6. November 2013

Flimmerkasten: “Last Vegas”

Dichtes Gedränge, Geschubse und ein regelrechter Kampf um Eintrittskarten: Sneak in der Schauburg ist vor allem in den Herbst- und Wintermonaten ganz schön anstrengend geworden. Einen Platz nebeneinander zu bekommen, das hat sich in den vergangenen Monaten vermehrt als Herausforderung dargestellt. Deshalb testeten Andreea und ich gestern die Sneak in der Kurbel.

Die Rahmenbedingungen waren ein Traum: freie Platzwahl, angenehme Leute und kein Stress. Nur gibt es dort weder Brezel noch Sekt. Schade. Und naja, der Film, der war auch nicht ganz mein Fall.

Als zu Beginn die Namen der Schauspieler auf der Leinwand eingeblendet wurden, da dachte ich noch: „Och, nett“.  Michael Douglas, Morgan Freeman, Robert de Niro. Das klingt vielversprechend.

Auch die ersten Minuten von „Last Vegas“ waren noch ganz unterhaltsam. Vier Jungs treiben Blödsinn Ende der 1950er-Jahre. Dann gibt es jedoch einen Zeitsprung, 58 Jahre in die Zukunft. Aus den vier jungen Herren sind Senioren geworden. An allen nagte bereits der Zahn der Zeit. Da ist Sam (Kevin Kline), der unter Hüftproblemen leidet, Archie (Morgan Freeman) kämpft mit den Folgen eines Schlaganfalls, Paddy (Robert de Niro) trauert um seine verstorbene Frau und Billy (Michael Douglas) sieht völlig verschoben aus (Solarium gebräunt, ausgemergelt, pseudo-junggeblieben). Er möchte nun eine Frau heiraten, die halb so alt ist wie er. Das muss natürlich gefeiert werden – gemeinsam, samt Junggesellenabschied.

Schnell ist klar, was der Plot von „Last Vegas“ ist: „Hangover“ mit Senioren. Hilfe. Absolut nicht mein Film-Genre. „Last Vegas“ ist bunt, schrill und völlig drüber. Eine skurrile Situation jagt die nächste. Es gibt viele leichtbekleidete Frauen, gewöhnungsbedürftige Popmusik und gaaaaanz viele schlechte Witze. Natürlich wird es nach einigen Turbulenzen und Katastrophen am Ende noch ein wenig romantisch. Und 50 Cent taucht auch mal auf. Typisches Popcorn-Kino aus den USA – nur eben mit Senioren. Das ist jetzt angesagt – dem demografischen Wandel sei Dank.

Einräumen muss ich, dass Morgan Freeman wirklich entzückend spielt. Allein wegen ihm würde ich mir den Film nochmals anschauen. Und wer leichte Unterhaltung mag, der wird mit „Last Vegas“ keine Enttäuschung erleben. Die Gruppe neben mir lag vor Lachen zumindest fast unter den Kinositzen.

Andreea und ich gehen aber nächste Woche erst mal wieder in die Schauburg-Sneak.

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5. November 2013

Melodien: “Ein Abend mit Nicolas Sturm und Yasmine Tourist”

 

Ein Singer/Songwriter mit deutschen Texten voller Poesie und eine Band, die sich auf ihrer Debütplatte beschwingtem amerikanischem Folkrock widmet – eigentlich eine schöne Kombination für ein Doppelkonzert in der Scenario Halle im Kulturzentrum Tempel. Leider waren die rund zweieinhalb Stunden mit Nicolas Sturm und der Band „Yasmine Tourist“ gespickt von technischen Pannen und einigen schrägen Tönen.

Ganz alleine macht Sturm den Auftakt. Es fehlt sein Multiinstrumentalist Jeremy Dhôme – alias „Klingen Ensemble“ – mit dem er noch im Februar im Kulturraum Kohi das Publikum begeisterte. In der Scenario Halle bestreitet er mit seiner Gitarre (mal akustisch, mal elektrisch), einer Loop-Maschine und seiner markanten Stimme das Konzert. Das könnte bestens funktionieren, sind seine mit dem Udo-Lindenberg-Preis prämierten Texte doch einfallsreich und fantasievoll. Auch die Melodien sind ausgefeilt, weder trivial noch sperrig. Doch Sturm wirkt von Beginn an wenig motiviert.

