10. März 2014

Flimmerkasten: “Grand Budapest Hotel”

An Wes Anderson-Filmen kann ich mich kaum sattsehen. Ich liebe die farbenfrohen Bilder sowie die unkonventionellen Charaktere, die trotz ihrer Schwere so viel Komik und Liebenswürdigkeit ausstahlen. Und ich bin begeistert von den verqueren Geschichten rund um dysfunktionale Familien, die spannend, lustig, aber auch tiefgründig sind. Selten wird Gesellschaftskritik so federleicht verpackt.

Groß war deshalb meine Vorfreude auf „Grand Budapest Hotel“. Vor allem als ich auf Spiegel online las, dass es der beste Wes Anderson-Film sein soll. Und in der Tat: Ich bin sehr angetan von der Räuberpistole um Concierge Gustave H. und  Lobbyboy Zéro. Aber der beste Film von Herrn Anderson? Nein. An „Moonrise Kingdom“ kommt er für mich nicht ran.

Gleichwohl: Es ist eine sehr unterhaltsame Reise in ein kunterbuntes Wunderland. Zubrowka heißt die fiktive Republik, in der sich das Geschehen abspielt. Sie liegt irgendwo in Mitteleuropa, Berge und Schnee gibt es dort zu genüge. Die Optik ist bezaubernd. Das Grand Budapest Hotel ähnelt einem Märchenschloss, in dem schräge Geschichten um eigenwillige, aber sehr liebenswerte Menschen vor sich gehen.  

Im Mittelpunkt steht Concierge Gustave H. Er arbeitet seit vielen Jahren dort. Sein Laster: eine ausgeprägte Leidenschaft für ältere Frauen. Diese Neigung wird ihm nun zum Verhängnis. Denn eine seiner Liebschaften, Madame Desgoffe-und-Taxis, stirbt und hinterlässt ihm, zum Entsetzen ihrer Familie, ein wertvolles Gemälde. Die habgierigen Hinterbliebenen sind außer sich und werfen Gustave H. vor, die alte Dame ermordet zu haben. Gustave H. flieht. Es folgt eine wahnsinnig skurrile und schräge Verfolgungsjagd, bei der ihm Lobbyboy Zero zur Seite steht.

„Grand Budapest Hotel“ ist eine Wohltat für die Augen, aber auch die Ohren. Die Dialoge sind eine Mischung aus intelligenter Komik, pechschwarzem Humor sowie kritischen Zwischentönen an politischen Missständen. Zuhören macht großen Spaß. Außerdem sind wieder zahlreiche bekannte Schauspieler dabei. Dazu gehören Bill Murray, Jude Law, Tilda Swinton, Adrien Brody, Owen Wilson und Lea Seydoux. Auch wenn mich die Geschichte nicht so mitnahm, wie es bei “Moonrise Kingdom” der Fall war, ist ein Abend mit „Grand Budapest Hotel“ absolut zu empfehlen.  

 

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8. März 2014

Melodien: “Ein Abend mit Arthur Gepting”

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Arthur Gepting sah ich im vergangenen Herbst zum ersten Mal beim Songslam im Kulturraum „Kohi“. Ganz in Schwarz gekleidet stand er mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne, stimmte im Halbfinale sein Lied „Beaugency“ an. Vom ersten Takt an hatte er meine gesamte Aufmerksamkeit. Melancholisch, voller Gefühl. Sehnsucht. Arthur Gepting berührte mich mit diesem Lied. Er schaffte es ins Finale. Und blieb in meinem Kopf. Als ich vor wenigen Wochen eine Email von ihm in meinem Postfach entdeckte, beschloss ich, mich mit ihm zu treffen.

