13. Februar 2018

Flimmerkasten: “Three billboards outside Ebbing, Missouri”

Ein fantastischer Film, der weh tut

Vergewaltigt, als sie starb. Und immer noch keine Verhaftungen. Wie kann das sein, Chief Willoughby?

Drei Sätze, festgehalten in großen schwarzen Buchstaben auf knallrotem Hintergrund: Die drei Werbetafeln kurz vor der Ortseinfahrt der Kleinstadt Ebbing sind an den örtlichen Sheriff gerichtet. Mildred Hayes (Frances McDormand) hat sie für ein Jahr lang angemietet und mit der anklagenden Schrift versehen. Die drei Mahnmale stehen genau dort, wo sieben Monate zuvor ihre Tochter vergewaltigt und ermordet wurde. Mildred ist wütend: auf die Polizei, die scheinbar nicht genug tut, auf ihren Ex-Mann, aber auch auf sich selbst.

“Three billboards outside Ebbing, Missouri” von Regisseur Martin McDonagh ist ein eindringlicher und aufwühlender Film, der bis ins kleinste Detail perfekt durchdacht ist: von der Szenerie, der Wahl der Schauspieler und der Sprache. Es ist ein sehenswertes Sozialdrama, bei dem an manchen Stellen das Hinschauen aber ganz schön weh tut. Weiterlesen »

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19. Dezember 2017

Flimmerkasten: “Aus dem Nichts”

NSU-Drama: Langweile kommt keine auf!

Hmmm. Hin- und hergerissen sitze ich beim Abspann von „Aus dem Nichts“ in meinem Kinosessel. Mit einem großen Wumm endet der neue Film von Fatih Akin – und auch die 106 Minuten davor sind voller Dynamik und Spannung. „Aus dem Nichts“ berührt, erschüttert und lässt mich am Ende erschlagen und nachdenklich zurück.

Doch, irgendwie, so ganz rund ist der Film zunächst nicht für mich. An einigen Stellen bin ich sehr irritiert, vor allem deshalb, weil in meinem Kopf ständig der Vergleich mit dem tatsächlichen NSU-Geschehen abläuft. Regisseur Fatih Akin hat die Parallelen auch bewusst gesetzt. Im Abspann erinnert er nochmals an die Untaten von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Weiterlesen »

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23. Januar 2017

Flimmerkasten: “La La Land”

Kein Fan von Musicals

Nach etwa 30 Minuten „La La Land“ hatte ich wenig Hoffnung, dass ich diesen Film bis zum Ende sehen kann. Dieser überdrehte und knallbunte Bilder- und Soundmix machte mich in der ersten Hälfte fix und fertig.

Aber: Als Jazzpianist Seb (Ryan Gosling) Mia (Emma Stone) dann mit in eine Bar nimmt, ihr seine Lieblingsmusik näher bringt und ihr von seinem Traum erzählt, selbst einen Jazz-Club eröffnen zu wollen, fängt sich die Hollywood-Romanze einigermaßen. Auch dank John Legend, der auftaucht. So blieb ich sitzen. Nur: Musicals sind einfach nicht meins, daran ändert nun auch „La La Land“ nichts – trotz zahlreicher positiver Kritiken und einer großen Preisflut. Weiterlesen »

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22. Oktober 2015

Flimmerkasten: “The Walk”

Ein spannender Drahtseilakt

Die letzte halbe Stunde konnte ich mir das Treiben auf der Leinwand vor Spannung kaum mehr anschauen. Der französische Akrobat Philippe Petit balanciert seelenruhig auf einem Seil, das in über 400 Metern Höhe zwischen die Twin Towers in New York gespannt ist. Der junge Mann ist ohne jede Absicherung. Aufgebrachte Polizisten stehen auf beiden Seiten und wollen ihn verhaften. Philippe bleibt nichts anderes übrig, als den Drahtseilakt in schwindelerregender Höhe fortzuführen. Eine riesige Menschenansammlung beobachtet das Spektakel vom Boden aus. Die Melodie von “Für Elise” erklingt dazu. Wird er es schaffen? Der beeindruckende 3D-Film “The Walk” basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1974 und ist seit heute im Kino zu sehen. Das ist bestes Popcorn-Kino, das besonders durch die Dreidimensionalität und Architektur der Stadt New York unglaubliche Dynamik und Tiefe entwickelt. Ich hatte das Gefühl, ich stehe mit Philippe auf dem Seil. Ein Thriller ohne Bösewicht.  Weiterlesen »

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3. März 2015

Flimmerkasten: “Birdman”

