27. März 2022

Fernweh: “Mit dem Zug nach Venedig”

Venedig

Eine Reise nach Venedig während der Corona-Pandemie

Die ersten Stunden in Venedig fühlen sich an, als besuche ich Disneyland an einem Ruhetag. Um etwa 18.30 Uhr stoppt mein Zug am Bahnhof. Es ist ein Montagabend im September. Um zu meinem Airbnb-Zimmer nahe der Rialto-Brücke zu kommen, muss ich meinen Rollkoffer nun etwa 20 Minuten lang durch die kleinen Gassen und über die Brücken der malerischen Stadt ziehen. Es ist eine gespenstische Erfahrung.

Venedig ist wie ausgestorben. Nur gelegentlich begegnen mir auf dem Weg andere Tourist*innen. Gondoliere sitzen arbeitslos an den Abfahrtpunkten und drücken gelangweilt auf ihrem Smartphone herum. In Cafés sind die meisten Stühle unbesetzt. Auch wenn es mir leid tut, dass den Betreiber*innen nun einiges an Geld flöten geht, freue ich mich riesig. Venedig ohne Menschenmassen zu erkunden – es ist ein Traum.

Venedig
Venedig
Venedig
Venedig

Wunderschöne Strecke zwischen München und Venedig

Die Reise nach Venedig hatte ich eigentlich bereits für März 2020 geplant. Zugtickets und Übernachtungen waren gebucht und bezahlt – dann kam Corona und ich musste kurzfristig alles absagen. Nun also 1,5 Jahre später der zweite Anlauf.

Morgens um 8 Uhr startet mein Zug von Karlsruhe über München, Innsbruck, Bozen und Padova – einmal muss ich umsteigen. Es ist eine traumhafte Strecke. Häufig sitze ich einfach nur da, höre Podcasts und schaue aus dem Fenster. Entspannter könnte meine Reise kaum starten.

Zugstrecke Venedig

Einfach treibenlassen!

Einen genauen Plan, was ich in Venedig alles machen möchte, habe ich nicht. Nur der Besuch der Architektur-Biennale ist fest eingeplant und zahlreiche Tipps von Freund*innen habe ich im Handy gespeichert. Was ich davon alles ansehen werde, ist mir selbst noch nicht klar. Ich möchte mich sechs Tage lang treiben lassen, das schöne Wetter genießen, viel lesen und auf gar keinen Fall Stress haben.

Mit meinem Airbnb-Zimmer habe ich großes Glück. Es ist tatsächlich so schön, wie es auf den Fotos im Internet aussieht, sauber und ruhig. Außerdem liegt es sehr zentral, innerhalb von wenigen Minuten erreiche ich zahlreiche Sehenswürdigkeiten und andere Stadtviertel.

Gute Pizza im Restaurant Dolfin

Am ersten Abend lande ich im Restaurant Dolfin. Das Preis-Leistungsverhältnis ist dort überraschend gut. Hatte ich damit gerechnet, in Venedig viel Geld für Essen und Trinken ausgeben zu müssen, habe ich tatsächlich Glück mit meiner Auswahl. Für eine riesige Garnelen-Pizza mit Rucola, Rotwein und eine große Flasche Wasser bezahle ich 18 Euro.

Restaurant Dolfin Venedig

Frühstück im Caffè del Doge

Bevor ich am nächsten Tag meine erste Erkundungstour starte, möchte ich zunächst im Caffè del Doge frühstücken. Es liegt versteckt in einer kleinen Gasse nahe der Rialto Brücke. Es ist entspannt dort. Einige Einheimische sitzen an den Tischen um mich herum und genießen die spätsommerliche Sonne. Ich hole mir einen Kaffee und ein warmes Tomaten-Mozzarella-Croissant – und bezahle knapp 6 Euro dafür.

San Marco

San Marco

Von einer Freundin habe ich den Tipp bekommen, die Stadt zuerst mit einer Rundfahrt mit dem Wassertaxi (Vaporetto) zu erkunden. Gut eignet sich dafür beispielsweise eine Tour von einer Haltestelle beim Markusplatz hoch zum Bahnhof.

Als ich vom Caffè del Doge vorbei an der Rialto Brücke zum Markusplatz laufe, entdecke ich dann doch einige Tourist*innen – entweder sprechen sie auf Deutsch oder Französisch miteinander. Es ist aber selbst an diesen Hotspots noch sehr entspannt, kein Gedränge, kein Gedrücke.

Rialto Brücke
Markusdom
Markusplatz

Als ich am Markusplatz ankomme, hält mich der imposante Anblick des Markusdoms (Basilica di San Marco) dann doch kurz davon ab, direkt zum Wassertaxi am Canal Grande zu gehen. Auch am Dogenpalast mache ich kurz Stopp und natürlich an der Seufzerbrücke, wo sich einige Menschen immer wieder für Touri-Fotos positionieren.

Canal Grande

An den vielen Ramsch-Souvenirständen vorbei laufe ich dann zu einer Vaporetto-Haltstelle und kaufe mir ein 3-Tagesticket. Eine sinnvolle Investition. Die Fahrt ist herrlich. Die Sonne scheint an diesem Tag, das Wasser funkelt und ich kann mir entspannt die filigranen Bauten anschauen. Es ist wunderschön und verschafft mir einen ersten Eindruck von der Stadt.

