25. März 2014

Flimmerkasten: “Die Bücherdiebin”

Es ist der Tod, mit dem alles beginnt – und endet. Als düsterer Sprecher fungiert er in „Die Bücherdiebin“ und erzählt die Geschichte von Liesel Memminger. Einem neunjährigen Mädchen, das kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs Romane stiehlt und mit den Schrecken der Naziherrschaft konfrontiert wird.

Unbedingt wollte ich diesen Film im Kino sehen. Die literarische Vorlage von Markus Zusak las ich vor etwa drei Jahren. Sie bewegte mich sehr. Ein wenig suspekt fand ich zwar zu Beginn, dass der Roman aus der Perspektive des Todes geschrieben ist, als ich mich aber nach wenigen Seiten daran gewöhnt hatte, konnte ich nicht mehr davon lassen. Vor allem das Ende haute mich um.

Nun also der Film. Groß war meine Freude, als ich feststellte, dass es ein Wiedersehen mit Sophie Nélisse gibt. Sie fand ich bereits in „Monsieur Lazhar“ unglaublich bezaubernd. Und auch dieses Mal überzeugte sie mich sehr. http://wp.me/p3915e-5V

Sophie Nélisse haucht Protagonistin Liesel Leben auf der Leinwand ein. Der Tod sucht sie zum ersten Mal in einem Zug auf. Ihr kleiner Bruder Werner stirbt dort neben ihr und wird schnell neben den Schienen beerdigt. Es ist bitterkalt, Schneeflocken purzeln vom Himmel, ein Buch fällt dem Totengräber aus der Tasche. Liesel reagiert schnell, hebt es auf, packt es unter ihre Jacke, nimmt es mit zu ihren Pflegeeltern, zu Rosa und Hans Hubermann in die Himmelstraße.

Liesel hat in dem kleinen Dorf keinen guten Start. Sie kann weder lesen noch schreiben, ist so dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt. „Dummkopf“ sagen sie zu ihr. Auch Pflegemama Rosa wirkt eher gefühlskalt und verbittert. „Saumensch“ nennt sie ihre Pflegetochter. Mit viel Herz begegnet ihr dagegen Hans Hubermann. Er bringt Liesel die Welt der Buchstaben näher. Und da ist noch Rudi, der Junge mit den zitronengelben Haaren, er wird ihr bester Freund. Viel Schabernack treiben sie zusammen.

Als eines Tages der Jude Max auftaucht, gerät das Leben der Familie Hubermann aber durcheinander. Sie verstecken den völlig entkräfteten jungen Mann.

„Die Bücherdiebin“ ist ein visuell sehr ansprechender Film geworden. Die Bilder sind in einem dezenten Braunton gehalten, schwächen das Grauen im Nazi-Deutschland ab. Generell unterhielt mich der Film bis zum Ende sehr gut, aber löste bis auf die letzten fünf Minuten kaum Gefühlsregungen in mir aus. Auch wimmelt es in dem Werk nur so von Logikfehlern. Im Keller der Hubermanns sind die einzelnen Worte, die Liesel lernt, in englischer Sprache geschrieben, die Buchtitel oder Plakate an den Hauswänden sind aber deutsch. Dieses Sprachenwirrwarr taucht so oft auf, dass ich irgendwann ob dieser Ungenauigkeit wirklich sehr irritiert war.

Auch einige Dialoge zwischen dem Juden Max und Liesel sowie mit ihrem Freund Rudi wirken sehr hölzern. Laut Spiegel online verriss die New York Times den Film als “Oscar-heischenden Holocaust-Kitsch” – dem möchte ich nicht widersprechen.

Gleichwohl: Allein wegen der sehr unterhaltsamen Geschichte und der tollen Schauspieler (außer Sophie Nélisse sind noch Geoffrey Rush und Emily Watson dabei), verflogen die 132 Minuten sehr schnell. Diesen Kinobesuch bereue ich deshalb keineswegs!

