8. August 2013

Flimmerkasten: “42”

Mit Baseball hatte ich bislang wenig Berührungspunkte. Wie die Regeln sind, wer wann gewinnt? Keine Ahnung. Auch kannte ich bis vor wenigen Tagen keinen einzigen Baseballsportler mit Namen. Das hat sich durch den Film „42“ nun geändert. Das Werk von Brian Helgeland handelt von dem ersten afroamerikanischen Spieler in der obersten Baseballliga der USA: von Jackie Robinson. Der sehr mitreißende Film führt schonungslos vor Augen, mit wie viel Ablehnung und Provokationen der junge Sportler im Jahr 1947 zu kämpfen hatte – aber trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt.

Es war der einflussreiche Baseballmanager Branch Rickey (Harrison Ford), der sich damals in den Kopf setzte, einen dunkelhäutigen Sportler in die Profiliga zu holen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Trennung in der Sportart strikt, die Diskriminierung groß. Rickey beschließt, einen jungen Sportler gezielt zu fördern und auf diesem Weg Barrieren abzubauen. Seine Wahl fällt auf den talentierten Jackie Robinson (Chadwick Bosemann).

Rickeys Vorhaben ist kein einfaches Unterfangen, denn sowohl Jackie als auch seine Frau Rachel (Nicole Beharie) sind stolze Menschen, denen es nicht leicht fällt, die zahlreichen Ungerechtigkeiten stillschweigend zu akzeptieren. So geht Rachel beispielsweise zu Beginn des Films am Flughafen genau auf die Toilette, die eigentlich nur Weißen vorbehalten ist. Schnurstracks öffnet sie die Tür, ignoriert den Schriftzug „whites only“. Die Konsequenz: Das junge Ehepaar wird von der Passagierliste gestrichen. Statt bequem mit dem Flugzeug zum neuen, weißen Team zu reisen, müssen Rachel und Jackie nun eine anstrengende Fahrt mit dem Bus auf sich nehmen.

Das ist aber nur der Anfang der Schikanen. Jackie wird auf dem Spielfeld ausgebuht, von Mannschaftskameraden und Konkurrenten provoziert, von gegnerischen Fans bedroht. Doch er gibt nicht auf, Manager Branch Rickey steht ihm jederzeit zur Seite, unterstützt ihn. Und die dunkelhäutigen Menschen feiern ihn als großes Vorbild – besonders die Kinder.

Das Sportdrama geht 128 Minuten – zieht sich aber keineswegs. Da es auf einer wahren Begebenheit beruht, ist es umso interessanter. Ich fühlte und litt richtig mit und habe mich so über die Beschimpfungen eines rassistischen Trainers geärgert, dass ich im Kino nicht mehr ruhig sitzen bleiben konnte.

„42“ war damals die Trikotnummer von Jackie Robinson – sie wurde danach nie mehr an einen Baseballspieler in den USA vergeben. Ein Film mit Mehrwert, ich mag ihn.

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2. August 2013

Flimmerkasten: “Trance – Gefährliche Erinnerung”

Kinostart: 8. August

Etwa 16 Jahre war ich alt, als ich „Trainspotting“ zum ersten Mal sah. Ähnlich wie bei „Kids“ spukten mir damals noch Wochen danach die Bilder im Kopf herum, verfolgten mich. Lange Zeit war für mich der Name Danny Boyle untrennbar mit dem Schicksal von Mark Renton verbunden.

So lange, bis der britische Regisseur das Buch „Rupien, Rupien“ unter dem Titel „Slumdog Millionäre“ auf die Kinoleinwand brachte. Bedrückendes Drama vs. bunter Unterhaltungsfilm. Überrascht war ich, wie unterschiedlich die Werke von Boyle ausfallen können. Als ich bemerkte, dass der Thriller „Trance – Gefährliche Erinnerung“ ebenfalls ein Werk von Danny Boyle ist, war ich umso mehr neugierig, was nun auf mich zukommt.

Ich bin enttäuscht. „Trance – Gefährliche Erinnerung“ macht wirklich keine Freude. In dem Film verschwimmen Sein und Schein. Was Realität, was Einbildung ist, das ist irgendwann nicht mehr klar. Verschiedene Ebenen können wie in “Inception” oder “Matrix” spannend sein. In diesem Fall nervt es aber kolossal.

