11. Mai 2013

Heimat: “Valentin Hennig”

das ist Valentin (Foto: Stefan R.)

Das ist Valentin (Foto: Stefan R.)

Leidenschaft für Stop-Motion

Während andere Kinder draußen tobten, sich auf dem Spielplatz vergnügten, drehten sich bei Valentin Hennig die Gedanken um etwas ganz anderes: Trickfilme. Mit Pappkartons saß der Achtjährige in seinem Zimmer – Klebstoff und Schere immer griffbereit – und bastelte Figuren. Monster, Roboter oder Bäume. Mit einer VHS-Kamera hielt er die Bilder fest. „So entstanden meine ersten Stop-Motion-Filme“, sagt er heute und schmunzelt. 18 Jahre ist das her. Seine Arbeitsbedingungen haben sich inzwischen verändert, die Leidenschaft blieb, der Erfolg kam. Im April durfte der Student der Kunstakademie seinen Animationsfilm „Tiefschluchtengrottenfummel“ beim Internationalen Trickfilmfestival in Stuttgart vorstellen. „350 Zuschauer saßen im Saal, schauten sich meinen Film an – das war aufregend“, sagt der 26-Jährige. Weiterlesen »

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8. Mai 2013

Flimmerkasten: “Fünf Jahre Leben”

Kinostart: 23. Mai

Er wird getreten, bespuckt und gequält: Der Film “Fünf Jahre Leben” zeigt, was dem Bremer Murat Kurnaz in Guantánamo widerfuhr. Es ist ein erschütterndes Drama – 95 Minuten, in denen ich mehrmals wegschauen musste, weil ich die Bilder und das Geschehen einfach nicht mehr ertrug. Basis des Films von Stefan Schaller ist Kurnaz’ Biografie: “Fünf Jahre meines Lebens”.

Der Fall Kurnaz hat mich in meiner Studienzeit viel beschäftigt. Unzählige Artikel las ich damals im “Spiegel” darüber, dass der Bremer unschuldig in Guantánamo saß – wohl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war. Festgenommen wurde Kurnaz in Pakistan kurze Zeit nach den Anschlägen am 11. September, insgesamt war er 1725 Tage im US-Gefangenenlager.

Wie der heute 31-Jährige überhaupt in Pakistan und dann in Guantánamo landete, das wird in “Fünf Jahre Leben” in Rückblenden gezeigt. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Zeit seiner Inhaftierung. Es sind schwere Bilder, die dem Zuschauer zugemutet werden. Gefühlskalte, unmenschliche Soldaten, die einfach ohne Grund losprügeln, die Gefangenen foltern. Wenn nur ein Bruchteil dessen stimmt, was im Film gezeigt wird, ist es einfach nur eine Tragödie: Eine Tragödie für die westliche Welt, dass mit Menschen so unzivilisiert umgegangen wird. Es ist einfach nur beschämend zu sehen. Menschenrechte: Fehlanzeige. Der Hungerstreik von Inhaftierten, der gerade durch die Medien geht, ist dann nur die logische Konsequenz und nachvollziehbar.

Gleichwohl: Ich hätte mir von dem Film ein wenig mehr gewünscht, als nur die Perspektive von Kurnaz. Am Ende steht lediglich im Abspann, dass sich die Bundesregierung nicht für ihn einsetzte. Darüber hätte ich auch im Film gerne mehr erfahren.
Um die Dramatik der Inhaftierten zu zeigen, hätte außerdem weniger Gewalt und Brutalität genügt. Auch wenn die Realität so aussehen mag, manchmal ist weniger mehr. So ging ich völlig erschlagen aus dem Film, war zwischenzeitlich wegen der unmenschlichen Szenen in der Tat gestresst. Es ist ein Film der Extreme. Schade. Denn der Fall Kurnaz und die Tatsache, dass Guantánamo immer noch nicht geschlossen ist, sind es wert, viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

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5. Mai 2013

Schmöker: “Lola Bensky” von Lily Brett

Stars im Interview

Es sind nicht die besten Rahmenbedingungen für ein Interview mit Jimi Hendrix: Lola sitzt auf einem unbequemen Barhocker und hat sich ein Papiertaschentuch zwischen ihre Strumpfhose geklemmt. Die Nylonfäden sollen so nicht an ihren dicken Oberschenkeln reiben. Doch das Taschentuch zerfällt und das Fleisch quillt durch die Maschen. Lola hat Glück: Jimi Hendrix meint es gut mit ihr, erzählt von seiner Kindheit, seiner Einstellung zu Gott und macht ihr am Ende sogar Avancen.


Mit “Lola Bensky” hat Autorin Lily Brett eine sehr illustre, aber auch vielschichtige Protagonistin geschaffen: Ihre Geschichte beginnt in den 1960ern. Sie ist 19 Jahre alt und Nachwuchsreporterin für ein australisches Musikmagazin. Für dieses interviewt sie Mick Jagger, Janis Joplin, Mama Cass und Jim Morrison. Cher leiht sie falsche Wimpern – die sie nie mehr bekommt. Es ist ein aufregendes Leben. Die Stars gewähren Lola ein Einblick in ihr Leben, ihre Ängste, Probleme. Weiterlesen »

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4. Mai 2013

Flimmerkasten: “Beginners”

“Ich bin schwul.” Hal (Christopher Plummer) ist 75 Jahre alt, als er das seinem Sohn Oliver (Ewan McGregor) erzählt. Hals Frau starb wenige Monate zuvor – nach 44 Jahren Ehe. Nun möchte der 75-Jährige nochmals richtig leben. Geht raus, lernt Andy kennen, verliebt sich. Doch dann wird er krank: Krebs. Unheilbar. Vater und Sohn bringt diese Diagnose aber näher zusammen.

“Beginners” legte mir ein Freund ans Herzen. “Miriam, du wirst diesen Film sehr mögen.” Also lieh ich mir die DVD aus, schaute ihn gestern Abend. Und bin in der Tat sehr angetan.

Der Film von Mike Mills aus dem Jahr 2010 ist nicht chronologisch aufgebaut. Verschiedene Handlungsstränge entstehen dadurch. Am Anfang ist Hal bereits tot und Oliver befindet sich in seiner alten Wohnung, räumt aus. Er kümmert sich um Jack Russel Terrier Arthur und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Immer wieder erinnert sich Oliver an alte Zeiten. Als er noch ein Kind war und ein sehr spezielles, aber liebevolles Verhältnis zu seiner Mutter hatte. Sie litt sehr unter ihrem scheinbar emotionslosen Mann.

Immer wieder blitzen bei Oliver aber auch die letzten Monate mit seinem Vater auf. Wie sie zusammen Zeit verbringen, reden und gemeinsam die schwere Zeit durchstehen.

Und dann gibt es noch die Zeit nach dem Tod seines Vater: Oliver lernt auf einer Kostümparty (er ist Sigmund Freud) Anna (Mélanie Laurent) kennen. Sie ist als Charlie Chaplin vekleidet, legt sich bei ihm auf die Couch – und bleibt entsprechend stumm. Die beiden verlieben sich, doch Oliver wird von seiner Angst vor festen Beziehungen eingeholt.

“Beginners” ist ein sehr leiser und ruhiger Film. Voll mit Gefühlen. Kitsch entsteht dabei aber für keine Sekunde. Es ist ein Film fürs Herz, bei dem ich jede Sekunde genoß. Besonders machen den Film auch kleine Spielereien. Comic-Montagen, Fotografien aus verschiedenen Jahrzehnten (welcher Präsident reagierte gerade, wie stand es um die Homosexuellen, wie rauchten die Menschen?) und die Untertitel für Hund Arthur. Toll.

Oliver dabei zuzuschauen, wie er sein Leben mithilfe von Erinnerungen sortiert, neu beginnt, das sind 105 Minuten, die sich sehr lohnen. Auch wegen der Schauspieler. Ich werde mir die DVD kaufen.

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2. Mai 2013

Fernweh: “Airbnb”

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Südengland

Verreisen mit Airbnb

Es war ein Roadtrip nach Südengland, der mich zum ersten Mal in Kontakt mit Airbnb brachte. Da wir (vier Mädels) einen gemeinsamen Termin finden mussten, jeder andere Zwänge bei der Arbeit hatte, blieb letztlich nur der Zeitraum Anfang August. Ein Stopp in London musste aber auf jeden Fall sein. Das Problem: die Olympischen Spiele. Ein Platz in einem 8-Bett-Zimmer im Hostel kostete horrende 80 Euro pro Nacht und pro Person. Viel zu viel. So beschlossen wir, über Airbnb eine Unterkunft zu suchen. Weiterlesen »

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1. Mai 2013

Heimat: “Vereinsheim Baldu”

Der Vereinsheim-Vorstand

Pohlmann und Paucker waren bereits da, Laith al Deen ebenso und der Newcomer Jonathan Kluth erhielt beim letzten Mal minutenlang Applaus. Nun öffnet das Vereinsheim Baldu am nächsten Freitag, 10. Mai, im Kulturzentrum “Tempel” wieder seine Türen. Mit dabei sind bei der vierten Auflage Francesco Wilking, Kat Frankie, Gastone, Arthur Braitsch und Dominik Krämer. Sie musizieren gemeinsam mit dem Vereinsheim-Vorstand: mit Tommy Baldu (Schlagzeug), David Maier (Gesang), Nico Schnepf (Tasten), Rouven Eller (Sound) und Haegar (Visuals).

Es ist ein Konzert der besonderen Art: Die Bühne ist mitten im Raums, umringt von den Zuschauern. An den Wänden flimmern die Lichtspiele des Medienkünstlers Haegar. „Wir wollten keine klassische Konzertsituation schaffen”, sagt der Vorsitzende Tommy Baldu. „Eher eine Art Wohnzimmer.” Musiker und Publikum sollen sich dort wohlfühlen; einen besonderen Abend erleben. Das Konzept geht auf: Die drei bisherigen Veranstaltungen von „Vereinsheim Baldu“ waren komplett ausverkauft. Die Stimmung prächtig.

Songs mit Seele: „Wir wollten etwas fernab des Mainstreams und der Cover-Musik machen“, sagt Baldu, der aus Jockgrim stammt und in der Fächerstadt seine ersten Schritte als Künstler machte. Verschiedene Musiker bekommen bei „Vereinsheim Baldu“ eine Plattform – bekannte aber auch unbekanntere. „Wir wollen uns gegenseitig helfen“, betont der Produzent. Außer Jonathan Kluth, Laith Al-Deen und Paucker war auch die Sängerin Cäthe zu Besuch.

Nun steht die vierte Auflage an. Am 10. Mai in Karlsruhe, am 11. Mai in Worms. „Wir möchten jedes Mal von Neuem eine künstlerische Insel schaffen“, betont Baldu. Die Resonanz zeigt: Die Seelen in Karlsruhe sind hungrig darauf.

„Vereinsheim Baldu“ ist am Freitag, 10. Mai, 20.30 Uhr, im Kulturzentrum Tempel, Scenario Halle. Tickets online unter www.kulturzentrum-tempel.de oder per Telefon unter (0721) 554174.

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29. April 2013

Heimat: “Support the Underground”

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Poster und Postkarten, kreative Turnbeutel und nähen mit der S.E.W. C.R.E.W: Beim Kulturmarkt „Support the Underground“ am Samstag, 18. Mai, im Kulturraum Vanguarde (Hardtstraße 37a) ist das Angebot kunterbunt. Von 13 bis 20 Uhr dürfen Besucher an zahlreichen Ständen stöbern, sich mit Stoffen an ratternden Maschinen austoben oder einfach der Musik von DJane Lola Murphy lauschen. Das Underground Dinner sorgt für kulinarische Leckereien. Zu den Ausstellern gehören unter anderem der Schauraum, wertstoff, Juli Foos, fennek, adorable, Zur Anprobe und die Turnbeutelfraktion Germany.

Turnbeutel

Turnbeutelfraktion Germany (Foto: Friederike Franze Freiseindesign)

Hinter „Support the Underground“ steht Nadine Bers. Sie ist der Kopf der Turnbeutelfraktion Germany und selbst viel auf Kulturmärkten unterwegs. Sie hat festgestellt: „Selbst gemachte Dinge werden oft belächelt und mit basteln am Küchentisch verglichen.“ Dabei sei es für die Künstler so viel mehr, betont Nadine Bers. Eher eine Leidenschaft und Berufung. „Die Veranstaltung im Vanguarde soll zeigen, dass Handgemachtes weit mehr sein kann.” Außerdem dient „Support the Underground“ als Plattform für junge Künstler, um sich austauschen und Kontakte knüpfen zu können. „Es soll keine einmalige Veranstaltung bleiben“, sagt die Organisatorin. Vielmehr soll sie ausgebaut und weiter entwickelt werden. Unterstützt werde sie bei ihrer  Arbeit unter anderem von Stephanie Schweigert, Mona Wingerter und Alexander Küpper.

Stöbern für den guten Zweck: „Es wird kein Eintritt verlangt“, berichtet die Organisatorin. Es steht aber eine Spendenbox bereit: „Der Erlös geht an ein Hilfsprojekt in Zimbabwe.“ Willkommen sind Interessierte, die das Handwerk schätzen und keine Stangenware verlangen, sagt Nadine Bers.

  • Schauraum:

Schauraum

Liebe zum Detail: Der Schauraum zeigt und verkauft bei dem Kulturmarkt im Vanguarde Fotografien. Bunte, schwarzweiße, große, kleine. Gerahmt, auf Alu-Dibond oder Hartschaum. Es gibt sie als Poster und Postkarten sowie auf Vesperbrettchen.

  • wertstoff:

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„wertstoff“ arbeitet mit Abfallmaterialien.  Aus Fahrradschläuchen, Einkaufstüten und Messeteppichen entstehen so Geldbeutel, Hausschuhe oder Handyhüllen.

  • Juli Foos:

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Juli Foos arbeitet mit Müll und Street Art.  Ihre Objekte haben alle eins gemeinsam: eine Geschichte. So wird es bei “Support the Underground” einige in liebevoller Handarbeit entstandene Recyclingstücke sowie ihre Street Animals und den Karlsruher Street Art Comic geben.

  • Turnbeutelfraktion Germany:
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Foto: Friederike Franze Freiseindesign

Bei der Turnbeutelfraktion Germany steht im Vordergrund: „Zurück zum Ursprung, etwas Praktisches, Minimalistisches entwerfen.” Kein Firlefanz. Kein Schnickschnack.

  • S.E.W. C.R.E.W. + Zur Anprobe:
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S.E.W. C.R.E.W.

Modedesignerin Melle Munz ist bei “Support the Underground” gleich zweimal vertreten: Einmal mit der S.E.W. C.R.E.W.  Mit ihr kann vor Ort genäht werden. Anfänger bekommen die Grundlagen gezeigt, Fortgeschrittene lernen Tricks, wie es noch besser geht. Außerdem verkauft Melle Munz ihre selbst entworfenen Mützen, Taschen und T-Shirts, die in ihrem Atelier „Zur Anprobe“ entstanden sind.

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Zur Anprobe

  • Weitere Künstler gesucht:

Derzeit sind noch zwei Meter Plätze für Aussteller frei. „Diese kosten 40 Euro“, sagt Nadine Bers. Auch können Künstler für 35 Euro  Fläche an der Wand erhalten, um dort Bilder aufzuhängen. (Anmeldung per E-Mail an nadine.bers@me.com)

Weitere Infos: https://www.facebook.com/events/469017786480315/

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27. April 2013

Melodien: “Ein Kaffee mit Astra van Nelle”

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Bei Kaffee und Kippen

Das Haar ist leicht zerzaust, der Blick ein wenig müde, ein Lächeln huscht ihm aber übers Gesicht. Astra van Nelle ist glücklich. Am Vorabend ging in Mannheim seine erste Tour zu Ende. „Es ist super gelaufen“, erzählt er an diesem verregneten Samstagnachmittag in einem Café in Heidelberg. Zehn Auftritte in ganz Deutschland standen auf seinem Plan. Von Lübeck bis nach Stuttgart ging die Reise. Über Hamburg und Berlin. „Der Titel der Tour ,Konzerte und Kater‘ war sehr passend“, sagt der 21-Jährige und lacht. In Hamburg stand er bei einer Veranstaltung vor knapp 700 Leuten auf der Bühne. „Das war bislang mein größter Auftritt.“ Eine großartige Erfahrung, meint er und dreht sich eine Kippe. Weiterlesen »

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24. April 2013

Flimmerkasten/Heimat: “Ein Abend mit The Broken Circle”

Puuh. Selten hat mich ein Abend in der Schauburg so sprachlos gemacht wie der heutige. Der Grund: Die Vorpremiere von “The Broken Circle”. Bewegende Bilder, überzeugende Akteure, wunderbare Musik. Es war ein schrecklich emotionaler und erfüllender Abend. Das Besondere: Die Schauspieler waren vor Ort, beantworteten nach der Vorstellung Fragen, die Blue Grass Band  spielte auf der Bühne die Songs vom Soundtrack.

“The Broken Circle” ist ein unendlich trauriger Film. So wie mich “My Girl” mit acht Jahren im Kino völlig aus der Bahn warf, ging es mir heute mit dem Drama von Regisseur Felix van Groeningen. Von ihm sah ich bereits “Die Beschissenheit der Dinge” und hatte eine Menge Spaß. Heute das Kontrastprogramm.

Der Blue Grass-Musiker Didier (Johan Heldenbergh) und Tattoo-Künstlerin Elise (Veerle Baetens) lernen sich in ihrem Studio kennen, verlieben sich sofort. Sie sind unendlich glücklich, genießen das Leben. Elise wird schwanger, Maybelle kommt auf die Welt.  Alles scheint perfekt. Bis Maybelle mit sieben Jahren an Krebs erkrankt. Es ist eine harte Belastungsprobe, vom größten Glück zum schlimmsten Schmerz.

“The Broken Circle” ist eigentlich ein Theaterstück, das Hauptdarsteller Johan Heldenbergh schrieb und das in Belgien aufgeführt wurde. Mehrere Monate verbrachte Felix van Groeningen damit, ein Drehbuch aus der Vorlage zu basteln.  Die Struktur wurde ausgelöst, die Handlung ist nicht linear. Zeitlich gibt es zahlreiche Sprünge. Verwirrung entsteht dabei keine. Im Gegenteil. Spannung wird aufgebaut. Der Zuschauer erhält Pausen  – zum Durchatmen. Diese sind dringend notwendig, denn nicht nur ein Mal hatte ich das Gefühl, das Geschehen nicht mehr aushalten, nicht mehr ertragen zu können.

Heldenbergh erklärte am heutigen Abend in Karlsruhe, dass er eine traurige Geschichte schreiben wollte. Seine kritische Haltung zur Religion spielt eine große Rolle. Die “weißen Gospels” sind ein gegenläufiger Aspekt. Didier ist Atheist, Elise religiös. Beide gehen sie mit ihrem Schmerz und ihrer Ohnmacht über das, was geschieht, unterschiedlich um. Auch die ethische Diskussion um die embryonale Stammzellenforschung nimmt Raum ein. Es ist ein facettenreicher Film, so nah dran am Leben.

“The Broken Circle” gewann bei der Berlinale den Zuschauerpreis. Es ist kein Film, der das Leben beschönigt. Vielmehr zeigt er auch die grausamen Seiten. Das ist keine leichte Unterhaltung, sondern weit weg vom Popcorn-Kino. Aber Felix van Groeningen schafft es immer wieder, mit tollen Bildern, tragi-komischen Dialogen und einfühlsamer Musik für ein wenig Erholung zu sorgen.  “Es war so schön, aber das Leben ist nicht großzügig”, meint Elise. “The Broken Circle” wird mich wohl noch lange verfolgen. Ein Film, der zu Tränen rührt und ganz nah geht.

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17. April 2013

Schmöker: “Zwei an einem Tag” von David Nicholls

 

Ach, wie schön!

Es ist wohl eine der schönsten Liebesgeschichten überhaupt: Emma und Dexter stürzen nach ihrer Abschlussfeier gemeinsam ab. Beide sind sie Anfang 20. Er ist der smarte, verwöhnte, coole Typ. Sie ist eher bieder, gelegentlich kratzbürstig und hat eine vier Jahre überdauernde romantische Durststrecke hinter sich. Am nächsten Morgen trennen sich ihre Wege. Es ist der 15. Juli 1988. Über einen Zeitraum von 20 Jahren wird nun erzählt, was jeweils am 15. Juli in ihrem Leben passiert. Manchmal kreuzen sich ihre Wege, manchmal nicht….

“Zwei an einem Tag” gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Es ist zum einen die Konzeption, die ich sehr gelungen finde. Einmal ist es Emmas, dann wieder Dexters Perspektive auf den 15. Juli. Die Geschichte ist außerdem total abwechslungsreich und nicht vorhersehbar. David Nicholls Buch lässt sich sehr einfach lesen, ist dadurch aber nicht kitschig oder banal.

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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