30. Dezember 2022

Flimmerkasten: “Emily in Paris”

„Emily in Paris“ Staffel 1 + 2 + 3: eine Serie voller Kitsch, Klischees und Haute-Couture

Franzosen und Französinnen, die erst nach 10 Uhr zu arbeiten beginnen, mittags schon Weißwein trinken und die englische Sprache boykottieren: Die Netflix-Serie „Emily in Paris“ trieft regelrecht vor Klischees und Oberflächlichkeit. Auch die Bilder aus der französischen Hauptstadt wirken, als sei ein quietschbunter Instagram-Filter darüber gelegt worden. Paris leuchtet, blüht und sieht aus wie eine märchenhafte Version ihrer selbst. Die raue Realität: Fehlanzeige!

Halte ich zu viel Kitsch gewöhnlich nur sehr schwer aus, ging es mir bei der Serie um Hauptdarstellerin Lily Collins anders. Bereits die erste Folge zog mich wie ein Hurrikan in die Bubblegum-Welt.

„Emily in Paris“ ist Kitsch in Perfektion. Die Serie ist ein wahres Feuerwerk an ästhetisch geschmackvollen Szenen. Die Schauspieler*innen sind durchweg adrett, ihre Kleidung pure Fashion und die Geschichte ist so kurzweilig, dass ein Binge-Watching nur schwer zu verhindern ist – zumindest bei den ersten beiden Staffeln.

In der dritten Staffel fällt der Spannungsbogen ein wenig ab. Nur die letzten Minuten der zehnten Folge drehen die Handlung nochmals um – dafür dann aber mit voller Wucht.

Kulturschock!

Im Mittelpunkt der Serie steht Emily Cooper. Sie arbeitet bei einer großen Marketingfirma in Chicago und darf für ein Jahr nach Paris, um dort bei einer aufgekauften Agentur nach dem Rechten zu sehen. Die Freude über den Besuch aus den USA ist bei „Savoir“ verhalten. Die bisherige Geschäftsführerin Sylvie (Philippine Leroy-Beaulieu) möchte sich ungern in ihre Geschäfte reinreden lassen.

Dass Emily kein Französisch spricht, erschwert ihr den Start noch mehr. Auch ihre Kollegen Julien (Samuel Arnold) und Luc (Bruno Gouery) reagieren zunächst verhalten auf Emily, die sich aber nicht unterkriegen lässt und um Anerkennung kämpft.

Kommen Emily und Gabriel zusammen?

Natürlich fehlt es in Stadt der Liebe nicht an Romanzen. Eine Etage unter Emilys Wohnung lebt Gabriel (Lucas Bravo). Die Funken zwischen ihnen fliegen bereits bei der ersten Begegnung. Das Problem: Der äußerst attraktive Koch ist mit Emilys neuer Freundin Camille (Camille Razat) zusammen. Ein moralisches Dilemma. Denn Emily sieht nicht nur entzückend aus, sondern ist auch noch nett und möchte ihre Freundin nicht verletzen. Was wird nur passieren?

Luftig-leichte Geschichte!

„Emily in Paris“ verbindet in allen drei Staffeln wunderschöne Bilder aus Paris, der Champagne, der Cote d’Azur und der Provence mit einer luftig-leichten Geschichte, die trotz Irrungen und Wirrungen nie schwer wird. Wie sich Emily ihren Lifestyle mit all der Mode überhaupt leisten kann? Ist egal, darum geht es bei dieser Serie nicht. Realismus ist absolut überbewertet.

Die Vorurteile betreffen außerdem nicht nur die Menschen aus Frankreich. In der zweiten Staffel kommt Emilys hochschwangere Chefin Madeline (Kate Walsh) zu Besuch. Sie läuft ständig mit dem Plastikbecher von Starbucks durch die Gegend, isst fettige Fritten und hat kein Gespür für die französischen Geschäftsbeziehungen.

Alfie kommt in Staffel 2 ins Spiel

Nach dem starken Start der ersten Staffel und einem offenen Ende, war ich gespannt, ob es den Produzent*innen gelingt, den Spannungsbogen weiter hochzuhalten. Tatsächlich hat die Serie in Staffel 2 keineswegs an Unterhaltsamkeit eingebüßt.

Eine größere Rolle hat nun auch Mindy (Ashley Parker), Emilys Freundin, die als Sängerin durchstarten möchte. Außerdem lernt Emily im Französischkurs Alfie (Lucien Laviscount) kennen, der kein britisches Klischee auslässt. Natürlich liebt er Bier, Pubs und Fußball. Es knistert zwischen ihm und Emily.

Wenig Neues in Staffel 3

Im Gegensatz zur zweiten tut sich in der dritten Staffel zunächst nicht viel Spektakuläres. Emily steht zwischen Sylvie und Madeline, die jetzt beide eine Agentur führen. Sie kann sich nicht entscheiden, für wen sie nun arbeiten will und bringt sich dadurch in eine schwierige Lage.

Alfie verheimlicht ihr außerdem, dass er weiterhin in Paris lebt und gar nicht nach London zurückgegangen ist. Da Camille und Gabriel wieder glücklich zusammen sind, steht Emily in den ersten Folgen der dritten Staffel allein da – was sich schnell aber wieder ändert.

Liebes-Chaos haben auch Mindy und Sylvie. Vor allem die Freundschaft zwischen Emily und Mindy wird durch einen Mann auf die Probe gestellt.

Das sind im Groben die Handlungsstränge der neuen Staffel, die zwar nett unterhalten, aber keine großen Überraschungen bringen – bis zum Schluss eben. Deshalb lohnt es sich, die gesamte dritte Staffel zu schauen.

Und nicht nur deshalb: Die Outfits sind wieder ein Traum, der Cast ist weiterhin divers und die Ideen kreativ. Unter anderem die McBaguette-Kampagne ist sehr witzig geraten – auch wenn Werbung nicht plakativer sein könnte. Und das Essen, das Gabriel in seiner Küche immer wieder zaubert, sieht herrlich aus. “Emily in Paris” ist die perfekte Werbung für einen Urlaub in Frankreich.

Staffel 4 von “Emily in Paris”?

Da die dritte Staffel mit einem großen Knall endet, bin ich mir sicher, dass es eine vierte Staffel geben wird. Auf sie freue ich mich schon besonders. Denn das Chaos ist vorprogrammiert.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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