endet der neue Film von Fatih Akin – und auch die 106 Minuten davor sind voller Dynamik und Spannung. „Aus dem Nichts“ berührt, erschüttert und lässt mich am Ende erschlagen und nachdenklich zurück.

Doch, irgendwie, so ganz rund ist der Film zunächst nicht für mich. An einigen Stellen bin ich sehr irritiert, vor allem deshalb, weil in meinem Kopf ständig der Vergleich mit dem tatsächlichen NSU-Geschehen abläuft. Regisseur Fatih Akin hat die Parallelen auch bewusst gesetzt. Im Abspann erinnert er nochmals an die Untaten von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Weiterlesen »

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7. November 2020

Flimmerkasten: “Die Unsichtbaren”




Kritik: “Die Unsichtbaren”: Ein berührender Film!

Sie flitzen. 1943 machen sich 7.000 Juden in Berlin unsichtbar. Sie verlassen ihre Wohnungen, entfernen ihren gelben Stern von den Mänteln, übernachten bei Bekannten oder auf der Straße. 1945 haben 1.500 von ihnen überlebt – vier von ihnen erzählen in dem Film „Die Unsichtbaren“ ihre Geschichte. Das ist unfassbar spannend und bewegend.

Regisseur Claus Räfle schafft es, mit einer Mischung aus Dokumentation und Spielfilm den Blick auf die Mutigen im Dritten Reich zu lenken. Völlig überwältigt sitze ich am Ende in meinem Kinosessel – berührt von all der Menschlichkeit, die es vereinzelt abseits der Linientreue doch noch gab. Weiterlesen »

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22. Oktober 2020

Flimmerkasten: “The Walk”




“The Walk”: ein spannender Drahtseilakt

Die letzte halbe Stunde konnte ich mir das Treiben auf der Leinwand vor Spannung kaum mehr anschauen. Der französische Akrobat Philippe Petit balanciert seelenruhig auf einem Seil, das in über 400 Metern Höhe zwischen die Twin Towers in New York gespannt ist. Der junge Mann ist ohne jede Absicherung. Aufgebrachte Polizisten stehen auf beiden Seiten und wollen ihn verhaften. Philippe bleibt nichts anderes übrig, als den Drahtseilakt in schwindelerregender Höhe fortzuführen. Eine riesige Menschenansammlung beobachtet das Spektakel vom Boden aus. Die Melodie von “Für Elise” erklingt dazu. Wird er es schaffen?

Der beeindruckende 3D-Film “The Walk” basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1974. Das ist bestes Popcorn-Kino, das besonders durch die Dreidimensionalität und Architektur der Stadt New York unglaubliche Dynamik und Tiefe entwickelt. Ich hatte das Gefühl, ich stehe mit Philippe auf dem Seil. Ein Thriller ohne Bösewicht.  Weiterlesen »

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15. September 2020

Flimmerkasten: “Tschick”




“Tschick”: Meine Erwartungen waren so hoch, Fatih Akin hat sie alle erfüllt

Als von K.I.Z. „Hurra die Welt geht unter“ erklingt, ist die Reise von Tschick und Maik fast zu Ende. Sie haben mit Kuhherden gekämpft, ihren Hunger besiegt und Benzin geklaut. Sie haben gelacht, geflucht und zu den Melodien von Richard Clayderman gesummt. Immer vereint, gegen all die Widrigkeiten der Welt. Es ist eine Freundschaft, die tief geht.

Dreimal habe ich bereits den Roman von Wolfgang Herrndorf gelesen, zweimal das Theaterstück gesehen – und trotzdem hat mich die Geschichte um die zwei 14-jährigen Außenseiter auf der Leinwand erneut so sehr berührt. Regisseur Fatih Akin ist etwas gelungen, was ganz selten vorkommt: Er hat einen Roman-Bestseller auf der Leinwand so fabelhaft visualisiert, dass es pure Freude ist, zuzuschauen. „Tschick“ als Film ist laut, lärmt, ist krawallig, aber auch wunderbar zart, authentisch, traurig und klug. Ich bin verzückt. Weiterlesen »

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2. August 2020

Flimmerkasten: “Taxi Teheran”




Goldener Bär für Taxi Teheran

Die zwölfjährige Hana quasselt ohne Unterbrechung. Sie soll für die Schule einen Film drehen. Aber ganz schön viele Regeln gibt es zu beachten: Mann und Frau dürfen sich nicht berühren. Die Guten dürfen keine Krawatten tragen und das Thema sollte weder politischer noch wirtschaftlicher Natur sein. Hana erzählt dies dem iranischen Regisseur Jafar Panahi. Er ist ihr Onkel und holt sie an diesem Tag mit einem alten Taxi von der Schule ab. „Mit so einer Schrottkarre kommst du mich abholen? Ich hab allen in der Schule erzählt, dass mein Onkel Regisseur ist, und dann kommst du mit so was hier an?“, echauffiert sie sich mit ihrer hohen Mädchenstimme. Jafar Panahi bleibt gelassen und fährt los.