Dabei beginnt es fulminant. Der Auktionator Simon (James AcAvoy) versucht den Raub eines wertvollen Gemäldes zu verhindern. Es kommt zu einer Verfolgungsjagd, er wird niedergeschlagen. Jedoch: Simon ist selbst Teil der kriminellen Bande, wegen Spielschulden in diese Misere geraten und muss beim Diebstahl helfen. Durch einen Schlag auf den Kopf weiß er aber nicht mehr, wo er das Gemälde versteckt hat. Er leidet an Amnesie. Hypnose bei der Psychologin Elizabeth (Rosario Dawson) soll helfen, diese zu überwinden.

Bis dahin ist alles gut, dann wird es aber immer kurioser. Was Simon tatsächlich erlebt, was nicht, das wird immer mehr in Frage gestellt. Laute Musik und dunkle Bilder verstärken das Rätsel. Für meine Nerven war das irgendwann nicht mehr lustig, Gemetzel, Folter, völlig entstellte Leichen. Herzlichen Dank, aber so etwas brauche ich einfach nicht.

Nach etwa 60 Minuten ist dann soviel Chaos in der Handlung, dass bei mir die Spannung nachließ und ich nur noch wollte, dass es bald vorbei ist. Am Ende schließt sich der Kreis zwar wieder, die Geschichte wird weitgehend klar, aber ein wirklich befriedigendes Gefühl stellt sich nicht ein.

Trost: Die Schauspieler sind toll. Vor allem Vincent Cassel und Rosario Dawson. Letztere sieht einfach nur unglaublich gut aus. Aber deshalb sollte keine teure Kinokarte bezahlt werden. Lieber nochmals „Trainspotting“ schauen, “Rupien, Rupien” lesen oder warten, bis „Trance – Gefährliche Erinnerung“ um 22.15 Uhr auf Pro7 oder RTL läuft.

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30. Juli 2013

Schmöker: “Ein ganzes halbes Jahr” von Jojo Moyes

Kitsch und viel zu viel Romantik

Wochenlang stand „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes auf den Bestseller-Listen ganz oben. Trotzdem kam ich nie in Versuchung, mich mit der Geschichte von Lou und Will näher zu beschäftigen. Spätestens seit ich „Die Frau des Zeitreisenden“ gelesen habe, mache ich einen großen Bogen um Bücher, bei denen es offensichtlich primär um das Suchen und Finden der Liebe geht. Für zuviel Romantik und Kitsch bin ich leider nicht empfänglich. Ausnahme ist einzig “Zwei an einem Tag”.

Nun bekam ich jedoch, als ich krank war, den Tipp einer lieben Freundin, mir doch „Ein ganzes halbes Jahr“ zu kaufen. Na gut, dachte ich, gebe ich dem Buch eine Chance. Ich besorgte es mir gleich und begann zu lesen – bis zum bitteren Ende. Zig Male fluchte ich. Weiterlesen »

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24. Juli 2013

Flimmerkasten: “The Company You Keep – Die Akte Grant”

„The Ides Of March“, der „Baader-Meinhof-Komplex” oder auch „Das Leben der Anderen” – ich mag Politthriller sehr gerne. „Argo“ steht seit langem auf meiner DVD-Wunschliste. Nun wurde ich mit „The Company You Keep – Die Akte Grant“ konfrontiert. Regisseur und Hauptdarsteller zugleich ist Robert Redford. An seiner Seite stehen zahlreiche bekannte Hollywood-Schauspieler wie Susan Sarandon oder Shia LaBeouf. Herausgekommen ist ein Film, der spannend beginnt, leider nach 30 Minuten ziemlich nachlässt und am Ende nur noch emotionsüberladenes Popcorn-Kino ist. Sehr schade.

Es ist eine Verhaftung, die ganz am Anfang des Films steht. Sharon Solarz (Susan Sarandon) tankt gerade, als die großen FBI-Wagen anrollen. Sie wirkt wenig überrascht. Als der Vietman-Krieg wütete, gehörte Sharon Solarz der linksradikalen Organisation „The Weather Underground”-an. Jahrzehntelang lebte sie unter einer falschen Identität, nun mag sie so nicht mehr weitermachen, die Polizei kommt nicht zufällig.

Der junge Journalist Ben Shepard (Shia LaBeouf) stößt auf den Fall und beginnt zu recherchieren. Schnell findet er heraus, dass der bekannte Anwalt Jim Grant (Robert Redford) ebenfalls Teil der Organisation und in einen Bankraub mit Mord verwickelt war. Grants Identität wird öffentlich, er muss fliehen, eine Verfolgungsjagd beginnt….

