16. Juli 2013

Heimat: “Ein Abend bei Luis Leu”

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Es sind eigentlich alltägliche Handlungen, die auf den Gemälden von Alex Feuerstein zu sehen sind. Zwei Personen, die auf einem Fahrrad sitzen, zwei Frauen, die ineinander verschlungen, versuchen, etwas vom Tisch zu holen. Oder Jugendliche, die sich um eine Feuerstelle versammeln. Doch Feuersteins Gemälde und Linolschnitte sind nicht auf den ersten Blick zu erfassen, vielmehr sind die Arbeiten vielschichtig, der Interpretationsspielraum riesig. Eine Auswahl von Feuersteins Arbeiten, die im Jahr 2013 entstanden sind, zeigt nun die experimentelle Kunstplattform “Luis Leu”. „keine Installation, keine Performance, keine Neuen Medien“ lautet der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 19. Juli in in der Luisenstraße 32 zu sehen ist.

Es ist die erste Einzelschau des aus Heidelberg stammenden Künstlers. Nach einer Ausbildung als Graphiker studierte der 31-Jährige Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Die Leidenschaft für die Kunst begleitet ihn seit der Jugend. „In der Schule zeichnete ich ständig während des Unterrichts“, erinnert sich Feuerstein. Was vorne an der Tafel passierte, das zog an ihm vorüber. „Meine Stifte wurden deshalb vom Lehrer eingesammelt und ich musste in die erste Reihe, direkt vor das Pult sitzen“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Seine Liebe für das Zeichnen und Malen linderte das nicht, im Gegenteil, er malte in jeder freien Sekunde weiter.

Feuerstein ist Teil des Künstlerkollektivs „Nordbecken“, in dem 800 Quadratmeter großen Atelier im Rheinhafen hat er seinen Arbeitsplatz – dort setzt er seine Ideen um. Zusammenkünfte von Menschen und Alltagsgeschehnisse werden von ihm dabei als mysteriöse Phänomene dargestellt, heißt es in einem Schreiben über die Ausstellung. „Das Banale wird zu fast religiös aufgeladenen Szenen verklärt“, weiter. „Die Orte, an denen sich die Handlungen abspielen, sind ungewiss.“

Diese Mehrdeutigkeit der Gemälde fasziniert Boris Berber, der hinter dem Projektraum in der Luisenstraße steht. Was passiert da? Diese Frage lasse sich auch nach langem und mehrmaligem Hinschauen nicht definitiv beantworten, meint Berber. Er ist Dozent an der Kunstakademie und bot Feuerstein die Möglichkeit, seine Werke in dem Projektraum auszustellen.

„keine Installation, keine Performance, keine Neuen Medien“ ist die zweite Ausstellung, die in dem Projektraum in der Karlsruher Südstadt zu sehen ist. Im April war die Eröffnung, es gab damals einen Krimiabend. „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem sich verschiedene Künste begegnen“, sagt Therese J. Keßler, Co-Partnerin von „Luis Leu“. Ihre Vorstellung: Künstler der Hochschule für Gestaltung, der Kunstakademie und des ZKM sollen hier Platz finden, um ihre Arbeiten zeigen zu können. „Es wäre schön, wenn Schnittpunkte dadurch entstehen, ein Austausch stattfindet“, sagt Keßler. Berber, der Wurzeln in Jugoslawien hat, möchte darüber hinaus auch einmal im Jahr Künstler aus Belgrad einladen.

Die Werke können bis zum 19. Juli jeden Abend zwischen 18 und 20.30 Uhr angeschaut werden.

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10. Juli 2013

Schmöker: “High Fidelity” von Nick Hornby

Toll, toll, toll!

Was geht eigentlich in dem Kopf eines Mannes Mitte 30 vor? Diese Frage habe ich mir aufgrund einiger turbulenter Erfahrungen schon ganz schön oft gestellt. Dank „High Fidelity“ bin ich nun ein wenig schlauer. Ein großartiges Buch!

Schon vom ersten Satz an („Die ewige Top Five meiner unvergesslichsten Trennungen für die einsame Insel in chronologischer Reihenfolge:…“), war mir klar, dass ich diesen Roman von Nick Hornby lieben werde. Die Romanze hielt 315 Seiten bis zum letzten Satz.  Weiterlesen »

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8. Juli 2013

Fernweh: “48 Stunden Köln”

Kunterbunte Schnappschüsse.

Meine Zugbegleitung.

