19. April 2016

Heimat: “Plan B”

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Plan A funktioniert nicht

Eigentlich hatte ich mal gedacht, dass ich mit 30 Jahren eine Familie habe, eine eigene Wohnung und ein ganz schön solides Leben. Tja. Willkommen in der Realität. Erst kämpft man nach der Uni mit Volontariat und befristeten Verträgen. Und dann endlich, die Unterschrift auf dem lange ersehnten unbefristeten Arbeitsverhältnis ist kaum trocken, zieht der Traumprinz in ein fremdes Land. Der Arbeit wegen.

Das hieß im vergangenen Jahr für mich: Alles auf Anfang. Neuausrichtung. Das klingt nun vielleicht paradox, aber ich habe in den vergangenen Monaten ausgerechnet durch die Flüchtlingskrise mein Leben neu lieben gelernt.

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5. November 2015

Kurioses: “Das Missverständnis”

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Jenseits von Smartphone, Fernsehen und Internet: Seit geraumer Zeit bin ich Kulturlotsin am Badischen Staatstheater. Einmal im Monat unternehme ich etwas mit einem Mädchen, das 13 Jahre alt ist. Ein Alter, das nicht ganz so einfach ist. Ein Theaterbesuch steht da nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Ich versuche aber stets mein Bestes. Wir haben uns schon “Tschick” angeschaut und “Fucking Amal”, ein Stück über zwei schwedische Mädchen, die ineinander verliebt sind. Erst wird schräg gesungen, dann geknutscht. Der ganze Saal war voll mit Pubertierenden. Meiner 13-jährigen Begleitung hat es gefallen. Ich freute mich danach über frische Luft. Wir standen auch mal zusammen bei einer Kochshow in der “Insel” auf der Bühne und zauberten ein Überraschungsmenü für eine Jury. Das war ein wenig experimentell. Es lief nicht alles ganz nach Plan. Der Couscous war schuld. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun soll es am Sonntag eine Oper sein. Ich muss gestehen: In diesem Gebiet bin ich keine Expertin. Lotsen wird da schwierig. Aber es ist ein Tipp der Projektleiterin. Ich schaute im Internet nach und nahm wahr: Dauer 4,2 Stunden. Das ist lange. Ich schrieb dem Mädchen und seiner Mutter – mit dezentem Verweis auf Beginn und Ende. Das schreckte sie nicht ab. Okay. Dann eben 4,2 Stunden Oper. Wahrscheinlich steckt das Mädchen das besser weg als ich. Weiterlesen »

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9. August 2015

Fernweh: “Ein Besuch in der Fondation Beyeler in Basel”

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The Painter © Marlene Dumas Foto: Peter Cox, © 2015, ProLitteris, Zürich

Marlene Dumas: The Image as Burden

Sie wirkt verletzlich, aggressiv, schuldig und unschuldig zugleich: “Die Malerin” (The Painter) von Marlene Dumas ist ein kleines nacktes Mädchen. Trotzig sieht ihr Gesichtsausdruck aus, ihr Körper ist bemalt, die Handgelenke in Farbe getaucht. Grenzen verschwimmen – zwischen Painter und Painting.

“The Painter” ist bereits am Anfang der Marlene Dumas Ausstellung “The Image as Burden” in der Fondation Beyeler in Basel zu sehen. Das Modell ist keine reine Fiktion: Die Künstlerin hat darauf 1994 ihre kleine Tochter Helena festgehalten. Es ist eine Momentaufnahme, die über Nacht entstand. Fesselnd und eindrucksvoll. Anlässlich der Bloggerreise Karlsruhe-Basel hatte ich die Möglichkeit, einen genaueren Blick auf die ganze Ausstellung zu werfen – und bin sehr angetan. “The Image as Burden” läuft noch bis zum 6. September.  Weiterlesen »

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12. April 2015

Heimat: “Loft – Das Designkaufhaus”