Die Geschichte ist eigentlich ganz nett und interessant. Es gibt viele Parallelen zur RAF und zur Diskussion um Schuld und Sühne. Doch Robert Redford übertreibt. Allein dass er als 76-Jähriger den vitalen und alleinerziehenden Vater einer Tochter spielt, die noch nicht mal in der Pubertät ist – völlig unglaubwürdig. Das Alter ist ihm einfach anzusehen, er könnte mühelos der Opa sein.

Auch die Sprünge in der Handlung sind teilweise zu schnell. Vieles bleibt an der Oberfläche, als solle das Publikum nicht überfordert werden. Nur: Es gibt doch schon so viele triviale Katz-und-Maus-Verfolgungsfilme, warum nicht die Sichtweise der damaligen Untergrundbewegung näher darstellen. So wird viel zu sehr der Schwerpunkt auf die Flucht und den Witwer Grant gelegt, der vor allem Gewissensbisse wegen seiner kleinen Tochter hat.

„The Company You Keep“ ist keineswegs ein völlig missratener Film. Allein das Gespräch zwischen Sharon Solarz und dem Journalisten Ben Shepard, der sie im Gefängnis besucht, ist sehr interessant und zeigt, wie die Sichtweise einer Terroristin 30 Jahre nach der Tat ist. Ich finde es einfach nur schrecklich unnötig, dass der Film irgendwann so kitschig und vorhersehbar wird. Für einen unverfänglichen und kurzweiligen Kino- oder DVD-Abend taugt der Film aber allemal.

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23. Juli 2013

Heimat: Lieblingsmelodien bei “Das Fest'”

Es war der verplante Abgang von Leslie Clio, der mich bei „Das Fest“ am meisten verzückte. „Wo geht ihr denn alle hin?“, fragte sie ihre Bandmitglieder, als diese nach „Told you so“ nacheinander die Bühne verließen. Völlig verdutzt stand sie da, schaute irritiert umher. Ihr Schlagzeuger Max Schröder half ihr grinsend auf die Sprünge: „Leslie, das Konzert ist zu Ende.“

„Oh, achso”, meinte sie dann. „Ok, dann Tschüss.”

Drei Tage lang herrschte in Karlsruhe am Wochenende Ausnahmezustand, mehr als 200 000 Leute waren da und mit Leslie Clio, Bosse und Friska Viljor musizierten einige meiner Lieblingsinterpreten.

Am meisten Freude hatte ich definitv mit Leslie. Die 26-Jährige amüsierte mit ihrer schrägen Show. Ihre Tanzeinlagen: experimentell („die sind ganz neu“), ihr Versuch, bei „I couldn’t care less“ dem Publikum ein Spiel zu erklären: verwirrt. Oder wie sie kurz beim Singen ihr Mikrofon vergisst: upps.

Macht aber alles nix. Im Gegenteil: Nicht nur auf Platte, sondern auch live klingen ihre Retro-Pop-Soul-Songs fabelhaft. Ihre markante Stimme in Kombination mit der Band – das funktioniert hervorragend. Beim Dockville in Hamburg sehe ich sie bald wieder. Toll.

Völlig verquer, aber auch sehr unterhaltsam, das sind die Jungs der schwedischen Band Friska Viljor. Mit ihren weißen Outfits und verzottelten Haaren sahen sie in Karlsruhe aus wie eine Matrosen-Boyband. Sie hatten das Vergnügen am Samstagnachmittag bei hochsommerlichen Temperaturen zu spielen. Trotz der Hitze: Stillstehen kaum möglich. Aber nicht nur Zuhören, sondern auch Zuschauen macht eine Menge Spaß – dank der lustigen Mimik der Bandmitglieder. Immer wieder ziehen sie Grimassen, der Keyboarder grinst quasi das gesamte Konzert durch. Ein Konzert mit den Jungs ist nur zu empfehlen.

Groß war die Freude auch Bosse am Samstagabend auf der Hauptbühne erleben zu dürfen. Ein wenig angespannt wirkte der 33-Jährige. Zig tausend Menschen dürfen aber auch nervös machen. Und Bosse gab alles, erzählte Anekdoten, lustige, politische, tanzte sich in das Publikum, ließ die Fans singen und holte eine Dame auf die Bühne. Am Ende hatte er – auch dank seiner großartigen Band – das „Fest“-Publikum auf seiner Seite.

