23. Juli 2022

Serienkritik: “Damaged Goods”

Amazon-Prime-Serie “Damaged Goods”: Da ginge definitiv noch mehr!

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass bei mir der Sophie-Passmann-Effekt perfekt gezündet hat. Als ich vor wenigen Wochen im Radio hörte, dass es eine neue Serie aus Deutschland gibt, bei der die Autorin und Influencerin eine Hauptrolle spielt, wurde ich neugierig. Kann sie tatsächlich schauspielern? Allein deshalb merkte ich mir den Namen der Amazon-Prime-Serie: „Damaged Goods“.

Tatsächlich kann ich mich bei Sophie Passmann nicht entscheiden, ob ich sie toll finde oder nervig. In manchen Podcasts (“Hotel Matze”) war sie kratzbürstig und megaunsympathisch, in anderen („Alles gesagt“) sagte sie wohlgelaunt sehr kluge Sachen. Bei Instagram entfolgte ich ihr, weil es mich stört, dass sie fast zu jedem Skandal in der Medienlandschaft ihre Meinung kundtun muss und coole Frauen wie Celeste Barber kritisiert, bei „Inas Nacht“ fand ich sie rührend, weil sie wohl in der Schulzeit eine Außenseiterin mit Depressionen war. Mein Verhältnis zu ihr ist also ambivalent.

“Küchenpsychologin” plaudert Geheimnisse aus

Passend dazu spielt Sophie Passmann bei „Damaged Goods“, was übersetzt so viel bedeutet wie beschädigte Ware, die Psychologie-Studentin Nola, die nach einer misslungenen Arbeit exmatrikuliert wird und spontan entscheidet, unter dem Pseudonym „Die Küchenpsychologin“ einen Podcast zu starten. Dessen Inhalt: Die turbulenten Geschichten ihrer engsten Freund*innen, die nichts davon ahnen, dass Nola ihre intimsten Gefühle und Erlebnisse der Öffentlichkeit erzählt.

Zu der bunten Gruppe gehören der queere Hugo (Antonije Stankovic), der als Steward arbeitet. Hennie (Leonie Brill), die Mitbewohnerin von Nola und strukturierteste Person in der Clique. Sie hat einen guten Job und seit Jahren eine feste Beziehung. Mads (Tim Oliver Schultz) hat dagegen Bindungsangst und kann sich nicht festlegen. Tia (Zeynep Bozbay) ist Künstlerin und lebt im Gewächshaus ihrer feministischen Oma (Michaela May).

Kennengelernt haben sie sich in der Jugendzeit, als sie alle aus verschiedenen Gründen eine Gruppentherapie besuchen mussten und sich dort ihren größten Ängsten und Sorgen stellten. Das Vertrauensverhältnis ist seither riesig. Indem Nola nun in ihrem Podcast alles ausplaudert, bricht sie den gemeinsamen Schwur. Was wird passieren?

Einige Ungereimtheiten

Hinter der Serie stehen Regisseurin Anna-Katharina Maier und Headautor Jonas Bock. Insgesamt gibt es derzeit acht Folgen, die größtenteils in München spielen. Nachdem ich in kurzer Zeit die komplette erste Staffel von „Damaged Goods“ geschaut habe, muss ich sagen: Eine solide Serie, die jedoch an einigen Stellen Logikfehler enthält und keine großen Überraschungen bietet.

Zu den Ungereimtheiten gehört beispielsweise das Leben von Künstlerin Tia, das weit an der Realität vorbei geht. Tatsächlich weiß ich das sehr genau, da ich selbst mit einem Künstler zusammenlebe und dadurch sehr nah mitbekomme, wie der Prozess im Atelier ist und dass Galerist*innen nicht einfach dort mal vorbei spazieren und spontan Ausstellungen für den nächsten Tag anbieten. 

Auch die Geschichte um Nola und ihren Podcast ist unrealistisch. Dass sie aus dem Nichts und ohne Zutun in München damit berühmt und bundesweit über sie berichtet wird, ist in der heutigen Angebotsmasse von Podcasts unmöglich. Dass aber ausgerechnet ihre engsten Freund*innen bis zum Schluss nichts davon mitbekommen, ist für mich außerdem unglaubwürdig.

Lebenswelt der hippen Millennials

In die Serie ist darüber hinaus alles hineingepackt, was gerade bei Millenials thematisiert wird. Queere Liebschaften, eine offene Beziehung, Endometriose. Natürlich sind diese Themen auch alle wichtig, aber so geballt in einem Freundeskreis, in acht Folgen, wow.

All das ist schade, denn „Damaged Goods“ hat definitiv Potenzial. Es ist eine tolle Besetzung, die Bilder aus München sind hübsch anzusehen, die Dialoge sind oft klug und witzig. Auch einige Ideen, wie dass sich Mads um einen Sandsack kümmern muss, um Verantwortung zu übernehmen oder dass Sophie nach ihrem misslungenen Studium in einem Baumarkt als Angestellte Farben mischt, sind unterhaltsam.

Kommt eine zweite Staffel von “Damaged Goods”?

An Serien wie „Valeria“, bei der ebenfalls eine Clique mit verschiedenen Charakteren im Mittelpunkt steht, kommt sie aber nicht ran. Dazu ist „Damaged Goods“ viel zu brav. Es fehlt im Vergleich zur spanischen Serie an knalligen Outfits, an mitreißenden Liebesgeschichten und an guter Musik. Schade. Aber vielleicht klappt es ja mit einer stärkeren zweiten Staffel.

Ach und Sophie Passmann: Ihr Schauspieltalent ist wirklich okay. Wobei die Figur der Nola, die ständig schlaue Sachen sagt, aber öfter mal mit dem Leben kämpft, wohl von ihrer eigenen Lebensrealität nicht so weit entfernt ist.

(Visited 650 time, 5 visit today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren
Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook