12. Februar 2017

Heimat: Ein Mittag mit Astrid und Sarah von ‘The Hunter'”

Das sind Sarah und Astrid.

The Hunter: Schönheiten unter sich

Es sind große und kleine Schätze, die sich in dem Lagerraum im Hinterhof in der Winterstraße 44a auf 240 Quadratmetern verteilen: Eine edle Vitrine aus Nussbaumholz und Retrotapete steht dort neben Sesseln mit salbeifarbenen Polstern, eine Deckenleuchte aus Messing baumelt von der Decke. Besonders ein Klappsofa mit einem Überzug in Petrolblau zieht all meine Aufmerksamkeit auf sich. „Hier bewahren wir die Möbel auf, die wir aufkaufen, bearbeiten und dann wieder weiterverkaufen“, erzählt mir Astrid Ochsenreither bei einem Rundgang. Die Karlsruherin steht mit Sarah Bürklin hinter „The Hunter“. Gemeinsam bieten sie seit mehr als 2,5 Jahren hochwertige und ausgewählte Vintage-Möbel an – in dem Lagerraum in der Südstadt und online.

„Es läuft“, sagt Astrid Ochsenreither, sie lächelt, ein wenig Erleichterung ist ihr dabei anzusehen. „Sich selbstständig zu machen, ist immer ein Risiko, aber wir sind froh, dass wir es gewagt haben“, resümiert sie. Kunden aus der ganzen Welt bestellen inzwischen bei den Karlsruherinnen die hübschen Einzelstücke – aus Shanghai, den USA oder Frankreich.

Begegnung am KIT

Das Kunstgeschichte-Studium am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) brachte Sarah und Astrid vor etwa 15 Jahren zusammen. „Wir hatten schnell einen engen Draht zueinander, im Hörsaal, aber auch darüber hinaus“, erinnert sich Sarah. Die Freundschaft hielt – über das Studium am KIT hinweg.

Astrid zog es danach für ein Produktdesign-Studium an die Hochschule für Gestaltung (HfG). „Dort kam ich zum ersten Mal mit handwerklichem Arbeiten und Möbeln näher in Berührung”, erzählt sie. In einem Vintage-Laden in der Oststadt bekam sie danach außerdem einen Einblick in den Ein- sowie Verkauf von alten Möbeln. Sarah war nach dem Studium Inhaberin in einem Karlsruher Club, bis dieser schloß. Was nun? Die Idee, gemeinsam selbst alte Möbel zu „jagen“, zu überarbeiten und wieder zu verkaufen, kam auf.

Aus dem Nichts wurde „The Hunter“

Astrid begann so, bei Haushaltsauflösungen und Flohmärkten nach passenden Möbeln aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren zu suchen. „Die ersten Aufbereitungsarbeiten fanden im Dachgeschoss meiner Altbauwohnung statt“, erzählt sie und lacht. Die größte Herausforderung damals: Die Sachen in den obersten Stock hochzuschleppen. Eine Wand strichen die beiden Frauen weiß, um die Möbel vor neutralem und cleanem Hintergrund fotografieren und dann auf Ebay anbieten zu können. „Die Nachfrage war von Beginn an da – zum Glück.“

Platznot!

Von da reihte sich ein Rädchen ins nächste,“The Hunter“ nahm konkretere Formen an. „Das Geld, das wir durch den Verkauf auf Ebay hatten, investierten wir gleich wieder in neue Möbel, nach und nach hatten wir so immer mehr Sachen im Angebot und mussten uns überlegen, wie wir weitermachen möchten“, sagt Sarah. Vergrößern oder nicht? Die beiden Frauen wogen Vor- und Nachteile ab.

Das Jagen ist erstmal eingestellt

Den großen Lagerraum in der Südstadt zu mieten, war keine leichte Entscheidung. Astrid sagt: „Es war gruselig, wir mussten zum ersten Mal tatsächlich Geld in die Hand nehmen und ein finanzielles Risiko eingehen.“ Sie wagten es und auch dieses Mal klappte alles, die Nachfrage brach nicht ab, die Investition lohnte sich.

Seit zwei Jahren sind die Karlsruherinnen nun in der Winterstraße und mieteten vor kurzem noch ein Büro im Vorderhaus dazu. „Außerdem überlegen wir gerade, ob wir uns Verstärkung holen – in manchen Wochen kommen wir mit der Arbeit kaum hinterher“, sagt Sarah. Das Jagen nach alten Möbeln konnten die Karlsruherinnen aber inzwischen weitgehend einstellen – in der Branche hat sich “The Hunter” herumgesprochen, Verkäufer melden sich von alleine.

Trennungsschmerz

An manches Möbelstück, das sie aufgearbeit haben, verloren Astrid und Sarah in den vergangenen zwei Jahren ihr Herz, loslassen fiel dann schwer. „Da unsere Preise aber nicht gerade im niedrigen Segment liegen, wissen wir, dass die meisten Käufer unsere Sachen auch wertschätzen – ein kleiner Trost“, sagt Astrid.

“The Hunter” hat das Leben der beiden Karlsruherinnen gehörig durcheinander gewirbelt, auch ihre Freundschaft. „Wir sind inzwischen wie ein altes Ehepaar“, sagt Sarah und lacht. „Auch wenn es mal kurz Reibungen gibt, wir diskutieren alles sofort miteinander aus und sind dadurch noch enger miteinander geworden“, ergänzt sie dann und lässt ihren Blick schweifen – über die großen und kleinen Schätze, die sich in dem Lagerraum in der Karlsruher Südstadt verteilen.

Infos:
www.thehunter.eu
www.facebook.com/thehunterselectvintagegoods/?fref=ts

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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