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Nyta

Sie spendet weiches Licht und ihr Schirm lässt sich nach Belieben in alle Richtungen schwenken: Die Lampe „Tilt Globe“ von Nyta ist ein Hingucker bei der „Loft – Das Designkaufhaus“ in der Karlsruher Messe. Bei der Parallel-Veranstaltung zur Eunique, der Messe für Angewandte Kunst und Design, präsentieren sich von 8. bis 10. Mai mehr als 40 Aussteller aus den Bereichen Möbel, Wohnaccessoires, Mode und Schmuck. Ihr Schwerpunkt: Junges, innovatives und bezahlbares Design, heißt es vonseiten der Organisatoren. Nyta bekam aktuell den German Design Award 2015. Auch das Designstudio hüttners aus Karlsruhe wurde damit ausgezeichnet – und ist ebenfalls bei der Loft vertreten. Weiterlesen »

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11. Oktober 2014

Flimmerkasten: “Gone Girl”

Erst lieben sie sich, dann streiten sie sich und am Ende herrscht Krieg – Waffen, Verletzungen und Terror inklusive. Nick (Ben Affleck) und Amy (Rosamund Pike) stehen im Mittelpunkt von „Gone Girl“, dem neuesten Werk von Regisseur David Fincher („Fight Club“, „House of Cards“). Der Thriller basiert auf dem gleichnamigen Buch von Gillian Flynn und ist perfekte Unterhaltung. 150 spannende Minuten, keine Sekunde Langweile. Einzig das Ende ist ein klein wenig enttäuschend. Weiterlesen »

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1. Oktober 2014

Heimat: “‘Ein Abend mit Nemanja Sarbajic und Tobias Talbot im Luis Leu”

DSC_0356Es ist eine alte Radierung, die Tobias Talbot und Nemanja Sarbajic zum ersten Mal gemeinsam vor eine Leinwand brachte. Zehn Jahre ist das nun her. „Die Radierung stammte aus einer Kunstsammlung“, erzählt Tobias Talbot. Bewaffnete Römer waren darauf zu sehen. Pferde setzten zum Trab an.

Tobias Talbot stellte sich auf die linke Seite der Leinwand, Nemanja Sarbajic auf die rechte. Zusammen übermalten sie das Werk. Unter anderem mit blauen, roten und grünen Tönen. Ein Monster kam dazu, Berechnungen prangern nun an einer Hauswand, von den stolzen Vierbeinern blieben Schemen. Zwei Ausführungen sind von dieser einzigen gemeinsamen Arbeit der Karlsruher entstanden. „Eine kaufte sich der Sammler zurück“, sagt Nemanja Sabajic. Weiterlesen »

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21. September 2014

Flimmerkasten: “House of Cards”

Er ist zynisch, eiskalt und bitterböse: Kevin Spacey spielt in „House of Cards“ den skrupellosen Politiker Francis Underwood. Die Serie von David Fincher ist eine Wucht. Messerscharfe und brillante Dialoge, überzeugende Schauspieler und eine Handlung, die spannend ist, mitreißt. Ich bin äußerst begeistert. Weiterlesen »

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28. August 2014

Flimmerkasten: “Can a song save your life”

Es gibt kaum einen Film, den ich so sehr liebe wie „Once“. Unzählige Male schaute ich die Low-Budget-Produktion von Regisseur John Carney. Die Geschichte um die beiden Musiker Glen Hansard und Marketa Irglova ist einfach herzreißend schön, der Soundtrack eine Wucht. Deshalb waren die Erwartungen groß, als ich gestern in der Vorpremiere von „Can a song save your life“, dem neuesten Werk von Carney, war.

Große Namen statt markanter Indie-Stars: Keira Knightly, Mark Ruffalo und der Sänger von Maroon 5, Adam Levine, sind in den Hauptrollen zu sehen. Und auch die Nebenrollen sind prominent besetzt (Mos Def, Hailee Steinfeld). Statt im rauen Dublin spielt das Geschehen nun im hippen New York. Die Bilder und die Kulisse sind dabei auf Hochglanz poliert, eine typische US-Produktion entstand. Das ist schade. Der ganze Charme, der in „Once“ so bezaubernd war, fehlt.