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18. März 2014

Schmöker: “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” von John Green

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„Miriam, das ist kein typisches Krebs-Buch.“ Mit diesen Worten überreichte mir Martha an meinem Geburtstag das Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Einfach nur wunderschön sei der Roman von John Green, meinte sie.

Normalerweise mache ich um Bücher und Filme rund ums Sterben von Kindern und Jugendlichen einen großen Bogen. Distanz halten ist nicht meine Stärke, viel zu sehr belastet mich das Geschehen. Seit ich den Film „Oskar und die Dame in Rosa“ im Kino sah, quasi die ganze Zeit durchheulte, habe ich genug von solch tragischer Unterhaltung.

Nun aber die Ausnahme, schließlich sollte es ja kein typisches Krebs-Buch sein. An einem Sonntag nahm ich den Roman in die Hand und begann zu lesen. Den ganzen Tag hatte ich Zeit, freute mich über ein unbeschwertes Vergnügen. Aber schon nach wenigen Seiten wurde mir klar, dass es das nicht sein wird.

Hazel ist 16 Jahre alt und hat Krebs. Unheilbar. An Freundschaften ist sie weniger interessiert, nur ihrer Mutter zuliebe geht sie in eine Selbsthilfegruppe. Dort lernt sie den lebenslustigen Augustus, kurz Gus, kennen. Schnell entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden, sie verlieben sich. Gus hat seine Krankheit scheinbar gut überstanden, eines seiner Beine musste zwar amputiert werden, damit arrangiert er sich aber gut und hat die Kraft, Hazel wieder Lebensfreude zu schenken. Zusammen hören sie Musik, lesen die gleichen Bücher und unternehmen schöne Dinge.

Dabei schwingt aber auf jeder Buchseite der Krebs-Alltag von Hazel mit. Der Leser erfährt all ihre Gedanken, Sorgen und was eine unheilbare Krankheit für die Familie bedeutet. Das ist so nah an der Realität, dass ich das Buch immer wieder weglegen musste. Ständig fasste ich an diesem Sonntag den Entschluss, komplett aufzuhören, konnte es aber dann doch nicht lassen. Las weiter, weiter und weiter. Es war wie eine Sucht.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist tatsächlich wunderbar geschrieben. Voller Herz, keineswegs kitschig. Viele kluge Weisheiten stecken darin. Und es ist eine Handlung, die nicht vorsehbar ist. Vielmehr nimmt die Geschichte irgendwann eine drastische Wendung, die mich aber noch mehr erschütterte. Ich musste frühzeitig den Schluss lesen, um mich darauf vorzubereiten, was im letzten Drittel noch alles auf mich zukommt.

Letztlich las ich den Roman von John Green innerhalb von zwei Tagen komplett durch – und war tief bewegt. Auch wenn ich das Geschenk mehrmals verfluchte, bin ich sehr froh, das Buch gelesen zu haben. Den Film, der im Sommer anläuft, werde ich mir aber nicht anschauen. Auf gar keinen Fall.

Lieblingszitat: „Ohne Leid würden wir nicht wissen, was Freude ist.“

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11. März 2014

Melodien: “Sonic Avalanche”

Raus aus dem Studio, rauf auf die Bühne: „Sonic Avalanche“ sind zurück. Am kommenden Freitag, 14. März, präsentieren die vier Jungs im Jubez die Songs von ihrer gerade erschienenen EP „Emily, It’s Future“. Mit dabei sind an diesem Abend außerdem “The Ikarus Effect” und Mareike Berg.

„Es steckt viel Arbeit in der neuen CD“, erzählt “Sonic Avalanche”-Sänger und Gitarrist Daniel Thomas. Insgesamt drei Monate nahmen sich die Musiker Zeit, um in Weingarten die vier Lieder einzuspielen. Jedes Detail sollte passen. „Wir haben den Schaffensprozess im Studio mit einem Musikvideo dokumentiert“, sagt der 26-Jährige. “Science for Fiction” heißt es. Die Mühen haben sich gelohnt. Bei einem Auftritt im Substage vor wenigen Wochen war die Resonanz toll.

