25. Februar 2014

Flimmerkasten: “Stromberg – der Film”

„Lass das mal den Papa machen“ – auf ein Wiedersehen mit Bernd Stromberg auf der Kinoleinwand freute ich mich sehr. Alle fünf Staffeln der Serie stehen bei mir im Wohnzimmer, großes Vergnügen bereiten mir die Bürogeschichten rund um den tyrannischen Schaumschläger. Stromberg pöbelt einfach über alles, über Frauen, Ernie und Ausländer. Grenzen gibt es bei ihm keine – weder in moralischer noch ethischer Hinsicht. Gespannt war ich nun, wie Regisseur Arne Feldhusen das Büro-Ekel ins Kino bringt. Fazit: Ich amüsierte mich herrlich, auch wenn der Film gegen Ende ein wenig gestraffter sein könnte.

Raus aus dem Büro, mitten rein in die Provinz: Da Stromberg um seinen Job fürchtet, packt er seine Abteilung in einen nostalgischen Bus und macht sich auf zum großen Sommerfest der Zentrale irgendwo im Hinterland. Die Reise verläuft nicht reibungslos: Der Fahrer ist schlecht gelaunt, das Klo verstopft. Zum Glück hat „Papa“ an genügend Alkohol für seine illustre Reisegruppe gedacht, Bier und Jägermeister sorgen für gute Laune. Nur Marvin, das Pflegekind von Tanja und Ulf, hat Langeweile, überall malt er seine Penis-Figuren hin. Der dicke, leicht gestörte Junge ist überhaupt der heimliche Star des Films. Kein einziges Mal spricht er ein Wort, überzeugt aber völlig mit Mimik und Gestik.

Irgendwann dann doch im Hotel angekommen, hören die Probleme für den Chef aber nicht auf. Stromberg vergaß sich im Vorfeld anzumelden, kein Bett ist mehr frei. So muss er ausgerechnet bei Ernie im Zimmer schlafen. Und auch mit dem Personalchef verscherzt er es sich gleich zu Beginn. Macht aber letztlich nichts, denn auch wenn er alles falsch macht, läuft für Stromberg alles gut. Seine frauenfeindlichen Witze schaden ihm nicht, ebenso wenig wie sein Mobbing-Video gegen Ernie. Stromberg wird auf der Feier zum „Capitol-Held“. Und zeigt sich am Ende sogar voller Moral.

„Stromberg – der Film“ ist Satire der feinsten Art und voller bitterböser Sprüche. Beispiele? „Eine Frau ist ja nicht automatisch clever, nur weil sie scheiße aussieht.“ Oder: „Ernie, was dir an Grips fehlt, das gleichst du mit Blödheit wieder aus.“

Jedoch erlaubt der Film auch einen ehrlichen Blick auf die schnelllebige und prekäre Arbeitswelt von heute. Es wird deutlich, wie schnell sich alles verändern kann, Entscheidungen von oben auf kuriose Wege wie durch den Hausmeister durchsickern. Stromberg auf der Leinwand ist ein Wiedersehen, das Freude macht, hoffentlich ist es kein Abschied für immer.

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23. Februar 2014

Heimat: “Ein Nachmittag bei ‘Energie und Farbe'”

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Eine illustre Auswahl an britischen Stars ist gleich beim Betreten des Ladens „Energie und Farbe“ zu entdecken: Amy Winehouse hängt neben Adele an der Wand. Elton John ist unter den beiden Damen vertreten. Eine sternförmige Brille ziert sein Gesicht. Robbie Williams darf in dieser Riege natürlich nicht fehlen. Der Schalk springt aus seinen Augen. Ganz neu im Sortiment hat Inhaberin Manuela Seith die Masken der Musiker. „Perfekt für eine nette Fastnachtsverkleidung”, sagt sie. „Aber nicht nur.“ Auch für einen lustigen Partyabend seien sie gut geeignet.