Vielmehr spult er sein Programm ab. Kontakt zum Publikum sucht er kaum, zwischen den Liedern wurstelt er sich durch seine Songliste, wechselt die Gitarren, ein Schluck Bier, dann geht es weiter – schade und wenig nachvollziehbar, ist das Konzert doch ein Heimspiel und der Auftakt seiner „Manhattan“-Tour. Einen Tag zuvor erschien die gleichnamige EP. Fünf starke Songs sind darauf, alle Titel bestehen, ganz im Sturm-Stil, aus nur einem Substantiv, heißen „Sohn“, „Handschellen“ oder „Festung“. An diesem Abend spielt er aber nur zwei davon. Immerhin: Die Zugabe „Schiffbruch“ ist ein ruhiges Lied, das bewegt und sich als Akustik-Variante gut eignet.

 

 

Yasmine Tourist aus Stuttgart spielen zum ersten Mal live in der Fächerstadt. „Wir wollten schon im Frühjahr ein Konzert hier geben“, erzählt Sänger Dominik Gerwald dem Publikum. „Leider wollte uns da wohl kaum einer sehen.“ Der Auftritt wurde gecancelt, nun der nächste Versuch.

Sechs Männer stehen auf der Bühne, Schlagzeug, Bass, Klavier, Gitarre, alles vorhanden. Mit der Abstimmung der Instrumente klappt es aber nur verhalten. Vor allem im ersten Teil des Konzertes quietscht es ständig, Sänger Gerwald ist kaum zu hören. Der Auftritt zieht sich in die Länge. Gerwald bemüht sich redlich, erzählt immer wieder Anekdoten. Die Songs sind beschwingt, lassen Südstaatenflair aufkommen. Nett: die Instrumentalpassagen und das Glockenspiel. Aber letztlich berühren die Songs nur wenig. Die Leichtigkeit, die auf dem Album zu hören ist, schwappt nicht über. Auch hier bleibt der Eindruck: Da ist live noch viel Luft nach oben.

Der Artikel ist heute in den BNN nachzulesen:
Sturm

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30. Oktober 2013

Melodien: Laing

Für die BNN war ich am Wochenende beim Konzert von Laing, der Artikel ist heute in der Zeitung nachzulesen.

Männer sollten es sich besser nicht mit den Damen von Laing verscherzen, das macht Sängerin Nicola Rost gleich zu Beginn des Konzertes im Substage klar. Ihre Konsequenz aus einem gebrochenen Herzen: „Ich mache dich kalt.“ Diese Drohung haucht sie beim Opener „Ding Dong“ mit gefährlich unterkühlter Stimme ins Mikrofon. Das minimalistische Bühnenbild unterstützt die düstere Stimmung: Völlige Dunkelheit herrscht. Die drei großen Stehlampen sind alle aus – noch.

Schlagartig änderte sich die Stimmung, als danach die ersten Takte zu „Paradies naiv“ erklingen, der Groll bei den Sängerinnen ist wie weggeblasen. „Vielleicht geht er fremd. Ich will es nicht wissen”, ist statt Rachegelüsten nun zu hören. So zeigt sich schnell: Die äußerst adretten Damen von Laing sind keineswegs gefährlich, wollen nur spielen – und das auf eine sehr unterhaltsame Weise.

Wortspielereien, Stimmakrobatik und Lautmalereien: Es ist ein ausgefeiltes Programm, das die Frauenformation an diesem Abend in Karlsruhe zeigt. Laing, das sind die Sängerinnen Nicola Rost, Johanna Marshall und Atina Tabé sowie Choreografin Marisa Areny. Untermalt sind ihre meist durchdachten und oft auch humorvollen Texte von minimalistischen Beats. Funk- und Soul-Elemente tauchen darüber hinaus immer mal wieder auf. Interessant: ihre ganz eigene Coverversion von „Alles nur geklaut“ von den Prinzen.

Selbst wenn der Besucherandrang an diesem Abend im Substage ein wenig verhalten ist, schafft es die Damen-Band aus Berlin innerhalb kürzester Zeit, den Funken überspringen zu lassen. Das liegt nicht nur an den akustischen Reizen, sondern auch an der visuellen Gestaltung. Die Choreografie ist der Musik bis ins Detail angepasst. Bei „Maschinell“ zeigt die durchtrainierte Tänzerin Marisa Arney, wie sie sich auf den Punkt genau zu Melodie und Text bewegen kann, roboterhaft, abgehackt. Ergänzt wird die Einheit von Text, Melodie und Tanz durch das Bühnenoutfit der Künstlerinnen; minimalistisch, schwarz und weiß dominieren.

