13. September 2013

Fernweh: “Roadtrip Teil IV”

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Zweiter Stopp: Insel Møn

Dänemark. Endlich war es soweit. Um 8 Uhr klingelte in unserer Seniorenunterkunft in Travemünde der Wecker, schnell standen wir auf, packten unsere Koffer und machten uns mit dem Auto auf den Weg – nach Puttgarden. Dort wartete die Fähre. Alles klappte ohne Probleme. Wir parkten unser Auto auf dem Schiff und setzten uns auf dem Deck in die Sonne, frühstückten in Ruhe. Und nach 45 Minuten waren wir in Dänemark.

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12. September 2013

Schmöker: “Angerichtet” von Herman Koch

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Und dann habe ich nur noch gelesen, gelesen und gelesen. Selten hat mich ein Buch so nachhaltig beschäftigt wie „Angerichtet“, die Tragikomödie des Niederländers Herman Koch. Kurz vor dem Urlaub kaufte ich es mir, nahm es dorthin mit – und las die zweite Hälfte quasi am Stück. „Angerichtet“ zog mich völlig in den Bann. Zu was sind Eltern in der Lage, um ihre Kinder zu schützen? Das ist die zentrale Frage. Herman Kochs Antwort erschütterte mich.

Vom Aperitif bis zum Trinkgeld: Strukturiert ist das Buch nach einem mehrgängigen Menü. Im Restaurant treffen sich zwei Ehepaare. Paul und Claire auf der einen Seite und auf der anderen Serge und Babette. Die beiden Männer sind Brüder. Serge ist ein bedeutender und berühmter Landespolitiker. Er hat gute Chancen, zeitnah Ministerpräsident zu werden. Sein Ansehen in der Öffentlichkeit ist groß. Erzählt wird das Geschehen aber aus der Sicht von Paul, einem Lehrer. Er scheint der bodenständigere, sympathischere Typ zu sein.

Anlass des gemeinsamen Treffens ist die Zukunft ihrer Söhne. Irgendetwas Schlimmes ist passiert, doch was genau, das bleibt zunächst noch unklar. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen erstmal das Restaurant und das Essen. Erzähler Paul geht detailliert auf die Gerichte und die Rahmenbedingungen der Lokalität ein. Er philosophiert über den neuen Woody Allen-Film, den kleinen Finger des Kellners, beklagt sich, dass der „Gruß des Hauses“ etwas kostet und beschreibt ausführlich die Toilette.

Trotz dieser scheinbar belanglosen Anekdoten gelingt es Herman Koch durch seinen sehr präzisen und immer wieder lakonischen Schreibstil, den Leser von der ersten Seite an mitzunehmen. Unabhängig davon, dass ich unbedingt wissen wollte, was denn nun passiert, fand ich die Beschreibungen höchst unterhaltsam und treffsicher.

Was mich aber völlig an dem Buch faszinierte, ist die Wandlung von Paul. Er kommt immer mehr ins Erzählen, erinnert sich an Erlebnisse in der Vergangenheit – und verändert somit nach und nach auch die Gegenwart. Die Sicht, die der Leser anfangs auf die Situation im Restaurant und die beiden Ehepaare hat, gerät von Seite zu Seite immer mehr ins Wanken. Wer ist hier eigentlich der Gute, wer der Schlechte? Wer benimmt sich daneben, wer normal? Und wer hat eigentlich noch Moral in der ganzen Geschichte? Die Grenzen verschwimmen immer mehr, ein richtiger Sog entwickelt sich. Es kommt zu einem Finale, das knallt.

Gleich zwei Freundinnen haben mir das Buch völlig unabhängig voneinander ans Herz gelegt. Danke Patrizia und Ijeoma. Ich genoß jede einzelne Seite.

Nach wie vor beschäftigt mich aber folgender Absatz auf Seite 197: „Der Psychologe hatte mir einen Namen genannt. Einen deutsch klingenden Namen. Es war der Nachname des Neurologen, nach dem die Krankheit benannt worden war….“ Wie heißt diese Krankheit? Um eine Antwort bin ich dankbar.