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Das ist Manuela

Seifen, Schmuck, Kleidung, CDs, Macarons. „Energie und Farbe“ ist ein riesen Sammelsurium an buntem Krimskrams.  Im August 2012 eröffnete Manuela Seith den Laden in der Uhlandstraße 30. „Farben faszinieren mich bereits seit meiner Kindheit“, erläutert die Inhaberin. Zootiere sortierte sie nach diesem Kriterium, stellte in Gedanken eine Maus neben einen Elefanten. Eine Farbtherapie-Ausbildung absolvierte sie später, bietet heute in einer Praxis Coaching an.

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Im Juni 2012 erfuhr Manuela Seith von Steffi und Alex, die den Schaumraum betrieben, dass ein Laden in der Uhlandstraße leersteht. Aus einer vagen Idee wurde schnell Realität. Unterteilt ist die Fläche in zwei verschiedene Räume. Im Eingangsbereich ist das Sortiment senkrecht nach Farben (von Regenbogen bis Schwarz-Weiß) geordnet, waagrecht nach unterschiedlichen Sinnen: Tasten, Schmecken, Hören, Riechen, Sehen und Wahrnehmen. So finden sich auf der untersten Ebene Alltagsgegenstände wie Handytaschen, Stifte oder Briefpaper. In der zweiten Etage sind Seifen, Duschgels und Bioparfums zu entdecken, in der dritten liegt Schmuck in allen möglichen Variationen.

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Für die vierte Ebene hat Manuela Seith unter anderem einen eigenen Biotee konzipiert – gemeinsam mit Ulrich Messemer. Außerdem gibt es in diesen Fächern Schokolade und Salz. Sowie Macarons von Daniel Rebert, die die Farbenliebhaberin selbst im Elsass holt. In den oberen Fächern liegen letztlich noch Dinge, die sich um das Riechen und Sehen drehen.

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Filzkunst, kulinarische Leckereien, Buttons und Postkarten: Im zweiten Raum stehen mehr als 50 Boxen, die von Künstlern gemietet werden können, erläutert die Inhaberin. Das hat unter anderem Oliver Henckel getan. Er bietet dort Ohrringe und Haarklammern von seiner Sternzeichenkollektion an.

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„Nachhaltigkeit ist mir wichtig“, sagt Manuel Seith. Das spiegelt sich auch im Angebot wider. Es gibt unter anderem kleine Notizbücher, die aus ehemaligen Westwind-Postern entstanden. Außerdem haben Musiker aus der Region (Sandie Wollasch, Liv Solveig Wagner, Petite Rouge, Sophie Steinchen) die Möglichkeit, ihre CDs zu verkaufen. „Seit 1. Februar habe ich nun auch noch eine Kleiderstange“, erläutert die Inhaberin weiter. Dort hängen beispielsweise Kindersachen von dem Label „Spatzenkind“ – direkt unter den Masken der britischen Stars.

Weitere Infos unter www.energie-und-farbe.com sowie https://www.facebook.com/EnergieFarbeDerLaden?fref=ts

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20. Februar 2014

Melodien: “Lauschattacke No.1”

Sie kommen aus Hamburg und machen feinen Elektro-Pop, eingängig und federleicht: „Wilhelm Tell Me” eröffnen am morgigen Freitag, 21. Februar, eine neue Konzertreihe in der Scenario Halle im Kulturzentrum Tempel.

„Lauschattacke“ lautet der Titel der Veranstaltungsserie, die von nun an monatlich stattfindet. Das Ziel dahinter: Aufstrebende Künstler sollen in der Scenario Halle eine Plattform erhalten, um ihre Songs zu präsentieren. So heißt es vonseiten des Veranstalters. Dabei ergänzen sich lokale und nationale Musiker. Den Support übernimmt an diesem Freitag die Band „The Tape Riders“, die aus der Region kommt. Beginn ist um 20.30 Uhr.

Schön, dass es in Karlsruhe nun eine weitere Konzertreihe gibt, bei der es möglich ist, neue Künstler zu entdecken.  Ich bin gespannt. Fest steht schon, wer bei der zweiten Auflage am 20. März dabei ist: Sophie Steinchen (lokal) und “Two Wooden Stones”.