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Seine neue EP hat der 24-Jährige an diesem verregneten Abend dabei, schiebt sie mir über den Tisch. Fünf Songs sind darauf, inklusive Intro und Outro. „Friend, Foe And Lover“ lautet der Titel. „Produziert hat sie Dr. Robin von Both“, erzählt Arthur. Jedes Lied erzählt eine Geschichte, aufgeteilt in verschiedene Akte, quasi eine Tragödie. „Die CD ist eine Herausforderung, als Hintergrundmusik eignet sie sich nicht“, sagt er. Dem Text lauschen: unabdingbar. Es sind sehr intime Aufnahmen geworden.

Außer der Musik macht Arthur gerade sein Diplom an der Kunstakademie. Bis zum Sommer möchte er damit fertig sein. „An der Akademie hatte ich 2009 auch meinen ersten Auftritt in Karlsruhe“,  erinnert er sich. Es war auf einer Semesterparty und die Resonanz war toll. „Das motivierte mich, weiterzumachen.“

Arthurs Ursprünge liegen im Punk. „Mit 15 Jahren hatte ich meine erste Band.“ Damals lebte er noch in einem kleinen Dorf im Odenwald, eckte in dem scheinbar friedlichen Idyll mit seinem dunklen Aussehen und der lauten Musik an. „Es war schwierig für uns, dort Auftritte zu bekommen“, sagt er mit Blick zurück.

Als er nach dem Abitur nach Karlsruhe zum Studieren kam, machte er alleine weiter. Folk, Country und ganz viel Drama: Arthurs Musik wurde facettenreicher. „Gefühlsdusseligkeit versuche ich zu vermeiden“, betont er. Nicht weinerlich, sondern direkt soll es sein. „Was bewegt mich?“ Das spiegle sich in seinen Songs wider, sagt der 24-Jährige. Das Resultat: Lieder über Liebe, Freundschaft, Hass. Im Mai 2013 erschien seine erste EP mit vier Liedern. „Money For The Saints“ heißt sie.

Ein musikalischer Landstreicher auf Tour: Bereits 2010 trat Arthur im Kohi bei einem Songslam auf, gewann. Seither hatte er zahlreiche Auftritte, durfte im Herbst vergangenen Jahres in Karlsruhe den Support für die Band „Candellila“ machen. „Das lief so gut, dass ich mit ihnen auch in Passau spielte“, sagt Arthur. Ansonsten sei es in Karlsruhe ein wenig schwierig, an Auftritte zu kommen. „Bei der Liedermachernacht im Vanguarde wäre ich gerne dabei.“ Oder “Das Fest” reize ihn sehr.

Fest eingeplant ist dagegen schon die Tour mit Joe Astray. „Wir wollen im Herbst durch Deutschland reisen, eine gemeinsame EP soll es vorher noch geben“, verrät Arthur. Gerade seien sie dabei, Locations zu buchen sowie Flyer und Plakate zu entwerfen. „Ich freue mich auf die nächste Zeit, es bleibt spannend“, ist sich der 24-Jährige sicher.

Weitere Infos:
https://arthurgepting.bandpage.com/
https://www.facebook.com/arthurgepting

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2. März 2014

Schmöker: “Katzentisch” von Michael Ondaatje

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Es ist eine Reise voller Abenteuer: Der elfjährige Michael fährt mit dem Dampfer „Oronsay“ von Sri Lanka nach England – ganz alleine. Nur seine entfernte Cousine Emily ist zufällig mit an Bord. In London soll ihn am Hafen seine Mutter empfangen. Seit vielen Jahren hat der Junge sie nicht mehr gesehen. 21 Tage auf dem Ozean gilt es bis dahin zu überwinden. Drei Wochen voller interessanter Begegnungen und kuriosen Erlebnissen, die Michael für immer im Gedächtnis bleiben.

„Katzentisch“ von Michael Ondaatje wurde mir von einer ehemaligen Arbeitskollegin ans Herz gelegt. Wunderbar soll der Roman sein, meinte sie. Und in der Tat, auf den rund 300 Seiten sind so unglaubliche viele schöne Wörter und Sätze, dass ich aus dem Staunen ob der Fantasie und Hingabe von Ondaatje nicht mehr herauskam. Es ist eine Wohltat, jede einzelne Seite zu lesen und in die bunte Welt auf dem Dampfer einzutauchen.