Hana ist nur eine von mehreren Fahrgästen, die an diesem Tag in seinem Taxi Platz nehmen. Wie ein Dokumentarfilm kommt „Taxi Teheran“ daher – ist es aber nicht. Jafar Panahi hat ein  wunderbares Werk geschaffen, das einen Einblick in das derzeitige Leben in Irans Hauptstadt gibt – intelligent, nachdenklich und an vielen Stellen außerordentlich komisch. Verdient hat er bereits den Goldenen Bären gewonnen. Da er offiziell aber 20 Jahre Berufsverbot hat und sich kaum in der Öffentlichkeit zeigt, kam Hana in Berlin auf die Bühne und nahm den Preis entgegen.  Weiterlesen »

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7. April 2020

Flimmerkasten: “In meinem Kopf ein Universum”

 

Bewegend, aber nicht kitschig: “In meinem Kopf ein Universum”

Er kann nicht richtig greifen, laufen und auch das Sprechen bleibt ihm verwehrt: Mateus leidet an einer zerebralen Bewegungsstörung – von Geburt an. Ärzte halten ihn so wenig aufnahmefähig wie „Gemüse“. Doch seine Mutter glaubt fest daran, dass Mateus’ Verstand funktioniert und er bewusst mitbekommt, was um ihn herum geschieht. Der Film „In meinem Kopf ein Universum“ beruht auf einer wahren Geschichte. Der polnische Regisseur Maciej Pieprzyca hat sie nun auf die Leinwand gebracht und 108 Minuten geschaffen, die tief bewegen, aber trotz der Tragik keineswegs schwer sind oder kitschig. Im Gegenteil: Es ist ein Film entstanden, der so wunderschön ist, dass er noch lange nachwirkt.

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14. März 2020

Flimmerkasten: “Boyhood”




Erwachsenwerden im Zeitraffer: “Boyhood”

Verträumt liegt der kleine Mason ganz zu Beginn von „Boyhood“ im Gras. Er schaut nach oben in Richtung Himmel, so lange, bis ihn seine Mutter holt, ihn ins Auto setzt und mit ihm nach Hause fährt. Mason ist zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Eine kleine Stupsnase ziert sein Gesicht, seine braunen Haare fallen ihm ins Gesicht, sensibel ist er und seine Schwester nervt ihn mit Britney-Spears-Liedern ganz gewaltig.

Am Ende des Films ist aus dem kleinen Junge ein 18-Jähriger mit kantigem Gesicht geworden – sein Herz schlägt für die Fotografie. Und wie das Leben spielt, versteht er nicht so ganz. Vor allem wenn es um Mädchen geht. Weiterlesen »

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13. Februar 2020

Flimmerkasten: “Three billboards outside Ebbing, Missouri”




“Three billboards outside Ebbing, Missouri”: Ein fantastischer Film, der weh tut!

Vergewaltigt, als sie starb. Und immer noch keine Verhaftungen. Wie kann das sein, Chief Willoughby?

Drei Sätze, festgehalten in großen schwarzen Buchstaben auf knallrotem Hintergrund: Die drei Werbetafeln kurz vor der Ortseinfahrt der Kleinstadt Ebbing sind an den örtlichen Sheriff gerichtet. Mildred Hayes (Frances McDormand) hat sie für ein Jahr lang angemietet und mit der anklagenden Schrift versehen. Die drei Mahnmale stehen genau dort, wo sieben Monate zuvor ihre Tochter vergewaltigt und ermordet wurde. Mildred ist wütend: auf die Polizei, die scheinbar nicht genug tut, auf ihren Ex-Mann, aber auch auf sich selbst.

“Three billboards outside Ebbing, Missouri” von Regisseur Martin McDonagh ist ein eindringlicher und aufwühlender Film, der bis ins kleinste Detail perfekt durchdacht ist: von der Szenerie, der Wahl der Schauspieler und der Sprache. Es ist ein sehenswertes Sozialdrama, bei dem an manchen Stellen das Hinschauen aber ganz schön weh tut. Weiterlesen »

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22. Juli 2019

Flimmerkasten: “Toni Erdmann”




Toni Erdmann: Komödie mit Tiefgang!

Es gibt wenige Filme, auf die ich so hinfieberte, wie auf „Toni Erdmann“. Seit das Werk von Maren Ade beim Filmfestival in Cannes Premiere feierte und von den Kritikern durchgehend überwältigendes Lob bekam, war ich neugierig. Weiterlesen »

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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