Ihren Stil beschreiben? „Schwierig“, meinen die Jungs. Rock, Progressive und Indie: Verschiedene Richtungen beeinflussen die Musik von „Sonic Avalanche“, einfache Genreschubladen funktionieren nicht. Jedoch: Wie ein roter Faden ziehen sich die kreativen und klugen Texte, kombiniert mit äußerst angenehmen Melodien, durch die Alben. „Incubus“ lässt grüßen.

2008 erschien die erste “Sonic Avalanche”-EP mit dem Titel “How to define Destiny”. Viel ist seither passiert. Die Band spielte unter anderem in Köln, Hamburg und Frankreich. „Höhepunkt war 2010 der Auftritt am Freitagabend bei ,Das Fest’, wo wir auf der gleichen Bühne wie später Jan Delay standen“, sagt Sänger Daniel. Außerdem wurde die Band mit dem Preis „Musik ist Kunst“ ausgezeichnet.

„Gerade sind wir dabei, neue Gigs zu organisieren“, verrät der Frontmann. Fix sind bereits die Auftritte am 27. März in der Bruchsaler PZ Lounge, am 8. Mai in der Heidelberger Halle 01 und am 8. August beim Kraichtaler Anti Fruschd. Nun steht aber erstmal der Auftritt im Jubez am Freitag an. Beginn ist um 20 Uhr.

“Sonic Avalanche” sind Daniel Thomas (Gesang und Gitarre), Daniel Mayer (Gitarre), Fabian Altermann (Bass) und David Büchner (Drums). Weitere Informationen unter www.sonicavalanche.de und https://www.facebook.com/sonicavalanche?fref=ts

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10. März 2014

Flimmerkasten: “Grand Budapest Hotel”

An Wes Anderson-Filmen kann ich mich kaum sattsehen. Ich liebe die farbenfrohen Bilder sowie die unkonventionellen Charaktere, die trotz ihrer Schwere so viel Komik und Liebenswürdigkeit ausstahlen. Und ich bin begeistert von den verqueren Geschichten rund um dysfunktionale Familien, die spannend, lustig, aber auch tiefgründig sind. Selten wird Gesellschaftskritik so federleicht verpackt.

Groß war deshalb meine Vorfreude auf „Grand Budapest Hotel“. Vor allem als ich auf Spiegel online las, dass es der beste Wes Anderson-Film sein soll. Und in der Tat: Ich bin sehr angetan von der Räuberpistole um Concierge Gustave H. und  Lobbyboy Zéro. Aber der beste Film von Herrn Anderson? Nein. An „Moonrise Kingdom“ kommt er für mich nicht ran.

Gleichwohl: Es ist eine sehr unterhaltsame Reise in ein kunterbuntes Wunderland. Zubrowka heißt die fiktive Republik, in der sich das Geschehen abspielt. Sie liegt irgendwo in Mitteleuropa, Berge und Schnee gibt es dort zu genüge. Die Optik ist bezaubernd. Das Grand Budapest Hotel ähnelt einem Märchenschloss, in dem schräge Geschichten um eigenwillige, aber sehr liebenswerte Menschen vor sich gehen.  

Im Mittelpunkt steht Concierge Gustave H. Er arbeitet seit vielen Jahren dort. Sein Laster: eine ausgeprägte Leidenschaft für ältere Frauen. Diese Neigung wird ihm nun zum Verhängnis. Denn eine seiner Liebschaften, Madame Desgoffe-und-Taxis, stirbt und hinterlässt ihm, zum Entsetzen ihrer Familie, ein wertvolles Gemälde. Die habgierigen Hinterbliebenen sind außer sich und werfen Gustave H. vor, die alte Dame ermordet zu haben. Gustave H. flieht. Es folgt eine wahnsinnig skurrile und schräge Verfolgungsjagd, bei der ihm Lobbyboy Zero zur Seite steht.

