12. Juli 2014

Schmöker: “Traumsammler” von Khaled Hosseini

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Wunderbare Geschichten aus Afghanistan: Khaled Hosseinis Bücher habe ich bislang mit Begeisterung gelesen. Sowohl „Drachenläufer“ als auch „Tausend strahlende Sonnen“ wuchsen mir ans Herz, brachten mich zum Nachdenken – über das, was da in dem zerrütteten Land alles passiert.

Ich freute mich deshalb sehr, als ich vor Monaten entdeckte, dass es ein neues Werk von ihm gibt: „Traumsammler“. Groß waren meine Erwartungen, enttäuscht bin ich nun. „Traumsammler“ ist sprachlich nett erzählt, aber die Geschichte um die zwei Geschwister Abdullah und Pari überzeugt mich nicht.

Die kleine Pari wird von ihrem Vater an eine reiche Familie in Kabul verkauft. Abdullah bleibt zurück in einem kleinen afghanischen Dorf, zutiefst traurig. Das ist die Basis des Buchs. Danach geht es kreuz und quer. Eigentlich mag ich es sehr, wenn eine Handlung nicht chronologisch aufgebaut, sondern verschachtelt ist. Doch letztlich verliert sich Hosseini in den einzelnen Strängen. Immer wieder neue Personen werden eingeführt, jedes Kapitel wirkt dadurch wie eine neue Kurzgeschichte. Das kann spannend sein, ist es in diesem Fall aber nicht. Vielmehr strengt es an, sich ständig mit neuen Geschichten zu beschäftigen, deren Ende oft nur angerissen, aber nicht erzählt wird.

Auch von Pari und Abdullah erfährt man lange Zeit gar nichts mehr, ich blätterte von Seite zu Seite, wartete auf die Fortschreibung ihrer Geschichte. Von Abdullah ist gar mehrere Hundert Seiten überhaupt nicht mehr die Rede. Erst gegen Ende wird dann seine Geschichte wie im Zeitraffer erzählt, das wirkt aber lieblos und ist absolut nicht befriedigend. Ich hatte mir mehr von Khaled Hosseinis neuestem Werk erhofft. Schade.

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20. März 2013

Schmöker: “Tausend strahlende Sonnen” von Khaled Hosseini

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Es ist der Selbstmord ihrer Mutter, der das Leben von Mariam gehörig durcheinanderwirbelt. Sie ist gerade 15 Jahre alt, unehelich geboren und wird mit dem Schuhmacher Rashid verheiratet. Er ist 30 Jahre älter, lebt in Kabul und neigt zur Gewalt. Nach einigen Jahren nimmt er sich eine zweite Frau: Laila. Sie verlor ihre Eltern bei einem Bombenangriff.  Rashid tyrannisiert die beiden Frauen. Sie aber verbünden sich – gegen ihren aggressiven Ehemann und den Taliban-Terror.
Von Khaled Hosseini las ich bereits vor Jahren “Drachenläufer”, auch den Film sah ich dazu.  Die Geschichte um eine Freundschaft zwischen zwei Jungen in Afghanistan berührte mich sehr. “Tausend strahlende Sonnen” bekam ich zum Geburtstag geschenkt. Viele Wochen stand es im Regal, bis ich es Ende 2011 endlich in die Hand nahm, dann aber  nicht mehr davon lassen konnte.
Hosseinis Schreibstil ist sehr angenehm. Sehr detailreich beschreibt er das Leben in Afghanistan – in der Provinz, wo Mariam aufwächst, in Kabul, wo die Handlung später spielt.  Es ist ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick in das Herz des geschundenen Landes.
Auch das politische Geschehen bringt der Autor dem Leser näher. Über Jahrzehnte zieht sich die Geschichte um die Freundschaft von Mariam und Laila. So erfuhr ich, wie das Leben der Menschen unter den Sowjets war und wie unter den Taliban.
Ich fand es zutiefst deprimierend zu lesen, wie viel sich für die Frauen in den Jahren unter den Taliban verschlechtert hat. Die Chance zur Schule zu gehen, zu studieren, sich gegen einen gewalttätigen Mann zur Wehr zu setzen – alle möglichen Rechte wurden beschnitten.  Es machte mich streckenweise richtig wütend, diese Ungerechtigkeiten zu lesen.  Die Situation in dem Land scheint so verfahren, aussichtslos. Viel habe ich nach dem Lesen darüber nachgedacht.  Das aktuelle politische Geschehen nehme ich seither anders wahr, bin bei der Bewertung oft hin- und hergerissen.
Im Februar 2012, kurz nachdem ich das Buch gelesen hatte, war ich beim Deutschen Medienpreis in Baden-Baden. Dort erlebte ich Sakena Yacoobi. Sie hat durch ihr Bildungsinstitut in Afghanistan vielen Frauen und Mädchen eine Lebenspersektive geschenkt – inmitten des Terrors. Dafür wurde sie ausgezeichnet. Ihr Engagement beeindruckte mich. Ich hoffe sehr, dass das Land nach dem Abzug der westlichen Soldaten nicht völlig im Chaos versinkt und möglichst viele Frauen ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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