Weiter Infos unter http://www.kulturverein-tempel.de/index.php?id=498

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15. Februar 2014

Flimmerkasten: “Feuchtgebiete”

Schnurstracks steigt sie die Stufen zur öffentlichen Toilette hinunter, läuft hinein in die braune Brühe, die dort aus dem Klo schwappt; barfuß und mit kurzen Hosen. Helen liebt es schmutzig. Hygiene? Nein, danke. Alle Arten von Körperflüssigkeiten sind der 18-Jährigen herzlich willkommen.

Schon diese ersten Szenen von „Feuchtgebiete“ machten mir keine große Freude. Was soll das alles? Sollen so gesellschaftliche Tabus gebrochen werden? Dieser Gedanke ließ mich bei diesem eher mäßigen Filmvergnügen von Anfang bis zum Ende nicht mehr los.

Geweigert habe ich mich bis heute, Charlotte Roches Werk zu lesen. Mir genügten die Berichte in den Medien und die Erzählungen von Freunden, keine Sekunde und keinen Cent wollte ich für diesen literarischen Müll verschwenden. Selbst wenn ich dadurch bei den Diskussionen nicht mitreden konnte. Manchmal ist es ok, einfach zuzuhören.

Dass die DVD überhaupt bei mir zu Hause landete, ist primär meinem Interesse an Regisseur David Wnendt geschuldet. Er steht auch hinter „Die Kriegerin“, einem sehr sehenswerten und aufrüttelnden Film über rechtsradikale Frauen in Deutschland. Dass er sich nun „Feuchtgebiete“ annahm, irritierte mich, machte mich aber auch neugierig.

Was überhaupt passiert? Weil sie sich beim Rasieren am Po verletzt, landet die 18-Jährige im Krankenhaus. Analfissur. Braucht kein Mensch. Im Krankenbett verfällt Helen immer wieder in Erinnerungen: Wie sie beispielsweise mit ihrer besten Freundin benutzte Tampons tauscht. Oder wie sie eines Abends bei einem deutlich älteren Kollegen landet, der die 18-Jährige im Intimbereich gründlich rasiert. Zu Krankenpfleger Robin fühlt sich Helen hingezogen, erzählt ihm aber auch schräge Geschichten – unter anderem von einem Lieferservice, bei dem Sperma auf der Pizza landete. Wahr oder erfunden? Das bleibt offen.

Dass die 18-Jährige ein wenig neben der Spur läuft, soll mitunter ein Resultat ihrer Kindheit sein. Vertrauensprobleme, ein gestörtes Verhältnis zu Sauberkeit und ihrem Körper. Klar, Helen hat ja auch merkwürdige Eltern und ist ein Scheidungskind. Und mit ihrer besten Freundin läuft es auch nicht so gut. Da kann ja niemand normal werden. Oder?! Nein, diese Schlussfolgerung ist bekloppt und voller Klischees.

Mein Fazit nach 109 Minuten: Der Film hat mich größtenteils gelangweilt. Auch wenn Herr Wnendt sowie die fabelhafte Hauptdarstellerin Carla Juri ihr Bestes tun, ist aufgrund der sehr dürftigen Roman-Vorlage nicht viel zu retten. Helens Figur und die ganze Geschichte sind eine Aneinanderreihung von Quatsch. Da werden für mich keine gesellschaftlichen Tabus gebrochen.

Dem Film ist zugute zu halten, dass David Wnendt das Ästhetische nie verlässt. Viele Sachen sind lediglich angedeutet, werden nicht ausgereizt. „Feuchtgebiete“ ist dadurch ein bunter Unterhaltungsfilm – dem jedoch schlichtweg die Substanz fehlt.

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13. Februar 2014

Heimat: “Ein Abend mit Marlene Breil”

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Das ist Marlene.