Cannaregio

Cannaregio

Am Bahnhof steige ich vorerst wieder aus und laufe von dort aus in das Stadtviertel Cannaregio. Dort werde ich in den nächsten Tagen noch oft vorbeikommen. In dem ehemals jüdischen Viertel im Nordwesten gibt es viele Restaurants, Caffès, Bars und Läden vor allem entlang der Strada Nova.

Cannaregio

Das Stadtviertel ist voll von hübschen Brücken, Kirchen und Palästen. Im Palazzo Ca’ d’Oro gibt es beispielsweise eine große Kunstsammlung. Oder in der Kirche Madonna dell’Orto sind unter anderem Kunstwerke von Tizian zu sehen.

Für ein Abendessen habe ich mir in Cannaregio die Osteria Santa Fosca ausgesucht. Dort sitze ich direkt am Wasser. Während der Aperitif Spritz Select gelungen ist, bringen sie mir die bestellte Parmigiana di Melanzane leider innen noch ganz kalt. Ein Besuch dort kann ich deshalb nur einschränkend empfehlen.

Cannaregio

Dorsoduro

Zwei ganze Tage verbringe ich im studentischen Viertel Dorsoduro. Es liegt im Süden der Altstadt. Bereits vom Wassertaxi aus habe ich die barocke Kirche Santa Maria della Salute bestaunt. Durch die Gassen von Dorsoduro zu laufen, ist eine Wohltat. Es ist fast nichts los und überall sind hübsche Gebäude zu entdecken.

Einen längeren Stopp lege ich auf dem Campo Santa Margherita ein. Dort ist das Caffè Rosso. Ein Freund hat es mir empfohlen. An einem sonnigen Morgen sitze ich dort entspannt, trinke einen Cappuccino und lese. Wer gerne gesellige Aperitifs mag: Das Caffè Ross soll dafür abends bestens geeignet sein.

Dorsoduro
Dorsoduro Caffè Rosso

Einen Nachmittag verbringe ich außerdem im Peggy Guggenheim Museum. Es befindet sich im Palazzo Venier die Leoni direkt am Canal Grande – eine pittoreske Residenz. Zu sehen sind dort unter anderem Kunstwerke von Max Ernst, Georges Braque, Wassily Kandinsky und Paul Klee.

Peggy Guggenheim Museum Venedig
Peggy Guggenheim Museum Venedig

La Giudecca

Im Süden von Venedig liegt die Inselgruppe La Giudecca. Mit dem Wassertaxi ist es eine kurze Fahrt dorthin. War es in der Altstadt von Venedig schon relativ ruhig, ist es auf den Straßen von Giudecca noch extremer. Ich sehe kaum Menschen, als ich zwischen den Häusern umher wandere.

La Giudecca
La Giudecca
La Giudecca

Die Insel ist nur zwei Kilometer lang. Im westlichen Teil, wo ich ankomme, leben vor allem Arbeiter*innen. Auf der Insel sind neben Wohnhäusern in den vergangenen Jahrhunderten auch Gerbereien, Mühlen, Fabriken und Werften entstanden. Es wirkt alles noch sehr ursprünglich dort.

La Giudecca
GAD_Giudecca Art District

Mein Hauptziel auf La Giudecca ist die Kunstgalerie „GAD_Giudecca Art District“. Rund um die Galerie bringen Handwerker auf einem Gelände Gondeln und Schiffe auf Vordermann. Es ist ein Brummen und Krachen aus den Werkhallen zu hören.

In zwei größeren Räumen ist zeitgenössische Kunst zu sehen. Die Verbindung des rauen Industriecharakters mit den Werken von jungen aufstrebenden internationalen Künstler*innen ist spannend. Mir gefällt es sehr dort.

La Giudecca
La Giudecca
La Giudecca
Biennale

Biennale

Mit Kunst und Architektur geht es auch an meinem letzten Tag weiter. Ich habe mir ein Tagesticket für die Architektur Biennale gekauft. Bevor ich dorthin laufe, gehe ich bei der Bäckerei Farini vorbei und kaufe mir mein Proviant für den Tag.

Bäckerei Farini

Bei Farini gibt es superleckere Panini und Pizzastückchen in den unterschiedlichsten Variationen – mit Rucola, Schinken, Tomaten, Feta und noch vielem mehr. Außerdem gönne ich mir ein Pistazien-Croissant. Herrlich.

Biennale
Biennale

Das Motto der Biennale ist 2021: „How will we live together“. Ich starte bei der Hauptausstellung in Arsenale, wo die verschiedensten Projekte zu sehen sind, die sich um die Themen Nachhaltigkeit, Migration, Klimawandel und soziale oder wirtschaftliche Ungleichheit drehen.

Biennale
Biennale
Biennale

Sowohl in den großen Hallen als auch draußen sind unzählige Arbeiten zu sehen. Als ich nach vier Stunden Pause mache, schwirrt mir bereits der Kopf. Und dabei habe ich den zweiten Teil noch gar nicht gesehen: In Giardini warten die Pavillons der verschiedenen Länder mit spannenden Ideen.

Biennale
Biennale
Biennale

Nach sieben Stunden Input und Eindrücken resigniere ich. Es ist genug. Ich setze mich mit meiner Wasserflasche auf eine Bank vor dem Giardini und schaue einfach nur aufs Wasser, das wieder in der Abendsonne glitzert. Ein einziger Gedanke ist noch in meinem Kopf: Venedig ist einfach märchenhaft schön.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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