Neu entdeckt und in mein Musik-Herz geschlossen, habe ich zur späten Stunde am Samstagabend Newton Faulkner. Der Sänger mit den roten Dreadlocks war mir bislang nur durch „Dream catch me“ im Ohr. Eher zufällig bin ich bei dem Konzert gelandet. Ich war begeistert. Was Newton Faulkner mit seiner Gitarre anstellt, das ist großartig.

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21. Juli 2013

Heimat: “Herrenclub”

Vogelgezwitscher, immer wieder der Ausruf „Boah“ und kuriose Tanzeinlagen: Ein wenig irritiert war ich, als ich mir das Herrenclub-Video zu „Raus aus der City“ zum ersten Mal anschaute. „Was steckt denn dahinter?“ Ich wollte mehr wissen und traf mich deshalb vor wenigen Tagen mit Nico Sauer und Vincent Wikström, dem „Herrenclub“.

Essen ist wichtig. Deshalb darf der Ort zum Unterhalten gerne auch ein türkischer Imbiss sein. Das Angebot ist eingeschränkt. „Döner und Pizza stehen heute nicht auf der Karte“, sagt der Mann hinter der Theke. „Macht nix“, sagt Nico. Dann zwei Mal das Tagesgericht – was das genau ist, egal. Der „Herrenclub“ ist offen für Neues.

Das sind Nico (links) und Vincent.

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Was sich schnell zeigt: Die beiden Musiker sind gut vorbereitet. Fragen zu stellen: überflüssig. Nico und Vincent haben welche vorbereitet, die Antworten gleich mit.

Also die Herren, dann mal los, rollen wir das Feld von hinten auf, die letzte Frage, bitte.

Man hat bei euch immer das Gefühl, dass die Aktionen mit einem gewissen Augenzwinkern versehen sind, aber was mich eigentlich interessiert: Wieviele Frauen kann ein Mann in seinem Leben lieben?

“Herrenclub”: 74 und mehr.

Ah ja. Ok. 74.

Artet das nicht in Stress aus?

„Herrenclub“: Nee, nee. Liebe kann variabel lang sein. Sekunden, Minuten, Tage – alles ist möglich.

Ok. Dann vielleicht doch mal noch kurz zum Grundsätzlichen.
Nico, Vincent: die erste Frage, bitte.

Was und wer verbirgt sich hinter dem „Herrenclub“?

„Herrenclub“: Der Herrenclub ging ursprünglich aus dem Wikström-Sauer-Komplex hervor…

Stopp.

Wikström-Sauer-Komplex? Nähere Erläuterungen, bitte.

„Herrenclub“: Nico ist 26, studiert an der Hochschule für Musik in Karlsruhe, sein Schwerpunkt: Komposition. Vincent ebenfalls.

Ok. Weiter.

Was steckt hinter dem Projekt?

“Herrenclub”: … Der Wikström-Sauer-Komplex wurde erweitert zu einem Kollektiv von Künstlern aus den Bereichen Neue Musik, Geile Beats, Dokumentarfilme, Sensorenfernsteuertechnik. Die Aufnahmebedingungen sind allerdings so unmöglich, dass bisher nur die Gründer Mitglieder sind.

Stopp.

Also ein sehr exklusiver Club?

„Herrenclub“: Nee, wir haben neulich die Aktion “Meet&Greet” gegründet, um Menschen, deren Leben weniger aufregend und krativ sind als die unseren, den Kontakt mit uns zu ermöglichen. Jeder kann sich dafür bewerben. Einfach über Facebook eine Nachricht schreiben.
https://www.facebook.com/herrenclub?ref=ts&fref=ts

Sehr sozial.

Wie sieht so ein Treffen dann aus?

„Herrenclub“: Mit Benedikt Woerner sind wir vor kurzem auf unserem Motorboot über den sonnengefluteten Tegernsee gefahren. Mensch, war das schön!

Toll.

Ihr verwendet oft Parolen und Floskeln wie „Boah“ oder „OK“. Wie kommt ihr darauf?

“Herrenclub”: Die Parolen in unserer Musik sind Fremdkörper, die uns aus unserer Umwelt ins Auge springen oder von selbst auf uns eindringen und dann nach Verarbeitung verlangen. Nichtssagende Floskeln werden solange unvariiert wiederholt – bis sie wieder neu gehört und bewusst verwendet werden können.

Ok.

Bisher kennt man von euch nur “Raus aus der City, boah!” Wann wird mehr zu hören sein?