Zangen, Scheren sowie Cinch- und Klinkenstecker – wenn Marlene Breil abends in ihrer WG am Küchentisch sitzt, hat sie ein ganzes Sammelsurium an Bastelutensilien um sich herum verstreut. Sie klebt und fügt die Einzelteile zusammen; alles in Handarbeit. Die 27-Jährige entwirft Ohrringe, Ketten sowie Ringe für die Finger. Etwa 40 verschiedene Modelle gehören derzeit zu ihrer „A Kind Of Jackthing“-Kollektion. Eine Auswahl davon bietet sie in Karlsruhe bei „Kopf und Kragen“ an.

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„Die Idee kam mir im Sommer 2013“, erzählt Marlene. Sie entdeckte bei ihrem Freund, dem Musiker Sebastian Moser („Curlyman“, „MOC“), rote und weiße Klinkenstecker, wollte Ohrringe davon haben. „Das erste Paar ließ ich von der Pforzheimer Schmuckdesignerin Nana anfertigen“, erzählt sie. Die Resonanz war riesig. „Ich wurde ständig darauf angesprochen, bekam Lust, selbst welche herzustellen.“

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Mit Freunden, die in der Musikszene arbeiten, tauschte sich Marlene aus, stöberte sich durch deren Equipment, fand unterschiedliche Stecker und Fadercaps. Die 27-Jährige bestellte sich außerdem im Internet einen kunterbunten Mix an Krimskrams zusammen und begann damit zu arbeiten. „Es war eine Herausforderung, einen passenden Klebstoff zu finden“, erinnert sich die Studentin des Kultur- und Medienmanagements. Suboptimal waren der Zwei-Komponenten-Kleber sowie einer, der für Autos und Schiffe gedacht ist. „Nun bin ich beim Mammutkleber gelandet, mit ihm funktioniert es richtig gut“, sagt sie glücklich.

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Groß ist die Nachfrage nach ihren Produkten. Unter anderem Josie von der Band „Claire“ trägt Schmuck aus der „A Kind Of Jackting“-Kollektion sowie der Musikproduzent Paddy Bohr. „Ich habe ein Grundsortiment, das ich verkaufe, fertige aber auch Sachen auf Anfrage speziell an“, sagt Marlene. Das geschieht in jeder freien Sekunde an ihrem Küchentisch, wo sie viele Stunden konzentriert sitzt – umgeben von Zangen, Scheren sowie Cinch- und Klinkensteckern.

Weitere Infos und Kontakt unter https://www.facebook.com/jewelsunplugged?fref=ts

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“Kopf und Kragen”: https://dieschreibmaschine.net/2013/09/10/heimat-kopfkragen/
Paddy Bohr: https://dieschreibmaschine.net/2013/09/29/melodien-paddy-bohrindicative-studio/

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11. Februar 2014

Heimat: “American Baking mit Cynthia Barcomi”

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Backen, Bücher, Blog – das sind meine drei Vorhaben für diese Urlaubswoche. Nachdem mich vor wenigen Tagen ein amerikanischer Käsekuchen von Jamie Oliver vor große Herausforderungen stellte (gewöhnlichen Frischkäse durch fettreduzierten ersetzen: keine gute Idee), bestellte ich mir nun das Backbuch von Cynthia Barcomi. Gleich zwei Freundinnen schwärmten mir von den Rezepten der Amerikanerin vor, erzählten mir von ihrem Café in Berlin.

Neugierig war ich dadurch, suchte im Internet nach weiteren Informationen und wurde fündig: www.barcomis.de. Auf dieser offiziellen Seite von Cynthia Barcomi sind Rezepte abrufbar. Außerdem können im Shop verschiedene Backutensilien bestellt werden. Ich klickte mich durch die Vorschau ihres ersten Backbuches und war angetan: Pancakes, Scones, Muffins und leckere Kuchen. Gekauft.

http://www.cynthiabarcomi.com/buecher/backbuch/

Seit Tagen beschäftigte ich mich nun schon mit diesem Werk, blättere es immer wieder durch, bestaune die einzelnen Bilder. Wer wie ich gerne Pancakes zum Frühstück mag, bekommt außer einer traditionellen Variante gleich noch fünf weitere geliefert – unter anderem mit Buttermilch, Äpfeln oder Blaubeeren. Auch bei den Waffeln ist experimentieren möglich. Beispielsweise sind Rezepte für „Yeast Waffles“ vorhanden sowie für besonders leichte und fluffige. Auch bei Brownies, Cookies, Cupcakes und Muffins gibt es zig unterschiedliche Möglichkeiten, mit dunkler und heller Schokolade, mit Früchten, mit Frischkäse und Nüssen.