Ein globales Dorf auf dem Wasser: Auf der „Oronsay“ sind 600 Reisende aus den verschiedensten Ländern und den unterschiedlichsten Schichten. Ein krimineller Baron ist darunter, ein an Ketten gefesselter Gefangener sowie ein todkranker Millionär. Michael sitzt ein wenig abseits von der Luxusklasse am sogenannten Katzentisch, beobachtet das Treiben auf dem Dampfer ganz genau. Gesellschaft leisten ihm die beiden Jungs Cassius und Ramadhin. Mit ihnen freundet er sich schnell an und schließt den Pakt, jeden Tag eine verbotene Tat zu begehen. Das führt zu spannenden und gefährlichen Erlebnissen.

Mit am Tisch sitzt Perinetta Lasqueti, die den „Zauberberg“ von Thomas Mann immer bei sich trägt, daraus aber nie liest, schlechte Kriminalromane über Bord wirft und Tauben in den Taschen ihres Jacketts spazieren führt. Sie ist verliebt in den Pianisten Mr. Mazappa. Er beeindruckt mit seinen Liedern und Geschichten nicht nur die Dame, sondern auch die drei Jungs nachhaltig. Und außerdem gibt es noch Larry Daniels, einen Botaniker, der in Michaels Cousine Emily verliebt ist und den Heranwachsenden exotische Alkoholika an der Bar des Schwimmbeckens kauft.

Der Roman ist wie ein kleines Puzzle. Michael Ondaatje stellt in kurzen Kapiteln einzelne Personen und Schiffsräume vor – stets aus der Sicht des elfjährigen Protagonisten. Es gibt außerdem Zeitsprünge in die Zukunft. Diese handeln davon, was sich viele Jahre nach der Schiffsreise in den Leben der einzelnen Personen ereignete. Nach und nach entwickelt sich dadurch ein Gesamtbild, das verdeutlicht, dass das Schicksal es nicht immer gut meint mit den Menschen meint.

„Katzentisch“ ist ein unglaublich beeindruckendes Buch und wird am Ende sogar spannend. Gleichwohl: Ich brauchte verhältnismäßig lange für die rund 300 Seiten. Woran es genau lag, das weiß ich selbst nicht genau. Das Gefühl, vorankommen zu wollen, stellte sich trotz der schönen Sprache und des ausgefeilten Plots nie ein. Selbst in meinem Urlaub kam es vor, dass ich statt des Buchs lieber mehrere Tage hintereinander nur Zeitungen und Magazine las. So musste ich aber immer wieder nachschlagen, wer denn nun wieder welche Person ist und was genau auf den vorangegangenen Seiten passierte – das nervte irgendwann sehr und nahm mir den Spaß an dem Roman. Das letzte Drittel las ich vergangene Woche dann konsequent an einem Abend durch, tauchte so wieder total in die Geschichte ein und war am Ende versöhnt.

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25. Februar 2014

Flimmerkasten: “Stromberg – der Film”

„Lass das mal den Papa machen“ – auf ein Wiedersehen mit Bernd Stromberg auf der Kinoleinwand freute ich mich sehr. Alle fünf Staffeln der Serie stehen bei mir im Wohnzimmer, großes Vergnügen bereiten mir die Bürogeschichten rund um den tyrannischen Schaumschläger. Stromberg pöbelt einfach über alles, über Frauen, Ernie und Ausländer. Grenzen gibt es bei ihm keine – weder in moralischer noch ethischer Hinsicht. Gespannt war ich nun, wie Regisseur Arne Feldhusen das Büro-Ekel ins Kino bringt. Fazit: Ich amüsierte mich herrlich, auch wenn der Film gegen Ende ein wenig gestraffter sein könnte.