Zugbekanntschaft…

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6. Juli 2013

Flimmerkasten: “Lincoln”

Bürgerkrieg, Sklaverei und ein Präsident aus dem 19. Jahrhundert, der Barack Obama als Vorbild dient: Schon als ich im Kino das erste Mal den Trailer für „Lincoln“ sah, war mir klar: Diesen Film muss ich sehen. Bin ich doch ein großer Fan von Filmen, Serien und Büchern, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Ins Kino schaffte ich es nicht, bestellte mir aber vor Wochen die DVD. Da ich nun die ganze Woche krank im Bett lag, hatte ich genügend Zeit, mir das 149 Minuten lange Werk von Steven Spielberg anzuschauen.

„Lincoln“ spielt im Jahr 1865. Es tobt ein blutiger Kampf zwischen den Rebellen im Süden, die sich im Norden eine Legalisierung der Sklaverei wünschen, und den Neuengländern, die diese ablehnen. Der republikanische Präsident Abraham Lincoln möchte nun einen 13. Verfassungszusatz durchbringen, der die Sklaverei verbietet. Dabei wird er von verschiedenen Motiven getrieben: Er ist zwar kein Freund dieses menschenverachtenden Handels, primär geht es ihm aber darum, den Krieg zu beenden, auch vor dem Hintergrund, dass sein ältester Sohn Robert zum Militär möchte und Lincolns Frau Molly daran zu zerbrechen droht. So beginnt der Präsident nötige Stimmen bei den Demokraten teils durch Überzeugung zu sammeln, teils durch Bestechung.

Kutschen, Perücken, ausladende Kleider: Es ist eine Reise ins 19. Jahrhundert. Es ist dabei sehr interessant, den Debatten im Kongress zu lauschen – an denen damals nur Männer teilnehmen durften. Die Politik war noch eine komplett andere Welt. Ein Wahlrecht für Frauen und Dunkelhäutige? Unvorstellbar. Vor diesem Hintergrund ist es schön zu sehen, was sich in den vergangenen 160 Jahren doch alles getan hat. In den USA regiert mit Barack Obama ein dunkelhäutiger Präsident. Und wer weiß, was Hillary Clinton noch alles vorhat.

„Lincoln“ lohnt sich auf jeden Fall anzuschauen. Interessant ist der Blick in das schwierige Privatleben des Präsidenten und seiner Frau Molly. Das Ehepaar verlor ihren Sohn Willi. Molly trauert und scheint mit den Nerven völlig am Ende. Lincoln wirkt oft sehr kühl und distanziert. Auch seine Konflikte mit dem ältesten Sohn Robert und dem kleinen Ted, der unbeschwert aufwachsen soll, werden dargestellt.

Am Anfang des Filmes musste ich mich erst an die Dialoge und die Sprache gewöhnen. Unbeschwertes Popcorn-Kino ist das nicht. Aber umso länger die Geschichte voranschreitet, desto mehr wurde ich von dem Film in den Bann gezogen. Daniel Day-Lewis ist großartig. Und die letzten 45 Minuten berührten mich emotional sehr.

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29. Juni 2013

Heimat: Ein Abend beim “Nordbecken”

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Sammelsurium an Kuriositäten

Es ist ein Sammelsurium an Kuriositäten: Alte Landkarten liegen im “Nordbecken”-Studio neben Juliane Werding-Schallplatten, ein Nostalgie-Mofa ist an ein Gitter angelehnt, schaut aus, als ob es nur noch sehr knatternd durch die Gegend kommt. Eine selbstgezimmerte Hollywoodschaukel baumelt an der Decke. Und rundherum: Unzählige Farbtöpfe, Pinsel und Kunstwerke – begonnene und bereits vollendete. Weiterlesen »

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27. Juni 2013

Heimat: “Ein Abend beim Zeltfestival”

Und manchmal rettet mir die Arbeit den Tag.

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(Artikel aus den Badischen Neuesten Nachrichten)

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26. Juni 2013

Flimmerkasten: “Das Glück der großen Dinge”

Kinostart: 11. Juli

Wäre ich nicht sehr friedliebend, hätte ich mit den zwei lärmenden Jungs neben mir spätestens nach 45 Minuten eine Diskussion angefangen. „Ist das langweilig“, drang es im Kino ständig an mein Ohr. „Da passiert ja gar nix.“

Doch. In „What Maisie knew“ (in Deutschland läuft der Film unter: “Das Glück der großen Dinge“) passiert sehr wohl was. Es sind dabei vor allem die kleinen Details, die verzaubern. Ein riesiges Vergnügen: Onata Aprile, die Maisie spielt. Allein wegen ihr ist es schon wert, sich diesen Film anzuschauen.

