23. Juli 2020

Schmöker: “Ein Interview mit Adina Koch über ,Keine Liebe der Welt'”

“Keine Liebe der Welt”: das erste Buch von Adina Koch!

Feierabend. Es war ein trister Januarabend, als ich wie immer mit meiner Pendel- und Arbeitskollegin Adina Koch im ICE zurück nach Karlsruhe saß. Statt aber wie sonst die neuesten Twitter- und Instagram-Meldungen auf ihrem Smartphone zu checken, klappte sie an diesem Tag das kleine Tischchen an der Rückseite des Vordersitzes herunter, öffnete ihre Tasche, holte ihren kleinen Laptop heraus und begann wild darauf herumzutippen. „Musst du noch einen Artikel für die Arbeit zu Ende schreiben“, fragte ich Adina verwundert. „Nein“, sagte sie. „Ich schreibe nun ein Buch.“

Sechs Monate später. Gependelt bin ich schon lange nicht mehr, auch Adina habe ich seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr gesehen. Aber per Email erreicht mich vor wenigen Wochen die Botschaft: Das Buch ist fertig. „Keine Liebe der Welt“ heißt es. Es geht um Sephi, eine leidenschaftliche Köchin, die in Griechenland in eine Dreiecksgeschichte schlittert. Mehr zu ihrem Buchprojekt hat mir Adina im Interview verraten.

Das isr Adina. Alle Bilder sind auch von ihr.

Liebe Adina, du schreibst als Redakteurin seit vielen Jahren Texte für verschiedene Frauenmagazine und für deinen Blog, nun hast du dein erstes Buch veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Adina: Ein eigenes Buch – das war schon ganz schön lange mein Traum. Doch wovon soll es handeln? Wie soll ich meinen faulen inneren Schweinehund überwinden? Und kann ich das überhaupt? Selbst als ich nach einer wundervollen Begegnung auf einer Reise endlich eine Idee für meine Geschichte im Kopf hatte, habe ich noch gut 2,5 Jahre gebraucht, um diese wirklich zu Papier zu bringen. Und dann habe ich am Neujahrsmorgen 2020 den Entschluss gefasst: Ich mache das jetzt einfach. Das wird mein Buchprojekt-Jahr!

Was war für dich der Reiz, eine Liebesgeschichte mit Irrungen und Wirrungen sowie detaillierten Sex-Szenen zu schreiben?

Adina: Am Anfang hatte ich eine kleine Liebesgeschichte im Kopf. Und habe schnell und ein bisschen wehmütig gemerkt, dass sie keinen ganzen Roman tragen wird. Also habe ich um sie herum den Plot gestrickt – jetzt ist die Ursprungsgeschichte noch ein kleiner Teil eines Kapitels.

Als ich entschieden hatte, dass ich gerne eine Art Dreiecksgeschichte schreiben wollte, waren die Irrungen und Wirrungen quasi programmiert. Sex gehört für mich zum Leben, der Liebe, unserer persönlichen Freiheit – und da ich im wahren Leben auch nicht der Typ für vage Andeutungen bin, beschreibe ich die Sexszenen genauso wie alle anderen Szenen im Roman. Wobei ich gar nicht finde, dass sie so detailliert ausgefallen sind…

Deine Geschichte spielt größtenteils in Griechenland. Warum hast du dich ausgerechnet dafür entschieden?

Adina: Griechenland ist mein ewiger Sehnsuchtsort. Das kann ich gar nicht so gut erklären, es ist ein Gefühl. Eine Verbundenheit mit dem Ort, die ich immer nur dort spüre. Die Reise, die mir quasi das Role Model für eine meiner Romanfiguren beschert hat, führte eben auch nach Griechenland. Und dann wollte ich einen Ort beschreiben, den ich sehr gut kenne, den die LeserInnen entdecken könnten, wenn sie wollten. Weil ich das selbst sehr gerne mag. Ich habe die wunderbarste Erinnerung an einen Sommer in Athen, in dem ich auf einer Dachterrasse drei Krimis von Petros Markaris gelesen habe, dessen Kommissar Charitos in der Stadt lebt und arbeitet.