Auch dieses Mal geht es wieder um Musik und die Liebe. Der ehemals erfolgreiche Produzent Dan (Mark Ruffalo) entdeckt Sängerin Gretta (Keira Knightley) in einer Bar. Dort singt sie eigentlich nur widerwillig einen ihrer Songs. Gerade wurde sie von ihrem berühmten Freund Dave Kohl (Adam Levine) verlassen, Liebeskummer hat sie. Als der Produzent sie auf der Bühne sieht, ist er von ihrem Talent sofort überzeugt und möchte mit ihr ein Album aufnehmen. Da es aber an Geld fehlt, wird er erfinderisch. Eine ganz besondere Band trommelt er zusammen. Und statt im Tonstudio spielen sie an verschiedenen Plätzen in New York die Songs ein.

Der Film ist ohne Frage nett und kurzweilig. Auch der Aufbau der Handlung ist interessant, einige Szenen sind sehr originell. Aber insgesamt ist alles beliebig. Die Dialoge bleiben an der Oberfläche und die Geschichte berührt nicht wirklich. Im Vergleich zu Glen Hansard und Marketa Irglova sind Keira Knightley und Adam Levine ein schrecklich langweiliges Paar. Auch Keira Knightleys Singversuche sind völlig belanglos. Wer „Once“ nicht gesehen hat oder es schafft, die beiden Filme nicht zu vergleichen, wird sicherlich seine Freude an „Can a song save your life“ haben. Ich bin enttäuscht.

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10. August 2014

Flimmerkasten: “Searching for Sugar Man”

Es ist ein wenig wie ein Pop-Märchen, ein schöneres Ende könnte es kaum geben: Der Dokumentarfilm „Searching for Sugar Man“ handelt von der Suche nach dem amerikanischen Sänger Rodriguez, der in den 1970er-Jahren in seiner Heimat erfolglos blieb, in Südafrika aber großen Erfolg hatte. Niemand wusste in dem zerrütteten Land mehr über ihn, Gerüchte über seinen Selbstmord auf der Bühne kursierten. Die beiden Südafrikaner Stephen „Sugar“ Segerman und Craig Bartholomew Strydom wollen nun wissen, was hinter dem Mythos „Rodriguez“ steckt. Sie beginnen zu recherchieren – mit überwältigenden Ergebnissen. „Searching for Sugarman“ bekam 2013 den Oscar als besten Dokumentarfilm.

Das Geheimnis um den Sänger aus Detroit

Während in den USA keiner Notiz von Rodriguez nahm, traf er in Südafrika in den 1970er-Jahren mit seiner Musik genau den Nerv der Zeit. In dem Land ging es sehr konservativ zu, die Apartheid war auf ihrem Höhepunkt. Es gab kein Fernsehen, alles wurde zensiert und war verboten. Rodriguez‘ Songs wie „I wonder“ kamen an – besonders bei den jungen Menschen. Das Album „Cold fact“ wurde in Südafrika zu einer der bekanntesten Platten – und lag neben denen von den Beatles und Simon & Garfunkel in nahezu jedem liberalen Mittelschichtshaus. Die Botschaft der Platte: „Seid gegen das Etablishment“. Rodriguez wurde zu einem Rebell, einer Ikone. Seine Platten verkauften sich bestens, aber niemand wusste, wer er eigentlich ist.

Ein stiller Star mit großem Talent

Die Geschichte um den Künstler Rodriguez ist unglaublich interessant und berührend. Es wird unter anderem gezeigt, auf welche Art Schallplatten in Südafrika zensiert wurden und wie berechnend und kalt die Musikbranche in den USA ist. Die Erkenntnisse, die die Autoren um den Menschen Sixto Rodriguez herausfinden, sind darüber hinaus unglaublich facettenreich. Ein stiller Star, mit großem Talent. Über Jahrzehnte würdigten nur die Menschen in Südafrika seine wunderbare Musik. Dank „Searching for Sugar Man“ ist er nun weltweit bekannt. Es ist ein Dokumentarfilm, den man sich unbedingt anschauen sollte. Ich saß am Ende völlig gerührt und glücklich auf meinem Sofa.

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22. Juli 2014

Heimat: “Werders Wohnzimmer mit ,die Anstoß e.V.'”

