9. Dezember 2018

Schmöker: “Das Café am Rande der Welt” von John Strelecky

Schreiben: Mein Existenz-Zweck!

Es war ein riesiges Glück, dass ich meinen Zweck der Existenz bereits mit 22 Jahren fand. Ich saß eines Abends in einer Straßenbahn. Es war bereits dunkel draußen, schemenhaft rauschten Bäume am Fenster vorbei. Mein Blick wanderte durch den hell erleuchtenden Innenraum des Wagons, blieb an dem Mann hängen, der mir gegenüber saß, Zeitung las. In diesem Moment blitzte plötzlich eine Idee in meinem Kopf auf: Schreiben, das ist das, was ich machen möchte. Ich war mir sicher.

Es war eine absurde Situation, die aber mein komplettes Leben veränderte.

Talent, wo bist du?

Keinen Plan hatte ich bis zu diesem Moment gehabt, wie meine berufliche Zukunft aussehen soll. Mein Studium hatte ich einzig nach meinen Interessen ausgewählt: Soziologie, Politik und Psychologie. Ich liebte diese Fächerkombination, meine Vorlesungen und Seminare, sogar das Lernen. Es war so unfassbar spannend, was ich in Heidelberg an neuen Dingen erfuhr. Aber ich hatte bislang nichts gefunden, was ich wirklich gut konnte, was mir von tiefstem Herzen Spaß machte. Tischtennis,Volleyball, Handball, Querflöte. Alles Mögliche hatte ich in meiner Jugend bereits ausprobiert, mit allem wieder aufgehört, nichts hatte mich tief bewegt.

Lebenstipps im Café

Dass es vielen Menschen so geht, beschreibt John Strelecky in seinem Buch „Das Café am Rande der Welt“.

Bisher habe ich Entscheidungen in meinem Leben meistens aufgrund anderer Überlegungen getroffen, zum Beispiel aufgrund von Ratschlägen meiner Familie, weil es irgendeinen sozialen Druck gab oder aufgrund der Meinung anderer Leute.“

Diese Sätze lässt der Autor seinen Protagonisten erzählen, der sich auf dem Weg in den Urlaub befindet. Er fühlt sich ausgebrannt, möchte seine Batterien wieder aufladen. Auf dem Highway verfährt er sich jedoch und landet spät in der  Nacht in einem Café, in dem er mit drei Fragen konfrontiert wird:

Warum bist du hier?
Hast du Angst vor dem Tod?
Führst du ein erfülltes Leben?

Schnell zu lesen

In verschiedenen Gesprächen kommt er in dieser Nacht im Café zu vielen neuen Erkenntnissen: Er hört vom Zweck der Existenz und wie wichtig es ist, ihn zu kennen. Nur auf diese Weise sei es schließlich möglich, die Dinge zu tun, die einem Spaß machen, in denen man gut ist, die keine Last sind.

Mithilfe vieler leicht zugänglicher Metapher und kleinen Geschichten zog mich John Strelecky mit, innerhalb von drei Stunden hatte ich sein Werk durch. Da ich aber bereits vor vielen Jahren „Dienstags bei Morrie“ gelesen habe, war für mich nur wenig Neues dabei.

Dinge nicht verschieben, sondern einfach sofort tun, sich darüber klar werden, was einem gut tut, was nicht und sich jeden Tag selbst eine Freude machen, das habe ich damals schon in meinen Alltag implementiert. Für mich bedeutet das: weniger Serien streamen, sondern mehr lesen, ich koche mir, so oft es geht, Gerichte von Ella Woodward, habe Stricken gelernt und dann gibt es natürlich noch das Schreiben.

Alles hat sich gefügt

Denn nachdem ich an diesem einen Abend in der Straßenbahn saß, war der Gedanke mit dem Schreiben fix in meinem Kopf. Daheim setzte ich mich an meinen Schreibtisch und begann, Bewerbungen für ein Praktikum bei einer Tageszeitung zu schreiben.

Es fügte sich alles. Nur wenige Wochen später hatte ich eine Zusage: vier Wochen lang genau in der Zeit zwischen Grund- und Hauptstudium. Perfekt. In der Nacht vor dem ersten Praktikumstag packte mich aber plötzlich die Panik: Schaffe ich das? Kann ich überhaupt Artikel schreiben?

Alle Ängste waren umsonst. Es war so ein elektrisierendes Erlebnis, als ich meinen ersten Artikel zur Korrektur einem Redakteur überreichte, er ihn an seinem Platz las, zurückkam, mich lange anschaute, lächelte und meinte: Das ist gut, das wird was, du hast Talent.

Unendlich dankbar bin ich über all die Begegnungen, die danach mit Redakteuren bei den unterschiedlichsten Medien folgten. Immer wieder fand ich kompetente Menschen, die sich Zeit für mich nahmen, mir meine Artikel auseinandernahmen, mir konstruktive Tipps gaben, mich unterstützten, mir halfen, mich so unendlich weiterbrachten.

Schreiben macht mich glücklich, Schreiben ist meine verlässliche Konstante, Schreiben hilft mir stets in schweren Zeiten, bringt mir Leichtigkeit. Schreiben ist Glück für mich. Ohne Schreiben geht es nicht für mich.

Allen, die ihren Zweck der Existenz noch nicht kennen oder einfach ein sehr nett geschriebenes sowie kurzweiliges Buch lesen möchten, kann ich “Das Café am Rande der Welt” sehr empfehlen. Ich habe hier nun noch das nachfolgende Werk liegen und bin gespannt!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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