„Herrenclub“: Wir sind gerade dabei, “Wo ist eigentlich Mom und Dad? hhhhh” fertigzustellen. Im Frühjahr sind wir dann zu Dreharbeiten an der Elfenbeinküste und in Burkina Faso, wo wir “Jetzt wirds aber philosophisch, OK…?!” produzieren. Anschließend steht eine 13000 Kilometer lange Busfahrt nach Japan an, die musikalisch nicht folgenlos bleiben wird.

Spannend.

Vor kurzem hattet ihr im Vanguarde in Karlsruhe einen interessanten Auftritt…

„Herrenclub“: Genau. Mönchgesang eröffnete unser Spontanspektakel. Auf einem kleinen Tisch rührte Nico dazu eine Art Magiertrank – während Vincent unter anderem ruckartige Bewegungen zum Beat und Stöhn-Geräusche hervorzauberte. Die Menge wurde mit Süßigkeiten irritiert, die Nico ihnen zuwarf. Zum Schluss war bei „Wo ist eigentlich Mom und Dad? hhhhh!” Vincents Körper ganz zu Musik geworden. Der Beat gehorchte ihm. Wie eine Boje auf rauher See ließ Sauer dazu seinen Körper kreisen. Eine synthetische Stimme vokalisierte dazu aus dem Off. Als Vincent plötzlich zu Boden fiel und seine Beine anhob, wie ein Käfer auf dem Rücken oder eine Schwangere zur Geburt, war vom geilen Beat nur noch ein fernes Knattern und erstickte Explosionen zu hören.

Ahja.
Ok.

Nico, Vincent, danke für das Gespräch. Es war mir ein Vergnügen.

Hier noch ein “Making of” zu “Raus aus der City”. Viel Spaß damit.

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18. Juli 2013

Flimmerkasten: “Gloria”

Filmstart: 8. August

Es ist die Sehnsucht nach Zuneigung und Nähe, die Gloria umtreibt. Gleich zu Beginn schwirrt sie in einem Tanzlokal umher, flirtet heftig, sucht nach einem passenden Mann. Ein eher kompliziertes Unterfangen. Ende 50 ist sie, ihre Ehe gescheitert, ihre Kinder sind groß. Nur eine sehr hässliche Nacktkatze kommt regelmäßig bei ihr vorbei und sucht ihre Gesellschaft. Das ist alles. Mehr passiert in diesem Film eigentlich nicht. Irgendwie wurde bei „Gloria“ völlig die Story vergessen.

Hochgelobt wurde der Film bei der Berlinale, Paulina Garcia (Gloria) bekam den silbernen Bären. Und in der Tat, sie spielt auch fabelhaft. Nur der Rest, naja. Vielleicht bin ich auch ein völliger Kulturbanause, unsensibel und versteh überhaupt gar nicht, was der Regisseur (in diesem Falle Sebastián Lelio) mir mit diesem Film sagen möchte. Aber ich sehe nur eine gewöhnliche Frau, die sich durch das Leben hangelt – wie es so viele andere auch tun. Da muss ich mich nur in meiner eigenen Lebenswelt umschauen, da gibt es kleinere und größere Katastrophen genug. Und dass der demografische Wandel immer mehr Einzug in die Filmwelt erhält, nun ja, das kann ganz unterhaltsam sein („Und wenn wir alle zusammenziehen“). In diesem Fall ist es aber nur schrecklich eintönig. Einzige Ausnahmen: Glorias wunderbare Brillen, von denen ich liebend gerne welche hätte. Und die Art, wie sie während des Autofahrens lateinamerikanische Schlager trällert. Das ist schräg und schön zugleich.

Ansonsten habe ich mich leider bereits nach 15 Minuten schrecklich gelangweilt. Kurz wachgerüttelt wurde ich, als die doch sehr detailreichen Bettszenen mit einem älteren Herrn gezeigt wurden. Der ein oder andere jüngere Mann im Kinosaal fühlte sich dadurch wohl sehr bedrängt. „Nein, bitte nicht“ oder „Muss das denn sein?!“ war des Öfteren um mich herum zu hören. Schlimm fand ich die Szenen nicht, eher realistisch. Es macht doch wirklich nichts, wenn auch im Kino mal Körper zu sehen sind, die nicht den völlig übertriebenen Schönheitsvorstellungen entsprechen.

Gleichwohl: Ich kann nur sehr davon abraten, in diesen Kinofilm zu gehen (zumindest wenn man unter 50 Jahre alt ist). Lieber warten, bis er mal im Fernsehen kommt. Hoffentlich dann nur nicht zu spät. Einen besseren Einschlaffilm sah ich selten.

