28. Februar 2020

Buchkritik: “Scherbenpark” von Alina Bronsky

"Scherbenpark" von Alina Bronsky

“Scherbenpark” von Alina Bronsky: Dieses Buch entwickelt einen Sog!

„Scherbenpark“ konnte ich in den vergangenen Tagen nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte um die 17-jährige Sascha aus einem Hochhaus-Ghetto in Berlin entwickelte solch einen Sog auf mich, dass ich am Wochenende einen Bar-Besuch mit Freunden vorzeitig beendete. Ich wollte unbedingt weiterlesen. So spannend ist das Buch von Alina Bronsky.

Spannung im Stakkato-Stil

Vor allem der Schreibstil hat mich total mitgerissen. Die Geschichte wird aus der Sicht von Sascha erzählt – in meist kurzen, abgehackten und mitreißenden Sätzen. Sascha ist als Kind mit ihrer Mutter aus Moskau nach Deutschland gekommen. Selbstbewusst, direkt und trocken beschreibt der 17-Jährige das triste und prekäre Leben in einer Siedlung, in der vor allem andere Menschen aus Russland leben – perspektivlos, alkoholabhängig und aggressiv. Sascha selbst ist klug, besucht ein katholisches Privatgymnasium, hat aber Schwierigkeiten, Freunde zu finden und kämpft sich allein durch.

Langsam entblättert sich die Geschichte

Die Geschichte schreitet nicht chronologisch voran, sondern entblättert sich nach und nach. Wie bei einem Mosaik werden von Seite zu Seite mehr Steinchen präsentiert. Dadurch entsteht eine unglaubliche Dynamik. Was ist im Scherbenpark Schreckliches passiert? Das offenbart Sascha den Lesenden häppchenweise. Schnell steht lediglich fest: Sie will Vadim, den Ex-Freund ihrer Mutter, umbringen.

Wie eine Lichtfigur

Alina Bronsky erlaubt in „Scherbenpark“ einen Einblick in die russische Parallelwelt. Das ist eine aufwühlende Milieustudie, besonders geprägt durch Hoffnungslosigkeit und Elend. Schon von klein auf geraten die Menschen in eine Abwärtsspirale, die kaum aufzuhalten ist. Sascha ist im Scherbenpark wie eine Lichtfigur. Sie ist intelligent und hat Perspektiven. Eigentlich. Denn das Schicksal knallt auch ihr Schlimmes vor die Füße. Ob sie es trotzdem schafft, einen geraden Weg zu gehen? Das ließ mich nicht mehr los. Ein durch und durch mitreißendes Buch!

“Scherbenpark” wurde übrigens auch verfilmt.

https://www.youtube.com/watch?v=FIEmYfQE4Wk

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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