Raus aus dem Büro, mitten rein in die Provinz: Da Stromberg um seinen Job fürchtet, packt er seine Abteilung in einen nostalgischen Bus und macht sich auf zum großen Sommerfest der Zentrale irgendwo im Hinterland. Die Reise verläuft nicht reibungslos: Der Fahrer ist schlecht gelaunt, das Klo verstopft. Zum Glück hat „Papa“ an genügend Alkohol für seine illustre Reisegruppe gedacht, Bier und Jägermeister sorgen für gute Laune. Nur Marvin, das Pflegekind von Tanja und Ulf, hat Langeweile, überall malt er seine Penis-Figuren hin. Der dicke, leicht gestörte Junge ist überhaupt der heimliche Star des Films. Kein einziges Mal spricht er ein Wort, überzeugt aber völlig mit Mimik und Gestik.

Irgendwann dann doch im Hotel angekommen, hören die Probleme für den Chef aber nicht auf. Stromberg vergaß sich im Vorfeld anzumelden, kein Bett ist mehr frei. So muss er ausgerechnet bei Ernie im Zimmer schlafen. Und auch mit dem Personalchef verscherzt er es sich gleich zu Beginn. Macht aber letztlich nichts, denn auch wenn er alles falsch macht, läuft für Stromberg alles gut. Seine frauenfeindlichen Witze schaden ihm nicht, ebenso wenig wie sein Mobbing-Video gegen Ernie. Stromberg wird auf der Feier zum „Capitol-Held“. Und zeigt sich am Ende sogar voller Moral.

„Stromberg – der Film“ ist Satire der feinsten Art und voller bitterböser Sprüche. Beispiele? „Eine Frau ist ja nicht automatisch clever, nur weil sie scheiße aussieht.“ Oder: „Ernie, was dir an Grips fehlt, das gleichst du mit Blödheit wieder aus.“

Jedoch erlaubt der Film auch einen ehrlichen Blick auf die schnelllebige und prekäre Arbeitswelt von heute. Es wird deutlich, wie schnell sich alles verändern kann, Entscheidungen von oben auf kuriose Wege wie durch den Hausmeister durchsickern. Stromberg auf der Leinwand ist ein Wiedersehen, das Freude macht, hoffentlich ist es kein Abschied für immer.

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23. Februar 2014

Heimat: “Ein Nachmittag bei ‘Energie und Farbe'”

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Eine illustre Auswahl an britischen Stars ist gleich beim Betreten des Ladens „Energie und Farbe“ zu entdecken: Amy Winehouse hängt neben Adele an der Wand. Elton John ist unter den beiden Damen vertreten. Eine sternförmige Brille ziert sein Gesicht. Robbie Williams darf in dieser Riege natürlich nicht fehlen. Der Schalk springt aus seinen Augen. Ganz neu im Sortiment hat Inhaberin Manuela Seith die Masken der Musiker. „Perfekt für eine nette Fastnachtsverkleidung”, sagt sie. „Aber nicht nur.“ Auch für einen lustigen Partyabend seien sie gut geeignet.

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Das ist Manuela

Seifen, Schmuck, Kleidung, CDs, Macarons. „Energie und Farbe“ ist ein riesen Sammelsurium an buntem Krimskrams.  Im August 2012 eröffnete Manuela Seith den Laden in der Uhlandstraße 30. „Farben faszinieren mich bereits seit meiner Kindheit“, erläutert die Inhaberin. Zootiere sortierte sie nach diesem Kriterium, stellte in Gedanken eine Maus neben einen Elefanten. Eine Farbtherapie-Ausbildung absolvierte sie später, bietet heute in einer Praxis Coaching an.