Außer Männerproblemen sind es vor allem Alltagserlebnisse, die die Songs von Laing prägen: Sei es der Wunsch nach Zigaretten, („Sehnsucht“) oder eine Autofahrt („Durch die Nacht“). Immer wieder tauchen in den Liedern Lautmalereien auf, werden kombiniert mit der Choreografie, machen das Konzert von Laing besonders. Das Zuschlagen einer Tür wird imitiert, die Ansage eines Navigationssystems ist zu hören. Und ein Insekt wird akribisch gesucht.

Bundesweit bekannt wurde die Band durch einen Auftritt beim Bundesvision Songcontest im Jahr 2012. Mit „Morgens immer müde“ landete Laing damals auf Platz zwei – ein Überraschungserfolg. Basis des Songs ist der Klassiker von Trude Herr aus den 1960er-Jahren. Die Berliner Damen machten ihn sich mit modifiziertem Text, Synthesizern und eingängigen Beats zu Eigen. Ein Ohrwurm entstand. Das Publikum im Substage wartet sehnsüchtig darauf. Als ihn die Musikerinnen ganz am Ende samt Intro anstimmen, ist die Stimmung am Siedepunkt. Zugaben werden gefordert. Zu Recht. Ein Konzert von Laing ist ein musikalisches und optisches Vergnügen.

Laing

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23. Oktober 2013

Fernweh: “Susanne Trumpf”

Susi

Das ist Susi

Es ist ein grauer, kalter Januarmorgen, als Susanne Trumpf am Karlsruher Hauptbahnhof in einen ICE Richtung Frankfurt steigt. Einen großen Rucksack trägt sie auf ihren Schultern, eine Tasche hängt schwer um ihren zierlichen Oberkörper, darin liegt sicher verstaut: ein One-Way-Ticket nach Hongkong. Weiterlesen »

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17. Oktober 2013

Flimmerkasten: “Take This Waltz”

Michelle Williams mag ich sehr gerne. Während meiner Schulzeit war Dawson’s Creek samstagsnachmittags ein Pflichttermin für mich. Ich liebte es ihr dabei zuzusehen, wie sie als coole Jen ständig in der Kleinstadt aneckte, sich durch das Leben biss.

In den vergangenen Jahren wurde ich durch Filme wie Brokeback Mountain oder Shutter Island immer mal wieder vereinzelt mit Michelle Williams konfrontiert. Auch durch die Ehe mit Heath Ledger rückte sie in mein Bewusstsein, aber immer nur kurz und ohne dass ihre Rollen mich tiefer berührten.

Nun sah ich den vergangenen Wochen gleich zwei Filme mit ihr. „Blue Valentine“ und „Take This Waltz”. Seither ist aus der Sympathie für Michelle Williams große Begeisterung geworden. Beides Mal verkörpert sie eine Frau, die mit dem Leben und der Liebe kämpft. Es ist nicht einfach, ihr dabei zu zusehen. Vor allem „Blue Valentine“ ist oft verstörend und deprimierend. Gleichwohl: ein sehr sehenswerter Film.

In „Take This Waltz“ spielt sie Margot, eine junge Frau Ende 20, die davon träumt, ein Buch zu schreiben. Auf einer Reise lernt sie im Flugzeug Daniel (Luke Kirby) kennen. Die Beiden verstehen sich gut, eine große Anziehungskraft ist da. Wie es der Zufall will, ist Daniel nun Margots neuer Nachbar – was jedoch auch fatal ist. Margot ist verheiratet. Die Ehe schien glücklich, doch nun gerät alles ins Wanken.

Michelle Williams spielt Margot so authentisch, dass es fast schon weh tut, ihr dabei zuzusehen, wie sie versucht, Daniel aus ihrem Leben zu halten, es aber nicht schafft und immer verzweifelter wird. Es ist aber auch schlimm zu beobachten, wie ihr Ehemann langsam bemerkt, dass etwas nicht stimmt, er aber gar nichts tun kann und das Geschehen aushalten muss.

In einer Beziehung bleiben oder gehen? Dem neuen Reiz nachgeben oder die Leere aushalten? Wann lohnt es sich zu kämpfen, wann doch das Neue wagen? „Take This Waltz“ trifft die Lebenswirklichkeit so gut und macht deutlich, wie zerbrechlich Beziehungen sein können. Ein toller Film, der lange nachwirkt.