Zugegeben: Es ist ein sehr langsamer Film, die Handlung wäre in der Tat ohne Probleme in 20 Minuten erzählt. Mit dabei sind unter anderem Julianne Moore und Steve Coogan. Die Beiden spielen ein egozentrisches New Yorker Paar (Sie: eine in die Jahre gekommene Rock-Sängerin. Er: ein schnöseliger, selbstverliebter Kunsthändler). Sie streiten nur noch, trennen sich. Das Sorgerecht für die sechsjährige Tochter Maisie müssen sie sich teilen. Während die Frau mehr mit sich selbst, ihrer Musikkarriere und Alkohol sowie Zigaretten kämpft, ist er hauptsächlich mit seinem Geschäft beschäftigt.

Beide zerren sie an ihrer Tochter, nehmen sich aber kaum Zeit für sie. Wenn sie da ist, sind die Eltern mit ihren Gedanken meist ganz woanders. Richtig kompliziert wird es für das kleine Mädchen, als ihr Kindermädchen plötzlich die neue Frau ihres Vaters ist und ihre Mutter einen viel jüngeren Barkeeper heiratet. Maisies Leben: eine Herausforderung.

„What Masie knew“ zeigt ganz schonungslos, wie hin- und hergerissen ein Scheidungskind ist. Fehlende Zeit und Gefühle werden mit Geschenken kompensiert. Maisie hat ein Zimmer voll mit Spielsachen, eigentlich ein Paradies. Aber nicht, wenn ehrliche Zuneigung ständig auf der Strecke bleibt.

Trotz dieser Thematik ist der Film weder schwer, noch sentimental. Vielmehr sind die Bilder wunderschön, immer wieder fokussiert die Kamera kleine Dinge, die Kleider von Maisie sind traumhaft. Aber auch der Soundtrack ist toll. Julianne Moore singt viele Songs. Ein Film fürs Herz.

Ein wenig erinnert mich „What Maisie knew“ an „Somewhere“ von Sofia Coppola. Wer daran Gefallen fand, wird auch eine gute Zeit mit der sechsjährigen Maisie haben. Entschleunigung.

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23. Juni 2013

Heimat: “Kombüse”

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Lecker und vegan

Feiner Duft nach frisch gebackenen Schokoladenkeksen weht aus der Küche. Windet sich durch die Fensterritzen nach draußen, umhüllt die Gäste in und vor der Kombüse. „Der Nachtisch ist fertig“, kommentiert Michael. Er ist einer von zwei Inhabern des vegetarischen und veganen Restaurants im Jungbusch in Mannheim. An diesem lauen Samstagabend sitzt er mit seinem Geschäftspartner Jon draußen auf einer Bierbank.

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Das ist Jon.

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Das ist Michael.

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20. Juni 2013

Flimmerkasten: “Gambit – der Masterplan”

Die Coen-Brothers als Drehbuchautoren, Colin Firth und Cameron Diaz in den Hauptrollen – es gibt wahrlich schlechtere Voraussetzungen für eine Krimikomödie. Bei “Gambit – der Masterplan” funktioniert das trotzdem nicht. Herausgekommen ist ein eher mittelmäßiger Film, der sich höchstens auf DVD lohnt. Mehrere Euros an der Kinokasse dafür zu bezahlen: Verschwendung.

Grundlage des Werks von Regisseur Michael Hoffmann ist der Klassiker “Das Mädchen aus der Cherry-Bar” aus den 1960er-Jahren. Die Handlung: Der englische Kunstkurator Harry Deane (Colin Firth) hat einen Plan. Seinem Chef Lionel Shabbandar (Alan Rickmann) möchte er ein gefäschtes Bild unterjubeln. Und so 500 000 Pfund verdienen.

Sein charmanter älterer Freund, der Maler Major Wingate (Tom Courtenay), malt deshalb den “Heuberschober bei Sonnenuntergang” von Monet. Ein Cowgirl aus Amerika (Camerin Diaz) soll den Deal einfädeln. In Harrys Vorstellung funktoniert dieser Plan hervorragend. In der Realität gibt es jedoch einige Abweichungen – Chaos und Turbulenzen inklusive.