„Grand Budapest Hotel“ ist eine Wohltat für die Augen, aber auch die Ohren. Die Dialoge sind eine Mischung aus intelligenter Komik, pechschwarzem Humor sowie kritischen Zwischentönen an politischen Missständen. Zuhören macht großen Spaß. Außerdem sind wieder zahlreiche bekannte Schauspieler dabei. Dazu gehören Bill Murray, Jude Law, Tilda Swinton, Adrien Brody, Owen Wilson und Lea Seydoux. Auch wenn mich die Geschichte nicht so mitnahm, wie es bei “Moonrise Kingdom” der Fall war, ist ein Abend mit „Grand Budapest Hotel“ absolut zu empfehlen.  

 

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8. März 2014

Melodien: “Ein Abend mit Arthur Gepting”

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Arthur Gepting sah ich im vergangenen Herbst zum ersten Mal beim Songslam im Kulturraum „Kohi“. Ganz in Schwarz gekleidet stand er mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne, stimmte im Halbfinale sein Lied „Beaugency“ an. Vom ersten Takt an hatte er meine gesamte Aufmerksamkeit. Melancholisch, voller Gefühl. Sehnsucht. Arthur Gepting berührte mich mit diesem Lied. Er schaffte es ins Finale. Und blieb in meinem Kopf. Als ich vor wenigen Wochen eine Email von ihm in meinem Postfach entdeckte, beschloss ich, mich mit ihm zu treffen.

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Seine neue EP hat der 24-Jährige an diesem verregneten Abend dabei, schiebt sie mir über den Tisch. Fünf Songs sind darauf, inklusive Intro und Outro. „Friend, Foe And Lover“ lautet der Titel. „Produziert hat sie Dr. Robin von Both“, erzählt Arthur. Jedes Lied erzählt eine Geschichte, aufgeteilt in verschiedene Akte, quasi eine Tragödie. „Die CD ist eine Herausforderung, als Hintergrundmusik eignet sie sich nicht“, sagt er. Dem Text lauschen: unabdingbar. Es sind sehr intime Aufnahmen geworden.

Außer der Musik macht Arthur gerade sein Diplom an der Kunstakademie. Bis zum Sommer möchte er damit fertig sein. „An der Akademie hatte ich 2009 auch meinen ersten Auftritt in Karlsruhe“,  erinnert er sich. Es war auf einer Semesterparty und die Resonanz war toll. „Das motivierte mich, weiterzumachen.“

Arthurs Ursprünge liegen im Punk. „Mit 15 Jahren hatte ich meine erste Band.“ Damals lebte er noch in einem kleinen Dorf im Odenwald, eckte in dem scheinbar friedlichen Idyll mit seinem dunklen Aussehen und der lauten Musik an. „Es war schwierig für uns, dort Auftritte zu bekommen“, sagt er mit Blick zurück.

Als er nach dem Abitur nach Karlsruhe zum Studieren kam, machte er alleine weiter. Folk, Country und ganz viel Drama: Arthurs Musik wurde facettenreicher. „Gefühlsdusseligkeit versuche ich zu vermeiden“, betont er. Nicht weinerlich, sondern direkt soll es sein. „Was bewegt mich?“ Das spiegle sich in seinen Songs wider, sagt der 24-Jährige. Das Resultat: Lieder über Liebe, Freundschaft, Hass. Im Mai 2013 erschien seine erste EP mit vier Liedern. „Money For The Saints“ heißt sie.

Ein musikalischer Landstreicher auf Tour: Bereits 2010 trat Arthur im Kohi bei einem Songslam auf, gewann. Seither hatte er zahlreiche Auftritte, durfte im Herbst vergangenen Jahres in Karlsruhe den Support für die Band „Candellila“ machen. „Das lief so gut, dass ich mit ihnen auch in Passau spielte“, sagt Arthur. Ansonsten sei es in Karlsruhe ein wenig schwierig, an Auftritte zu kommen. „Bei der Liedermachernacht im Vanguarde wäre ich gerne dabei.“ Oder “Das Fest” reize ihn sehr.