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13. Oktober 2013

Schmöker: “Die Deutschlehrerin” von Judith W. Taschler

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Für eine Zugfahrt suchte ich mir aus meinem riesigen Stapel an ungelesenen Büchern etwas Kurzweiliges aus. Meine Wahl fiel auf „Die Deutschlehrerin“ von Judith W. Taschler. Zum Geburtstag hatte ich dieses Buch von Freundinnen geschenkt bekommen. Ein wenig wie „Tannöd“ sollte es sein, verriet mir Jenny. Ok, ich war gespannt.

„Die Deutschlehrerin“ ist besser, gar eines der spannendsten Bücher, das ich seit langem in der Hand hatte. Von der ersten Seite an entwickelte der Thriller so einen starken Sog auf mich, dass ich ihn nicht mehr weglegen konnte und in den vergangenen Tagen in jeder freien Minute las – regelrecht mitfieberte.

Das Besondere an dem Werk von Judith W. Taschler ist der verschachtelte Aufbau. Die Geschichte beginnt mit einem E-Mail-Dialog. Daran beteiligt ist Xaver, ein erfolgreicher Jugendbuchautor. Er soll an einer Schule eine Schreibwerkstatt veranstalten und nimmt dazu Kontakt mit der zuständigen Deutschlehrerin auf, Mathilda. Ist es Zufall oder Schicksal? Xaver und Mathilda kennen sich bereits. Sie waren 16 Jahre lang ein Paar. Eines Tages zog Xaver aber still und heimlich aus, ließ Mathilda verzweifelt und mit gebrochenem Herzen zurück.

Es gibt nun Rückblenden, wie sich Mathilda und Xaver bei ihrem Germanistik-Studium kennen lernten, ein Paar wurden und was dann schief lief. Es gibt Vorausblenden, wie ihr Wiedersehen läuft, was danach passiert und sie erzählen sich beide Geschichten. Die unterschiedlichen Schreibstile, Einschübe und zeitlichen Sprünge sorgen für eine große Dynamik.

Judith W. Taschler wirft einem als Leser immer wieder neue Puzzle-Stücke hin. Ständig tauchen neue Fragen auf, die Antworten sind kaum zu erwarten, ich las und las und las, gierte nach dem Gesamtbild. Zuviel der Handlung möchte ich gar nicht verraten, nur das: Xavers Sohn wurde entführt. Hat Mathilda etwas damit zu tun? Oder Xaver selbst? Diese Fragen sind die treibende Kraft.

Ich bin so begeistert von diesem Buch, dass ich es bedingungslos jedem ans Herzen lege – ein ungewöhnlicher Thriller, der einen alles um sich herum vergessen lässt.

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11. Oktober 2013

Fernweh: “Roadtrip Teil VI – Kopenhagen”

3. Stopp: Kopenhagen

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Kopenhagen. Endlich war es soweit. Wir packten am Morgen in Tiendegaarden wieder unsere Koffer, verstauten sie im Auto und fuhren los. Auf dem Weg in die dänische Hauptstadt wollten wir noch einen Zwischenstopp an den Kreidefelsen von Møn einlegen. Dass dieser Ausflug eine sportliche Herausforderung werden sollte, das war uns allen vorher nicht ganz klar. Weiterlesen »

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8. Oktober 2013

Melodien: “Fatones”

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Eine außer Rand und Band geratene WG-Party in Karlsruhe steht ganz am Anfang der Fatones. „Wir waren alle dort zum Feiern und griffen gegen 1 Uhr betrunken zu den Instrumenten“, erinnert sich Bassist Adrian. Das Ergebnis: leicht experimentell. Verzerrte Bass-Klänge, dazu Keyboardtöne und ein Schlagzeug. „Es war durchgeknallt, aber die Leute tanzten stundenlang dazu“, erzählt Gitarrist Markus. „Lasst uns eine ernsthafte Band gründen“, das beschlossen die vier Jungs danach. Die Fatones waren geboren.