20140722-194725.jpgKunst inmitten von fünf Privatwohnungen, Kneipen und sogar einer Kirche – der  Ausstellungsrundgang „Werders Wohnzimmer“ findet am Samstag, 2. August, von 16 bis 21 Uhr zum vierten Mal statt. Seit 2011 gibt es die Veranstaltung in der Karlsruher Südstadt. Zum ersten Mal hat ihn nun der Verein „die Anstoß e.V.“ organisiert – und das Konzept ein wenig verändert. Lisa und Norina sind zwei von insgesamt zehn „die Anstoß“-Vereinsmitgliedern. Mit ihnen traf ich mich im „Gold“ auf einen Kaffee.

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Das sind Lisa (links) und Norina.

Ein neues Konzept

„Wir wollen mit ,Werders Wohnzimmer’ einen Überblick über die zeitgenössische Kunstszene in Karlsruhe schaffen“, sagen die beiden Studenten von der Hochschule für Gestaltung (HfG). Was neu ist? Mitten auf dem Werderplatz wird es einen Pavillon als zentrale Anlaufstelle geben, Flyer werden dort verteilt. Weitere Ausstellungsräume sind außerdem dazugekommen: unter anderem Planet Vélo, die Johanniskirche und Kopf & Kragen. Das Rahmenprogramm ist entsprechend breitgefächert: Es gibt Lesungen, Medienkunst und performative Installationen. „Mit ,Werders Wohnzimmer’ soll ein Anreiz geschaffen werden, Kunst nicht nur als elitäres Konsumgut wahrzunehmen“, erläutern Norina und Lisa. Es gehe darum, die durch Institutionen und Galerien entstehende Schwelle zwischen Betrachter und Werk zu verringern.

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Das Interesse von den Künstlern, beim Ausstellungsrundgang mitzumachen, war groß: „Wir konnten aus 70 Bewerbungen aussuchen“, erzählt Norina. „Unter anderem Jovana Reisinger wird um 20.45 Uhr eine Lesung veranstalten.“ Und auch die Künstler Erik Sturm und Ingrid Raab sind dabei.

„Glücklicherweise fanden wir mit dem Kulturbüro und der LBBW-Bank zwei Sponsoren.“ Sie ermöglichen es, dass die Künstler eine Aufwandsentschädigung bekommen und Installationen davon bezahlt werden können. „Wir wollen fair sein“, erläutert Norina. Die Ausbeutung der Künstler sei ihnen zuwider.

Unabhängig von der Kamuna

Die Veranstaltung zu organisieren, war gar nicht so einfach, betont Norina. „Am gleichen Tag ist auch die Kamuna – wir wollten eigentlich kooperieren.“ Dieser Vorschlag wurde aber nicht angenommen. „Deshalb läuft unsere Veranstaltung nun unabhängig davon“, erzählen Lisa und Norina.

Das Karlsruher Stadtleben bereichern

Seit Oktober 2013 gibt es „die Anstoß e.V.“ – ein Zusammenschluss von Studenten des KIT, der Kunstakademie, der Hochschule für Musik und der HfG. „Anregt wurde unsere interdisziplinäre Planungsgruppe von Benedikt Stoll“, berichtet Lisa. Er ist Architekturstudent am KIT und wollte Studenten der einzelnen Hochschulen vernetzen. „Es ist uns allen wichtig, das Stadtleben zu bereichern“, sagen Norina und Lisa. „Viele beklagen sich, dass hier nichts passiert und wollen nach dem Studium schnell wieder weg.“ Daran soll sich etwas verändern.

Erfolgreicher Start

„Wir arbeiten alle ehrenamtlich“, sagt Lisa. Die erste “die Anstoß”-Veranstaltung vor wenigen Wochen in der Günther-Klotz-Anlage war ein voller Erfolg. „Anlässlich des internationalen Restaurantdays haben wir Burger dort gemacht – rund 200 Leute kamen.“ Darunter auch Senioren, Jogger und Spaziergänger. „Das hat uns bestärkt.“ Für den Stadtgeburtstag im nächsten Jahr arbeiten sie außerdem an einem Kulturprogramm, das in einem Pavillon auf dem Karstadt-Hochhaus drei Monate lang stattfinden soll. „Wir sind gerne in Karlsruhe und wollen den kreativen Bereich stärken, damit die Stadt noch lebenswerter wird.“

Weitere Informationen unter
www.dieanstoss.de
www.facebook.com/events/837950869550302/

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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