Fest eingeplant ist dagegen schon die Tour mit Joe Astray. „Wir wollen im Herbst durch Deutschland reisen, eine gemeinsame EP soll es vorher noch geben“, verrät Arthur. Gerade seien sie dabei, Locations zu buchen sowie Flyer und Plakate zu entwerfen. „Ich freue mich auf die nächste Zeit, es bleibt spannend“, ist sich der 24-Jährige sicher.

Weitere Infos:
https://arthurgepting.bandpage.com/
https://www.facebook.com/arthurgepting

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2. März 2014

Schmöker: “Katzentisch” von Michael Ondaatje

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Es ist eine Reise voller Abenteuer: Der elfjährige Michael fährt mit dem Dampfer „Oronsay“ von Sri Lanka nach England – ganz alleine. Nur seine entfernte Cousine Emily ist zufällig mit an Bord. In London soll ihn am Hafen seine Mutter empfangen. Seit vielen Jahren hat der Junge sie nicht mehr gesehen. 21 Tage auf dem Ozean gilt es bis dahin zu überwinden. Drei Wochen voller interessanter Begegnungen und kuriosen Erlebnissen, die Michael für immer im Gedächtnis bleiben.

„Katzentisch“ von Michael Ondaatje wurde mir von einer ehemaligen Arbeitskollegin ans Herz gelegt. Wunderbar soll der Roman sein, meinte sie. Und in der Tat, auf den rund 300 Seiten sind so unglaubliche viele schöne Wörter und Sätze, dass ich aus dem Staunen ob der Fantasie und Hingabe von Ondaatje nicht mehr herauskam. Es ist eine Wohltat, jede einzelne Seite zu lesen und in die bunte Welt auf dem Dampfer einzutauchen.

Ein globales Dorf auf dem Wasser: Auf der „Oronsay“ sind 600 Reisende aus den verschiedensten Ländern und den unterschiedlichsten Schichten. Ein krimineller Baron ist darunter, ein an Ketten gefesselter Gefangener sowie ein todkranker Millionär. Michael sitzt ein wenig abseits von der Luxusklasse am sogenannten Katzentisch, beobachtet das Treiben auf dem Dampfer ganz genau. Gesellschaft leisten ihm die beiden Jungs Cassius und Ramadhin. Mit ihnen freundet er sich schnell an und schließt den Pakt, jeden Tag eine verbotene Tat zu begehen. Das führt zu spannenden und gefährlichen Erlebnissen.

Mit am Tisch sitzt Perinetta Lasqueti, die den „Zauberberg“ von Thomas Mann immer bei sich trägt, daraus aber nie liest, schlechte Kriminalromane über Bord wirft und Tauben in den Taschen ihres Jacketts spazieren führt. Sie ist verliebt in den Pianisten Mr. Mazappa. Er beeindruckt mit seinen Liedern und Geschichten nicht nur die Dame, sondern auch die drei Jungs nachhaltig. Und außerdem gibt es noch Larry Daniels, einen Botaniker, der in Michaels Cousine Emily verliebt ist und den Heranwachsenden exotische Alkoholika an der Bar des Schwimmbeckens kauft.

Der Roman ist wie ein kleines Puzzle. Michael Ondaatje stellt in kurzen Kapiteln einzelne Personen und Schiffsräume vor – stets aus der Sicht des elfjährigen Protagonisten. Es gibt außerdem Zeitsprünge in die Zukunft. Diese handeln davon, was sich viele Jahre nach der Schiffsreise in den Leben der einzelnen Personen ereignete. Nach und nach entwickelt sich dadurch ein Gesamtbild, das verdeutlicht, dass das Schicksal es nicht immer gut meint mit den Menschen meint.

„Katzentisch“ ist ein unglaublich beeindruckendes Buch und wird am Ende sogar spannend. Gleichwohl: Ich brauchte verhältnismäßig lange für die rund 300 Seiten. Woran es genau lag, das weiß ich selbst nicht genau. Das Gefühl, vorankommen zu wollen, stellte sich trotz der schönen Sprache und des ausgefeilten Plots nie ein. Selbst in meinem Urlaub kam es vor, dass ich statt des Buchs lieber mehrere Tage hintereinander nur Zeitungen und Magazine las. So musste ich aber immer wieder nachschlagen, wer denn nun wieder welche Person ist und was genau auf den vorangegangenen Seiten passierte – das nervte irgendwann sehr und nahm mir den Spaß an dem Roman. Das letzte Drittel las ich vergangene Woche dann konsequent an einem Abend durch, tauchte so wieder total in die Geschichte ein und war am Ende versöhnt.

