8. März 2018

Melodien: Ein Abend mit Flavian Graber von ‘We invented Paris'”

Foto: Nico Schnepf

Auf Tour mit der „Catastrophe-Disco-Bar-Box“

Plötzlich war alles anders. Ende 2017 entschieden sich die Künstler von “We invented Paris” getrennte Wege zu gehen. “Wir hatten zwar keinen Streit, waren aber auch keine Einheit mehr”, erzählt mir Flavian Graber, der Kopf des Schweizer Kollektivs, bei unserem Treffen im Tollhaus in Karlsruhe.

Was nun? Termine für die “Tour de Catastrophe” waren bereits fix, Locations gebucht. “Ich wollte nicht alles canceln – zu sehr hatte ich mich auf die Konzerte gefreut”, sagt Flavian. Er überlegte. Auf die Schnelle eine neue Band zusammen trommeln? Nein. Es sollte anders sein.

Unterstützung von Musikern aus verschiedenen Städten

Flavian postete Aufrufe bei Facebook und Instagram – auf der Suche nach Unterstützung. Seine Idee: jedes Konzert individuell ausrichten und gemeinsam mit lokalen Musikern gestalten. „Mit einer mobilen Pop-up-Bar hatten wir außerdem im Sommer die Tour beworben“, erzählt der Musiker. Das Konzept stieß auf viel Begeisterung, so kam ihm der Gedanke, auch bei den noch anstehenden Konzerten in jeder Stadt einen einheimischen Barkeeper mit auf der Bühne zu haben.

Der Plan klappte. Zahlreiche Musiker meldeten sich bei Flavian.  Die „Catastrophe-Disco-Bar-Box“ füllte sich in jeder Stadt mit neuen Künstlern – unter anderem mit Violinisten und Posaunisten. Und nun, an diesem Abend in Karlsruhe, der Tour-Abschluss.

Überwältigende Erfahrung

Kurz vor dem Auftritt treffen wir uns zum Plaudern. Mit dabei die Musiker, die mit ihm in Karlsruhe auf der Bühne stehen: Nico Schnepf (Tasten), Konstantin König (Drums), Sebastian Brödner (Bass) und Yannik Sandhofer, der als Singer/Songwriter das Vorprogramm bestreitet und Flavian später noch als Gitarrist unterstützt. „Ich bin überwältigt, wie gut bislang alles gelaufen ist“, resümiert der Schweizer. Aus einer zunächst ungewissen Situation sei soviel Kreatives gewachsen und durch die verschiedenen Musiker habe er die eigenen Songs völlig neu entdecken können. „Eine tolle Erfahrung.“

Mit 80er-Jahre Trash

Glitzer und Glamour: Die mobile Disco-Bar-Box ist im Foyer des Tollhauses aufgebaut. 80er-Jahre-Trash deluxe. Silbernes Lametta funkelt an einem riesigen Bildschirm, grünes Licht wechselt sich mit rotem ab. Im hinteren Teil ist außerdem die Mini-Bar aufgebaut, wo ein eleganter Barkeeper im ersten Teil des Konzerts Cocktails mixt und an das Publikum verschenkt – unter anderem Pina Colada, Gin Fizz und Sekt Aperol.

Indie-Pop, Folk, eletronische Klänge

Flavian und Sandhofer starten zu zweit mit „Looking back“ in den Abend, einem leichten, eingängigen Indie-Popsong. Es folgen Werke vom neuesten Album wie “Fuss” und  „Spiderman“, die mit ihren elektronischen Klängen perfekt zum 80er-Jahre-Disco-Bühnenbild passen.

Es ist vor allem die Abwechslung, die den Abend auszeichnet. Ingesamt wechselt Flavian zwischen fünf verschiedenen Sets. Nach dem gemeinsamen Auftakt mit Sandhofer, verlässt Flavian alleine die Disco-Bühne und setzt sich für einen sehr ruhigen Teil auf einen Stuhl mitten ins Publikum. Erst spielt er auf einem indischen Harmonium, dann auf der Gitarre – ohne Verstärker.

Zugabe auf der Theke

Zurück auf der Bühne geht es zunächst nochmals mit Sandhofer alleine weiter, bevor dann Nico, Konstantin und Sebastian hinzukommen. Zusammen spielen sie schnellere Songs wie „Iceberg“ – spätestens jetzt ist das Discofeeling auf das Publikum übergegangen. Still steht im Tollhaus keiner mehr.

So endet mit viel Dynamik und Freude der offizielle Teil des Konzerts. Es folgen gleich mehrere Zugaben. Für „Silence“ stellt sich Flavian auf die Theke, Konstantin setzt sich mit einer leeren Bildschirm-Hülle zu ihm, funktioniert sie zum Instrument um, Sandhaufen begleitet ihn auf der Gitarre. Um die Künstler herum ist es mucksmäuschenstill, alle Augen sind auf den Schweizer gerichtet. Es ist ein emotionaler Abschied von der “Tour de Catastrophe”, die anders als geplant lief, aber voller schöner Überraschungen war.

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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