15. Februar 2020

Flimmerkasten: “Little Women”

“Little Women”: Greta Gerwigs neuester Film

„Machen Sie es kurz und pikant. Und wenn die Hauptfigur eine Frau ist, sollte sie am Ende verheiratet sein.“ Als Nachwuchsschriftstellerin Jo March (Saoirse Ronan) dem Verleger in seinem Büro gegenübersitzt, ihm ihre Geschichte anbietet, macht er ihr klar, was die Menschen im 19. Jahrhundert lesen wollen: Eine romantische Liebesgeschichte, die ihre Erfüllung in der Ehe findet. Ende gut, alles gut. Oder?!

Nicht ganz. Für die widerspenstige Jo ist das völlig unverständlich. Sie selbst strebt nach einem freien Leben – ohne Abhängigkeit von einem Mann.

Jo steht im Mittelpunkt von „Little Women“, dem neuesten Film von Greta Gerwig. Von ihr bin ich seit „Frances Ha großer Fan. Neben Lena Dunham ist sie für mich eine Lichtgestalt in der künstlichen Hollywood-Blase – starke Frauen mit kritischen Gedanken und interessanten Projekten.

Enges Korsett für Frauen

Grundlage für „Little Women“ ist der gleichnamige Roman von Louisa May Alcott. Er erschien in zwei Teilen mit den Titeln „Little Women“ und „Good Wives“ in den Jahren 1868 und 1869. Die Autorin hat viele eigene Erfahrungen in den Büchern verarbeitet. Greta Gerwig vermischt beide Teile und springt zwischen den Zeiten.

„Little Women“ ist eine Coming-of-Age-Geschichte der insgesamt vier March-Schwestern. Von Jo, Meg (Emma Watson), Beth (Eliza Scanlen) und Amy (Florence Pugh). Sie wachsen auf im 19. Jahrhundert während des Sezessionskrieges in Neuengland. Zu dieser Zeit herrschen noch starre Geschlechterrollen. Frauen sind ökonomisch von Männern abhängig. Statt Karriere zu machen, kümmern sie sich um den Haushalt und um die Kinder. Wie groß die Unzufriedenheit mit solch einem restriktiven Leben sein kann, fasst die Mutter (Laura Den) der vier Schwestern zusammen. „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht wütend bin“, sagt sie an einer Stelle zu Jo.

Das männliche Oberhaupt der Familie kämpft im amerikanischen Bürgerkrieg für sein Vaterland. Die Frauen meistern dadurch alleine den Alltag, haben ein großes Herz und engagieren sich sozial. Finanziell unterstützt werden sie von ihrer reichen Tante March (Meryl Streep).

Jo kämpft für ein selbstbestimmtes Leben

Die Schwestern sind grundverschieden. Während Jo mit Leidenschaft ihre Schriftsteller-Karriere verfolgt, nächtelang leere Blätter mit Tinte füllt, träumt Meg von einer Liebesheirat und Kindern. Amy dagegen möchte eine gute Partie als Mann haben, um finanziell abgesichert zu sein. Beth ist zurückhaltend und liebt das Klavierspielen.

Unruhe in ihr Leben bringt der aufgeweckte Nachbarsjunge Laurie (Timothée Chalamet), der mit seinem Onkel Mr. Dashwood gegenüber von den Marchs in einem vornehmen Haus wohnt. Vor allem Jo hat schnell eine enge Bindung zu ihm. Doch während Laurie für sie nur einer guter Freund ist, schmachtet ihn ihre kleinere Schwester Amy an.

Das Schöne an dem Film: Greta Gerwig lässt ihren Protagonisten viel Raum, wertet nicht, zeigt vielmehr verschiedene Perspektiven auf. „Little Women“ gibt einen Einblick, wie unterschiedlich die jungen Frauen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen in einer von Konventionen durchdrungenen Gesellschaft zu kämpfen haben – und wie hart es für Jo ist, ihr selbstbestimmtes Leben zu realisieren. Sie zeigt aber auch, wie schwer es für Meg ist, einen Mann an der Seite zu haben, der nicht genug Geld verdient. Und wie sehr Amy zwischen Sicherheit und Risiko abwägen muss.

Hinein ins wahre Leben

„Little Women“ begleitet die Schwestern beim Erwachsenenwerden und lässt sie auf ihre ganz eigene Weise in die Realität schleudern. Das ist optisch wunderschön anzusehen: Die adretten Schauspielerinnen tragen hübsche Kostüme und bewegen sich in einer zauberhaften Kulisse. Alles ist auf den Punkt. An manchen Stellen zieht sich zwar die Geschichte ein wenig, aber nicht so sehr, dass ich es als störend empfunden hätte. Greta Gerwig bringt durch die Zeitsprünge immer wieder Dynamik in die Geschichte, zeigt ihre Kämpfe, aber auch das Band, das sie stets zusammenhält.

Gibt es ein Happy End?

Am Ende schafft Greta Gerwig außerdem einen tollen Moment, in dem Jo wieder im Büro des Verlegers sitzt. Die Ebenen zwischen der Geschichte im Film und der Biografie der Autorin von „Little Women“ verschwimmen. Wird die Schriftstellerin für ein Happy End ihrer Protagonistin und dadurch für sich selbst sorgen? Jo hat es nun in der Hand….

(Visited 83 time, 1 visit today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren
Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@miriam_steinbach