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25. Februar 2014

Flimmerkasten: “Stromberg – der Film”

„Lass das mal den Papa machen“ – auf ein Wiedersehen mit Bernd Stromberg auf der Kinoleinwand freute ich mich sehr. Alle fünf Staffeln der Serie stehen bei mir im Wohnzimmer, großes Vergnügen bereiten mir die Bürogeschichten rund um den tyrannischen Schaumschläger. Stromberg pöbelt einfach über alles, über Frauen, Ernie und Ausländer. Grenzen gibt es bei ihm keine – weder in moralischer noch ethischer Hinsicht. Gespannt war ich nun, wie Regisseur Arne Feldhusen das Büro-Ekel ins Kino bringt. Fazit: Ich amüsierte mich herrlich, auch wenn der Film gegen Ende ein wenig gestraffter sein könnte.

Raus aus dem Büro, mitten rein in die Provinz: Da Stromberg um seinen Job fürchtet, packt er seine Abteilung in einen nostalgischen Bus und macht sich auf zum großen Sommerfest der Zentrale irgendwo im Hinterland. Die Reise verläuft nicht reibungslos: Der Fahrer ist schlecht gelaunt, das Klo verstopft. Zum Glück hat „Papa“ an genügend Alkohol für seine illustre Reisegruppe gedacht, Bier und Jägermeister sorgen für gute Laune. Nur Marvin, das Pflegekind von Tanja und Ulf, hat Langeweile, überall malt er seine Penis-Figuren hin. Der dicke, leicht gestörte Junge ist überhaupt der heimliche Star des Films. Kein einziges Mal spricht er ein Wort, überzeugt aber völlig mit Mimik und Gestik.

Irgendwann dann doch im Hotel angekommen, hören die Probleme für den Chef aber nicht auf. Stromberg vergaß sich im Vorfeld anzumelden, kein Bett ist mehr frei. So muss er ausgerechnet bei Ernie im Zimmer schlafen. Und auch mit dem Personalchef verscherzt er es sich gleich zu Beginn. Macht aber letztlich nichts, denn auch wenn er alles falsch macht, läuft für Stromberg alles gut. Seine frauenfeindlichen Witze schaden ihm nicht, ebenso wenig wie sein Mobbing-Video gegen Ernie. Stromberg wird auf der Feier zum „Capitol-Held“. Und zeigt sich am Ende sogar voller Moral.

„Stromberg – der Film“ ist Satire der feinsten Art und voller bitterböser Sprüche. Beispiele? „Eine Frau ist ja nicht automatisch clever, nur weil sie scheiße aussieht.“ Oder: „Ernie, was dir an Grips fehlt, das gleichst du mit Blödheit wieder aus.“

Jedoch erlaubt der Film auch einen ehrlichen Blick auf die schnelllebige und prekäre Arbeitswelt von heute. Es wird deutlich, wie schnell sich alles verändern kann, Entscheidungen von oben auf kuriose Wege wie durch den Hausmeister durchsickern. Stromberg auf der Leinwand ist ein Wiedersehen, das Freude macht, hoffentlich ist es kein Abschied für immer.

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23. Februar 2014

Heimat: “Ein Nachmittag bei ‘Energie und Farbe'”

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Eine illustre Auswahl an britischen Stars ist gleich beim Betreten des Ladens „Energie und Farbe“ zu entdecken: Amy Winehouse hängt neben Adele an der Wand. Elton John ist unter den beiden Damen vertreten. Eine sternförmige Brille ziert sein Gesicht. Robbie Williams darf in dieser Riege natürlich nicht fehlen. Der Schalk springt aus seinen Augen. Ganz neu im Sortiment hat Inhaberin Manuela Seith die Masken der Musiker. „Perfekt für eine nette Fastnachtsverkleidung”, sagt sie. „Aber nicht nur.“ Auch für einen lustigen Partyabend seien sie gut geeignet.

