27. Januar 2022

Flimmerkasten: “Suits”

Serie „Suits“ auf Netflix: “You just got litt up“

An einem Sonntagabend nehme ich Abschied von Harvey, Mike, Donna und Louis. Ein knappes halbes Jahr hat mich die Fernsehserie „Suits“ begleitet – 134 Folgen verteilt auf neun Staffeln. 

Es war ein Wechselbad der Gefühle. Von Staffel zu Staffel rutschte ich mehr in die Welt der New-Yorker-Anwälte, ließ mir juristische Fachbegriffe an den Kopf werfen, bangte bei den spannenden Gerichtsprozessen mit und sah Megan Markle endlich mal als Schauspielerin. Bislang war sie mir nur aus den Skandalen rund um das britische Königshaus bekannt gewesen.

Meine Freude an der Serie war so groß, dass mir mein freundlicher Mitbewohner zu Weihnachten sogar Serien-Merchandise schenkte, eine Louis-Litt-Tasse – natürlich mit seinem bekannten Satz: „You just got litt up“.

Mike und Harvey: eine Bromance der besonderen Art

Abgesehen von der schwachen achten Staffel finde ich, dass „Suits“ eine nahezu perfekte Serie ist. Denn: Sie ist unterhaltsam, divers, lässt ihren Charakteren Raum für Entwicklung und zeigt für mich eine der schönsten Bromances der Seriengeschichte: die von Harvey Specter (Gabriel Macht) und Mike Ross (Patrick J. Adams).

Außerdem hat es mir Donna Paulsen (Sarah Rafferty) sehr angetan – eine kluge, warmherzige Frau, die vor allem mit ihrer Intuition überzeugt. Eine tolle Inspiration.

Eine tickende Zeitbombe: Louis Litt

Dreh- und Angelpunkt von „Suits“ ist eine äußerst erfolgreiche New-Yorker-Anwaltskanzlei, deren Name sich im Laufe der Staffeln ständig verändert. Zunächst steht Jessica Pearson (Gina Torres) an der Spitze, eine Schwarze Frau, die sich in der männerdominierten Welt durch ihre rationale und kühle Art Respekt verschaffen hat.

Die beiden Seniorpartner Harvey und Louis (Rick Hoffmann) stehen direkt unter ihr und geraten immer wieder aneinander. Es ist vor allem der emotional instabile Louis, der ständig für Unruhe sorgt. Er wünscht sich Anerkennung von Harvey, möchte mit ihm auf einer Ebene stehen. Das Problem: Louis ist wie eine tickende Zeitbombe. Wird er von Harvey zurückgewiesen, mutiert er zu einem Rumpelstilzchen, das nach allen Seiten schießt.

Mike bringt Chaos in die Kanzlei

Harvey dagegen ist der strahlende Gentleman und Playboy. Adrett, smart, aber eiskalt, wenn es um die Verhandlung von Deals geht. Auch auf tiefgehende Beziehungen mit Frauen kann er sich nicht richtig einlassen.

Besonders an ihm ist, dass er trotzdem eine sehr menschliche Seite hat – vor allem als Mike bei einem Bewerbungsgespräch vor ihm sitzt. Obwohl er sein Jurastudium nicht abgeschlossen hat, verfügt Mike über ein umfassendes Rechtswissen und beeindruckt Harvey mit seinem fotografischen Gedächtnis.

Harvey stellt ihn ein, verheimlicht Jessica und Louis jedoch, dass Mike keinen Abschluss hat. Dadurch bringt er die gesamte Kanzlei immer wieder in schwierige Situationen.

Während in den ersten beiden Staffeln häufig kleinere Fälle im Fokus stehen, geht es später um größere Ereignisse, die sich über mehrere Folgen ziehen. Es tauchen über die Zeit immer wieder bereits bekannte Widersacher auf, das macht es einfacher, den Überblick zu behalten.

Was passiert mit Rachel und Mike?

Eine bedeutende Rolle nehmen natürlich auch Liebesgeschichten ein. Mike ist vom ersten Tag an in Rachel Zane (Megan Markle) verliebt. Doch sie weist ihn zunächst zurück. Spannend ist außerdem das Verhältnis von Harvey und Donna, die sich sehr nah stehen, aber trotzdem kein Paar sind.

Von einigen Freund*innen hatte ich bereits im Vorfeld gehört, dass „Suits“ nach der siebten Staffel kippt und langweilig wird. Der Grund: Megan Markle musste aufgrund ihrer Beziehung zu Harry aussteigen. Das englische Königshaus duldete keine Seriendreharbeiten mehr. Außerdem wollte Patrick J. Adams mehr Zeit mit seiner Frau verbringen und sich das Pendeln vom kanadischen Drehort in die USA sparen.

Da ich die Serie nicht nur wegen Mike und Rachel so gerne mag, hoffte ich lange, dass es mir anders geht und ich auch die achte Staffel gut finden würde. Leider nein. Tatsächlich hatte ich unterschätzt, wie stark die Wirkung von Mike ist und dass Harvey ohne ihn nicht mehr genug Strahlkraft besitzt.

Achte Staffel überzeugt nicht

Die achte Staffel zog sich wie ein zäher Kaugummi. Teilweise fand ich es anstrengend, eine Folge durchgehend anzuschauen, die Magie war weg. So ist es nicht verwunderlich, dass danach nur noch eine verkürzte neunte Staffel folgt – in der auch Mike wieder für einige Folgen dazu kommt. Der Abschluss versöhnte mich letztlich wieder.

Therapie, Feminismus, Rassismus

Im Gesamten finde ich „Suits“ deshalb großartig. Die Serie zeigt Charaktere, die sich über die 134 Folgen weiterentwickeln. Kluge Männer, die eine Therapie in Anspruch nehmen, um Wutausbrüche oder Panikattacken in den Griff zu bekommen und die unterdrückte Gefühle aufarbeiten. Spannende Frauen, die stark sind, an der Spitze stehen oder sich hochkämpfen – ohne ihre Weiblichkeit zu verlieren. Außerdem findet das Thema Rassismus immer wieder seinen Platz, ohne erhobenen Zeigefinger.

Als nach knapp einem halben Jahr die letzte Folge vorbei ist, sitze ich traurig und ergriffen auf der Couch. Ein kleiner Trost: Es ist nur ein Abschied auf Zeit. Ich bin mir sicher, dass ich „Suits“ noch mindestens einmal komplett anschauen werde. Bereits jetzt freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Donna, Harvey, Mike und Louis!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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