26. August 2018

Heimat: “Ein Abend beim Badischen Kunstverein”

Fotocredit (alle): Badischer Kunstverein

Was entsteht in Karlsruhe?

Zwei japanische Schriftzeichen und ein Halbkreis – in roter Farbe gedruckt auf rosa Papier. Mehr brauchte es nicht für das 31. Cover des Slanted-Magazins, für eine Ausgabe über Tokio. „Eines unserer schönsten Cover“, erzählt Julia Kahl vom Redaktionsteam bei ihrer Präsentation beim Badischen Kunstverein. Slanted entsteht in einem Büro in der Karlsruher Südstadt. Die Print-Ausgabe des Designmagazins ist deshalb eines von mehr als 100 Objekten, die anlässlich der „Ausstellung 49° – Kulturelle Produktion in Karlsruhe“ noch bis zum 16. September in den Räumen des Badischen Kunstvereins (Waldstraße 3) zu sehen sind.

Happy Birthday!

Der Badische Kunstverein feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. „Wir haben deshalb eine umfangreiche Ausstellung mit passendem Rahmenprogramm ins Leben gerufen“, erzählt mir Lisa Welzel von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, als sie mich an diesem Sommerabend durch die Ausstellung führt. Das heißt: In mehreren Räumen des Badischen Kunstvereins sind die Ergebnisse der kulturellen Produktion in Karlsruhe zu sehen. Es gibt außerdem jeden Mittwoch Veranstaltungen und in den Badischen Neuesten Nachrichten sind Porträts von 40 Künstlern aus Karlsruhe und der Region nachzulesen.

SAMESAME

Rote Pins für die Karlsruher Karte

3D-Drucke des Vereins „Die Anstoß“, eine Aschenbecher-Skulptur von „Cola Taxi Okay“ und Gläser von „SameSame“, dem Label von Laura Jungmann: Die unterschiedlichsten Gegenstände sind in der Ausstellung zu sehen. Über zwei Räume zieht sich außerdem eine schwarz-weiße Karte von Karlsruhe – rote Pins zeigen, wo genau sich Werkstätten, Off-Spaces, Ateliers oder Shops befinden. Rund um den Lidell-Platz gibt es viele Farbtupfer sowie in der Südstadt.

Cola Taxi Okay

Wie der Ist-Zustand aussieht

„Uns war es wichtig, einen Einblick in die kulturelle Produktion in Karlsruhe zu zeigen“, erläutert Lisa Welzel. Es gehe aber nicht um Vollständigkeit, sondern um einen ersten Anstoß, damit sich zum einen Besucher über die Vielfalt der Szene informieren, aber auch Netzwerke zwischen verschiedenen Bereichen entstehen können. Letztlich sollen Antworten auf die Frage gefunden werden: Was braucht die kulturelle Produktion in Karlsruhe?

Was fehlt?

Im zweiten Ausstellungsraum liegen auf einem großen Tisch farbige Blätter, die darauf warten, von den Besuchern beschrieben zu werden: „Was fehlt dir, Karlsruhe?“ steht auf einem. Wer möchte, kann seine Wünsche mit Kugelschreiber darauf festhalten. Am 12. September wird es dazu einen Diskussionsabend geben. Besucher können außerdem die schwarz-weiße Stadtkarte ergänzen, wenn sie weitere Projekte der kulturellen Produktion in Karlsruhe kennen – so wird Wissen geteilt und die Ausstellung während ihrer Laufzeit verändert und ergänzt.

Zeitreise!

„Kunst und Gewerbe“ – der Badische Kunstverein war ursprünglich als Verein für Kunst und Industrie geplant. „Im heutigen Café Rih gab es über mehrere Jahrzehnte hinweg auch ein Kunstgewerbegeschäft“, erzählt mir Lisa Welzel. Dieser historische Aspekt ist das Thema im dritten Raum, in dem eine Auswahl von schwarz-weiß-Fotografien von Horst Schlesiger zu sehen ist. Der Karlsruher dokumentierte zwischen 1960 und 1985 zahlreiche Ausstellungen des Badischen Kunstvereins für die Badischen Neuesten Nachrichten – und schwebte so ständig zwischen Kunst und Gewerbe.

Auch an Emmy Schoch erinnert die Jubiläumsausstellung. Die Badnerin eröffnete 1906 in der Herrenstraße 12 ein eigenes Schneideratelier und wohnte in den Räumen des Kunstvereins. Das Besondere an ihr: Emmy Schoch entwarf und schneiderte nicht nur Kleidung, sondern zeigte sich als besonders innovativ, indem sie einen Katalog mit ihren Angeboten durch die Welt schickte und sich während der beiden Weltkriege und dazwischen als sehr anpassungsfreudig gegenüber der sich ständig veränderten Rahmenbedingungen zeigte.

Von Plattenladen zu Plattenladen

Als ich an diesem Mittwochabend mit Lisa Welzel durch die Ausstellung laufe, ist auch Julia Kahl vom Slanted-Redaktionsteam im Gebäude. „Wie entsteht ein Magazin? Typographie und Graphikdesign“ lautet der Titel ihrer Präsentation, die eingebettet ist in die Veranstaltungsreihe „Mittwochs beim Kunstverein“. In 60 Minuten erzählt sie von den Anfängen, als Slanted noch ein Blog war, der Entwicklung des Print-Magazins und gibt außerdem einen Ausblick.

Am 29. August wird es anlässlich der Veranstaltungsreihe noch eine Fahrradtour von Plattenladen zu Plattenladen geben und anschließend eine Elektro-Improvisation von Laer. Eine Woche später, am 5. September, eine Buch- und Arbeitspräsentation von Stephan Baumann und Katrin Lautenbach zum Thema „Fotografie, eine Praxis zwischen Kunst und Gewerbe“. „Wir möchten mit diesen Veranstaltungen den Austausch in Karlsruhe zwischen Kreativen und Interessierten stärken“, fasst Lisa Welzel zusammen.

Info:
Zum Abschluss der Ausstellung gibt es am 14. September deshalb auch noch ein „Get-Together“: Karlsruhes ältestes Wohnhaus in der Waldstraße 17 wird 300 Jahre alt und zeigt ab 18 Uhr seine Künstlerräume. Ab 21 Uhr gibt es dann Musik mit dem Karlsruher Label 76666 in der Bar Aktiv 2.

Öffnungszeiten für die Ausstellung:
Di-Fr 11 bis 19 Uhr
Sa/So/Feiertage 11 bis 17 Uhr
Montags geschlossen

Internet: Badischer Kunstverein

SAMMLER

 

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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