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Das ist Manuela

Seifen, Schmuck, Kleidung, CDs, Macarons. „Energie und Farbe“ ist ein riesen Sammelsurium an buntem Krimskrams.  Im August 2012 eröffnete Manuela Seith den Laden in der Uhlandstraße 30. „Farben faszinieren mich bereits seit meiner Kindheit“, erläutert die Inhaberin. Zootiere sortierte sie nach diesem Kriterium, stellte in Gedanken eine Maus neben einen Elefanten. Eine Farbtherapie-Ausbildung absolvierte sie später, bietet heute in einer Praxis Coaching an.

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Im Juni 2012 erfuhr Manuela Seith von Steffi und Alex, die den Schaumraum betrieben, dass ein Laden in der Uhlandstraße leersteht. Aus einer vagen Idee wurde schnell Realität. Unterteilt ist die Fläche in zwei verschiedene Räume. Im Eingangsbereich ist das Sortiment senkrecht nach Farben (von Regenbogen bis Schwarz-Weiß) geordnet, waagrecht nach unterschiedlichen Sinnen: Tasten, Schmecken, Hören, Riechen, Sehen und Wahrnehmen. So finden sich auf der untersten Ebene Alltagsgegenstände wie Handytaschen, Stifte oder Briefpaper. In der zweiten Etage sind Seifen, Duschgels und Bioparfums zu entdecken, in der dritten liegt Schmuck in allen möglichen Variationen.

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Für die vierte Ebene hat Manuela Seith unter anderem einen eigenen Biotee konzipiert – gemeinsam mit Ulrich Messemer. Außerdem gibt es in diesen Fächern Schokolade und Salz. Sowie Macarons von Daniel Rebert, die die Farbenliebhaberin selbst im Elsass holt. In den oberen Fächern liegen letztlich noch Dinge, die sich um das Riechen und Sehen drehen.

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Filzkunst, kulinarische Leckereien, Buttons und Postkarten: Im zweiten Raum stehen mehr als 50 Boxen, die von Künstlern gemietet werden können, erläutert die Inhaberin. Das hat unter anderem Oliver Henckel getan. Er bietet dort Ohrringe und Haarklammern von seiner Sternzeichenkollektion an.

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„Nachhaltigkeit ist mir wichtig“, sagt Manuel Seith. Das spiegelt sich auch im Angebot wider. Es gibt unter anderem kleine Notizbücher, die aus ehemaligen Westwind-Postern entstanden. Außerdem haben Musiker aus der Region (Sandie Wollasch, Liv Solveig Wagner, Petite Rouge, Sophie Steinchen) die Möglichkeit, ihre CDs zu verkaufen. „Seit 1. Februar habe ich nun auch noch eine Kleiderstange“, erläutert die Inhaberin weiter. Dort hängen beispielsweise Kindersachen von dem Label „Spatzenkind“ – direkt unter den Masken der britischen Stars.

Weitere Infos unter www.energie-und-farbe.com sowie https://www.facebook.com/EnergieFarbeDerLaden?fref=ts

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20. Februar 2014

Melodien: “Lauschattacke No.1”

Sie kommen aus Hamburg und machen feinen Elektro-Pop, eingängig und federleicht: „Wilhelm Tell Me” eröffnen am morgigen Freitag, 21. Februar, eine neue Konzertreihe in der Scenario Halle im Kulturzentrum Tempel.

„Lauschattacke“ lautet der Titel der Veranstaltungsserie, die von nun an monatlich stattfindet. Das Ziel dahinter: Aufstrebende Künstler sollen in der Scenario Halle eine Plattform erhalten, um ihre Songs zu präsentieren. So heißt es vonseiten des Veranstalters. Dabei ergänzen sich lokale und nationale Musiker. Den Support übernimmt an diesem Freitag die Band „The Tape Riders“, die aus der Region kommt. Beginn ist um 20.30 Uhr.