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Im Juni 2012 erfuhr Manuela Seith von Steffi und Alex, die den Schaumraum betrieben, dass ein Laden in der Uhlandstraße leersteht. Aus einer vagen Idee wurde schnell Realität. Unterteilt ist die Fläche in zwei verschiedene Räume. Im Eingangsbereich ist das Sortiment senkrecht nach Farben (von Regenbogen bis Schwarz-Weiß) geordnet, waagrecht nach unterschiedlichen Sinnen: Tasten, Schmecken, Hören, Riechen, Sehen und Wahrnehmen. So finden sich auf der untersten Ebene Alltagsgegenstände wie Handytaschen, Stifte oder Briefpaper. In der zweiten Etage sind Seifen, Duschgels und Bioparfums zu entdecken, in der dritten liegt Schmuck in allen möglichen Variationen.

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Für die vierte Ebene hat Manuela Seith unter anderem einen eigenen Biotee konzipiert – gemeinsam mit Ulrich Messemer. Außerdem gibt es in diesen Fächern Schokolade und Salz. Sowie Macarons von Daniel Rebert, die die Farbenliebhaberin selbst im Elsass holt. In den oberen Fächern liegen letztlich noch Dinge, die sich um das Riechen und Sehen drehen.

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Filzkunst, kulinarische Leckereien, Buttons und Postkarten: Im zweiten Raum stehen mehr als 50 Boxen, die von Künstlern gemietet werden können, erläutert die Inhaberin. Das hat unter anderem Oliver Henckel getan. Er bietet dort Ohrringe und Haarklammern von seiner Sternzeichenkollektion an.

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„Nachhaltigkeit ist mir wichtig“, sagt Manuel Seith. Das spiegelt sich auch im Angebot wider. Es gibt unter anderem kleine Notizbücher, die aus ehemaligen Westwind-Postern entstanden. Außerdem haben Musiker aus der Region (Sandie Wollasch, Liv Solveig Wagner, Petite Rouge, Sophie Steinchen) die Möglichkeit, ihre CDs zu verkaufen. „Seit 1. Februar habe ich nun auch noch eine Kleiderstange“, erläutert die Inhaberin weiter. Dort hängen beispielsweise Kindersachen von dem Label „Spatzenkind“ – direkt unter den Masken der britischen Stars.

Weitere Infos unter www.energie-und-farbe.com sowie https://www.facebook.com/EnergieFarbeDerLaden?fref=ts

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20. Februar 2014

Melodien: “Lauschattacke No.1”

Sie kommen aus Hamburg und machen feinen Elektro-Pop, eingängig und federleicht: „Wilhelm Tell Me” eröffnen am morgigen Freitag, 21. Februar, eine neue Konzertreihe in der Scenario Halle im Kulturzentrum Tempel.

„Lauschattacke“ lautet der Titel der Veranstaltungsserie, die von nun an monatlich stattfindet. Das Ziel dahinter: Aufstrebende Künstler sollen in der Scenario Halle eine Plattform erhalten, um ihre Songs zu präsentieren. So heißt es vonseiten des Veranstalters. Dabei ergänzen sich lokale und nationale Musiker. Den Support übernimmt an diesem Freitag die Band „The Tape Riders“, die aus der Region kommt. Beginn ist um 20.30 Uhr.

Schön, dass es in Karlsruhe nun eine weitere Konzertreihe gibt, bei der es möglich ist, neue Künstler zu entdecken.  Ich bin gespannt. Fest steht schon, wer bei der zweiten Auflage am 20. März dabei ist: Sophie Steinchen (lokal) und “Two Wooden Stones”.

Weiter Infos unter http://www.kulturverein-tempel.de/index.php?id=498

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15. Februar 2014

Flimmerkasten: “Feuchtgebiete”

Schnurstracks steigt sie die Stufen zur öffentlichen Toilette hinunter, läuft hinein in die braune Brühe, die dort aus dem Klo schwappt; barfuß und mit kurzen Hosen. Helen liebt es schmutzig. Hygiene? Nein, danke. Alle Arten von Körperflüssigkeiten sind der 18-Jährigen herzlich willkommen.