Zwei Jahre sind seither vergangen, ihre erste EP „Until The Morning Light“ kam 2012 heraus, derzeit laufen die Arbeiten für die zweite Platte. „Sie soll noch vor Weihnachten erscheinen“, sagt Adrian. Sowohl neue als auch alte Songs präsentiert die Band am Donnerstag, 10. Oktober, im Kulturfenster in Heidelberg um 19.30 Uhr und am Freitag, 11. Oktober, im Vanguarde in Karlsruhe. Dort ist der Auftritt gegen 2 Uhr geplant. https://www.facebook.com/events/636000329784792/?fref=ts

Mando Diao, Kings Of Leon, Men in Black: „Wir lassen uns von verschiedenen Bands inspirieren, machen aber unser eigenes Ding“, sagt Markus. Als Indie-Rock mit poppigen und bluesigen Elementen beschreiben die Jungs ihren Stil. Die Texte schreibt Sänger Paddy alleine, an den Melodien feilen sie dann gemeinsam. „Jeder bringt sich ein“, sagt Adrian. Außer ihm wohnen alle anderen Bandmitglieder inzwischen zusammen in einer WG in der Nähe des Europaplatzes. „Die Wege, um sich über neue Ideen auszutauschen, sind dadurch kurz“, sagt Gitarrist Markus, der an der Hochschule für Musik studiert. Adrian und er kennen sich bereits aus der Schulzeit in Donaueschingen, Sänger Paddy und Drummer Jo kommen beide aus Backnang.

Wie sie in Karlsruhe dann zusammenfanden? „Paddy und ich studieren beide Architektur – dadurch lernten wir uns kennen“, erklärt Adrian. Während sie in ihren Heimatorten schon zahlreiche Konzerte spielten, waren Auftritte in der Fächerstadt bislang eher selten. Gitarrist Markus überlegt kurz und zählt dann auf: „Bei einem Science Slam im Jubez waren wir dabei.“ Außerdem bei einer Triple-Night im Jubez oder bei einem Open-Stage-Abend im Radio Oriente. „Der größte Auftritt war nun vor wenigen Monaten beim Parkplatzfest“, sagt Adrian. „Dort waren wir Headliner.“ Bis zu 2000 Zuschauer standen vor der Bühne, schauten und hörten den Fatones zu.

Drei sehr stressige Wochen haben die vier Studenten gerade hinter sich. „Wir haben angefangen, unsere Songs für die neue Platte aufzunehmen“, erzählen Adrian und Markus. Das Instrumental-Grundgerüst steht, nur Gesang und Gitarrensoli fehlen noch. Die Aufnahmen waren nicht immer ein Vergnügen: „Drei Wochen zusammen in einem Raum zu verbringen, das kann ganz schön anstrengend sein“, sagen die Jungs. Der Umgang miteinander sei oft sehr rau – Diskussionen normal. „Spätestens wenn wir dann aber die Instrumente in die Hand nehmen und anfangen Musik zu machen, ist wieder alles gut.“

Weitere Infos: https://www.facebook.com/fatonesband?fref=ts

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6. Oktober 2013

Melodien: “Kakkmaddafakka”

Oohh, Karten für das Kakkmaddafakka-Konzert in Karlsruhe. Ich freute mich sehr, als zwei meiner liebsten Schulzeit-Freundinnen mir die Tickets zum Geburtstag überreichten. In Köln und Mainz wohnen sie inzwischen, Dinge zu dritt unternehmen, das ist nicht mehr so selbstverständlich – leider.

Umso größer war die Freude auf diesen Abend. Eigentlich hätten Miriam und ich Kakkmaddafakka schon beim Dockville gesehen, dort wurde das Konzert aber kurzfristig abgesagt. Keyboarder Jonas litt an Herzproblemen. Nun hatten wir aber Glück, kurz vor 22 Uhr stand die norwegische Band zu acht auf der Bühne.

Beschwingte Musik, nackte Oberkörper und kreative Tanzeinlagen: Die rund 90 Minuten waren eine große Party. Allein die beiden Herren mit weißen Hemden und schwarzen Fliegen im hinteren Teil der Bühne waren das Eintrittsgeld wert. Ihre Funktion: eine Mischung aus Backgroundtänzern- und sängern. Ihre Moves: völlig drüber, aber herrlich anzuschauen.

„Six Months Is a Long Time“, so lautet der Titel des neuesten Albums. “It’s brilliant”, verkündete Sänger Axel gleich mehrmals. An ironischem Selbstbewusstsein mangelt es den Norwegern nicht. Sie dürfen es sich erlauben. Die Songs sind wieder eine bunte Mischung aus Sixties-Pop, Ska und ein bisschen Reggae.