Schön, dass es in Karlsruhe nun eine weitere Konzertreihe gibt, bei der es möglich ist, neue Künstler zu entdecken.  Ich bin gespannt. Fest steht schon, wer bei der zweiten Auflage am 20. März dabei ist: Sophie Steinchen (lokal) und “Two Wooden Stones”.

Weiter Infos unter http://www.kulturverein-tempel.de/index.php?id=498

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15. Februar 2014

Flimmerkasten: “Feuchtgebiete”

Schnurstracks steigt sie die Stufen zur öffentlichen Toilette hinunter, läuft hinein in die braune Brühe, die dort aus dem Klo schwappt; barfuß und mit kurzen Hosen. Helen liebt es schmutzig. Hygiene? Nein, danke. Alle Arten von Körperflüssigkeiten sind der 18-Jährigen herzlich willkommen.

Schon diese ersten Szenen von „Feuchtgebiete“ machten mir keine große Freude. Was soll das alles? Sollen so gesellschaftliche Tabus gebrochen werden? Dieser Gedanke ließ mich bei diesem eher mäßigen Filmvergnügen von Anfang bis zum Ende nicht mehr los.

Geweigert habe ich mich bis heute, Charlotte Roches Werk zu lesen. Mir genügten die Berichte in den Medien und die Erzählungen von Freunden, keine Sekunde und keinen Cent wollte ich für diesen literarischen Müll verschwenden. Selbst wenn ich dadurch bei den Diskussionen nicht mitreden konnte. Manchmal ist es ok, einfach zuzuhören.

Dass die DVD überhaupt bei mir zu Hause landete, ist primär meinem Interesse an Regisseur David Wnendt geschuldet. Er steht auch hinter „Die Kriegerin“, einem sehr sehenswerten und aufrüttelnden Film über rechtsradikale Frauen in Deutschland. Dass er sich nun „Feuchtgebiete“ annahm, irritierte mich, machte mich aber auch neugierig.

Was überhaupt passiert? Weil sie sich beim Rasieren am Po verletzt, landet die 18-Jährige im Krankenhaus. Analfissur. Braucht kein Mensch. Im Krankenbett verfällt Helen immer wieder in Erinnerungen: Wie sie beispielsweise mit ihrer besten Freundin benutzte Tampons tauscht. Oder wie sie eines Abends bei einem deutlich älteren Kollegen landet, der die 18-Jährige im Intimbereich gründlich rasiert. Zu Krankenpfleger Robin fühlt sich Helen hingezogen, erzählt ihm aber auch schräge Geschichten – unter anderem von einem Lieferservice, bei dem Sperma auf der Pizza landete. Wahr oder erfunden? Das bleibt offen.

Dass die 18-Jährige ein wenig neben der Spur läuft, soll mitunter ein Resultat ihrer Kindheit sein. Vertrauensprobleme, ein gestörtes Verhältnis zu Sauberkeit und ihrem Körper. Klar, Helen hat ja auch merkwürdige Eltern und ist ein Scheidungskind. Und mit ihrer besten Freundin läuft es auch nicht so gut. Da kann ja niemand normal werden. Oder?! Nein, diese Schlussfolgerung ist bekloppt und voller Klischees.

Mein Fazit nach 109 Minuten: Der Film hat mich größtenteils gelangweilt. Auch wenn Herr Wnendt sowie die fabelhafte Hauptdarstellerin Carla Juri ihr Bestes tun, ist aufgrund der sehr dürftigen Roman-Vorlage nicht viel zu retten. Helens Figur und die ganze Geschichte sind eine Aneinanderreihung von Quatsch. Da werden für mich keine gesellschaftlichen Tabus gebrochen.

Dem Film ist zugute zu halten, dass David Wnendt das Ästhetische nie verlässt. Viele Sachen sind lediglich angedeutet, werden nicht ausgereizt. „Feuchtgebiete“ ist dadurch ein bunter Unterhaltungsfilm – dem jedoch schlichtweg die Substanz fehlt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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