Schon diese ersten Szenen von „Feuchtgebiete“ machten mir keine große Freude. Was soll das alles? Sollen so gesellschaftliche Tabus gebrochen werden? Dieser Gedanke ließ mich bei diesem eher mäßigen Filmvergnügen von Anfang bis zum Ende nicht mehr los.

Geweigert habe ich mich bis heute, Charlotte Roches Werk zu lesen. Mir genügten die Berichte in den Medien und die Erzählungen von Freunden, keine Sekunde und keinen Cent wollte ich für diesen literarischen Müll verschwenden. Selbst wenn ich dadurch bei den Diskussionen nicht mitreden konnte. Manchmal ist es ok, einfach zuzuhören.

Dass die DVD überhaupt bei mir zu Hause landete, ist primär meinem Interesse an Regisseur David Wnendt geschuldet. Er steht auch hinter „Die Kriegerin“, einem sehr sehenswerten und aufrüttelnden Film über rechtsradikale Frauen in Deutschland. Dass er sich nun „Feuchtgebiete“ annahm, irritierte mich, machte mich aber auch neugierig.

Was überhaupt passiert? Weil sie sich beim Rasieren am Po verletzt, landet die 18-Jährige im Krankenhaus. Analfissur. Braucht kein Mensch. Im Krankenbett verfällt Helen immer wieder in Erinnerungen: Wie sie beispielsweise mit ihrer besten Freundin benutzte Tampons tauscht. Oder wie sie eines Abends bei einem deutlich älteren Kollegen landet, der die 18-Jährige im Intimbereich gründlich rasiert. Zu Krankenpfleger Robin fühlt sich Helen hingezogen, erzählt ihm aber auch schräge Geschichten – unter anderem von einem Lieferservice, bei dem Sperma auf der Pizza landete. Wahr oder erfunden? Das bleibt offen.

Dass die 18-Jährige ein wenig neben der Spur läuft, soll mitunter ein Resultat ihrer Kindheit sein. Vertrauensprobleme, ein gestörtes Verhältnis zu Sauberkeit und ihrem Körper. Klar, Helen hat ja auch merkwürdige Eltern und ist ein Scheidungskind. Und mit ihrer besten Freundin läuft es auch nicht so gut. Da kann ja niemand normal werden. Oder?! Nein, diese Schlussfolgerung ist bekloppt und voller Klischees.

Mein Fazit nach 109 Minuten: Der Film hat mich größtenteils gelangweilt. Auch wenn Herr Wnendt sowie die fabelhafte Hauptdarstellerin Carla Juri ihr Bestes tun, ist aufgrund der sehr dürftigen Roman-Vorlage nicht viel zu retten. Helens Figur und die ganze Geschichte sind eine Aneinanderreihung von Quatsch. Da werden für mich keine gesellschaftlichen Tabus gebrochen.

Dem Film ist zugute zu halten, dass David Wnendt das Ästhetische nie verlässt. Viele Sachen sind lediglich angedeutet, werden nicht ausgereizt. „Feuchtgebiete“ ist dadurch ein bunter Unterhaltungsfilm – dem jedoch schlichtweg die Substanz fehlt.

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13. Februar 2014

Heimat: “Ein Abend mit Marlene Breil”

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Das ist Marlene.

Zangen, Scheren sowie Cinch- und Klinkenstecker – wenn Marlene Breil abends in ihrer WG am Küchentisch sitzt, hat sie ein ganzes Sammelsurium an Bastelutensilien um sich herum verstreut. Sie klebt und fügt die Einzelteile zusammen; alles in Handarbeit. Die 27-Jährige entwirft Ohrringe, Ketten sowie Ringe für die Finger. Etwa 40 verschiedene Modelle gehören derzeit zu ihrer „A Kind Of Jackthing“-Kollektion. Eine Auswahl davon bietet sie in Karlsruhe bei „Kopf und Kragen“ an.