Weiter gibt es Brotrezepte. Meine zwei Lieblinge sind das „Zuccini-Walnut-Bread“ und das „Pumpkin Spice Bread“. Aber auch unendlich lecker aussehende Kuchen sind dabei. Der Schoko-Espresso-Käsekuchen sieht famos aus und der „Verwirbelte Bananen-Schoko-Kuchen” sowie der „Chocolate Fudge Cake“ lassen jedes Diätvorhaben scheitern.

Mein nächstes Vorhaben sind nun die „Banana Walnut Muffins“. Ich bin gespannt und voller Vorfreude auf das Ergebnis.

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7. Februar 2014

Flimmerkasten: “The Wolf Of Wall Street”

Triebgesteuert. Jordan Belforts Leben ist geprägt von Geld, Sex und Drogen. In „The Wolf Of Wall Street“ greift Martin Scorsese die Biografie des amerikanischen Brokers auf und gewährt einen Blick hinter die Kulissen dieser verrückten Finanz-Welt. Sehenswert, aber leider viel zu eindimensional.

Auf der Leinwand strotzt es knapp drei Stunden lang von unzivilisierten Männern, die sich wie im Dschungel aufführen und alle Hemmungen verlieren. Frauen werden fast ausnahmslos auf Sexobjekte reduziert. Die geprellten Anleger aus der Mittelschicht, die ihr Erspartes verlieren, betrogene Ehefrauen, die unter der Untreue ihrer Männer leiden. Fehlanzeige. Scorsese zeigt keine andere Perspektive auf als die der orgienfeiernden Männer. Schade.

Gleichwohl: Leonardo DiCaprio beeindruckte mich nachhaltig. Solariumgebräunt und mit dunkel gefärbten Haaren spielt er Jordan Belfort. Viel Idealismus steckt noch in ihm, als er mit 22 Jahren an die Wall Street kommt. Alkohol, Drogen und Prostituierte – schnell kommt er damit in Berührung, wird in die Untiefen des Raubtierkapitalismus eingeführt, samt affenartigen Ritualen.

Der Börsencrash am Schwarzen Montag 1987 wirbelt erstmal alles durcheinander. Belfort ist raus. Aber nur kurz. Schnell merkt der rhetorisch exzellente Börsianer, dass er in einem heruntergenommen Laden ahnungslose Kunden mit wertlosen Papieren ausnehmen kann; die Moral schwindet im Sekundentakt, der Aufstieg geht rasend.

Was folgt ist ein kunterbunter Mix an Drogen, wilden Partys und ungezähmter Gier nach Geld. Grenzen gibt es in der Welt von Jordan Belfort keine mehr. Seine erste Frau betrügt er unzählige Mal, verlässt sie für die wunderschöne Naomi. Aber auch sie kann ihn letztlich nicht von Sexeskapaden mit anderen Frauen fernhalten. Nicht mal vor ihrer Tante macht er Halt.

Jordan Belforts Verwandlung zum unmenschlichen Arschloch findet im Foyer eines Country Clubs ihren Höhepunkt. Die genommenen Drogen wirken verspätet, er verliert die Kontrolle über seinen Körper, sabbert, robbt über den Boden, purzelt die Treppe hinunter. Gregor Samsa lässt grüßen. Irgendwie schafft er es noch zu seinem Auto, fährt in diesem desolaten Zustand Auto, demoliert es. Zuhause angekommen wartet sein Freund und Geschäftspartner Donnie. Er ist in einer ähnlichen Verfassung, droht an einem Sandwich-Stück zu ersticken. Belfort versucht ihm das Leben zu retten, eine denkwürdige Szene. Leonardo DiCaprio sollte für diese Leistung den Oscar bekommen.