Plötzlich fliegt er durch die Lüfte, gleitet zwischen den Hochhäusern umher, begleitet von imposanten Melodien. Im oscarprämierten Film „Birdman“ geraten nicht nur einmal physikalische Gesetze außer Kraft. Der ehemals erfolgreiche Schauspieler Riggan Thomson (Michael Keaton) schwebt anfangs im Yoga-Sitz mitten im Raum und verschwindet später aus dem Fenster. Alles ist möglich in „Birdman“. Einem Film ohne spektakulärer Geschichte – aber voller Dynamik, brillianter Schauspieler und beeindruckender Kameraführung. Weiterlesen »

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2. November 2014

Flimmerkasten: “Le passé – Das Vergangene”

Es ist ein sehr leiser Film, doch so voller Spannung, Emotion und wundervoller Schauspieler. Der Iraner Asghar Farhadi hat mit „Le Passé – Das Vergangene“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Weiterlesen »

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22. September 2014

Flimmerkasten: “12 Years a Slave”

Nach 58 Minuten habe ich abgebrochen. Den Fernseher und den DVD-Player ausgemacht. Ich ertrug „12 Years a Slave“ einfach nicht mehr. Hatte genug von der rohen, barbarischen Gewalt. Und dem Wissen, dass all das keine Fiktion, sondern tatsächlich passiert ist. Weiterlesen »

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10. August 2014

Flimmerkasten: “Searching for Sugar Man”

Es ist ein wenig wie ein Pop-Märchen, ein schöneres Ende könnte es kaum geben: Der Dokumentarfilm „Searching for Sugar Man“ handelt von der Suche nach dem amerikanischen Sänger Rodriguez, der in den 1970er-Jahren in seiner Heimat erfolglos blieb, in Südafrika aber großen Erfolg hatte. Niemand wusste in dem zerrütteten Land mehr über ihn, Gerüchte über seinen Selbstmord auf der Bühne kursierten. Die beiden Südafrikaner Stephen „Sugar“ Segerman und Craig Bartholomew Strydom wollen nun wissen, was hinter dem Mythos „Rodriguez“ steckt. Sie beginnen zu recherchieren – mit überwältigenden Ergebnissen. „Searching for Sugarman“ bekam 2013 den Oscar als besten Dokumentarfilm.

Das Geheimnis um den Sänger aus Detroit

Während in den USA keiner Notiz von Rodriguez nahm, traf er in Südafrika in den 1970er-Jahren mit seiner Musik genau den Nerv der Zeit. In dem Land ging es sehr konservativ zu, die Apartheid war auf ihrem Höhepunkt. Es gab kein Fernsehen, alles wurde zensiert und war verboten. Rodriguez‘ Songs wie „I wonder“ kamen an – besonders bei den jungen Menschen. Das Album „Cold fact“ wurde in Südafrika zu einer der bekanntesten Platten – und lag neben denen von den Beatles und Simon & Garfunkel in nahezu jedem liberalen Mittelschichtshaus. Die Botschaft der Platte: „Seid gegen das Etablishment“. Rodriguez wurde zu einem Rebell, einer Ikone. Seine Platten verkauften sich bestens, aber niemand wusste, wer er eigentlich ist.

Ein stiller Star mit großem Talent

Die Geschichte um den Künstler Rodriguez ist unglaublich interessant und berührend. Es wird unter anderem gezeigt, auf welche Art Schallplatten in Südafrika zensiert wurden und wie berechnend und kalt die Musikbranche in den USA ist. Die Erkenntnisse, die die Autoren um den Menschen Sixto Rodriguez herausfinden, sind darüber hinaus unglaublich facettenreich. Ein stiller Star, mit großem Talent. Über Jahrzehnte würdigten nur die Menschen in Südafrika seine wunderbare Musik. Dank „Searching for Sugar Man“ ist er nun weltweit bekannt. Es ist ein Dokumentarfilm, den man sich unbedingt anschauen sollte. Ich saß am Ende völlig gerührt und glücklich auf meinem Sofa.

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7. Februar 2014

Flimmerkasten: “The Wolf Of Wall Street”

Triebgesteuert. Jordan Belforts Leben ist geprägt von Geld, Sex und Drogen. In „The Wolf Of Wall Street“ greift Martin Scorsese die Biografie des amerikanischen Brokers auf und gewährt einen Blick hinter die Kulissen dieser verrückten Finanz-Welt. Sehenswert, aber leider viel zu eindimensional.

Auf der Leinwand strotzt es knapp drei Stunden lang von unzivilisierten Männern, die sich wie im Dschungel aufführen und alle Hemmungen verlieren. Frauen werden fast ausnahmslos auf Sexobjekte reduziert. Die geprellten Anleger aus der Mittelschicht, die ihr Erspartes verlieren, betrogene Ehefrauen, die unter der Untreue ihrer Männer leiden. Fehlanzeige. Scorsese zeigt keine andere Perspektive auf als die der orgienfeiernden Männer. Schade.

