30. Juli 2022

Buchkritik: “Wenn du mich heute wieder fragen würdest” von Mary Beth Kane

"Wenn du mich heute wieder fragen würdest" von Mary Beth Kane

“Wenn du mich heute wieder fragen würdest”: Hoffnung für schwere Tage

Wahrscheinlich wäre „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ an mir vorbei gerauscht, wenn nicht ausgerechnet von Meg Wolitzer ein Statement direkt auf der Vorderseite des pistaziengrünen Covers abgedruckt wäre: „Mitreißend und bewegend“ findet die amerikanische Autorin das Werk von ihrer Kollegin Mary Beth Kane.

Von Meg Wolitzer bin ich riesiger Fan, seit ich „Die Interessanten“ gelesen habe. Der Roman um sechs Freund*innen, die gemeinsam älter und auf die verschiedenste Weise vom Leben herausgefordert werden, hat mich zutiefst bewegt und gehört definitiv zu meinen All-time-Favorites.

Meg Wolitzers positves Urteil machte mich deshalb neugierig. Ist „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ tatsächlich so gut? Gespannt begann ich zu lesen.

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23. Juni 2022

Flimmerkasten: Liebe und Anarchie

“Liebe und Anarchie”: Warum die zweite Staffel fantastisch ist!

Sie ist schön, ehrgeizig und erfolgreich: Sofie (Ida Engvoll) hat mit Mitte 30 alles erreicht, was in einem gutbürgerlichen Leben wichtig ist. Mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt sie in einer Designerwohnung mitten in Stockholm, als Beraterin verdient sie eine Menge Geld, ihre Freizeit verbringt sie auf hippen Partys. Es ist ein Leben wie im Bilderbuch.

Doch als sie wegen eines neuen Auftrags zu einem konservativen Verlag kommt, trifft sie dort auf den jungen IT-Techniker Max (Björn Mosten). Es knistert zwischen ihnen – nach und nach gerät Sofies geregeltes Leben immer mehr aus den Fugen. Ihre Welt steht Kopf.

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23. Juni 2022

Flimmerkasten: “Borgen – Macht & Ruhm”

“Borgen – Macht & Ruhm” – die vierte Staffel ist auf Netflix zu sehen

Erfolgreiche Politikerin und glückliches Familienleben – geht das gut? Die dänische Serie „Borgen“ zeigt genau diesen Spagat. Und lässt darüber hinaus einen Blick zu hinter die Kulissen des Politikbetriebs. Es wird deutlich, wie nützlich Netzwerke sein können, wie Intrigen entstehen und welche Rolle die Medien dabei spielen. Das ist spannend und sehr unterhaltsam.  

Nach den ersten drei erfolgreichen Staffeln war eine lange Pause. Nun hat Netflix eine vierte Staffel produziert. Mit altbekannten Gesichtern. Protagonistin Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) ist nun Außenministerin und muss sich um einen politischen Skandal in Grönland kümmern. Dort entdeckte eine Firma bei Bohrungen Öl. Das Interesse an dem fossilen Brennstoff ist groß – nicht nur bei Dänemark und Grönland, sondern auch bei den USA, China und Russland. Ein internationaler Konflikt entsteht. Birgitte Nyborg befindet sich mittendrin.

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29. Mai 2022

Buchkritik: “Blauwal der Erinnerung” von Tanja Maljartschuk

"Blauwal der Erinnerung" von Tanja Maljartschuk

“Blauwal der Erinnerung”: Über einen ukrainischen Volkshelden und eine Frau mit Panikattacken

Als sie unberechenbare Panikattacken überfallen, ihr das Herz bis in die Kehle drängt, Wörter an Bedeutung verlieren und der Gang aus dem Haus zu einer riesigen Überwindung wird, findet die namenlose Ich-Erzählerin zu Wjatscheslaw Lypynskyj.

In einer alten ukrainischen Tageszeitung entdeckt sie eine Todesanzeige des ukrainischen Volkshelden. Im Juni 1931 ist der Politiker und Historiker gestorben. Wer ist dieser Mann, der Anfang des 20. Jahrhunderts für die Geschichte der Ukraine eine wichtige Rolle spielt, aber danach nahezu in Vergessenheit gerät?

Um selbst wieder Halt im Leben zu finden, beginnt die junge Frau seine Geschichte zu recherchieren – und beschäftigt sich dadurch auch mit sich und der Vergangenheit ihrer eigenen Familie.

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13. Mai 2022

Buchkritik: „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili

„Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili

„Das achte Leben (Für Brilka)“: Eine fulminante Reise durch das 20. Jahrhundert in Georgien

Wow, was für ein Wälzer. Als ich „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili aus dem Versandkarton ziehe, staune ich kurz über den Umfang des Bestsellers. Es sind knapp 1300 Seiten, eine echte Herausforderung also.

Der Krieg in der Ukraine hat mich dazu bewegt, dem Ullstein-Verlag zu schreiben und um ein Rezensionsexemplar des im Jahr 2017 erschienen Romans zu bitten. In den vergangenen Wochen ist mir klar geworden, wie wenig ich über die Geschichte der ehemaligen Sowjetrepubliken weiß.

Ich schaue deshalb Dokumentationen in Mediatheken und beschließe, auch vermehrt Romane darüber zu lesen. „Das achte Leben (Für Brilka)“ ist nun der Anfang. Die Familiensaga umfasst das gesamte 20. Jahrhundert und gibt einen umfangreichen Einblick in das Leben der Menschen in Georgien und Russland – angefangen vom Sturz des russischen Zaren bis hin zum Zerfall der Sowjetunion.