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„Die Idee kam mir im Sommer 2013“, erzählt Marlene. Sie entdeckte bei ihrem Freund, dem Musiker Sebastian Moser („Curlyman“, „MOC“), rote und weiße Klinkenstecker, wollte Ohrringe davon haben. „Das erste Paar ließ ich von der Pforzheimer Schmuckdesignerin Nana anfertigen“, erzählt sie. Die Resonanz war riesig. „Ich wurde ständig darauf angesprochen, bekam Lust, selbst welche herzustellen.“

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Mit Freunden, die in der Musikszene arbeiten, tauschte sich Marlene aus, stöberte sich durch deren Equipment, fand unterschiedliche Stecker und Fadercaps. Die 27-Jährige bestellte sich außerdem im Internet einen kunterbunten Mix an Krimskrams zusammen und begann damit zu arbeiten. „Es war eine Herausforderung, einen passenden Klebstoff zu finden“, erinnert sich die Studentin des Kultur- und Medienmanagements. Suboptimal waren der Zwei-Komponenten-Kleber sowie einer, der für Autos und Schiffe gedacht ist. „Nun bin ich beim Mammutkleber gelandet, mit ihm funktioniert es richtig gut“, sagt sie glücklich.

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Groß ist die Nachfrage nach ihren Produkten. Unter anderem Josie von der Band „Claire“ trägt Schmuck aus der „A Kind Of Jackting“-Kollektion sowie der Musikproduzent Paddy Bohr. „Ich habe ein Grundsortiment, das ich verkaufe, fertige aber auch Sachen auf Anfrage speziell an“, sagt Marlene. Das geschieht in jeder freien Sekunde an ihrem Küchentisch, wo sie viele Stunden konzentriert sitzt – umgeben von Zangen, Scheren sowie Cinch- und Klinkensteckern.

Weitere Infos und Kontakt unter https://www.facebook.com/jewelsunplugged?fref=ts

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“Kopf und Kragen”: https://dieschreibmaschine.net/2013/09/10/heimat-kopfkragen/
Paddy Bohr: https://dieschreibmaschine.net/2013/09/29/melodien-paddy-bohrindicative-studio/

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11. Februar 2014

Heimat: “American Baking mit Cynthia Barcomi”

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Backen, Bücher, Blog – das sind meine drei Vorhaben für diese Urlaubswoche. Nachdem mich vor wenigen Tagen ein amerikanischer Käsekuchen von Jamie Oliver vor große Herausforderungen stellte (gewöhnlichen Frischkäse durch fettreduzierten ersetzen: keine gute Idee), bestellte ich mir nun das Backbuch von Cynthia Barcomi. Gleich zwei Freundinnen schwärmten mir von den Rezepten der Amerikanerin vor, erzählten mir von ihrem Café in Berlin.

Neugierig war ich dadurch, suchte im Internet nach weiteren Informationen und wurde fündig: www.barcomis.de. Auf dieser offiziellen Seite von Cynthia Barcomi sind Rezepte abrufbar. Außerdem können im Shop verschiedene Backutensilien bestellt werden. Ich klickte mich durch die Vorschau ihres ersten Backbuches und war angetan: Pancakes, Scones, Muffins und leckere Kuchen. Gekauft.

http://www.cynthiabarcomi.com/buecher/backbuch/

Seit Tagen beschäftigte ich mich nun schon mit diesem Werk, blättere es immer wieder durch, bestaune die einzelnen Bilder. Wer wie ich gerne Pancakes zum Frühstück mag, bekommt außer einer traditionellen Variante gleich noch fünf weitere geliefert – unter anderem mit Buttermilch, Äpfeln oder Blaubeeren. Auch bei den Waffeln ist experimentieren möglich. Beispielsweise sind Rezepte für „Yeast Waffles“ vorhanden sowie für besonders leichte und fluffige. Auch bei Brownies, Cookies, Cupcakes und Muffins gibt es zig unterschiedliche Möglichkeiten, mit dunkler und heller Schokolade, mit Früchten, mit Frischkäse und Nüssen.