In „Gangsta No More“ nehmen sie Bezug auf ihren früheren Song „Gangsta“, einen meiner Lieblingssongs. Erwachsener sind sie geworden, verkünden sie nun. Ähm ja, im Substage ist davon an diesem Abend nicht allzuviel zu merken. Denn als sie etwa in der Mitte des Konzerts dann den Klassiker „Gangsta“ anstimmen, tobt nicht nur das Publikum. Auch auf der Bühne herrscht Anarchie, die Jungs hüpfen von links nach rechts, von vorne nach hinten, eine Struktur ist nur noch schwerlich zu erkennen. T-Shirts werden ausgezogen, wirbeln durch die Luft. Die einzige Konstante des Abends: der Standort des Schlagzeugs. Die Musik leidet unter dieser Dynamik keineswegs, die Qualität ist top.

Wir drei kannten nicht jedes Lied, das Kakkmaddafakka an diesem Abend anstimmten, im Gegenteil: Melle kannte keins. Das machte gar nichts, die Show der Norweger ist so kunterbunt und abwechslungsreich, dass es einfach nur eine Freude ist, dabei zu sein, zuzuschauen und zuzuhören.

Zugabe um Zugabe forderte das Publikum. Zum Abschluss ertönte dann Tina Turners „Simply The Best“, Kakkmaddafakka verneigten sich vor völlig verschwitzten und überglücklichen Fans. Es war ein Fest, danke Miriam und Melle für diesen wunderbaren Abend.

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1. Oktober 2013

Schmöker: “Ich hatte sie alle” von Katinka Buddenkotte

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Die schlimmsten Jobs, die miserabelsten Lebensabschnittgefährten, die abgefahrensten Ideen und die übelsten Krankheiten – als ich diese Aufzählung auf dem Buchrücken von „Ich hatte sie alle“ las, musste ich doch ein wenig schmunzeln. Zum Geburtstag bekam ich das Werk von Katinka Buddenkotte geschenkt. Parallelen zu meinem oftmals chaotischen Leben: nicht ausgeschlossen.

Laut dtv ist Katinka Buttenkotte das „Fräuleinwunder der deutschen Underground-Literatur“. Die 37-jährige Autorin ist auf Poetry Slams unterwegs und hatte bereits die verschiedensten Jobs. Sie arbeitete unter anderem in einem Call-Center und einer Düsseldorfer Werbeagentur. Was Katinka Buddenkotte dort erlebte, erzählt sie ein wenig überspitzt in „Ich hatte sie alle.“

Was auf Lesungen und Poetry Slams wohl noch ganz gut funktioniert, das war für mich in gedruckter Version an manchen Stellen viel zu viel des Guten. Von der ersten bis zur letzten Seite hatte ich das Gefühl, dass Frau Buddenkotte gerne übertreibt.

Beispiele? Gerne. „Interview mit einem Vamp“, so lautet der Titel des ersten Kapitels. Inhalt: Katinka Buddenkotte hat ein Vorstellungsgespräch bei der Plattenfirma „BMG“. Mit ihrem Freund Vassili bereitet sie sich vor. Resultat: Statt Business-Dress trägt sie danach ein Männerhemd und hat Beruhigungstropfen + Wodka intus. Dass das Bewerbungsgespräch so nicht klappen kann ist wenig verwunderlich. Es endet vielmehr in einer Aneinanderreihung von Kuriositäten – bis hin zur Ohnmacht.

„Nun ja“, dachte ich da noch. Skurriler Einstieg eben, wird besser werden. Frau Buddenkotte erzählt dann von ihren Erfahrungen im Call-Center. Dort soll sie verzweifelten Singles, die via Handy auf der Suche nach Liebe und einem Partner sind, zurückschreiben. Gleich mehrere Suchende bekommt sie zugeteilt – unterschiedlichen Geschlechts. Ganz schön durcheinander kommt sie dabei und stiftet allerhand Chaos.

Insgesamt 20 solcher Kurzgeschichten beinhaltet „Ich hatte sie alle“. Manchmal holpern sie etwas mehr und manchmal etwas weniger, aber das Gute ist: Sie sind alle sehr kurzweilig. Ich las das Buch meist im Zug auf dem Weg von der Arbeit nach Hause – für solche Zwecke ist es bestens geeignet. Einfache Unterhaltung, die nicht weiter fordert und mich dann doch ab und an zum Lachen brachte.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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