Du kombinierst deine Erzählung mit verschiedenen Kochrezepten. Was ist die Idee dahinter?

Adina: Du hast in der ersten Frage meinen Blog angesprochen. Auf dem dreht sich alles ums Essen. Selbstgekocht und im Restaurant. Gutes Essen ist meine dritte Leidenschaft – neben dem Schreiben und Griechenland. Also warum nicht alles miteinander kombinieren? Ich fand die Idee schön, meiner Protagonistin Sephi etwas von meiner Liebe zum Kochen mitzugeben. Sie einen mutigen Weg gehen zu lassen, den ich mich nicht traue. Und dann war es nur noch ein kleiner Schritt, die Gerichte, die sie kocht beziehungsweise kochen lernt, auch als Rezepte ins Buch zu integrieren.

Was waren die besonderen Herausforderungen, das Buch zu schreiben?

Adina: Eigentlich nur eine: die Zeit. Es wurde leichter, als ich den Anfang gemacht hatte und die Puzzleteile für die Geschichte, inklusive der Anspielungen zur griechischen Mythologie, ganz wunderbar ineinander gefallen sind. Ich konnte mich plötzlich selbst motivieren, morgens vor der Arbeit, abends danach und an den Wochenenden zu schreiben. Eine echte Energieleistung, die mir aber unfassbar viel innere Befriedigung gebracht hat. Damit habe ich so gar nicht gerechnet.

Du hast dich von Anfang an dazu entschlossen, “Keine Liebe der Welt” in Eigenregie zu veröffentlichen. Wie ist deine Erfahrung nun damit?

Adina: Das klingt so einfach. Das war es dann doch nicht. Ich wusste lange Zeit nicht, wie ich es anstellen soll, ein Buch auf den Markt zu bringen. Das Gespräch mit einer Autorin-Kollegin, die ihren Erstling über einen Literaturagenten in einen Buchverlag gebracht hat, hat mich an der Idee selbst zu veröffentlichen, noch einmal zweifeln lassen. Am Ende hat meine Ungeduld gesiegt – und die Zusage einer Freundin, dass sie das Lektorat übernimmt. Ich wollte nicht warten, ob ein Verlag anbeißt.

Ich habe mich für einen Selfpublish-Verlag entschieden, der ziemlich viel Support und persönlichen Kontakt bietet. Außerdem ist die Entscheidung auf Tredition gefallen, weil ich durch die drei Figuren-Perspektiven, die Rezepte und die Food-Fotos, die im Roman zu sehen sind, ein Maximum an Gestaltungsmöglichkeiten gebraucht habe.

Ein Publisher ist beispielsweise rausgefallen, weil er nur Kapitel, aber keine Unterkapitel im Buch-Layout anbietet. Tredition kümmert sich jetzt auch darum, dass mein Roman in allen gängigen Buchhandlungen – online und vor Ort – gelistet und erhältlich ist. Das eBook ist beispielsweise auch (aber eben nicht nur) für den Kindle erhältlich. Natürlich sind in der Zusammenarbeit auch Dinge schief gegangen, die Corona-Pandemie hat ihren Teil dazu beigetragen. Es gab ziemlich lange Wartezeiten, Termine wurden eigentlich nie wirklich eingehalten. Aber alles in allem kann ich mich nicht beschweren. Ob ich es noch einmal so machen würde, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht abschließend sagen.

Kannst du dir vorstellen, ein zweites Buch-Projekt zu starten?

Adina: Ich kann es mir nicht nur vorstellen. Im Urlaub habe schon mit meinem zweiten Roman begonnen…

Liebe Adina, herzlichen Dank für das Interview!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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