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5. Februar 2014

Schmöker: “Die Entdeckung des Himmels” von Harry Mulisch

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Eigentlich schrecken mich dicke Bücher nicht ab. Wenn ein Roman oder ein Krimi interessant ist, freue ich mich – über jedes Wort, jeden Satz, jede Seite. Mit den Büchern gehe ich dann gerne eine Bindung ein, auch wenn diese mehrere Wochen andauern kann.

„Die Entdeckung des Himmels“ hat mich aber an meine Grenzen geführt. Religion, Physik, Philosophie, Mystik und noch vieles mehr – Harry Mulisch packt einfach die unterschiedlichsten Disziplinen in das knapp 900 Seiten lange Werk. Ausführlich und detailliert beschreibt er wissenschaftliche Phänomene, Entdeckungen und geschichtliche Zusammenhänge. Solche Dinge mal kurz in der Mittagspause oder in der Bahn zu lesen, das ist anstrengend und keine Erholung.

Mehrmals legte ich deshalb „Die Entdeckung des Himmels“ zur Seite, begann mit anderen (leichteren) Büchern, griff dann aber doch immer wieder zurück, konnte es letztlich nicht lassen, wollte wissen, wo die Geschichte hinführt. Es hat sich gelohnt, trotz aller Mühen ist „Die Entdeckung des Himmels“ ein unwahrscheinlich beeindruckendes und bereicherndes Buch.

Die Rahmenhandlung ist folgende: Zwei Engel beschließen, dass die Tafel mit den Zehn Geboten zurück in den Himmel gebracht werden soll. Dazu bedarf es eines Abgesandten auf der Erde, der diese Tat vollbringt und somit den biblischen Bund zwischen Gott und den Menschen beendet.

Um ihren Plan realisieren zu können, wählen sich die Engel die Niederländer Max Delius und Onno Quist aus. Die himmlischen Geschöpfe lenken das Schicksal der beiden jungen Männer, die sich in den 1960er-Jahren eines Abends scheinbar zufällig auf der Straße begegnen.

Grundverschieden sind Max und Onno, trotzdem herrscht schnell eine tiefe Verbundenheit zwischen ihnen. Wurden sie doch auch am selben Tag gezeugt. Max ist ein Frauenheld und beschäftigt sich mit der Astronomie. Sein Vater war ein NS-Offizier und wurde nach dem Krieg hingerichtet. Max’ Mutter, eine Jüdin, kam ins Konzentrationslager.

Onno stammt dagegen aus einer konservativen Familie, sein Vater ist ein hochrangiger Politiker. Onno fällt aus der Reihe, mag sich nicht so recht anpassen. Seine politische Ausrichtung ist eher links. Seine Leidenschaft beruht auf Wörtern und alten Schriften.

Zwischen den beiden Freunden steht einzig Ada, eine Cellistin, mit der erst Max zusammen ist, dann Onno. Über 20 Jahre hinweg werden die beiden Männer samt Ada nun begleitet. Max und Onno engagieren sich in der Studentenbewegung, reisen nach Kuba, erleben dort eine aufregende Zeit. Außerdem wird Quinten gezeugt – der engelsgleiche Junge soll dafür sorgen, dass die Tafel zurück in den Himmel kommt.

Harry Mulisch geht im ersten Teil des Buches besonders auf die aufwühlende Zeit in den 1960er-Jahren in den Niederlanden ein sowie auf die Spannungen zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Max fährt außerdem nach Polen, wandelt dort auf den Spuren seiner Mutter.

Im weiteren Verlauf des Romans spielen Literatur, Musik und Architektur eine Rolle. Mulisch greift Goethes Faust auf; beschreibt später die Bauten in Rom bis ins kleinste Detail. Bei einer Reise nach Israel wird die biblische Geschichte rund um Moses erzählt. „Die Entdeckung des Himmels“ ist streckenweise wie ein vielseitiges Lexikon zu lesen.