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10. September 2013

Heimat: “Kopf&Kragen”

Lisa-Marie

Braunes Packpapier klebt im Schaufenster des Geschäfts in der Werderstraße 39. Ein Blick von außen in das Innere zu werfen – das ist derzeit nicht möglich. Wo es bis vor kurzem Hörgeräte zu kaufen gab, da entsteht nun Neues: Am Samstag, 28. September, öffnet „Kopf&Kragen“, eine Kombination aus Friseurladen und Boutique.

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Hinter „Kopf&Kragen“ stehen Lisa-Marie und Isabelle. Lisa-Marie ist gelernte Friseurin und kümmert sich um Haare und Makeup. Isabelle ist Modedesignerin und wählt die Kleidung aus – es soll hauptsächlich skandinavische Marken geben wie „minimum“ oder „mbyM“.

„Es ist ein großer Traum, der in Erfüllung geht“, sagt Lisa-Marie. Die 25-Jährige öffnet an diesem sonnigen Morgen die Tür und gewährt einen Einblick in den rund 100 Quadratmeter großen Raum. Seit 1. August hat sich in dem ehemaligen Hörgerätegeschäft einiges getan. „Wir haben eine Wand herausgerissen und versetzt“, erzählt sie. Außerdem wurde braunes Parkett verlegt und alles hell gestrichen.

Lisa-Marie beschreibt weiter: Schneideplätze und Waschbecken werden bald geliefert, eine Theke sowie Umkleidekabinen und Kleiderständer angebracht. „Wir trennen die beiden Bereiche aber nicht streng voneinander“, sagt sie. Im Friseurwartebereich sollen beispielsweise auch Kleider zu finden sein. „So können sich Kunden mit Stöbern die Zeit vertreiben.“

Der 25-Jährigen ist es bei der Raumaufteilung wichtig, dass nicht alles eng aufeinander steht, sondern Freifläche bleibt. „Die Menschen sollen sich wohl fühlen, die Kleider Platz zum Wirken haben.“ So wie es auch bei den „Kauf dich glücklich“-Läden der Fall ist. „Uns geht es nicht um Masse, vielmehr wollen wir Lieblingsteile anbieten“, sagt Lisa-Marie, die sich schon sehr auf den 28. September freut. „Von 19 bis 22 Uhr gibt es einen Sektempfang, zu dem jeder herzlich willkommen ist.“

Weitere Infos unter www.kopf-kragen.de

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2. September 2013

Fernweh: “Roadtrip Teil III”

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Erster Stopp: Travemünde/Timmendorfer Strand/Lübeck

Wochenmarkt. Hervorragend. Da wir in unserer nicht allzu gemütlichen Unterkunft nicht mehr Zeit als nötig verbringen wollten, beschlossen wir am dritten Tag morgens zum Wochenmarkt an der Strandpromenade zu laufen. Wir kauften Käse, Brötchen, Gemüse, holten beim Bäcker einen Kaffee und setzten uns ans Wasser. Rentner rauschten mit ihren Booten an uns vorbei, schauten neugierig, winkten uns. Ein sehr vergnügter Morgen war das.

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30. August 2013

Fernweh: “Roadtrip Teil II”

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Erster Stopp: Travemünde/Timmendorfer Strand/Lübeck

Abhängen am Strand. Das war unser Plan für den zweiten Tag. Nachdem wir uns mit herrlichem Jacobs-Instand-Kaffee und Brötchen gestärkt hatten, packten wir unsere Badesachen und machten uns auf den Weg. Querfeldein. Einen genauen Plan, wie wir zu Fuß zu unserem Strandkorb kommen, hatten wir nicht, nur die Orientierung, dass es etwa 40 Minuten dauern wird. Wir liefen einfach mal los. Das Wasser hatten wir im Blick, überkreuzten die große Wiese und begutachteten den Gedenkstein für Soldaten aus der Nähe.

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29. August 2013

Fernweh: “Roadtrip Teil I”

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Traumhafte Ostseestrände, eine abenteuerliche Wanderung rund um den Kreidefelsen Møn Klint und Dosenbier am Kanal in Kopenhagen: Rund 2000 Kilometer haben wir in neun Tagen mit dem Auto zurückgelegt – eine zauberhafte Reise.

