23. Juni 2022

Flimmerkasten: “Borgen – Macht & Ruhm”

“Borgen – Macht & Ruhm” – die vierte Staffel ist auf Netflix zu sehen

Erfolgreiche Politikerin und glückliches Familienleben – geht das gut? Die dänische Serie „Borgen“ zeigt genau diesen Spagat. Und lässt darüber hinaus einen Blick zu hinter die Kulissen des Politikbetriebs. Es wird deutlich, wie nützlich Netzwerke sein können, wie Intrigen entstehen und welche Rolle die Medien dabei spielen. Das ist spannend und sehr unterhaltsam.  

Nach den ersten drei erfolgreichen Staffeln war eine lange Pause. Nun hat Netflix eine vierte Staffel produziert. Mit altbekannten Gesichtern. Protagonistin Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) ist nun Außenministerin und muss sich um einen politischen Skandal in Grönland kümmern. Dort entdeckte eine Firma bei Bohrungen Öl. Das Interesse an dem fossilen Brennstoff ist groß – nicht nur bei Dänemark und Grönland, sondern auch bei den USA, China und Russland. Ein internationaler Konflikt entsteht. Birgitte Nyborg befindet sich mittendrin.

Was macht Macht mit einem Menschen?

Aber nicht nur bei anderen Politiker*innen muss die Außenministerin diplomatisch sein. Ihr Sohn Magnus (Emil Poulsen) ist in der vierten Staffel Klimaaktivist, hat einen Schweine-Transporter überfallen und sieht die Ölbohrungen in Grönland sehr kritisch. Immer wieder geraten sie deshalb aneinander – selbst vor laufenden TV-Kameras.

Auch Katrine Fønsmark (Birgitte Hjort Sørensen) ist in der vierten Staffel wieder dabei. Sie ist zurück in ihrem Beruf als Journalistin und leitet den wichtigsten Nachrichtensender Dänemarks. Ständig entstehen aber Konflikte in ihrem Team und sie muss sich außerdem mit den Wünschen der Geschäftsführung auseinandersetzen. Der Druck auf sie wird immer größer.

Sowohl Birgitte Nyborg als auch Katrine Fønsmark versuchen nun trotz der Herausforderungen alles, um an der Macht zu bleiben – und überschreiten dabei ihre eigenen Grenzen.

Dunkler und kantiger

Die acht neuen Folgen der dänischen Serie sind dunkler geworden. Birgitte Nyborg ist inzwischen 53 Jahre alt, kämpft mit den Folgen der Wechseljahre, lebt allein und investiert all ihre Energie in ihren Job. Sie ist skrupelloser und härter als in den Staffeln zuvor. Die Sympathien fliegen ihr nicht mehr zu – weder bei ihren Kolleg*innen noch in ihrer Familie.

Ein Eisfjord, Gletscher, das Meer: Immer wieder gibt es dazu aber wunderschöne Aufnahmen von Grönland. Die Serie vermittelt außerdem einen interessanten Einblick in das schwierige politische Verhältnis zwischen Dänemark und Grönland, mit dem ich bislang wenig Berührungspunkte hatte. Auch die gesellschaftlichen Probleme in Grönland wie Alkoholismus und eine hohe Selbstmordrate sind Thema.

Für die Verhandlungen reist der dänische Arktis-Botschafter Asger Holm Kirkegaard (Mikkel Boe Følsgaard) nach Grönland. Er ist klug, aber tollpatschig und verliebt sich ausgerechnet in die Assistentin der Premierministerin von Grönland, in Emmy. Asger Holm Kirkegaard ist ein gelungener Ersatz für Politik-Berater Kasper Juul (Pilou Asbæk), der in der vierten Staffel leider nicht mehr dabei ist.

Tolle neue Folgen

Für mich sind die neuen Folgen von „Borgen“ fast noch einen Ticken besser als die alten. Die vierte Staffel ist ein spannender Politikkrimi, der komplex, aber nicht überfordernd ist – wenn man zumindest das Handy mal weglegt und genau aufpasst. Auch der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine ist bereits eingearbeitet.

„Borgen“ ist absolut zeitgemäß, behandelt viele brennende Themen wie die Klimakrise, die verschiedenen Ansichten zwischen den Generationen, den Unabhängigkeitswunsch Grönlands sowie das schwierige Verhältnis zwischen USA, China und Russland.