Das ist meist hoch interessant, bei den physikalischen Ausführungen oder den Beschreibungen von Max astronomischer Arbeit schweifte ich jedoch oft ab, übersprang ganze Absätze. Das waren die Momente, in denen ich die Lust verlor. Aufgrund der ausgefeilten und schönen Sprache sowie der interessanten Geschichte rund um Onno, Max und Ada griff ich aber immer wieder zurück. Sehr gelungen finde ich den Aspekt der Sterbehilfe.

Über einen Gedankengang von Onno grübelte ich in den vergangenen Tagen viel. Es geht um das Thema Schuld. Onno sagt gegen Ende des Romans zu Quinten, dass Handeln final und nicht kausal beurteilt werden sollte. Wenn böse Taten immer darauf zurückgeführt würden, dass der Verursacher in der Kindheit geschlagen wurde oder geschiedene Eltern hat, sei das unfair gegenüber all denen, die ebenfalls schlechte Erfahrungen machten, aber nicht zu Verbrecher werden. Onno meint: Durch kausale Beurteilungen wird der Mensch entmenschlicht, es wird ihm die Verantwortung genommen und somit letztlich auch die Freiheit.

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3. Februar 2014

Flimmerkasten: “Frances Ha”

Im Leben läuft nicht immer alles nach Plan. Das bekommt Frances (Greta Gerwig) deutlich zu spüren. Ihre beste Freundin Sophie zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus, lässt sie im Stich. Damit nicht genug: Ihre Karriere als Tänzerin hakt, das Geld ist knapp. Ein passender Mann: nicht in Sicht. Aber die 27-Jährige lässt sich nicht unterkriegen, läuft durch die Straßen, stürzt, steht wieder auf, läuft weiter.

Als „Frances Ha“ im vergangenen Jahr im Kino lief, wollte ich den Film unbedingt sehen. Die Kritik auf „Spiegel online“ hatte mich neugierig gemacht: „Die schönste Komödie des Sommers“ stand da. Eine Endzwanzigerin, die sich durch das Leben kämpft, frei von biederem Hipster-chic. Im Gegensatz zu Hannah in „Girls“ brauche Frances dabei keinen romantischen Ritter, der für ihr Glück verantwortlich ist. Vielmehr liege ihr Fokus auf Freundschaften – die jedoch an unterschiedlichen Lebensplänen auch wieder zu zerbrechen drohen. Willkommen in der Wirklichkeit.

Ins Kino schaffte ich es leider nicht, nun bekam ich endlich die DVD. Und bin angetan. Die witzige Indie-Komödie von Noah Baumbach ist etwas ganz Besonderes – die Figuren, die tollen Schwarz-Weiß-Bilder aus New York sowie der Soundtrack sind perfekt aufeinander abgestimmt. Außerdem ist Adam Driver zu sehen. Er spielt den Bildhauer Lev. Ein Hut ziert meist seinen Kopf. Ein toller Typ.

Strukturiert ist der Film nach Frances Unterkünften. Die Szenen wechseln schnell, dadurch wird alles Schwere genommen. Nachdem Sophie sie hängen ließ und  mit einer anderen Freundin zusammenzog, landet Frances bei Benji und Lev. Zwei jungen Künstlern, die es sich leisten können, in einer hippen Wohnung für 4000 Dollar im Monat zu leben. Lev schleppt ständig Mädels ab, Benji schreibt Skripte für Saturday Night Live. Wenn es mit dem Geld knapp wird, ruft er seinen Stiefvater an. Der ist zwar ein Arsch, aber macht ja nix.

Frances fühlt sich wohl, kann sich diese Wohnung aber auf Dauer nicht leisten. So fährt sie erstmal über Weihnachten zu ihren Eltern nach Kalifornien, kehrt dann wieder nach New York zurück.

