19. Februar 2023

Serienkritik: „Jedes Mal, wenn wir uns verliebten“

Netflix-Serie: „Jedes Mal, wenn wir uns verliebten“ – ohne Überraschungen

Als ich die Beschreibung der Netflix-Serie „Jedes Mal, wenn wir uns verliebten“ sehe, muss ich sofort an den Buch-Bestseller „Zwei an einem Tag“ von David Nicholls denken. Zwei junge Menschen, die sich im Laufe von zwei Jahrzehnten immer wieder begegnen, sich zueinander hingezogen fühlen, aber trotzdem an einer Beziehung scheitern.

Vor 15 Jahren finde ich dieses Konzept spannend und verschlinge den Roman innerhalb kürzester Zeit. Nun bin ich gespannt, ob mich die spanische Serie auch so mitreißen wird.

Innovativ ist anders

Leider nein. Die grundsätzliche Idee ist zwar nett, besonders gut unterhalten hat mich „Jedes Mal, wenn wir uns verliebten“ aber bereits ab der dritten Folge nicht mehr. Die Handlung schreitet langsam voran, es passiert kaum etwas Spannendes – und vor allem nur wenig, was andere Serien nicht in ähnlicher Weise schon erzählt haben.

Um was geht es in „Jedes Mal, wenn wir uns verliebten“?

Im Mittelpunkt der Serie stehen Irene (Georgina Amorós) und Julio (Franco Masini). Irene ist zu Beginn der Handlung mit ihrer Jugendliebe Fernando zusammen und lebt in der spanischen Provinz. Für ihr Regie-Studium zieht sie alleine nach Madrid. Fernando bleibt zurück.

Julio ist Jura-Student in der spanischen Hauptstadt, lebt mit seinem Vater zusammen und bekommt vor allem wegen seines schönen Aussehens viel Aufmerksamkeit. Gleichzeitig ist er emotional aber sehr zerbrechlich und leidet immer wieder an psychischen Problemen.

Sein Charakter ist definitiv eine der Stärken der Serie. Oft sind es Frauen, die solche Figuren verkörpern. Dass ein Mann wegen seiner Schönheit und Angstzuständen zu kämpfen hat, ist noch eher die Ausnahme in Serien.

Madrider Zuganschläge werden thematisiert

Im Jahr 2004 lernen sich Irene und Julio in einem Club kennen. Sie landen danach gemeinsam auf der Party eines berühmten Regisseurs und fühlen sich zueinander hingezogen. Auf der Heimfahrt in der Metro werden sie am frühen Morgen aber Opfer der Madrider Zuganschläge, die es in diesem Jahr tatsächlich gibt. Zehn islamistische Terroristen sorgen damals für Bombenexplosionen. Knapp 200 Menschen sterben, mehr als 2000 werden schwer verletzt.

Mit dem Anschlag endet die erste Folge und bis dahin bin ich mit meiner Aufmerksamkeit noch voll dabei. Aber danach verpufft die Dynamik schnell. Überraschungen gibt es keine mehr. Die Situationen, warum es immer wieder zum Bruch zwischen Irene und Julio kommt, sind für mich oft kaum nachvollziehbar, wirken konstruiert.

Schauspielenden altern nicht

Relativ früh springt die Serie dann auch ins Jahr 2021, in dem Irene kurz vor ihrer Hochzeit mit Fernando steht. Es ist also klar, dass Julio und sie nicht zusammenkommen werden. Das nimmt nochmals viel Spannung weg. Irritierend ist auch, dass die gleichen Schauspielenden zeitlich kaum gealtert sind. Dass sie nun etwa 40 Jahre alt sein sollen, ist völlig absurd.

Ein Problem ist für mich auch: Während sich der Autor bei „Zwei an einem Tag“ einen bestimmten Tag im Jahr herausgreift und die Figuren so über die Jahre begleitet, gibt es in der Serie ein großes Loch zwischen Mitte/Ende der 2000er bis 2021. Die Handlung geht nach dem Kennenlernen von Irene und Julio nur noch wenige Jahre engmaschig weiter.

Banale Geschichten aus dem Studi-Leben

Und genau liegt hier der Knackpunkt für mich: Die weiteren Folgen sind vor allem eine banale Erzählung über die Studierenden-WG von Irene. Es gibt illustre Charaktere, Partys, Sex und Alkohol. Irene versucht sich als Drehbuch-Autorin, Julio rutscht zufällig in die Schauspielerei. Beide gelangen dabei an Grenzen, unterstützen sich, stoßen sich wieder ab. Das tut zwar nicht weh, sich anzuschauen. Besonders aufregend ist es aber nicht. Da sind spanische Serien wie Valeria um Welten besser.

Bereits nach der vierten Folge überlege ich auch mehrmals, ob ich bis zum Ende schauen soll. Mit der Hoffnung, dass vielleicht noch etwas Überraschendes passiert, bleibe ich dran. Aber bei den letzten zwei der insgesamt acht Folgen bin ich mehr mit meinem Handy als mit dem Geschehen auf Netflix beschäftigt. Auch das offene Ende interessiert mich dann kaum mehr.

Zweite Staffel von „Jedes Mal, wenn wir uns verliebten“?

Wahrscheinlich wird es mit diesem Ausgang eine zweite Staffel von „Jedes Mal, wenn wir uns verliebten“ geben. Anschauen werde ich sie mir aber nicht.

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4 thoughts on “Serienkritik: „Jedes Mal, wenn wir uns verliebten“

  1. Sonja sagt:

    Ich bin gerade bei der dritten Folge der Serie und habe es bisher genauso empfunden, wie du es beschrieben hast. Dein Beitrag hat mich in dem Gefühl bestätigt, dass es sich das Weiterschauen wahrscheinlich eher nicht lohnt ;)

  2. Steph sagt:

    Ich sehr das ganze ein wenig anders.ich habe die Serie verschlungen und gucke sie nun zum 3.mal!
    Ja die Lücken sind groß zwischen den Jahren,man hätte die Serie noch mehr füllen können mit Momenten zwischen den beiden.
    Die Charaktere sind meiner Meinung schon optisch gealtert!
    Ich hoffe das es bald ekne 2.staffel geben wird!

  3. Simone sagt:

    Bin erst bei der 5. Folge aber völlig entzückt. Fand die Serie bisher großartig. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Und die beiden Hauptdarsteller sind großartige Schauspieler finde ich :-)

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Das ist doch super, wenn es dir gefällt! Dann viel Spaß beim weiter Anschauen ☺️

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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