Serie “Borgen”: Um was geht es in den ersten drei Staffeln?

Birgitte Nyborg wird zu Beginn der ersten Staffel von “Borgen” unerwartet die neue Premierministerin in Dänemark. Sie ist aktiv in der fiktiven “Moderaten Partei”. Glücklich verheiratet ist sie mit Philipp (Mikael Birkkjær), der selbst erfolgreicher Dozent an einer Uni ist. Zwei Kinder haben sie gemeinsam.
Der neue Job von Birgitte wirft nun alles durcheinander, sie ist kaum daheim und hat weniger Zeit für ihre Familie. Da Philipp beruflich zwar zurücksteckt, aber nicht alles aufgeben will, treten ständig neue Konflikte auf. 

Es wird schnell deutlich, wie schwierig es für Birgitte als Frau ist, weniger Zeit für die Familie zu haben. Während es bei erfolgreichen Männern häufig kein Thema ist, wenn sie spät von der Arbeit nach Hause kommen und Karriere machen, reißt bei Philipp relativ schnell der Geduldsfaden. Von Folge zu Folge wird er unzufriedener. Das konservative Familienmodell 1:1 umzudrehen, scheint bei den Nyborgs nicht zu gelingen. 

Politik voller Kompromisse

Auch bei der Arbeit als Premierministerin wird Birgitte schnell klar, dass sie pragmatisch sein muss – und ihre Ideale nicht länger so umsetzen kann, wie sie es sich wünscht. Kompromisse sind notwendig. Sie muss beispielsweise erfahren, wie beim Thema Frauenquote Vertreter*innen aus der Wirtschaft intervenieren. Oder beim Thema Menschenrechte Geld und Verträge eine Rolle spielen.

Viele aktuelle Probleme aus dem derzeitigen Politikgeschehen werden in „Borgen“ sehr interessant und spannend aufgegriffen – und es wird immer wieder mit der engagierten Journalistin Katrine gezeigt, inwieweit die Medien Einfluss auf das Geschehen haben und als vierte Gewalt agieren. 

Katrine ist außerdem mit dem Politik-Berater Kaspar Juul verbandelt – mal romantisch, mal freundschaftlich. Wie sie sich gegenseitig vertrauliche Informationen zuspielen, bringt immer wieder Dynamik in die Handlung!

Wie ein Einblick in das reale Politikgeschehen

Das Besondere an der dänischen Serie ist: Sie wirkt unglaublich echt – es gibt keine überzogenen Showelemente wie es beispielsweise in “House of Cards” immer wieder der Fall ist. In den ersten Staffeln erzählt jede Folge eine in sich geschlossene Politikgeschichte. Darüber hinaus gibt es Entwicklungen, die sich über die gesamte Staffel ziehen. In der vierten Staffel ist es dann nur noch ein großer Fall.

Besonders beeindruckend ist es, dass viele Themen, die bereits in der ersten Staffel im Jahr 2010 behandelt wurden, nun in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden – zuletzt bei Anne Spiegel, die mit ihrer Familie in den Sommerurlaub fuhr, anstatt bei Sitzungen dabei zu sein. „Borgen“ sah viele Themen voraus.

“Borgen”: Gibt es eine fünfte Staffel?

„Borgen“ ist übrigens die umgangssprachliche Bezeichnung für das Parlament in Kopenhagen. Ich bin 2012 auf Arte zufällig über die Serie gestolpert – und war sofort begeistert. Neben der aktuellen vierten Staffel gibt es auch die ersten drei auf Netflix zum Streamen.

Ich hoffe sehr, dass es eine fünfte Staffel geben wird. Für mich ist die dänische Serie eine der besten Produktionen überhaupt. Es stimmt einfach alles.

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4 thoughts on “Flimmerkasten: “Borgen – Macht & Ruhm”

  1. Evy sagt:

    Ich mag die Serie sehr, weil sie selbst für mich als Politikmuffel verständlich und spannend ist! Und ich mag… ihren PR-Chef *Sahneschnittchen*

  2. Johanna sagt:

    Die Frau heisst übrigens “Birgitte”, auch wenn das selbst die deutschen Synchronsprecher*innen nicht immer hinbekommen…

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Ah, Mist. Das habe ich falsch verstanden. Danke für den Hinweis, habs geändert :)

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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