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8. Mai 2022

Buchkritik: “Der große Sommer” von Ewald Arenz

Der große Sommer" von Ewald Arenz

Flashbacks in die eigene Jugend: “Der große Sommer”

Wenige Tage vor den Sommerferien kommt die niederschmetternde Nachricht: Frieder wird das Schuljahr nicht schaffen, seine Latein- und Mathenoten sind zu schlecht. Er hat nur noch eine Chance: die Nachprüfungen am Ende der Ferien. Statt schönem Urlaub in der Sonne heißt es für den Teenager nun: Latein lernen beim strengen Großvater.

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29. April 2022

Schmöker: „Butter“ von Asako Yuzuki

„Butter“ von Asako Yuzuki

„Butter“ von Asako Yuzuki: über die gesellschaftlichen Zwänge in Japan

Bereits nach wenigen Seiten muss ich beim Lesen des Buchs „Butter“ stoppen und mir einen Knick in die Seite machen. Was Autorin Asako Yuzuki schreibt, kann ich kaum glauben:

„Japanerinnen nehmen heute weniger Kalorien zu sich als unmittelbar nach dem Krieg.“

Bin ich bislang naiverweise davon ausgegangen, dass sich japanische Frauen gesünder ernähren beziehungsweise einen besseren Stoffwechsel haben und deshalb meist sehr schlank sind, belehrt mich der Roman nun eines Besseren.

Schnell wird mir durch „Butter“ klar: In der japanischen Gesellschaft herrscht ein immenser Druck auf Frauen. Protagonistin Rika erzählt zu Beginn der Geschichte, dass sie selbst nicht über 50 Kilogramm wiegen möchte – aus Angst, grobschlächtig zu wirken.

Ihre Strategie, um ihr Gewicht zu halten: Sie vermeidet es, abends etwas zu essen. Selbst wenn sie bei Freunden oder der Familie eingeladen ist, greift sie maximal zu Salat oder Suppe.

Die Konsequenzen sind vielseitig. Sogar Milchbauern müssen um ihre Existenz kämpfen, weil viele Japaner*innen aus Diätgründen auf Kohlenhydrate und Milchprodukte verzichten.

Als ich meinen japanischen Freund darauf anspreche, nickt er nur. Meine gerade gewonnenen Erkenntnisse sind ihm keineswegs neu. Dass ich mit meinen über 60 Kilogramm in seiner Heimat als dick gelte, wird mir nun bewusst.

Uff.

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25. März 2022

Schmöker: “Die Anomalie” von Hervé Le Tellier

"Die Anomalie" von Hervé Le Tellier

Kritik: „Die Anomalie“ – ein wunderbares Buch, das Unterhaltung mit Philosophie verknüpft

Es ist ein großer Wirbelsturm, der die Boeing 787 am 10. März 2021 gehörig ins Schlingern bringt. Es wackelt heftig im Inneren, einer Frau fällt die Brille von der Nase, ein Gepäckfach öffnet sich. Die mehr als 200 Passagiere bekommen Todesangst. Manche fangen an zu beten, andere zu weinen. Holprig fliegt das Flugzeug weiter und kommt schließlich sicher in New York an. Alles scheint gut.

Doch dann taucht am 24. Juni das Flugzeug mit demselben Kapitän, der identischen Crew sowie den gleichen Reisenden am Himmel erneut auf. Die Boeing hat sich im Wirbelsturm quasi verdoppelt und landet nun drei Monate später nochmals. Eine zunächst unerklärliche Anomalie. Wie konnte das passieren und warum? Wissenschaftler*innen suchen darauf nun eine Antwort. Die Gesellschaft ist in Aufruhr, als sie davon erfährt. Ist das Leben etwa nur eine Simulation?

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25. Februar 2022

Schmöker: “Dunkelblum” von Eva Menasse

"Dunkelblum" von Eva Menasse

„Dunkelblum“ von Eva Menasse: ein anstrengender Bestseller

Eine Umfrage der „Zeit“ hat mich vor wenigen Wochen zu „Dunkelblum“ von Eva Menasse gebracht. Leser*innen der Wochenzeitung hatten den Roman der österreichischen Autorin auf Platz 1 der besten Bücher 2021 gewählt. Ich wurde neugierig. Bislang war „Dunkelblum“ nicht auf meiner Lese-Liste gestanden. Nun wollte ich aber unbedingt selbst wissen, was an diesem Buch so besonders ist.

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24. Februar 2022

Schmöker: “Der Trafikant” von Robert Seethaler

Der Trafikant von Robert Seethaler

Ein Juwel in Buchform: “Der Trafikant” von Robert Seethaler

Fast wäre „Der Trafikant“ in meinem Bücherchaos untergegangen. Bereits vor Jahren hatte ich ihn gekauft, auf meinen Stapel an ungelesenen Werken gelegt – und vergessen. Immer wieder kam ihm ein anderer Roman zuvor, verdrängte ihn. „Der Trafikant“ rutschte tief, tiefer und verschwand nahezu, bis ihn seine Verfilmung im vergangenen Jahr schlagartig in mein Gedächtnis zurückbrachte.

Zum Glück.

Innerhalb weniger Tage habe ich das Buch mit dem minimalistischen Cover nun gelesen, Satz für Satz aufgesaugt. „Der Trafikant“ ist voll mit wunderbaren Beschreibungen, Witz und einer Leichtigkeit der Sprache, die der Grausamkeit der Geschehnisse kurz vor dem Zweiten Weltkrieg diametral gegenübersteht – und dadurch erst recht eine Intensität entwickelt. Der Roman erfasste mich mit voller Wucht. Er ist ein funkelnder Juwel in Buchform.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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