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16. Juli 2013

Heimat: “Ein Abend bei Luis Leu”

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Es sind eigentlich alltägliche Handlungen, die auf den Gemälden von Alex Feuerstein zu sehen sind. Zwei Personen, die auf einem Fahrrad sitzen, zwei Frauen, die ineinander verschlungen, versuchen, etwas vom Tisch zu holen. Oder Jugendliche, die sich um eine Feuerstelle versammeln. Doch Feuersteins Gemälde und Linolschnitte sind nicht auf den ersten Blick zu erfassen, vielmehr sind die Arbeiten vielschichtig, der Interpretationsspielraum riesig. Eine Auswahl von Feuersteins Arbeiten, die im Jahr 2013 entstanden sind, zeigt nun die experimentelle Kunstplattform “Luis Leu”. „keine Installation, keine Performance, keine Neuen Medien“ lautet der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 19. Juli in in der Luisenstraße 32 zu sehen ist.

Es ist die erste Einzelschau des aus Heidelberg stammenden Künstlers. Nach einer Ausbildung als Graphiker studierte der 31-Jährige Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Die Leidenschaft für die Kunst begleitet ihn seit der Jugend. „In der Schule zeichnete ich ständig während des Unterrichts“, erinnert sich Feuerstein. Was vorne an der Tafel passierte, das zog an ihm vorüber. „Meine Stifte wurden deshalb vom Lehrer eingesammelt und ich musste in die erste Reihe, direkt vor das Pult sitzen“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Seine Liebe für das Zeichnen und Malen linderte das nicht, im Gegenteil, er malte in jeder freien Sekunde weiter.

Feuerstein ist Teil des Künstlerkollektivs „Nordbecken“, in dem 800 Quadratmeter großen Atelier im Rheinhafen hat er seinen Arbeitsplatz – dort setzt er seine Ideen um. Zusammenkünfte von Menschen und Alltagsgeschehnisse werden von ihm dabei als mysteriöse Phänomene dargestellt, heißt es in einem Schreiben über die Ausstellung. „Das Banale wird zu fast religiös aufgeladenen Szenen verklärt“, weiter. „Die Orte, an denen sich die Handlungen abspielen, sind ungewiss.“

Diese Mehrdeutigkeit der Gemälde fasziniert Boris Berber, der hinter dem Projektraum in der Luisenstraße steht. Was passiert da? Diese Frage lasse sich auch nach langem und mehrmaligem Hinschauen nicht definitiv beantworten, meint Berber. Er ist Dozent an der Kunstakademie und bot Feuerstein die Möglichkeit, seine Werke in dem Projektraum auszustellen.

„keine Installation, keine Performance, keine Neuen Medien“ ist die zweite Ausstellung, die in dem Projektraum in der Karlsruher Südstadt zu sehen ist. Im April war die Eröffnung, es gab damals einen Krimiabend. „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem sich verschiedene Künste begegnen“, sagt Therese J. Keßler, Co-Partnerin von „Luis Leu“. Ihre Vorstellung: Künstler der Hochschule für Gestaltung, der Kunstakademie und des ZKM sollen hier Platz finden, um ihre Arbeiten zeigen zu können. „Es wäre schön, wenn Schnittpunkte dadurch entstehen, ein Austausch stattfindet“, sagt Keßler. Berber, der Wurzeln in Jugoslawien hat, möchte darüber hinaus auch einmal im Jahr Künstler aus Belgrad einladen.

Die Werke können bis zum 19. Juli jeden Abend zwischen 18 und 20.30 Uhr angeschaut werden.

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10. Juli 2013

Schmöker: “High Fidelity” von Nick Hornby

Toll, toll, toll!

Was geht eigentlich in dem Kopf eines Mannes Mitte 30 vor? Diese Frage habe ich mir aufgrund einiger turbulenter Erfahrungen schon ganz schön oft gestellt. Dank „High Fidelity“ bin ich nun ein wenig schlauer. Ein großartiges Buch!

Schon vom ersten Satz an („Die ewige Top Five meiner unvergesslichsten Trennungen für die einsame Insel in chronologischer Reihenfolge:…“), war mir klar, dass ich diesen Roman von Nick Hornby lieben werde. Die Romanze hielt 315 Seiten bis zum letzten Satz.  Weiterlesen »

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8. Juli 2013

Fernweh: “48 Stunden Köln”

Kunterbunte Schnappschüsse.

Meine Zugbegleitung.

Zugbekanntschaft…

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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