Tollpatschig, leicht verquer und oft auch unüberlegt hangelt sich die 27-Jährige durchs Leben. Dabei bleibt sie immer loyal und sympathisch. In den 86 Minuten, die schnell verfliegen, wird aus der auf Gleise pinkelnden Frances gegen Ende dann doch eine bisschen reifere junge Dame. Aber fertig erzählt wird nichts, was gut ist.

Frances Ha ist ein realistischer Ausschnitt, wie es wohl so vielen kreativen Köpfen mit Ende 20 geht. Es läuft nicht alles nach Plan, aber das macht das Leben interessant. Langweilig ist anders.

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1. Februar 2014

Melodien: “Ein Abend mit Vereinsheim Baldu (die VI.)”

Seine Erkältung hätte er am liebsten ins Weltall geschossen. Ging aber nicht. So stand Maxim am Freitagabend ein wenig blass und angeschlagen auf der Bühne in der Scenario Halle im Kulturzentrum Tempel. Machte letztlich aber überhaupt nichts. Der Sänger riss mit seiner leicht rauchigen und eindringlichen Stimme das Publikum mit – bedingungslos. Kurz vor Ende sorgte er mit „Soldaten“ für den Höhepunkt eines insgesamt eindrucksvollen Abend.

Vereinsheim Baldu die sechste: Komplett ausverkauft waren die beiden Veranstaltungen in Karlsruhe und Mannheim. Sehr zur Freude des Vorstands um Tommy Baldu (Schlagzeug), David Maier (Gesang), Nico Schnepf (Tasten), Rouven Eller (Ton) und Haegar (Visuals). Auch Arthur Braitsch gehört inzwischen zum festen Inventar des Vereinsheims; bereits seit Beginn sitzt er jedes Mal mit im musizierenden Kreis, begeistert an der Gitarre.

Bunt gemischt sind an diesem Abend die Gäste. Besonders Jemma Endersby sticht hervor. Einen kurzen, knallgrünen Overall trägt die englische Sängerin, eine Netzstrumpfhose mit Blumenstickereien dazu. Ihre experimentelle Duttfriseur sowie ihre große Brille lassen an ein Gesamtkunstwerk denken.

Aber nicht nur optisch haut Jemma Endersby um, auch ihre Stimme ist eindrucksvoll. Eine Prise Blues gepaart mit Soul, klar und sicher: Die Britin trifft jeden Ton. Bei dem mitschwingenden „Bubble“ zeigt sie, welche Energie in ihr steckt. Bei dem ruhigen „Fairytales“ wiederum, wie tief ihre Songs gehen. Ihr Mann Paucker, der an diesem Abend ebenfalls mit dabei ist, Bass spielt, lauscht der Stimme seiner Frau mit geschlossenen Augen.

„Es ist nicht einfach nun zu singen“, meint Tim Neuhaus dann mit einem Schmunzeln, als er nach Jemma Endersby die Bühne betritt. Seine Bescheidenheit: nicht notwendig. Der ehemalige Schlagzeuger der Clueso-Band zeigt sich als Singer/Songwriter äußerst versiert. Vor allem mit „As Life Found you“ zieht er das Publikum mit, geschlossen summt es die Melodie, hört gar nicht mehr damit auf. Und bei „Easy Or Not“ kommt dann auch Jemma Endersby wieder auf die Bühne, singt mit Tim Neuhaus gemeinsam den ruhigen Song.

Schwarze Cap, orange-schwarz gesteiftes Hemd und Vans – Maxim entspricht keineswegs dem Stereotypen des deutschen Popsängers. Hat er seine Wurzeln auch im Reggae-Bereich. Davon ist inzwischen nichts mehr zu hören. Maxim 2014: Eingängige Melodien, Texte rund um das Leben, nicht kitschig, sondern ehrlich, nachdenklich. „Soldaten“ lief im Radio hoch unter runter. „Rückspiegel“, „Haus aus Schrott“ und „Wut“ komplettieren seine Songauswahl an diesem Abend. Wunderbar.

Die nächste Vereinsheim Baldu-Veranstaltung ist am 23. Mai in Karlsruhe.

Zum Konzept der Veranstaltung: http://wp.me/p3915e-j5

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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