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29. August 2013

Heimat: “Ganja Riddim Soundsystem”

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Das Herz liegt in einem Bunker

Das Herz des „Ganja Riddim Soundsystems“ liegt unter der Erde. Konkret: In einem Bunker im Haselweg in Karlsruhe. Dort werkeln fünf Jungs auf 50 Quadratmetern an ihrer eigenen Soundanlage. Alles entsteht in Handarbeit. Ein Industrieteppich ziert den Boden, Sägespäne liegen verteilt darauf, Hammer hängen an der Wand, daneben sind Zangen, Feilen und eine Säge zu entdecken.

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Der Bunker.

Die Wurzeln liegen in Pforzheim

Was hinter dem „Ganja Riddim Soundsystem“ genau steckt? Jan, einer der Jungs, holt aus: „Die Ursprünge gehen auf eine Verzweiflungstat im Jahr 1998 zurück”, sagt er. Damals lebte er noch in Pforzheim, hatte kurz vor dem Abitur mit seinen Freunden Langeweile. „Es war dort so gut wie nichts los“, erinnert er sich. Die Jungs suchten ihre Platten zusammen, besorgten sich eine Anlage und begannen in einem Jugendhaus in Friolzheim eine Party zu organisieren. Mit Erfolg: Ihr Mix aus Reggae- und Dancehallmusik kam an. „Ganja Riddim“ nannte sich die Veranstaltungsreihe. Es blieb nicht bei dem einen Mal. Immer mehr Leute kamen zu den Partys, die Locations wurden größer.

Partys mit einer eigenen Anlage

Der Wunsch nach einer neuen Herausforderung wuchs. Die Jungs sahen ein niederländisches Soundsystem – und waren von dem Konzept begeistert. „Partys mit einer eigenen Anlage und selbstgebauten Boxen feiern, darauf hatten wir große Lust.“ Das war Anfang 2002.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die Umsetzung gar nicht so einfach ist. Geld wurde gebraucht, eine Crew, ein passender Raum. „Der Zufall wollte es, dass Sebastian, Max‘ älterer Bruder, bereits ein kleines Soundsystem hatte”, sagt Jan.  „Roots Ark“ nannte sich das. Es kam zur Fusion mit „Ganja Riddim“, das „Ganja Riddim Soundsystem“ war geboren.

„Zuerst hatten wir unseren Raum in Nußbaum“, erzählt Jan. Da sie zu der Zeit aber bereits alle in Karlsruhe wohnten, sei das umständlich gewesen. Die Jungs suchten im Internet nach einer Location, wo sie in Ruhe an ihren Boxen basteln und diese unterstellen können. Sie stießen auf den Bunker in der Nähe der Günter-Klotz-Anlage und bekamen die Zusage. „Perfekt“, sagt Jan.

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Klare Arbeitsteilung

Zu den Partys schleppen die Jungs außer ihren 16 großen Lautsprechern auch Plattenspieler, Kabel und Effektgeräte. „Wir müssen uns einen Sprinter von Stadtmobil leihen, um alles transportieren zu können“, erläutert Max. Die Arbeiten sind dabei untereinander klar aufgeteilt: „Es gibt bei uns Bastler, Graphiker und ich kümmere mich um die Promotion und Organisation“, sagt Jan.

Vor allem im vergangenen Jahr waren sie viel unterwegs – in St. Gallen, Wien, Köln, Heidelberg. „Die Musik wird durch unser Soundsystem erlebbar“, erklären die Karlsruher. Viel Druck sei dahinter, es komme vor, dass Biergläser in den Regalen zu wackeln anfingen. Ihr Boxenturm sei drei Meter hoch, werde auch beleuchtet. Der Musik-Schwerpunkt liege derzeit auf Reggae und Dub, sagen sie.