In den ersten 20 Minuten des Films war ich noch überzeugt, dass es sich bei “Gambit” um eine total nette Komödie handelt. Perfekt, um einfach mal den Kopf auszuschalten und mit bunten Bildern unterhalten zu werden. Der Schnitt ist gut, Dynamik entsteht, die Geschichte klingt interessant. Doch irgendwann kippt das. Viele Dialoge sind einfach nur albern. Nicht lustig. Und dass Colin Firth ziemlich lange in Unterhosen herumlaufen muss, naja, wer mag, darf sich gerne darüber freuen. Gegen Ende kämpft er dann aber auch noch mit einem Löwen. Hilfe. Dachte ich nur. Jetzt ist alles zu spät.

Schade. Der Film tut zwar nicht weh, aber banale Filme gibt es doch schon so viele – und wenn die Coen-Brothers ihre Finger im Spiel haben, erwarte ich eigentlich mehr.

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16. Juni 2013

Heimat: „The Walk – Naples to Pompeii and in between“

Bild: Alina Schmuch

Bild: Alina Schmuch

Sie kamen vorbei an malerischen Plätzen, leerstehenden Häusern und brachliegenden Fabrikgebäuden. Neapel war der Startpunkt, Pompeji das Ende. Kameras wurden gezückt, die vielen Eindrücke festgehalten. Das Ergebnis dieser fünftägigen Exkursion haben Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) nun in einer Ausstellung festgehalten. Der Titel lautet „The Walk – Naples to Pompeii and in between“. Vernissage ist am kommenden Donnerstag, 20. Juni, 19 bis 22 Uhr, in den Lichthöfen der HfG.

“Die Exkursion fand im Oktober 2012 statt”, sagt HfG-Studentin Judith Milz. Mit dabei: Die Professoren Philip Ursprung, Armin Linke und Michael Clegg, die zwischen ihren Disziplinen vermitteln, indem sie zwei unterschiedliche Gruppen zusammenbringen, die Architekturstudenten der ETH Zürich und Studenten der Medienkunst / Fotografie der HfG Karlsruhe. Mit dem Architekten-/Künstlerkollektiv “Stalker Walking School” legten die etwa 60 Studenten in fünf Tagen mehrere Teilabschnitte der 40 Kilometer langen Strecke per Fuß zurück. Der Startpunkt der Exkursion war der Vulkan Vesuv. Von dort aus ging der “Walk” die Küste entlang nach Pompeji.

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Bild: Franca Scholz

Eine Konfrontation mit den mafiösen Strukturen in Süditalien: “Wir waren viel in den Randgebieten unterwegs”, berichtet die 23-jährige Studentin. Es zeigte sich: Viele alte Häuser stehen dort leer, verfallen. Ein 40 Jahre altes Fabrikgebäude ist völlig mit Pflanzen überwuchert. “Der Staat zahlt kein Geld dafür, einen Denkmalschutz wie in Deutschland gibt es nicht”, erläutert sie. Überhaupt der Staat: Die Machenschaften der Mafia und Korruption ziehen sich durch das Land. Die Demokratie: ausgehöhlt.

Mit ihren Kameras hielten die Studenten ihre Eindrücke fest – aus völlig unterschiedlichen Blickpunkten. “Wir waren aber nicht nur Beobachter”, erzählt Judith Milz. Durch ihre Gruppengröße seien sie den Einheimischen aufgefallen, seien beäugt worden, kritisch, skeptisch, neugierig.

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Bild: Robert Hamacher

Die Ausstellung sei nun Reflexion und Reaktion der Reise. Die Topographie des “Walks” werde in einer minimierten Version auf die drei Lichthöfe der HfG projiziert. “Es gibt insgesamt 14 verschiedene Stationen”, sagt Judith Milz. Die Bilder werden dabei auf ganz unterschiedliche Weisen präsentiert. Als Fotografien, Videos, Texte und Skulpturen.
“Alle möglichen Flächen, Strukturen und Materialien der Hochschule sollen dabei genutzt werden”, verrät Judith Milz.

Info:
Die Eröffnung ist am Donnerstag, 20. Juni, 19 bis 22 Uhr.
Am Freitag 21. Juni, und Samstag, 22. Juni, ist die Ausstellung von 10 bis 22 Uhr zu besichtigen.

Am Freitag, 11 Uhr, gibt es eine Führung mit den Professoren Michael Clegg, Armin Linke und Philip Ursprung, Initiatoren des Projekts, sowie der “Stalker Walking School” mit Giulia Fiocca, Lorenzo Romito und Matteo Fraterno sowie Antonio Perna von SUDLAB, gefolgt von einem Walk durch Karlsruhe.

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Bild: Wataru Murakami

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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