Gleichwohl: Leonardo DiCaprio beeindruckte mich nachhaltig. Solariumgebräunt und mit dunkel gefärbten Haaren spielt er Jordan Belfort. Viel Idealismus steckt noch in ihm, als er mit 22 Jahren an die Wall Street kommt. Alkohol, Drogen und Prostituierte – schnell kommt er damit in Berührung, wird in die Untiefen des Raubtierkapitalismus eingeführt, samt affenartigen Ritualen.

Der Börsencrash am Schwarzen Montag 1987 wirbelt erstmal alles durcheinander. Belfort ist raus. Aber nur kurz. Schnell merkt der rhetorisch exzellente Börsianer, dass er in einem heruntergenommen Laden ahnungslose Kunden mit wertlosen Papieren ausnehmen kann; die Moral schwindet im Sekundentakt, der Aufstieg geht rasend.

Was folgt ist ein kunterbunter Mix an Drogen, wilden Partys und ungezähmter Gier nach Geld. Grenzen gibt es in der Welt von Jordan Belfort keine mehr. Seine erste Frau betrügt er unzählige Mal, verlässt sie für die wunderschöne Naomi. Aber auch sie kann ihn letztlich nicht von Sexeskapaden mit anderen Frauen fernhalten. Nicht mal vor ihrer Tante macht er Halt.

Jordan Belforts Verwandlung zum unmenschlichen Arschloch findet im Foyer eines Country Clubs ihren Höhepunkt. Die genommenen Drogen wirken verspätet, er verliert die Kontrolle über seinen Körper, sabbert, robbt über den Boden, purzelt die Treppe hinunter. Gregor Samsa lässt grüßen. Irgendwie schafft er es noch zu seinem Auto, fährt in diesem desolaten Zustand Auto, demoliert es. Zuhause angekommen wartet sein Freund und Geschäftspartner Donnie. Er ist in einer ähnlichen Verfassung, droht an einem Sandwich-Stück zu ersticken. Belfort versucht ihm das Leben zu retten, eine denkwürdige Szene. Leonardo DiCaprio sollte für diese Leistung den Oscar bekommen.

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30. März 2013

Flimmerkasten: “Amour/Liebe”

Sie altern gemeinsam in Würde: Anna und George, beides sehr kultivierte Musikprofessoren im höheren Alter, besuchen Konzerte, lauschen Radio, lesen. Einen sehr liebe- und respektvollen Umgang haben sie miteinander. Eines Tages sitzt Anna jedoch völlig apathisch am Essenstisch, die Halsschlagader ist verstopft, eine Operation unumgänglich. Sie missglückt. Die Klavierlehrerin ist halbseitig gelähmt und ein Pflegefall. George kümmert sich zwar rührend um sie, doch Annas Zustand verschlechtert sich rapide.

“Amour” hat mich umgehauen. Bereits seit einem Jahr wollte ich den Film unbedingt sehen,  die vielen überragenden Kritiken und Preise (unter anderem der Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2013) hatten mich neugierig gemacht. Ins Kino hatte ich es nicht geschafft, nun ist er aber endlich auf DVD erhältlich. Sofort habe ich ihn gekauft.
Bereits in den ersten fünf Minuten des Films von Michael Haneke wird deutlich, dass Anna am Ende tot in ihrem Bett liegt. Dann beginnt die Rückblende. Die 127 Minuten sind so berührend, dass ich ständig mit Gänsehaut vor dem Fernseher saß.

Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trinitignat spielen so authentisch das Ehepaar um die 80 Jahre, dass ich stellenweise völlig vergaß, dass der Film nur Fiktion und keine Realität ist. Es ist erschütternd zu sehen, wie  Anna immer weniger Kontrolle über ihren Körper hat und  wie sehr die stolze und gebildete Frau darunter leidet. Aber es tut auch weh,  die Verwandlung von George mitanzuschauen.  Er  sorgt sich, versucht alles, um seiner Ehefrau den Zustand ein wenig erträglicher zu machen. George ist ein wundervoller Ehemann. Er realisiert aber irgendwann, dass der Lebenswille seiner Frau immer mehr schwindet und er ihr nicht helfen kann.

Michael Hanekes Werk berührt, weil es so sehr aus dem Leben gegriffen ist. Der Österreicher führt dem Zuschauer schonungslos den Prozess des Sterbens vor Augen. Es ist ein schwerer Film, der aber nicht erdrückt. Vielmehr ist “Amour” ein sehr leiser und zärtlicher Film. In den letzten 20 Minuten fallen nur noch wenige Sätze. Vieler Worte bedarf es auch nicht. Die unglaublich gefühlvollen Bilder genügen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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