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Eine Leidenschaft

„Es ist teilweise anstrengend, die Anlage zur Party zu transportieren und wieder abzubauen“, sagt Max. Aber wenn dann die Veranstaltung gut liefe, sei das den Aufwand mehr als wert. „Das ,Ganja Riddim Soundsystem‘ ist unsere Leidenschaft“, sagen Max und Jan. „Wenn wir unsere Musik spüren und die Leute tanzen sehen, sind wir einfach nur glücklich.“

Weitere Infos: facebook.com/GanjaRiddimSoundsystem

 

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19. August 2013

Fernweh: Hamburg

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Reise fürs Herz

Konfetti und Flamingos auf dem Dockville, shoppen im Karolinenviertel und mit Gummistiefeln am Elbstrand entlang: Fünf Tage in Hamburg haben mein Herz erfüllt.
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13. August 2013

Heimat: “Turnbeutel Fraktion Germany”

Nadine Bers

Das ist Nadine. (Foto: David Bruchmann)

Von Flohmarkt zu Flohmarkt

Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen im Jahr zeigen, flitzt Nadine Bers mit ihrem kleinen, dunkelgrauen Auto durch die Region. Landau, Straßburg, Worms, Karlsruhe. Verschiedene Flohmärkte klappert die 27-Jährige akribisch ab, vorwiegend kleine und übersichtliche, immer auf der Suche nach alten Stoffen. Neuware? „Keine Interesse“, sagt die junge Frau aus Speyer. Stattdessen kauft sie Bettlaken, Vorhänge und Tischdecken. Ihre Maxime: Nachhaltigkeit. Zuhause, an ihrem Küchentisch, näht Nadine Bers aus diesen Vintage-Stoffen Turnbeutel – jedes Stück ein Unikat. Die Nachfrage ist groß, ein Modelabel entstand: „Turnbeutel Fraktion Germany“ lautet der Name.

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Foto: Stephanie Schweigert

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8. August 2013

Flimmerkasten: “42”

Mit Baseball hatte ich bislang wenig Berührungspunkte. Wie die Regeln sind, wer wann gewinnt? Keine Ahnung. Auch kannte ich bis vor wenigen Tagen keinen einzigen Baseballsportler mit Namen. Das hat sich durch den Film „42“ nun geändert. Das Werk von Brian Helgeland handelt von dem ersten afroamerikanischen Spieler in der obersten Baseballliga der USA: von Jackie Robinson. Der sehr mitreißende Film führt schonungslos vor Augen, mit wie viel Ablehnung und Provokationen der junge Sportler im Jahr 1947 zu kämpfen hatte – aber trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt.

Es war der einflussreiche Baseballmanager Branch Rickey (Harrison Ford), der sich damals in den Kopf setzte, einen dunkelhäutigen Sportler in die Profiliga zu holen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Trennung in der Sportart strikt, die Diskriminierung groß. Rickey beschließt, einen jungen Sportler gezielt zu fördern und auf diesem Weg Barrieren abzubauen. Seine Wahl fällt auf den talentierten Jackie Robinson (Chadwick Bosemann).

Rickeys Vorhaben ist kein einfaches Unterfangen, denn sowohl Jackie als auch seine Frau Rachel (Nicole Beharie) sind stolze Menschen, denen es nicht leicht fällt, die zahlreichen Ungerechtigkeiten stillschweigend zu akzeptieren. So geht Rachel beispielsweise zu Beginn des Films am Flughafen genau auf die Toilette, die eigentlich nur Weißen vorbehalten ist. Schnurstracks öffnet sie die Tür, ignoriert den Schriftzug „whites only“. Die Konsequenz: Das junge Ehepaar wird von der Passagierliste gestrichen. Statt bequem mit dem Flugzeug zum neuen, weißen Team zu reisen, müssen Rachel und Jackie nun eine anstrengende Fahrt mit dem Bus auf sich nehmen.

Das ist aber nur der Anfang der Schikanen. Jackie wird auf dem Spielfeld ausgebuht, von Mannschaftskameraden und Konkurrenten provoziert, von gegnerischen Fans bedroht. Doch er gibt nicht auf, Manager Branch Rickey steht ihm jederzeit zur Seite, unterstützt ihn. Und die dunkelhäutigen Menschen feiern ihn als großes Vorbild – besonders die Kinder.

Das Sportdrama geht 128 Minuten – zieht sich aber keineswegs. Da es auf einer wahren Begebenheit beruht, ist es umso interessanter. Ich fühlte und litt richtig mit und habe mich so über die Beschimpfungen eines rassistischen Trainers geärgert, dass ich im Kino nicht mehr ruhig sitzen bleiben konnte.

„42“ war damals die Trikotnummer von Jackie Robinson – sie wurde danach nie mehr an einen Baseballspieler in den USA vergeben. Ein Film mit Mehrwert, ich mag ihn.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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