Weiter gibt es Brotrezepte. Meine zwei Lieblinge sind das „Zuccini-Walnut-Bread“ und das „Pumpkin Spice Bread“. Aber auch unendlich lecker aussehende Kuchen sind dabei. Der Schoko-Espresso-Käsekuchen sieht famos aus und der „Verwirbelte Bananen-Schoko-Kuchen” sowie der „Chocolate Fudge Cake“ lassen jedes Diätvorhaben scheitern.

Mein nächstes Vorhaben sind nun die „Banana Walnut Muffins“. Ich bin gespannt und voller Vorfreude auf das Ergebnis.

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7. Februar 2014

Flimmerkasten: “The Wolf Of Wall Street”

Triebgesteuert. Jordan Belforts Leben ist geprägt von Geld, Sex und Drogen. In „The Wolf Of Wall Street“ greift Martin Scorsese die Biografie des amerikanischen Brokers auf und gewährt einen Blick hinter die Kulissen dieser verrückten Finanz-Welt. Sehenswert, aber leider viel zu eindimensional.

Auf der Leinwand strotzt es knapp drei Stunden lang von unzivilisierten Männern, die sich wie im Dschungel aufführen und alle Hemmungen verlieren. Frauen werden fast ausnahmslos auf Sexobjekte reduziert. Die geprellten Anleger aus der Mittelschicht, die ihr Erspartes verlieren, betrogene Ehefrauen, die unter der Untreue ihrer Männer leiden. Fehlanzeige. Scorsese zeigt keine andere Perspektive auf als die der orgienfeiernden Männer. Schade.

Gleichwohl: Leonardo DiCaprio beeindruckte mich nachhaltig. Solariumgebräunt und mit dunkel gefärbten Haaren spielt er Jordan Belfort. Viel Idealismus steckt noch in ihm, als er mit 22 Jahren an die Wall Street kommt. Alkohol, Drogen und Prostituierte – schnell kommt er damit in Berührung, wird in die Untiefen des Raubtierkapitalismus eingeführt, samt affenartigen Ritualen.

Der Börsencrash am Schwarzen Montag 1987 wirbelt erstmal alles durcheinander. Belfort ist raus. Aber nur kurz. Schnell merkt der rhetorisch exzellente Börsianer, dass er in einem heruntergenommen Laden ahnungslose Kunden mit wertlosen Papieren ausnehmen kann; die Moral schwindet im Sekundentakt, der Aufstieg geht rasend.

Was folgt ist ein kunterbunter Mix an Drogen, wilden Partys und ungezähmter Gier nach Geld. Grenzen gibt es in der Welt von Jordan Belfort keine mehr. Seine erste Frau betrügt er unzählige Mal, verlässt sie für die wunderschöne Naomi. Aber auch sie kann ihn letztlich nicht von Sexeskapaden mit anderen Frauen fernhalten. Nicht mal vor ihrer Tante macht er Halt.

Jordan Belforts Verwandlung zum unmenschlichen Arschloch findet im Foyer eines Country Clubs ihren Höhepunkt. Die genommenen Drogen wirken verspätet, er verliert die Kontrolle über seinen Körper, sabbert, robbt über den Boden, purzelt die Treppe hinunter. Gregor Samsa lässt grüßen. Irgendwie schafft er es noch zu seinem Auto, fährt in diesem desolaten Zustand Auto, demoliert es. Zuhause angekommen wartet sein Freund und Geschäftspartner Donnie. Er ist in einer ähnlichen Verfassung, droht an einem Sandwich-Stück zu ersticken. Belfort versucht ihm das Leben zu retten, eine denkwürdige Szene. Leonardo DiCaprio sollte für diese Leistung den Oscar bekommen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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